Archiv der Kategorie: Thriller, Spionage

Juan Gómez-Jurado, Zerrissen

Juan Gómez-Jurado ist ein sehr bekannter spanischer Schriftsteller. Juan Gómez-Jurado ist ein sehr bekannter spanischer Schriftsteller. Er hat neben Kinderbüchern und historischen Romanen auch mehrere spannende Kriminalromane geschrieben, von denen einige verfilmt wurden.

Dieser Thriller voller Spannung und Action wird abwechselnd aus der ersten und dritten Person erzählt. Dave Evans ist ein Spitzen-Neurochirurg und arbeitet in einer Privatklinik in der Nähe von Washington. Eines Tages entdeckt er, als er spät nach Hause kommt, dass seine Tochter entführt wurde. Er ist seit kurzem Witwer und soll wenige Tage später den Präsidenten der Vereinigten Staaten am Gehirn operieren. Bald stellt er fest, dass zwischen diesen beiden Ereignissen ein Zusammenhang besteht.

Ein zweifellos guter Roman, den man kaum aus der Hand legen kann, wenn man einmal angefangen hat. Er ist gut recherchiert, hat eine angemessene Anzahl an Figuren und eine normale Dosis an Klischees. Dennoch erscheint er mir eher wie das Drehbuch für einen Hollywoodfilm als wie ein Roman.

Die Meinung der anderen:

Zerrissen ist feinstes Lesekino – ein Genuss für ein langes, verregnetes Wochenende. (krimi-couch.de)
Ich habe lange nicht mehr so mitgefiebert bei einem Krimi und das bis zum wirklich letzten Buchstaben. — Ulrike Bieritz ― rbb Inforadio
Unglaublich spannend und psychologisch faszinierend aufgebaut, zieht einen ›Zerrissen‹ von Anfang an in seinen Bann. — Friderike Ritterbusch ― derachentaler.de

Michael Crichton/James Patterson, Eruption

Michael Crichton, der Autor von Jurassic Park, arbeitete an diesem Projekt, als er 2008 starb. Seine Witwe bewahrte das Manuskript und die Dokumentation auf, bis sie James Patterson vorgestellt wurde, der sich bereit erklärte, das Buch zu vollenden. Die Tatsache, dass es von zwei Autoren stammt, schmälert zweifellos ein wenig die Einheit der Erzählung, die ich ansonsten für außergewöhnlich halte.

Im Jahr 2016 beobachtet eine Biologin im botanischen Garten von Hilo, der größten Insel des hawaiischen Archipels, das seltsame Absterben mehrerer Banyan-Feigenbäume, die sich innerhalb kurzer Zeit buchstäblich in schwarze Asche verwandeln. Bevor sie mit der Ursachenforschung beginnen kann, sperrt ein Trupp Soldaten das Gebiet ab und lässt alle Spuren der Pflanzen verschwinden. Neun Jahre später bereiten sich die Vulkanologen des Hawaiian Volcano Observatory unter der Leitung von John McGregor auf einen großen Ausbruch des Mauna Loa (langer Berg), des größten aktiven Vulkans der Welt, vor. Das Ereignis zieht Fachleute aus der ganzen Welt an, Wissenschaftler, Abenteurer und sogar einen Millionär, der für seine Exzentrik bekannt ist. Was viele nicht wissen, auch McGregor bis wenige Wochen vor dem Ausbruch nicht, ist, dass der nahe gelegene erloschene Vulkan ein Geheimnis birgt, das in Verbindung mit der Lava des Vulkans eine Gefahr für die gesamte Menschheit darstellen könnte.

Das US-Militär, das für die dieses geheim gehaltene Risiko verantwortlich ist, übernimmt das Kommando über eine beispiellose Operation, um eine Katastrophe zu verhindern. Die Koordination zwischen den verschiedenen Behörden, den Raumfahrern und der enthusiastischen Inselbevölkerung bringt zusätzliche Schwierigkeiten mit sich.

Der Roman wirkt manchmal etwas langatmig, nimmt aber in den letzten Kapiteln deutlich an Fahrt auf. Die Rezensionen, die ich gefunden habe, sind nicht immer positiv. Das ist auch eine Frage des Geschmacks und der Erwartungen. Mir hat es gut gefallen.

Die Meinung der anderen:

„Atemberaubend spannend, meisterhaft erzählt und absolut visionär“ (Amazon)

»Das Buch ist genau das Richtige für Leser und Zuschauer, die gern bei realitätsnahen Katastrophenszenarien mitfiebern.« (Stuttgarter Zeitung, Magazin)

»Großartig und stellenweise einfach genial. Eine spannungsgeladene Geschichte, die den Leser nicht zur Ruhe kommen lässt.« (Radio Mühlheim)

Matthew Blake, Anna O

Dieser Roman, der erste des Engländers Matthew Blake, wurde in mehreren Ländern zum Bestseller. Der Autor studierte Englisch an den Universitäten Durham und Oxford und arbeitete viele Jahre als Drehbuchautor und Redenschreiber im britischen Parlament. Sein Erstlingswerk wurde in mehr als 40 Ländern veröffentlicht und war laut NBC der „meistdiskutierte Roman des Jahres 2024“. Eine Verfilmung durch Netflix ist in Vorbereitung.

Der Roman lässt sich nur schwer in das Genre des Kriminalromans einordnen, da das investigative Element fehlt; man könnte ihn eher als psychologischen Roman über Schlaf und Träume bezeichnen. Einer der Protagonisten, Dr. Benedict Prince, Psychologe und Leiter einer Klinik, die sich auf die Behandlung von Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit und Schlafwandeln spezialisiert hat, ist entschlossen, eine Patientin zu heilen, die am „Resignationssyndrom“ leidet, einer mysteriösen Krankheit, die bei Flüchtlingskindern in Schweden beobachtet wurde und die sie daran hindert, aus einem ansonsten scheinbar ruhigen Schlaf zu erwachen. Die Patientin ist das Gegenteil eines normalen Falles: Sie wird eines Doppelverbrechens beschuldigt, kann aber erst vor Gericht gestellt werden, wenn sie aus ihrem Schlaf erwacht ist.

Der Roman besteht aus vielen kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, die 20 Jahre auseinander liegen. Schlaf, Schlaflosigkeit und Schlafwandeln sind wiederkehrende Phänomene in der Erzählung, ebenso wie eine ethische Frage: Kann ein Mensch für ein Verbrechen verurteilt werden, das er während des Schlafwandelns begangen hat? Indirekt werden auch die Grenzen der Therapie und des Experimentierens mit gefährlichen Kranken diskutiert.

Das Buch ist angenehm zu lesen, enthält keine unangenehmen oder übertrieben grausamen Szenen und führt den Leser durch die verschiedenen Handlungsstränge. Die teilweise epische Sprache ist in der Übersetzung weniger schwülstig. Mir hat es sehr gut gefallen.

Die Meinung der anderen:

»Mit Sicherheit einer der besten Thriller des Jahres.« Lee Child

»Liest sich wie ein Traum, ist beunruhigend wie ein Albtraum.« A.J. Finn

»Macht süchtig! Extrem clever und originell: der Thriller, über den alle reden.« Lucy Clarke

Blut und Feuer, Manuel Chaves Nogales

Der Untertitel dieses Werkes aus dem Jahre 1947 lautet „Helden, Bestien und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg“. Es handelt sich nicht um eine Geschichte des Bürgerkrieges, obwohl alle Erzählungen einen historischen Hintergrund haben, eher um einen Versuch, das Unerklärliche dieses Krieges durch das Leben einzelner Personen verständlicher zu machen.

Manuel Chaves Nogales war ein spanischer Journalist und Schriftsteller, der in den 20er und den 30er Jahren des XX Jahrhunderts großen Ruhm erlang. Er war Chefredakteur in der Tageszeitung Ahora und war ein Anhänger der spanischen Republik. Nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges musste er Spanien verlassen und lebte in Paris und in London im Exil. In England schrieb er diese Sammlung von neun Kurzgeschichten, die vor kurzem neu aufgelegt wurden. Seine Schriften gelten heute als wichtige Quelle, um die Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit neu zu interpretieren.

Alle Erzählungen sind bezeichnend für die Zeit des Krieges in Spanien und zeigen, dass einfache Erklärungen — gute und böse Kämpfer, Roten und Nationalen, Faschisten und Kommunisten — nicht ausreichen, um einen Konflikt auszuleuchten, der immer noch tiefe Spuren im Bewusstsein und in der politischen Haltung vieler Spanier hinterlassen hat.

Die Meinung der anderen:

Chaves Nogales verteidigte die Sache der Demokratie mit einer Hingabe, der nur die von George Orwell noch gleich kommt.“ (Antonio Muñoz Molina)

Daniel Silva, Die Fälschung

Der neueste Teil der Saga um den Spion, Attentäter und Kunstrestaurator Gabriel Allon führt uns aus dem gewohnten Umfeld dieser Figur heraus.

Gabriel hat sich (scheinbar) endgültig von seinen Aufgaben im „Dienst“ zurückgezogen, wie die Agentur genannt wird, der den Staat Israel vor Menschen und Ländern schützt, die ihn zerstören wollen, und erholt sich von den Verletzungen, die er sich bei einer seiner Missionen in den USA zugezogen hat, bei der er das Leben des Präsidenten der Vereinigten Staaten rettete. Ein englischer Galerist, der ein Van Dyck zugeschriebenes Gemälde verkauft hat, erhält einen Anruf von einem französischen Sammler, der behauptet, das echte Gemälde des flämischen Künstlers zu besitzen und dass das verkaufte Bild eine Fälschung sei. Von da an wird es kompliziert. Der Sammler kommt bei einem vermeintlichen Verkehrsunfall ums Leben, und Allon selbst wird bei einem weiteren Anschlag wie durch ein Wunder gerettet.

Der Roman ist originell, interessant und informativ über die Welt der Kunst, der Sammler und der Museen. Er ist vielleicht nicht so glaubwürdig wie die anderen Romane dieser Reihe, aber es macht Spaß, ihn zu lesen.

Joel Dicker, Die letzten Tage unserer Väter

Joel Dicker, geboren in Genf (Schweiz), ist trotz seiner Jugend einer der erfolgreichsten Schriftsteller Europas. Viele seiner Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und erreichten die Spitze der Verkaufscharts. Ich habe eine persönliche Meinung zu seinen Werken, die im Allgemeinen positiv ist, aber mit Einschränkungen. Vor allem finde ich seine Thriller zu „künstlich“, mit einer Handlung, die mit dem Leser spielt und ihn verwirrt, um ihn daran zu hindern, das Rätsel selbst zu lösen. Dies ist in einigen seiner Romane deutlicher als in anderen.

Vor seinem Durchbruch mit Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert hatte Dicker bereits zwei Werke geschrieben: Der Tiger, der bei einem Schulwettbewerb abgelehnt wurde, weil man die Erzählung für einen so jungen Autor für zu anspruchsvoll hielt, und Die letzten Tage unserer Väter, der zunächst von vielen Verlagen abgelehnt wurde, bevor er schließlich einen lokalen Preis in Genf gewann.

Die Handlung: Auf Initiative von Churchill wird 1940 ein Sondereinsatzkommando SOE gegründet, das sich aus jungen Leuten aus den von Nazi-Deutschland besetzten Ländern zusammensetzt, um die deutsche Militärmacht von innen heraus durch Sabotage, schwarze Propaganda, Desinformation und sogar direkte Kriegsführung zu bekämpfen, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Widerstand in diesen Ländern. Der Roman zeigt und begleitet eine Gruppe von Franzosen, die in ihrem Land rekrutiert und zur Ausbildung nach London geschickt werden. Einige Figuren sind unvergesslich, wie (um ihre Kampfnamen zu verwenden) Pal, Gros, Cucu oder Laura. Andere sind weniger gelungen.

Bei allem Respekt für den Autor, den Übersetzer und die vielen Dicker-Fans: Ich finde den Roman unausgereift. Das Buch ist gut recherchiert und der Autor gibt sich Mühe, die verschiedenen Figuren zu charakterisieren, aber er überzeugt mich nicht ganz. Möglicherweise sehen andere Leser das anders. Auf jeden Fall kann man in diesem Buch schon die Qualitäten erkennen, die den Autor auf die Bestsellerlisten gebracht haben.

Michael O’Brien, Father Elijah: Eine Apokalypse

Daniel Schäfer, ein Warschauer Jude, kam als einziges Familienmitglied nicht in Auschwitz um. Nach dem Krieg zog er nach Israel, wurde Anwalt, heiratete Ruth, die bald bei einem Anschlag starb – „die unerbittlich leeren Jahre begannen”. Er konvertiert zum Christentum, wird Karmelitermönch und heißt von Stund an Elijah. Seine Zuneigung gilt der Archäologie und der apokalyptischen Fachliteratur. Sein Blick ist meist verhangen, er fühlt sich alt und müde. Dennoch ruft der Papst ihn nach Rom, um den Untergang der Christenheit zu verhindern. Der neue Präsident der Europäischen Union will eine „globale Zivilisation” errichten. In diesem Kampf sind neben Elijah und dem „Präsidenten“ (er bleibt namenlos – das Böse hat keinen Namen) noch zwei weitere Figuren wichtig: Anna Benedetti, als naturrechtlich argumentierende Richterin eine agnostische Verbündete Elijahs, und ein Kardinal, der die Kirche zu einem Hort der neuen Weltordnung machen will. Unter dem – bekanntlich keineswegs erfundenen – Banner des Dialogs und des Aggiornamento soll der christliche Glaube zur bloßen Weltanschauung werden, ohne Gebet, ohne Sakramente, ohne Erinnerung. Das außergewöhnliche und außergewöhnlich bekenntnisfreudige, nur momentweise kitschige Buch endet dann aber nicht mit Donner und Gloria, sondern leise, wie es begann – und ergo apokalyptisch, erscheint doch „die reale Apokalypse als Normalität, weil wir mittendrin sind.”

Der Kanadier Michael D. O‚Brien, 1948 in Ottawa geboren, war als Jugendlicher Agnostiker bis er im Alter von 21 Jahren zum Katholizismus konvertierte. Autodidakt ohne akademischen Hintergrund begann er fünf Jahre später auf Drängen seiner Frau, sich in seiner – meist bildnerischen –Kunst religiösen Themen zuzuwenden. Erst im Alter von 46 Jahren begann er zu schreiben. 1996 wollte er in einem dystopischen Roman eine buchstäbliche Apokalypse, begriffen als frei und oft martialisch herbeifabulierte Endzeitphantasie, wie sie real aussehen könnte, schaffen. So entstand ein Bestseller, der mittlerweile zum Curriculum einiger US-amerikanischen Universitäten zählt: Ein katholischer Mystery-Thriller.

Michael O’Brien hat heute sechs Kinder und lebt mit seiner Familie in Combermere, Ontario, Kanada.

Was mich an dem Roman – den mir eine Universitäts-Professor empfohlen hat, der weit davon entfernt ist, auch nur im mindestens kampf-konservativ, reaktionär oder katholisch-fundamentalistisch zu sein – fasziniert hat ist, dass er in gewissem Sinn trotz der ureigentlich religiösen Thematik ganz laikal bleibt, ja zuweilen wie ein gewendeter Dan Brown rüberkommt. Natürlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Hugh Benson’s „Der Herr der Welt“ im Hintergrund Pate gestanden hat.

Was die anderen dazu meinen:

„ … beachtlich an diesem katholischen Thriller, ist, wie gut er unterhält, wie selten er ins Kitschige abgleitet und wie geschickt er seine Figuren konturiert.“ (Süddeutsche Zeitung)

Harlan Coben, In ewiger Schuld

Maya Burkett ist seit kurzem Witwe. Ihr Mann, Mitglied einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, wurde im New Yorker Central Park von zwei Schlägern ermordet. Maya leidet unter den Erinnerungen an ihre Einsätze im Irak-Krieg, wo sie als Hubschrauberkommandantin an einem Einsatz beteiligt war, bei dem mehrere Zivilisten ums Leben kamen. Auf Anraten eines Freundes installiert sie eine versteckte Kamera und ein Aufnahmegerät im Zimmer ihrer zweijährigen Tochter Lilly, um zu Hause weiter mit dem Kind arbeiten zu können. Eines Tages zeigt ihr die Aufnahme der Kamera ein schockierendes Bild: Ihr verstorbener Mann Joe betritt das Zimmer und begrüßt ihre Tochter. Von diesem Moment an sind all ihre Gewissheiten über ihren Mann, ihre Familie und ihr bisheriges Leben erschüttert und sie beschließt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Harlan Coben ist einer der besten Krimiautoren der USA, der die meisten Preise für diese Art von Literatur gewonnen hat. Er versteht es, die Informationen, die er dem Leser vermittelt, so zu dosieren, dass die Spannung bis zur letzten Seite erhalten bleibt, ohne den Leser mit falschen Hinweisen in die Irre zu führen. Dieser Roman ist ein gutes Beispiel für die „Taschenspielertricks“ eines Krimiautors. Die Erzählung in der dritten Person entlastet den Autor von der Verantwortung für falsche Vermutungen beim Leser, wozu natürlich auch die angegebenen Fakten und Aussagen und deren Gewichtung auf den Seiten des Romans beitragen. Gleichzeitig versucht der Autor, die Präferenzen seiner Leser zu lenken, indem er bestimmte Haltungen und Reaktionen der Protagonisten hervorhebt, Sympathien weckt und bestimmte Verhaltensweisen zuspitzt. In gewisser Weise ist es unvermeidlich, implizite ethische Kriterien in die Betrachtung der Handlungen der Figuren einzubeziehen, auch wenn man versucht, sie auszuschließen. Dies ist zweifellos einer der am meisten vernachlässigten Faktoren bei der Beurteilung eines Kriminalromans. Was das Handwerk betrifft, Coben beherrscht es ohne Zweifel.

Was andere dazu meinen:

»Der Autor versteht es, die Spannung bis zum verblüffenden Ende aufrecht zu erhalten« („Der Landanzeiger„)

»Das Genie dieses amerikanischen Schriftstellers liegt darin, Thriller zu schreiben, die sowohl hoch spannend als auch emotional sind.« („Heat„)

Hervé Le Tellier, Die Anomalie

Dieser intelligente Roman wirft wissenschaftliche Fragen, ethische Probleme und eine gehörige Portion Intrige auf. Die Grundhandlung ist folgende: Ein Flugzeug der Air France gerät im Landeanflug auf New York in einen Sturm. Nach der Landung, bei der der Rumpf des Flugzeugs beschädigt wird, nehmen die 243 Passagiere und Besatzungsmitglieder ihr normales Leben wieder auf. Der Roman stellt einige von ihnen vor, vom Piloten und einem Auftragskiller bis zu einer Anwältin, einem Architekten und einem französischen Schriftsteller und Übersetzer. Etwa drei Monate später versucht dasselbe Flugzeug, mit derselben Besatzung und denselben Passagieren, in den JKF zu landen. Der Tower leitet die Maschine in Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden zu einem Militärflughafen in New Jersey um. Die Behörden, die hinzugezogenen Spezialisten und die Protagonisten selbst suchen nach einer Lösung für die verschiedenen Probleme, die auftauchen.

Die Art und Weise, wie der Autor, Schriftsteller, Redakteur, Mathematiker und renommierte Literaturkritiker die Handlung inszeniert, macht die Lektüre unterhaltsam, interessant und beunruhigend zugleich. Die Reaktionen der Protagonisten, die mit ihrem Namen und dem Zusatz „March“ oder „June“ bezeichnet werden, je nachdem, in welchem Monat sie an der Ostküste der Vereinigten Staaten gelandet sind, überschatten im zweiten Teil die theoretischen Ansätze über die Möglichkeit der vollständigen Verdoppelung eines Flugzeugs. Ich habe den Eindruck, dass der Roman mehr Lücken lässt als nötig und seine Intensität und Stringenz nicht durchgehend beibehält. Auf jeden Fall halte ich ihn für empfehlenswert.

Eric Faye, Zimmer frei in Nagasaki

Dieser Kurzroman des französischen Autors und Journalisten Eric Faye wurde wie seine anderen Werke mehrfach ausgezeichnet. Die Geschichte, die im modernen Nagasaki spielt, beruht auf einer wahren Begebenheit. Shimura, ein methodischer und einsamer Meteorologe, entdeckt plötzlich kleine Risse in der festen Disziplin seines Lebens. Das Fehlen einiger Lebensmittel in seinem Kühlschrank und kleine physische Veränderungen in seinem Haus lassen sich weder auf sein mangelndes Gedächtnis noch auf Ablenkungen zurückführen. Um das Rätsel zu lösen, wendet er sich an eine Webcam, die auf seine Küche gerichtet ist. Obwohl er es erwartet, ist er überrascht, eine etwas ältere Frau zu sehen, die sich in aller Ruhe einen Tee zubereitet und in ihrer Küche Reis kocht.

Die Erzählung ist langsam und harmonisch, wie es der japanischen Umgebung entspricht. Der Roman beschreibt Shimuras Gedanken und im letzten Teil einen Brief, den die Einbrecherin nach der Gerichtsverhandlung an ihn schreibt und in dem sie ihre Beweggründe für den Einbruch in sein Haus darlegt. Beide Figuren, der Meteorologe und der Hausbesetzer, fassen für uns im Laufe der Seiten zusammen, was sie beschäftigt und welchen Einfluss ihre Erinnerungen und vergangenen Ereignisse auf ihr Handeln haben.

Ich finde den Roman sehr empfehlenswert.

Was die anderen Meinen:

Mal wieder so ein kleiner, feiner Roman, der etwas ganz Besonderes ist (Leseschafz).

Die Vereinsamung in den Großstädten trotz Nähe. Eine unauffällige, ruhige Erzählung im „japanischen“ Stil. Krempin

„Unfolds, like those Japanese paper pellets that, dropped into water, expand into fragile, delicate beauty that touches the heart.“ (The Spectator)