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Julian Barnes, Arthur & George

Dieses Buch erzählt in Romanform die Beziehung von Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des berühmten Detektiven Sherlock Holmes, und George Edalji, ein unscheinbarer Provinzanwalt indischer Abstammung, der aufgrund ungünstiger Umstände verurteilt wurde und sowohl im Gefängnis als auch in einem Zwangsarbeitslager einige Jahre verbrachte. Conan Doyle erfuhr von dem Fall und beschloss, seinen ganzen Einfluss dafür einzusetzen, den jungen Anwalt zu retten. Julian Barnes beschreibt in seiner typischen, britischen Art, die Charaktere der beiden Protagonisten und ihre Beziehung.

Atypischer Roman, aber typisch wiederum für die Werke von Barnes, der immer skurrile Themen für seine Erzählungen sucht.

Was andere dazu meinen:

Zwei Männer, geprägt vom ausgehenden 19. Jahrhundert in Großbritannien, begegnen sich in einer entscheidenden und dramatischen Phase ihres Lebens: Arthur Conan Doyle, der Erfinder von Sherlock Holmes, und George Edalji, ein kleiner Provinzanwalt. Als George Opfer eines skandalösen, rassistisch motivierten Justizirrtums wird, schlüpft Arthur in die Rolle seines Detektives, um George zu helfen

Julian Barnes, Das Stachelschwein

Julian Barnes schrieb dieses Buch 1992, also wenige Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Der ehemalige Dirigent eines nicht näher genannten Landes (eigentlich Bulgarien) wird vor Gericht gestellt, und der Sohn eines früheren Kammeraden des Kommunisten als Staatsanwalt bestimmt, da alle anderen dieses Amt abgelehnt haben. Der Diktator ist seiner Sache erstaunlich sicher, was er ohne jede Spur von Reue deutlich zum Ausdruck bringt.

Im Buch werden die Gespräche von beiden ungleichen Partnern geschildert und damit die Schwierigkeiten unterstrichen, die die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten nach dem Zusammenbruch einer linken Diktatur mit sich gebracht hätte.

Was andere dazu meinen:

Dreuunddreißig Jahre lang hat Stojo Petkanow als Staatsoberhaupt und Chef der Kommunistischen Partei geherrscht, war er Held der Arbeit und Führer des antifaschistischen Widerstands. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht. Die Anklage lautet auf Diebstahl, Veruntreuung öffentlicher Gelder, Korruption, Beihilfe zum Mord, Verletzung der Menschenrechte und und und …

Woher nimmt sein Ankläger – von Petkanow noch eingesetzt – seine Legitimation? Was geschieht, wenn Beweise fehlen, aber ein Schuldspruch gebraucht wird? Ist ein Stalinist selbst schuld, wenn Methoden eines stalinistischen Schauprozesses auf ihn angewandt werden? Wo bleibt die gepriesene demokratische Erneuerung?

Am Beispiele eines fiktiven osteuropäischen Staates spielt Julian Barnes die politischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks durch. Ein spannender Politroman, eine scharfsinnige Satire.

Julian Barnes, Nichts, was man fürchten müsste

„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse Ihn“. Mit diesen Worten macht sich der englische Schriftsteller daran, seine Gedanken über Gott, über den Glauben und über den Tod zu Papier zu bringen. Das Buch zeigt die etwas verspielte Auseinandersetzung eines aufrichtigen Intellektuellen mit seiner Auffassung von Leben und Tod.

Sehr britisch, sehr ironisch und sehr intelligent geschrieben, verliert in der deutschen Übersetzung nichts von seiner Originalität.

Was andere dazu meinen:

„Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?“, fragt nüchtern Julian Barnes‘ Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: „Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran.“ Und so erzählt er die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes. Seine wahren Angehörigen sind für den Autor jedoch Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich Julian Barnes mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft.

Julian Barnes, Vom Ende einer Geschichte

Ein weiteres lesenswertes Buch von Julian Barnes. Ein Film, der auf diese Erzählung basiert ist, verpasst nach meiner Meinung die narrativen Koordinate des Buches.

Anthony (Tony) Webster ist ein geschiedener Mitsechziger der eine zufriedenstellende Beziehung zu seiner ex-Frau und seiner Tochter hat. Ebenso selbstgefällig sind seine Erinnerungen an seiner Schulzeit, an seine erste Freundin Veronica und an seine Jugendfreunde, besonders an den intelligenten Adrian. Tony bewundert in gewisser Hinsicht die Konsequenz von Adrian, der gerne Camus zitierte, als dieser behauptet, Selbstmord sei die einzige echte philosophische Frage, und der seinem Leben mit 20 Jahren ein Ende setzte. Dieses friedliche Leben erfährt einen Umbruch als er den Brief einer Anwältin erhält, wo diese mitteilt, dass Sarah, die Mutter von Verónica, ihm 500 Pounds und ein Dokument, das Tagebuch Adrians, vermacht hat.

Der Roman mit dem unverkennbaren Stil von Barnes ergänzt die lineare Erzählung mit den Gedanken Tonys, der an seinen Erinnerungen und Urteilen festhält bis Verónica und ein Sozialarbeiter ihm über seine Fehlurteile und über die Folgen seiner Handlungen aufklären.

Was andere dazu meinen:

 Wie sicher ist Erinnerung, wie unveränderlich die eigene Vergangenheit? Tony Webster muss lernen, dass Geschehnisse, die lange zurückliegen und von denen er glaubte, sie nie mehr hinterfragen zu müssen, plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Als Finn Adrian in die Klasse von Tony Webster kommt, schließen die beiden Jungen schnell Freundschaft. Sex und Bücher sind die Hauptthemen, mit denen sie sich befassen, und Tony hat das Gefühl, dass Adrian in allem etwas klüger ist als er. Auch später, nach der Schulzeit, bleiben die beiden in Kontakt. Bis die Freundschaft ein jähes Ende findet. Vierzig Jahre später, Tony hat eine Ehe, eine gütliche Trennung und eine Berufskarriere hinter sich, ist er mit sich im Reinen. Doch der Brief eines Anwalts, verbunden mit einer Erbschaft, erweckte plötzlich Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biographie. Je mehr Tony erfährt, desto unsicherer scheint das Erlebte und desto unabsehbarer die Konsequenzen für seine Zukunft. Ein Text mit unglaublichen Wendungen, der den Leser auf eine atemlose Achterbahnfahrt der Spekulationen mitnimmt.

»Wie Barnes allmählich die Selbstzensur in den Erinnerungen seines pensionierten Protagonisten Tony Webster bloßlegt, beweist seine ganze Meisterschaft.« (Süddeutsche Zeitung)

Julian Barnes, Der Lärm der Zeit

Der Lärm der Zeit (The noise of time auf Englisch) erzählt vier Episoden aus dem Leben des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Es sind die vier entscheidenden Ereignisse in seiner Beziehung zur „Macht“, spricht Stalin und dessen Nachfolger. Gespickt mit Originalzitaten von Schostakowitsch und seinem Umkreis, das Werk behandelt ohne Schonung das schwierige Leben eines Künstlers, der ganz gegen seinen eigenen Antrieb Musik in den Dienst der Politik stellt oder stellen muss. Sehr schönes Buch, ideal zum Lesen im Urlaub, ohne Eile. Man muss nicht unbedingt ein Musikkenner sein, aber die anspruchsvolle Musik Schostakowitschs hilft bei der Lektüre.

Was andere dazu meinen:

Julian Barnes‘ meisterhafter Roman über Dmitri Schostakowitsch

Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Der Mann ist der Komponist Schostakowitsch, und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen.

Die Gunst der Mächtigen zu erlangen, hat zwei Seiten: Stalin, der sich plötzlich für seine Musik zu interessieren scheint, verlässt noch in der Pause die Aufführung seiner Oper »Lady Macbeth von Mzensk«. Fortan ist Schostakowitsch ein zum Abschuss freigegebener Mann. Durch Glück entgeht er der Säuberung, doch was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung, Diktatur und Kreativität zueinander, und ist es verwerflich, wenn man sich der Macht beugt, um künstlerisch arbeiten zu können?

Im neuen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben von Schostakowitsch in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der die Frage der Integrität stellt und traurige Aktualität genießt.



Julian Barnes, Lebensstufen

Julian Barnes, geboren 1946, ist ein britischer Schriftsteller, der den Bookerpreis 2011 gewann für ein anderes Buch, das auch in dieser Sammlung enthalten ist, Vom Ende einer Geschichte. Nach der Meinung eines Kritikers, ist Julian Barnes der britische Schriftsteller, der „am französischsten“ schreibt. Er meinte es als Lob.

Dieses Buch hat drei Teile, die erst im Kopf des Lesers zu einer Einheit kommen. Im ersten Teil wird über die ersten Jahre der Ballonfahrt und der Fotografie berichtet. Der zweite Abschnitt handelt von den Versuchen von Colonel Fred Burnaby, die eigenwillige und extravagante Schauspielerin Sarah Bernhardt zu erobern. Und im dritten Teil, mit Einbeziehung der Vorerzählungen, lesen wir über Julian Barnes‘ eigene Trauer über den Tod seiner Frau. Ein wunderbares Buch über das Wagnis, zu leben und zu lieben.

Was andere dazu meinen:

»Ein außergewöhnlich intimes und ehrliches Buch über Liebe und Trauer« The Times

Julian Barnes‘ neues Buch handelt von Ballonfahrt, Fotografie, Liebe und Trauer. Davon, dass man zwei Menschen oder zwei Dinge verbindet und sie wieder auseinanderreißt. Einer der Juroren für den Man Booker Prize nannte Julian Barnes einen »beispiellosen Zauberer des Herzens«. Das vorliegende Buch bestätigt dies. Julian Barnes schreibt über die menschliche Existenz – auf der Erde und in der Luft. Wir lernen Nadar kennen, Pionier der Ballonfahrt und einer der ersten Fotografen, die Luftaufnahmen machten, sowie Colonel Fred Burnaby, der zum eigenwilligen Bewunderer der extravaganten Schauspielerin Sarah Bernhardt wird. Und wir lesen über Julian Barnes‘ eigene Trauer über den Tod seiner Frau – schonungslos offen, präzise und tief berührend. Ein Buch über das Wagnis zu lieben.

»Eines der besten, bewegendsten Bücher, die es gibt« Evening Standard

»Es ist außergewöhnlich, auf einer Seite auszudrücken, was Leben heißt.« The Guardian

»Jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat und leidet, oder jeder, der leidet, sollte es lesen. Und noch mal lesen. Und noch mal.« Independent