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Jean Paul Didierlaurent, Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Jean Paul Didierlaurent war ein origineller, ironischer und witziger Erzähler. Sein erster Roman Die Sehnsucht des Vorlesers, der auch in diesem Blog besprochen wird, war ein großer Erfolg. Diese Sammlung von 11 Geschichten erschien kurz nach diesem Erfolg und enthält sehr unterschiedliche Erzählungen, von denen die meisten eines gemeinsam haben: Die Handlung wird in fast allen im letzten Absatz oder sogar im letzten Satz aufgelöst.
Die Protagonisten sind sehr unterschiedlich: Von der Kassiererin an einer Autobahnmautstelle, die von einem der Kunden, die täglich an ihrer Kabine vorbeifahren, zum Essen eingeladen wird, über den älteren Dorfpfarrer, der sich in seinem Beichtstuhl langweilt, weil er sich immer wieder die gleichen „Sünden“ anhören muss, und durch die Unachtsamkeit eines Gemeindemitglieds eine Lösung findet, bis hin zur Klofrau in einer Stierkampfarena, die eine der Toilettenkabinen in ihr persönliches Heiligtum verwandelt, oder dem Musiker, der versehentlich den Tod eines berühmten Matadors verursacht, weil er im entscheidenden Moment mit seiner Trompete den falschen Ton trifft.
Natürlich sind einige Geschichten besser als andere, aber im Großen und Ganzen enttäuscht keine. Leider starb der Autor 2021 auf dem Höhepunkt seines Schaffens an Krebs.

Was die anderen meinen:

Die Aufregung der Kassiererin in einer Maut-Kabine, eine dubiose Mahlzeit, der erste Schuhabdruck auf dem Mond, ein Fliegenschiss mit fatalen Folgen …: Wunderbar originelle Figuren und Begebenheiten stehen im Zentrum dieses hinreißenden Erzählungsbands von Jean-Paul Didierlaurent, der mit seinem Romandebüt ›Die Sehnsucht des Vorlesers‹ weltweit Hunderttausende von Lesern verzaubert hat. Amazon

Jean-Paul Didierlaurent, Die Sehnsucht des Vorlesers

Guylan, ein Literaturliebhaber, arbeitet in einer Fabrik zur Vernichtung von ausrangierten Büchern zwecks Recycling des Papiers. Er leidet unsäglich darunter. Es ist streng verboten, Bücher mitzunehmen oder zu retten. Jedes Mal, wenn eine Lieferung vernichtet wird, sucht er ein oder zwei Seiten aus den Büchern heraus, während er die Maschine reinigt. Dann liest er sie in der S-Bahn, mit der er morgens zur Arbeit fährt. Eines Tages findet er im Zug einen USB-Stick, auf dem die Toilettenfrau eines Einkaufszentrums ihr Tagebuch schreibt. Er beschließt, sie zu finden.

Liebevoll beschreibt der Autor die Widersprüche, in denen diese und andere Menschen ihr Leben fristen müssen.

Für mich ist dieser Autor eine der Entdeckungen des Jahres.

Was andere dazu meinen:

Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im 6-Uhr-27-Regionalzug laut ein paar Seiten vor, die er tags zuvor heimlich der Schreddermaschine entrissen hat: sein Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur. Eines Tages findet der schüchterne Maschinenführer im Zug jedoch einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer ganz besonderen jungen Frau gespeichert ist.

Jean-Paul Didierlaurent, Der Unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky

Ambroise ist Thanatopraktiker, also Einbalsamierer bei einer Beerdigungsanstalt. Manelle pflegt ältere Menschen in ihren Haushalten. Ein Patient von Manelle, Samuel, erkrankt schwer und entscheidet, in die Schweiz zu fahren, weil dort die Euthanasie erlaubt ist. Er beauftragt die Firma, in der Ambroise arbeitet, ihn dorthin zu begleiten. Ambroise nimmt den Auftrag an, aber Manelle ist nicht ohne weiteres bereit, seinen Patienten in den Freitod ziehen zu lassen.

Der Autor beschreibt mit Feingefühl und Humor die Reaktionen und Haltungen der Protagonisten und die Beziehungen untereinander in dieser unerhörten Situation.

Was andere dazu meinen:

Ambroise Lanier, Ende zwanzig, hat seine Berufung gefunden: Er möchte dem Menschen seine Würde bewahren und arbeitet darum als Leichenpräparator. Auch Manelle Flandin liegt die Würde ihrer Mitmenschen am Herzen. Rührend kümmert sich die junge Angestellte eines ambulanten Pflegedienstes um Senioren. Vermutlich hätten sich die Wege der beiden nie gekreuzt, wäre da nicht Samuel Dinsky: Als der 82-Jährige eine niederschmetternde Diagnose erhält, will er eine letzte Reise unternehmen. Zusammen mit Manelle und Ambroise. Durch einen wundersamen Zufall wird es eine Reise zurück ins pralle Leben.
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