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Michael O’Brien, Father Elijah: Eine Apokalypse

Daniel Schäfer, ein Warschauer Jude, kam als einziges Familienmitglied nicht in Auschwitz um. Nach dem Krieg zog er nach Israel, wurde Anwalt, heiratete Ruth, die bald bei einem Anschlag starb – „die unerbittlich leeren Jahre begannen”. Er konvertiert zum Christentum, wird Karmelitermönch und heißt von Stund an Elijah. Seine Zuneigung gilt der Archäologie und der apokalyptischen Fachliteratur. Sein Blick ist meist verhangen, er fühlt sich alt und müde. Dennoch ruft der Papst ihn nach Rom, um den Untergang der Christenheit zu verhindern. Der neue Präsident der Europäischen Union will eine „globale Zivilisation” errichten. In diesem Kampf sind neben Elijah und dem „Präsidenten“ (er bleibt namenlos – das Böse hat keinen Namen) noch zwei weitere Figuren wichtig: Anna Benedetti, als naturrechtlich argumentierende Richterin eine agnostische Verbündete Elijahs, und ein Kardinal, der die Kirche zu einem Hort der neuen Weltordnung machen will. Unter dem – bekanntlich keineswegs erfundenen – Banner des Dialogs und des Aggiornamento soll der christliche Glaube zur bloßen Weltanschauung werden, ohne Gebet, ohne Sakramente, ohne Erinnerung. Das außergewöhnliche und außergewöhnlich bekenntnisfreudige, nur momentweise kitschige Buch endet dann aber nicht mit Donner und Gloria, sondern leise, wie es begann – und ergo apokalyptisch, erscheint doch „die reale Apokalypse als Normalität, weil wir mittendrin sind.”

Der Kanadier Michael D. O‚Brien, 1948 in Ottawa geboren, war als Jugendlicher Agnostiker bis er im Alter von 21 Jahren zum Katholizismus konvertierte. Autodidakt ohne akademischen Hintergrund begann er fünf Jahre später auf Drängen seiner Frau, sich in seiner – meist bildnerischen –Kunst religiösen Themen zuzuwenden. Erst im Alter von 46 Jahren begann er zu schreiben. 1996 wollte er in einem dystopischen Roman eine buchstäbliche Apokalypse, begriffen als frei und oft martialisch herbeifabulierte Endzeitphantasie, wie sie real aussehen könnte, schaffen. So entstand ein Bestseller, der mittlerweile zum Curriculum einiger US-amerikanischen Universitäten zählt: Ein katholischer Mystery-Thriller.

Michael O’Brien hat heute sechs Kinder und lebt mit seiner Familie in Combermere, Ontario, Kanada.

Was mich an dem Roman – den mir eine Universitäts-Professor empfohlen hat, der weit davon entfernt ist, auch nur im mindestens kampf-konservativ, reaktionär oder katholisch-fundamentalistisch zu sein – fasziniert hat ist, dass er in gewissem Sinn trotz der ureigentlich religiösen Thematik ganz laikal bleibt, ja zuweilen wie ein gewendeter Dan Brown rüberkommt. Natürlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Hugh Benson’s „Der Herr der Welt“ im Hintergrund Pate gestanden hat.

Was die anderen dazu meinen:

„ … beachtlich an diesem katholischen Thriller, ist, wie gut er unterhält, wie selten er ins Kitschige abgleitet und wie geschickt er seine Figuren konturiert.“ (Süddeutsche Zeitung)