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David Foenkinos, Nathalie küsst

Die deutschen Verlage sind manchmal sehr eigensinnig in der Wahl der Buchtiteln. Dieses Buch des inzwischen zu Lieblingsautor der französischen Literatur gewordenen David Foenkinos heisst in allen anderen Sprachen La délicatesse. Der deutsche Verlag konnte sich offenbar nicht auf eine Übersetzung einigen — es kämen Empfindsamkeit, Zärtlichkeit, Taktgefühl und viele anderen Begriffe in Frage — und wählte das entscheidende Ereignis der Erzählung als Titel für das erfolgreiche Buch. Die Verfilmung führt den Zuschauer, wie so oft, über festgestrampelten (Bilder)-Wege zu einer etwas banalisierten Liebesgeschichte. Das Buch ist viel mehr. Natalie ist eine junge Ehefrau, beruflich erfolgreich, die plötzlich ihren Mann in einem absurden Verkehrsunfall verliert. Sie reagiert mit Trotz und widmet sich ganz ihrer Arbeit, bis das Leben ihr selbst und ihrer gesamten Umgebung überrascht.

Was andere dazu meinen:

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ – und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für alle Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte.

(Medimops)

David Foenkinos, Die Frau im Musée d’Orsay

Dieser französische Autor hat die Fähigkeit, interessante und zugleich realistische (Fiktion-) Personen zu erfinden, die sich dann in einem ruhigen, stimmigen Szenario entfalten. In manchen Werken gesellt sich eine gewisse Ironie hinzu. Nicht in diesem Roman, in dem Foenkinos die Suche nach der Schönheit als ein Ideal vorschlägt, das in der Lage ist, zu heilen, wenn auch nicht immer.

Antoine Duris lehrt Kunstgeschichte an der École nationale supérieure des beaux-arts de Lyon. Eines Tages kündigt er völlig überraschend und zieht nach Paris um, wo er sich um eine Stelle als Wärter im Museum Orsay bewirbt, wo gerade eine Sammlung von Bildern von Modigliani in einer Sonderausstellung gezeigt wird. Die Personaldirektorin des Museums interessiert sich für seinen deutlich überqualifizierten Angestellten und vermutet, er findet sich auf der Flucht von einem traumatischen Ereignis. Parallel dazu erzählt der Autor die Geschichte von Camille, einer begabten Schülerin an Antoines Akademie, die sich für ihre Sensibilität und Talent auszeichnet. Doch die Sachen sind nicht immer so einfach, wie man sich wünscht.

Wie in anderen, ebenfalls kurzen Romanen dieses Autors, ist die Erzählart von Foenkinos was dieses Buch sehr empfehlenswert macht.

Was andere dazu meinen:

Völlig unerwartet kündigt Antoine Duris seine Professorenstelle an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon und zieht mit nur einem Koffer nach Paris. Im Musée d’Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde von Manet, Monet und Modigliani hängen, bewirbt er sich als Museumswärter. Doch warum flieht er Hals über Kopf aus seinem bisherigen Leben? Keiner weiß, wie sehr ihn das Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude, dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben …

(medimops)


“Jeanne Hébuterne” – so heißt die Dame auf dem Porträt von Modigliani, das im Zuge einer Modigliani Ausstellung im Musée d’Orsay gezeigt wird. Antoine wünscht sich nichts sehnlicher als beim Anblick dieses Gemäldes sich selbst und seinen Schmerz zu vergessen. Tag für Tag taucht er tief in das Bild ein, das sein Innerstes mit seiner Schönheit so berührt. Doch schon bald muss Antoine wieder auftauchen und sich dem Leben und seiner Vergangenheit stellen.

Antoine Duris war ein angesehener und beliebter Professor an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon. Doch von einem Tag auf den anderen lässt der Professor alles stehen und liegen – seine Arbeit, seine Wohnung, seine Freunde – und geht nach Paris. Dort will Antoine Museumswärter im Musée d’Orsay werden, um den Schmerz, den er sich trägt, mit der Schönheit der Gemälde zu lindern. Mathilde Mattel ist Personalchefin im Musée d’Orsay. Als sie die Bewerbung von Antoine bekommt, ist sie vollkommen erstaunt, denn der Professor ist mehr als überqualifiziert für diese Arbeit. Er strahlt eine Traurigkeit und Einsamkeit aus, der sich Mathilde nur schwer entziehen kann. Sie gibt ihm die Chance und erfüllt ihm seinen Arbeitswunsch. Mit kleinen Schritten nähern sich die beiden an. Zögerlich und vielleicht etwas angstvoll gehen sie aufeinander zu. Ob Antoine über den Schatten seiner Vergangenheit springen kann und wieder an die Zukunft denken kann? Welches Geheimnis umgibt den traurigen Professor? Welche Rolle spielt die ehemalige Studentin Camille in der ganzen Geschichte? Kann Mathilde Antoine dazu bringen sich, zu öffnen? Nach und nach offenbaren sich die Geheimnisse der Vergangenheit, die auf grausame Weise so viele Leben beeinflusst hat…

David Foenkinos schreibt in einem ganz eigenen Stil, an den sich der Leser erst gewöhnen muss. Die Erzählung erscheint von einer gewissen Distanz, sodass man sich als Leser eher als Beobachter fühlt, anstatt sich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Mit erschreckender Klarheit wird uns von Grausamkeiten berichtet, die einer der Protagonisten widerfährt. Erschütternd ist die Tatsache, das gerade so etwas im echten Leben keine seltene Gewalttat ist. Mit Feingefühl beschreibt Foenkinos die Gefühle des Opfers und die Zweifel und Ängste. Das Schicksal führt hier verschiedene Personen zusammen, die alle in gewisser Weise leiden oder gerade ein Tief in ihrem Leben erreicht haben. Und jeder von ihnen ist auf seine Weise der Kunst verbunden. Es geht sowohl um Hoffnung und darum für das Leben zu kämpfen, als auch den Kampf vielleicht dann doch zu verlieren. Eingebettet ist diese Geschichte in das Thema Kunst. Alle wichtigen Personen sind entweder selbst Künstler oder Kunstliebhaber. Die Schönheit der Kunst wird als Mittel zur Heilung der gebrochenen Seelen hergenommen oder auch die Kunst, um sich selbst darin darzustellen und die eigene Geschichte zu verarbeiten. Für jeden ist Kunst selbstverständlich anders, doch klar ist, dass die Kunst immer mit Gefühlen in Verbindung steht. “Die Frau im Musée d’Orsay” ist ein packendes und ein klein wenig erschreckendes sowie trauriges Buch, das letzten Endes doch einen gewissen Optimismus und Hoffnung durchschimmern lässt. Trotz der Tragik des Lebens sehen wir, dass es auch in den dunkelsten Stunden Momente der Schönheit geben kann. Man muss jedoch anmerken, dass der französische Originaltitel “Vers la beauté” wesentlich besser zum Buch passt, als der deutsche Titel.

(Janettes-Meinung)

David Foenkinos, Das geheime Leben des Monsieur Pick

Zwei andere Erzählungen von Foenkinos haben mir sehr gut gefallen, vor allem Nathalie küsst, und ich habe diesen Roman begonnen, den man in einem Zug lesen kann. Ganz anders als die anderen und ein Beispiel für die Metaliteratur, die in letzter Zeit so in Mode gekommen ist. Ein Buch über ein Buch, eine Bibliothek und mehrere Autoren, das sich weiterentwickelt und zu einem kontroversen Ende führt.

Eine junge Redakteurin reist in das bretonische Dorf Crozon, in dessen Bibliothek sie eine Abteilung für Bücher entdeckt, die von den Verlegern abgelehnt wurden. Diese Abteilung wurde von einem Bibliothekar zu Ehren eines amerikanischen Schriftstellers gegründet, der die Idee dazu hatte. Die Lektorin und ihr Mann erkunden die Bestände und entdecken ein Manuskript mit dem Titel Die letzten Stunden einer Liebesgeschichte, geschrieben von einem gewissen Henri Pick. Der angebliche Autor, Besitzer einer Pizzeria in der Nähe der Bibliothek, ist inzwischen verstorben, und seine Frau kann nicht glauben, dass ihr Mann ein solches Vermächtnis hinterlassen hat. Das Buch wird ein verlegerischer Erfolg, der das Leben aller, die mit dem Buch und seinem Umfeld zu tun haben, revolutioniert und vom Gauner bis zum Enthüllungsjournalisten alle anzieht.

Foenkinos beherrscht die seltene Kunst, Nebengeschichten zu erzählen, ohne den Faden der Haupthandlung zu verlieren, und den Fokus von einer Person zur anderen zu verlagern. Wie viele Schriftsteller behandelt auch der französische Autor seine Figuren liebevoll und gibt ihnen die Chance, sich im Leben zu rehabilitieren und das zurückzugewinnen, was sie verloren zu haben glaubten. Aus diesem Grund empfehle ich diesen Roman, auch wenn das Ende ein wenig überstürzt wirkt.

Kürzlich wurde ein Film über das Buch veröffentlicht, der sich jedoch in Bezug auf Inhalt und literarische Relevanz stark unterscheidet.

Was andere dazu meinen:

In einem kleinen, abgelegenen Dorf in der Bretagne gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Denn hier werden Bücher gesammelt, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Lektorin ein Manuskript, das sogar in der Hauptstadt Paris für Aufregung sorgt und das Leben vieler Menschen verändert. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Doch seine Witwe beteuert, er habe zeit seines Lebens kein einziges Buch gelesen und nie etwas anderes zu Papier gebracht als Einkaufslisten. Hat Monsieur Pick etwa ein geheimes Zweitleben geführt? Ein charmanter Roman – leicht, beschwingt und voller Witz.

Verfilmung unter dem Titel »Der geheime Roman des Monsieur Pick« – zurzeit im Kino! Über das Glück, vom Leben überrascht zu werden … Ein französischer Feel-Good-Roman für die Leser von Nicolas Barreau »Welch wunderbarer Zeitvertreib das Lesen sein kann.« Kölnische Rundschau