Archiv der Kategorie: Komödie, Humor

Kim Jiyung, Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume

Für das Jahr 2027 habe ich wieder ein Buch des Genres „Healing Fiction“, also der heilenden oder wohltuenden Literatur, ausgewählt. Diese vor allem in Japan und Korea weit verbreitete literarische Gattung versucht, die Lesenden zu trösten und zu stärken, indem sie positive Lösungen für schwierige oder schmerzhafte Situationen aufzeigt. Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnt habe, kann ich nicht empfehlen, ausschließlich Bücher dieses Genres zu lesen. Unter anderem deshalb, weil die literarische Qualität nicht an erster Stelle steht, und weil sie denn sie vermitteln oft den Eindruck, Jugendliteratur mit einem Hauch von Selbsthilfe zu vermischen. Ich lese diese Art von Büchern weiterhin, weil man aus jedem davon etwas Interessantes mitnehmen kann, sie meist nicht allzu lang sind und man viel über die kulinarischen Bräuche und ganz allgemein über diese beiden Länder lernt.

Kim Jiyung ist eine junge Autorin, die aus der Welt des Drehbuchschreibens und Theaters stammt. Daher überrascht es nicht, dass sie besonders viel Wert auf Dialoge und die Inszenierung der Handlung legt. Die Handlung dreht sich um einen Waschsalon im Stadtteil Yeonnam in Seoul, einem gemischten Wohn- und Geschäftsviertel mit regem gesellschaftlichem Leben. Die Kunden fühlen sich in diesem Waschsalon aufgrund der Atmosphäre, des Services und des charakteristischen Geruchs der dort üblicherweise verwendeten Wasch- und Weichspülmittel meist wohl.

Einige der Gäste – darunter ein älterer Mann, der einen Streuner adoptiert hat, eine Drehbuchautorin, die auf ihren Durchbruch wartet, eine Familie mit finanziellen Problemen und sogar ein Betrüger – schätzen die menschliche Wärme des Lokals. Sie nutzen ein Tagebuch, das irgendwann einmal von jemandem vergessen wurde, und schreiben ihre Gedanken und Sehnsüchte hinein. Manchmal erhalten sie Antworten von anderen Gästen.

Es würde mich nicht wundern, wenn zu diesem Thema irgendwann einmal ein Film oder eine Serie erscheinen würde.

Bei den Wilden Kerlen, Dave Eggers

Mit diesem Roman unternimmt Dave Eggers den Versuch, das bekannte Kinderbuch „Wo die wilden Kerle wohnen“ aus dem Jahr 1963 von Maurice Sendak neu zu schreiben. Das Bilderbuch wurde weltweit millionenfach verkauft und ist auf seine Weise zu einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur geworden.

Kürzlich ist ein Film dazu erschienen. Die Handlung beider Werke ist sehr ähnlich, auch wenn Eggers sie frei interpretiert.

Max ist ein rebellischer und missverstandener Junge. Er hat eine ältere Schwester und eine geschiedene Mutter. Eines Tages bekommt er einen gewaltigen Wutanfall. Er zieht sein Wolfskostüm an, heult wie ein Wolf und beißt sogar seine Mutter ins Bein. Daraufhin bezeichnet sie ihn als Monster und bestraft ihn, indem sie ihm verbietet, sein Zimmer zu verlassen. Max flieht in einen Wald und gelangt zu einem Steg, an dem ein Segelboot auf ihn wartet. An Bord verliert Max die Orientierung, bis er auf eine Insel gelangt, die von echten Monstern bewohnt wird. Diese drohen, ihn zu verschlingen, erklären ihn aber schließlich zu ihrem König. Nach seiner Krönung muss sich Max mit den Launen und Stimmungsschwankungen seiner Untertanen auseinandersetzen, die sich oft so verhalten wie das Kind, das Max in seinem wirklichen Leben war.

Es ereignen sich verschiedene Abenteuer, in denen wir bei den Monstern einige der Schwächen oder Macken von Max und seinen Bekannten wiedererkennen. Sie feiern Feste, veranstalten Spiele und führen sogar Kriege, bei denen die Monster nicht immer wissen, wann sie sich zurückhalten müssen. Am Ende beschließt Max, nach Hause zurückzukehren. Er verabschiedet sich von den Monstern, die ihm traurig nachschauen.

Eine gut geschriebene Fabel, die den Leser dazu anregt, viele seiner Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu hinterfragen.

Alfredo Bryce Echenique, Eine Welt für Julius

Der Autor, Alfredo Bryce Echenique (Lima, 1939–2026), spiegelt sich in Julius wider, dem Protagonisten eines unvergesslichen Romans, der für die Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von grundlegender Bedeutung ist. Wie Alfredo Bryce Echenique war Julius im Peru der Pariser Architektur geboren worden, im Stadtteil Magdalena, einer Welt von gestern, an die er sich immer wieder besessen erinnert. Die Proustsche Mutter, der Bankiervater, die Privatschulen, die Paläste, die Bediensteten, der Country Club, die Sehnsucht nach Europa…

Die Rituale dieser Bourgeoisie/Aristokratie Limas erscheinen als Gegenstand der Analyse in einer originellen und intelligenten Erzählstruktur. Korruption ist allgegenwärtig, ebenso wie Heuchelei und Schein. Ein Blick von außen auf diese Menschen, eine durchgängige Ironie, prägen den Rhythmus eines Schreibstils, der der Unschuld keinen Raum lässt.

Die Meinung der anderen:

Aus einer dem Kind ganz nahen Perspektive erzählt der Autor von diesem stillen Drama, ohne anklagenden Ton, mit feiner Ironie und manchmal burleskem Humor. Seine Kunst ist es, den Leser zum Lachen zu bringen über Dinge, die trauriger nicht sein könnten.
Leicht wie ein Divertimento, vielstimmig und mit komödiantischem Strich schildert der Roman das In-die-Welt-Kommen eines Kindes und zugleich die Abgründe einer von schroffsten Gegensätzen zerklüfteten Gesellschaft. (Amazon)

Michiko Aoyama, Frau Komachi empfiehlt ein Buch

Es ist ungewöhnlich, dass das Time Magazine einen ausländischen Titel zum „Buch des Jahres” kürt. Dieses vergleichsweise kurze Buch von Michiko Aoyama hat diese Auszeichnung erhalten und weltweit mehr als zwei Millionen Leser erobert. Ich werde nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern nur hervorheben, dass es sich vor allem um ein eminent positives Buch handelt. Es ist eine Erzählung über die Kraft der Literatur, über die Notwendigkeit, aus der Selbstbezogenheit herauszukommen, und über die Hoffnung.

Zum Inhalt: In einem städtischen Kulturzentrum in Tokio gibt es eine öffentliche Bibliothek für die Menschen aus der Nachbarschaft. An der Theke zur Auskunft arbeitet Frau Komachi, eine Bibliothekarin mittleren Alters, die über eine seltene Fähigkeit verfügt: Sie erkennt die Sehnsüchte der Besucher und hilft ihnen, einen Ausweg aus scheinbar ausweglosen Situationen zu finden. Das Buch erzählt mehrere Geschichten, die nur durch Zufall und ihre Verbindung zur Bibliothek und zu Frau Komachi miteinander verbunden sind.

Sehr empfehlenswertes Buch.

Sam Savage, Firmin

Eine sehr schöne Erzählung. Eines dieser Bücher, die angenehm überraschen. Die berührende, tragische, aber auch humorvolle Geschichte eines Außenseiters, der in einer Buchhandlung sein Glück sucht. Kurz, prägnant und originell.

Sam Savage wurde in South Carolina geboren und lebt heute in Madison, Wisconsin. Er promovierte in Philosophie, unterrichtete auch kurzfristig, arbeitete als Tischler, Fischer, Drucker und reparierte Fahrräder. Dies ist sein erster Roman.

Firmin ist eine Ratte, oder besser gesagt, eine Ratte, die als Mensch geboren wurde. Seine Mutter Flo und die anderen Ratten aus seinem Wurf sind ganz normale Tiere. Firmin wird mit kleinen Papierkügelchen gefüttert, die seine Mutter im Keller einer alten Buchhandlung aus einem Buch herausreißt, und lernt so lesen. Sein Leben spielt sich in einer alten Buchhandlung in einem Viertel ab, das von den Stadtplanern dazu verdammt wurde, aus Boston zu verschwinden, in einem alten örtlichen Kino und auf den Straßen der Stadt.

Ganz natürlich beginnt Firmin, die Weltliteratur in sich aufzunehmen, und lernt nach und nach den Buchhändler, seine Kunden und vor allem einen erfolglosen Schriftsteller kennen, einen sympathischen Trinker, der in derselben Wohnung lebt.

Das Buch schildert ohne Sentimentalität das Leiden von Firmin, der in den Augen der anderen eine Ratte wie jede andere bleibt. Eine träumende Ratte, die nach und nach den Sinn für die Realität verliert. Eine Realität, die für die meisten Bewohner seiner Straße nicht sehr angenehm ist.

Ich habe jede Seite des Buches genossen.

Peter Cameron, Du wirst schon noch sehen, wozu es gut ist

Dieser Roman wird von vielen Kritikern als eine Neuauflage des Fänger im Roggen gesehen. Die 60er Jahren werden durch den XXI Jahrhundert, die Provinz durch die Stadt New York ersetzt, aber die Ausgangssituation bleibt ähnlich: der 18-jährige James weiß nicht genau, was er sein will, eins hat er aber klar: bloß nicht wie seine Eltern. Diese wiederum, bereits geschieden, haben die Zukunft von James vorgezeichnet, einschließlich des Studiums in einer guten Universität. Er will nicht, wie sein Vater, nur auf seine Gesundheit achten, oder sich drei mal scheiden lassen, wie seine Mutter.

Seine Schwester ist die Geliebte ihres Professors, und die einzige Person, die er schätzt, ist seine Großmutter, die im reichen Vorstadtviertel Bronxville lebt. Er sieht sich selbst als einsam und unangepasst, findet aber nicht den Weg, aus diesem Leben herauszukommen und etwas Sinnvolles zu beginnen.

Der Roman erinnert tatsächlich stark an Salingers Fänger im Roggen, das gegen Ende des Buches tatsächlich zitiert wird. Manche Kritiker nennen diesem Werk „die beste Erzählung über New York“. Die FAZ empfiehlt ohne Einschränkungen diesen „einfühlsamen Entwicklungsroman“.

Carsten Henn, Der Buchspazierer

Der Autor dieses unterhaltsamen Buches ist Journalist, bekannt vor allem für seine Bücher über Wein und Gastronomie. Er hat auch mehrere Romane geschrieben, darunter „Der Buchspazierer“, ein Werk, das in Deutschland mehrere Wochen lang die Verkaufs- und Kritikercharts anführte.

Insgesamt ist es eine Hommage an die Bücher, an die Leser und an alle, die anderen die Freude am Lesen ermöglichen. Sowohl allgemeinen als, im Besonderen, an die Leser von Romanen. Man sagt, es sind die Bücher, die ihre Leser finden, aber manchmal brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg zeigt.

Carl Kollhof arbeitet seit vielen Jahren in einer Buchhandlung in einer deutschen Kleinstadt, die von Gustav Schäfer und später von dessen Tochter Sabine geführt wird. Seit der Übernahme des Geschäfts will die junge Chefin alles verändern.

Carl ist für die Hauszustellung zuständig, eine Aufgabe, die er am späten Nachmittag wahrnimmt. Er liebt diese Arbeit und tauft einige seiner Kunden auf literarische Namen wie Mister Darcy, Effi (Briest), Doktor Faustus, Herkules usw. um. Eines Tages schließt sich ihm ein neunjähriges Mädchen an. Bald gibt sie sich nicht mit ihrer Rolle als Begleiterin zufrieden und beginnt, sich in das Leben der Kunden des Buchladens und des Zustellers einzumischen.

Der Roman erzählt die Geschichte liebevoll, in einfacher Sprache und umrahmt sie mit Zitaten aus bekannten literarischen Werken. Eine Einladung, mehr zu lesen oder mit dem Lesen anzufangen, denn, wie der alte Buchhändler sagt: „Es ist nicht wichtig, was man liest, sondern dass man überhaupt liest“.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein Buch zum Einkuscheln, ein Buch das wärmt und Zuversicht spendet. Genau das Richtige für alle, die wissen, wie wichtig ein gutes Buch sein kann.“ BRIGITTE

„Warmherzig, klug und anrührend erzählt Carsten Henn in seinem Bestseller vom Wert der Freundschaft, der Magie des Lesens und der verbindenden Kraft von Büchern!“ Thalia

Kim Ho-Yeon, Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen

Der Autor dieser bezaubernden Geschichte ist ein vielseitiger koreanischer Schriftsteller, der Werke in verschiedenen Genres veröffentlicht hat. Der Roman, der im ersten Jahr der Pandemie spielt, erzählt liebevoll eine Geschichte über Verständnis, Zusammenleben und menschliches Miteinander. Das Buch, das in der Originalsprache 2021 erschien, war in vielen Ländern ein großer Erfolg.

Ein unbekannter Obdachlose, den seine Mitstreiter rund um dem Hauptbahnhof von Seoul Dokgo nennen, findet eines Tages einen Etui mit den Dokumenten und der Brieftasche von Frau Yeom, einer pensionierten Lehrerin, die Opfer eines Raubs gewesen ist. Frau Yeom betreibt in einem Vorort von Seul einen 24-Stunden-Laden, wo man neben Lebensmittel auch andere Produkte rund um die Uhr kaufen kann. Dokgo leidet an einer alkoholbedingten Amnesie und sein einziges Ziel ist es, heil durch den Winter zu kommen. Er findet die Daten von Frau Yeom in ihrem Unterlagen und ruft sie an, um ihr ihr Eigentum zurückzugeben. Die dankbare Lehrerin nimmt ihn mit in ihren Laden und gibt ihm das Recht, jeden Tag dort etwas zu essen zu bekommen, unter der Bedingung, dass er aufhört zu trinken. Dokgo nimmt das Angebot an und wird bald Nachtwächter des Ladens. Dort entwickelt er eine erstaunliche Fähigkeit, sich der Probleme anderer Personen, sowohl Kunden als auch Mitarbeiter, anzunehmen. Nach und nach werden außerdem die Erinnerungen an seiner Vergangenheit wach, die er hinter sich gelassen zu haben glaubte.

Der deutlich asiatisch geprägte Ton der Erzählung ist gelassen, teilweise humorvoll, mit sehr detaillierten Beschreibungen der Orte und der Personen. Der Autor schildert die Problemen und Sehnsüchten der Hauptfiguren und betont immer wieder, wie wichtig es ist, auf die anderen einzugehen und die positive Seite aller Situationen zu finden. Manchmal wirkt die Erzählung ein wenig „naiv“ trotz der realistischen Darstellung. Ich habe die Lektüre auf Spanisch richtig genossen.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein einfühlsamer, leicht erzählter Roman aus einer fernen Welt – fremd und uns doch so nah.“ NDR Kultur, 03.01.2024

Jean Paul Didierlaurent, Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Jean Paul Didierlaurent war ein origineller, ironischer und witziger Erzähler. Sein erster Roman Die Sehnsucht des Vorlesers, der auch in diesem Blog besprochen wird, war ein großer Erfolg. Diese Sammlung von 11 Geschichten erschien kurz nach diesem Erfolg und enthält sehr unterschiedliche Erzählungen, von denen die meisten eines gemeinsam haben: Die Handlung wird in fast allen im letzten Absatz oder sogar im letzten Satz aufgelöst.
Die Protagonisten sind sehr unterschiedlich: Von der Kassiererin an einer Autobahnmautstelle, die von einem der Kunden, die täglich an ihrer Kabine vorbeifahren, zum Essen eingeladen wird, über den älteren Dorfpfarrer, der sich in seinem Beichtstuhl langweilt, weil er sich immer wieder die gleichen „Sünden“ anhören muss, und durch die Unachtsamkeit eines Gemeindemitglieds eine Lösung findet, bis hin zur Klofrau in einer Stierkampfarena, die eine der Toilettenkabinen in ihr persönliches Heiligtum verwandelt, oder dem Musiker, der versehentlich den Tod eines berühmten Matadors verursacht, weil er im entscheidenden Moment mit seiner Trompete den falschen Ton trifft.
Natürlich sind einige Geschichten besser als andere, aber im Großen und Ganzen enttäuscht keine. Leider starb der Autor 2021 auf dem Höhepunkt seines Schaffens an Krebs.

Was die anderen meinen:

Die Aufregung der Kassiererin in einer Maut-Kabine, eine dubiose Mahlzeit, der erste Schuhabdruck auf dem Mond, ein Fliegenschiss mit fatalen Folgen …: Wunderbar originelle Figuren und Begebenheiten stehen im Zentrum dieses hinreißenden Erzählungsbands von Jean-Paul Didierlaurent, der mit seinem Romandebüt ›Die Sehnsucht des Vorlesers‹ weltweit Hunderttausende von Lesern verzaubert hat. Amazon

Maxim Leo, Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Wir schreiben das Jahr 1983, wenige Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer. Auf dem Straßen- und S-Bahnhof Friedrichstraße in Ost-Berlin unterläuft einem Stellwerksmeister ein Fehler, so dass ein Bolzen bricht und eine Weiche klemmt. Daraufhin wird gegen 4 Uhr morgens der erste S-Bahn-Zug mit 127 Fahrgästen auf das Streckennetz der Bundesrepublik umgeleitet. Spektakuläre Flucht oder Zufall? Der Schrankenwärter Michael Hartung glaubt an Letzteres. Mehr als dreißig Jahre später, im Jahr 2019, ist sein Leben eher trostlos als glorreich. Geschieden und Alkoholiker, betreibt er eine der letzten Berliner Videotheken, die mit dem Vormarsch der Streamingdienste zur Schließung verurteilt ist. Eines Tages bekommt er Besuch von einem Journalisten, der seinen Namen und seine Geschichte in den Archiven des ehemaligen DDR-Geheimdienstes Stasi gefunden hat. In den Augen des Journalisten ist Hartung ein Held, der sein Leben riskiert hat, um einer Gruppe von Bürgern das Tor zur Freiheit zu öffnen. Von da an nimmt das Leben des ehemaligen Bahnwärters, der es immer noch nicht fassen kann, eine radikale Wendung. Ein Geflecht aus Verwechslungen, Lügen und mehr oder weniger erfundenen Tatsachen beginnt sich zu entwickeln und wird 30 Jahre nach dem Fall der Mauer zu einem politisch relevanten Thema.
Der Roman stellt eine angenehme und mäßig unterhaltsame Lektüre dar. Die Figuren sind gut charakterisiert und umfassen sowohl „typische“ Bürger der Bundesrepublik als auch „typische“ Bürger der ehemaligen DDR. Nach meiner Meinung ist es etwas zu sehr in die Länge gezogen, und das Ende ist auch nicht ganz gelungen. Dennoch kann ich es empfehlen.

Was die anderen dazu meinen

»’Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße‘ ist so absurd, so komisch, so gut gebaut und erzählt, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.« Christine Westermann WDR 2 Lesen 20220410

»Maxim Leo hat einen witzigen, rasanten Roman über einen sympathischen Antihelden geschrieben, der plötzlich zur Projektionsfläche für das westliche Bild eines ostdeutschen Helden wird.« („Domradio„)

»Maxim Leo muss es großen Spaß gemacht haben, diese satirische Geschichte zu schreiben. […] ›Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße‹ ist aber auch eine Geschichte, bei der parallel zur humorvollen Absurdität eine melancholische Spur läuft, die nachdenklich macht.« („Prenzlauer Berg Nachrichten“)