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Maggie O’Farrell, Portrait einer Ehe

Dieser Roman der nordirischen Schriftstellerin Maggie O’Farrell wurde mit einer großen Marketingkampagne publiziert und knüpft an den Erfolg eines anderen in diesem Blog rezensierten Romans, Hamnet, an. Bei jenem geht es um den familiären Hintergrund des englischen Schriftstellers Shakespeare und um den Tod seines Sohnes Hamnet oder Hamlet. Bei diesem um die Herzogin von Ferrara, Lucrezia von Medizi, die im zarten Alter von 13 Jahren mit dem künftigen Herzog Alfonso vermählt wird. Die Landschaft ändert sich, von einer Stadt nördlich von London zu den Stadtstaaten Florenz und Ferrara, ebenso wie die Zeit, im Fall von Shakespeares Sohn fast ein Jahrhundert später. Aber es bleibt bei der psychologischen Introspektion von Frauen ihrer Zeit erhalten, sei es die Ehefrau und die Tochter des Schriftstellers, sei es die noch kindliche Lucrezia de Medici und ihre Schwägerinnen.
Der Roman erzählt die Geschichte von Lucrezia de Medizi, die aus Stadtpolitischen Gründen von ihren Eltern mit dem mächtigen Herzog von Ferrara, Alfonso II. del Este, verheiratet wird. Dieser besteigt den Herzogsthron nach dem Tod seines Vaters und wird in einen spannenden Machtkampf verwickelt. Alfonso ist davon besessen, einen Erben zu haben um mögliche Nachfolgeproblemen zu verhindern. Lucrezia, ein sensibles und phantasievolles Mädchen, kunstbegeistert und ohne jegliche Lebenserfahrung, wird über Nacht zur Herzogin von Ferrara und rebelliert innerlich gegen die ihr zugedachte Rolle.
Die Handlung des Romans verläuft in zwei parallelen Bahnen. Die eine erzählt die Ankunft von Lucrezia und ihrem Mann in einer Festung in der Nähe von Ferrara, wo Lucrezia glaubt, dass sie getötet werden soll, während die andere die Geschichte von Lucrezias Leben erzählt, ihre Rolle als Kind, das mit keiner anderen Bestimmung ausgestattet ist, als „Verhandlungsmasse“ für eine mögliche Heirat zu werden. Das Blatt wendet sich jedoch bald, als ihre Schwester Maria, die mit dem künftigen Herzog von Ferrara verlobt ist, an einem Lungenleiden stirbt, und sie ihre Rolle einnehmen soll.

Der Roman ist etwas langatmig. Die Erzählung verweilt immer wieder bei Lucrezias Gedanken und Ängsten und bei den Einzelheiten ihrer Entwicklung zur Frau. Es ist dennoch eine faszinierende Erzählung.

Was andere dazu meinen:

Ein Mal hat Lucrezia den Mann gesehen, mit dem sie als Zwölfjährige verheiratet werden soll. Am Hof von Florenz wächst die Tochter aus dem Hause Medici auf wie in einem goldenen Käfig. Niemand versteht das künstlerisch begabte, feinsinnige Mädchen, das lieber mit Tieren redet als mit den Geschwistern – außer ihrem Zukünftigen, Alfonso, der ihr tief in die Seele zu schauen scheint. Bringt das Leben mit dem Herzog von Ferrara ihr die ersehnte Freiheit? Oder doch den Tod?

»Maggie O’Farrell ist eine der aufregendsten Autorinnen unserer Zeit.« The Washington Post

»Es gibt Romane, die stoßen eine Tür auf und schubsen einen hinein in ein Jetzt, das so nah, so absolut scheint wie der eigene Herzschlag.« Brigitte Woman über »Judith und Hamnet«, ausgezeichnet mit dem Women’s Prize for Fiction & British Book Award 2020. (Amazon)

Maggie O‘Farrell, Judith und Hamnet

Die Autorin wagt hier, eine Episode aus dem Leben Shakespeares zu erzählen, mit großem Respekt vor den bekannten Lebensdaten des Literaten. Agnes ist eins der genannten Namens der Frau, Hamnet (oder Hammlet) und Judith die von zwei der drei Kindern. Die Autorin beschreibt die beengten Lebensverhältnisse der Familie in Strattford-upon-Avon, die Abhängigkeit von den Schwiegereltern und die langen Aufenthalte Shakespeares in London, wo er versucht, eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Sehr schöne Erzählung.


Was andere dazu meinen:

Agnes sieht ihn und weiß: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Lateinlehrer aus Stratford-upon-Avon noch nicht einmal achtzehn. Egal, besser, sie küsst ihn schnell. Besser, sie erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Vierzehn Jahre später sind es drei Kinder geworden. Doch wie sollen sie auskommen, solange ihr Mann wer weiß was mit diesen Theaterstücken treibt? Er ist in London, als Agnes im Blick ihres Sohnes den Schwarzen Tod erkennt.

»Einer der berührendsten Romane, den ich seit Jahrzehnten gelesen habe.« Mariella Frostrup, BBC Radio 4