Archiv der Kategorie: Komödie, Humor

Michiko Aoyama, Frau Komachi empfiehlt ein Buch

Es ist ungewöhnlich, dass das Time Magazine einen ausländischen Titel zum „Buch des Jahres” kürt. Dieses vergleichsweise kurze Buch von Michiko Aoyama hat diese Auszeichnung erhalten und weltweit mehr als zwei Millionen Leser erobert. Ich werde nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern nur hervorheben, dass es sich vor allem um ein eminent positives Buch handelt. Es ist eine Erzählung über die Kraft der Literatur, über die Notwendigkeit, aus der Selbstbezogenheit herauszukommen, und über die Hoffnung.

Zum Inhalt: In einem städtischen Kulturzentrum in Tokio gibt es eine öffentliche Bibliothek für die Menschen aus der Nachbarschaft. An der Theke zur Auskunft arbeitet Frau Komachi, eine Bibliothekarin mittleren Alters, die über eine seltene Fähigkeit verfügt: Sie erkennt die Sehnsüchte der Besucher und hilft ihnen, einen Ausweg aus scheinbar ausweglosen Situationen zu finden. Das Buch erzählt mehrere Geschichten, die nur durch Zufall und ihre Verbindung zur Bibliothek und zu Frau Komachi miteinander verbunden sind.

Sehr empfehlenswertes Buch.

Sam Savage, Firmin

Eine sehr schöne Erzählung. Eines dieser Bücher, die angenehm überraschen. Die berührende, tragische, aber auch humorvolle Geschichte eines Außenseiters, der in einer Buchhandlung sein Glück sucht. Kurz, prägnant und originell.

Sam Savage wurde in South Carolina geboren und lebt heute in Madison, Wisconsin. Er promovierte in Philosophie, unterrichtete auch kurzfristig, arbeitete als Tischler, Fischer, Drucker und reparierte Fahrräder. Dies ist sein erster Roman.

Firmin ist eine Ratte, oder besser gesagt, eine Ratte, die als Mensch geboren wurde. Seine Mutter Flo und die anderen Ratten aus seinem Wurf sind ganz normale Tiere. Firmin wird mit kleinen Papierkügelchen gefüttert, die seine Mutter im Keller einer alten Buchhandlung aus einem Buch herausreißt, und lernt so lesen. Sein Leben spielt sich in einer alten Buchhandlung in einem Viertel ab, das von den Stadtplanern dazu verdammt wurde, aus Boston zu verschwinden, in einem alten örtlichen Kino und auf den Straßen der Stadt.

Ganz natürlich beginnt Firmin, die Weltliteratur in sich aufzunehmen, und lernt nach und nach den Buchhändler, seine Kunden und vor allem einen erfolglosen Schriftsteller kennen, einen sympathischen Trinker, der in derselben Wohnung lebt.

Das Buch schildert ohne Sentimentalität das Leiden von Firmin, der in den Augen der anderen eine Ratte wie jede andere bleibt. Eine träumende Ratte, die nach und nach den Sinn für die Realität verliert. Eine Realität, die für die meisten Bewohner seiner Straße nicht sehr angenehm ist.

Ich habe jede Seite des Buches genossen.

Peter Cameron, Du wirst schon noch sehen, wozu es gut ist

Dieser Roman wird von vielen Kritikern als eine Neuauflage des Fänger im Roggen gesehen. Die 60er Jahren werden durch den XXI Jahrhundert, die Provinz durch die Stadt New York ersetzt, aber die Ausgangssituation bleibt ähnlich: der 18-jährige James weiß nicht genau, was er sein will, eins hat er aber klar: bloß nicht wie seine Eltern. Diese wiederum, bereits geschieden, haben die Zukunft von James vorgezeichnet, einschließlich des Studiums in einer guten Universität. Er will nicht, wie sein Vater, nur auf seine Gesundheit achten, oder sich drei mal scheiden lassen, wie seine Mutter.

Seine Schwester ist die Geliebte ihres Professors, und die einzige Person, die er schätzt, ist seine Großmutter, die im reichen Vorstadtviertel Bronxville lebt. Er sieht sich selbst als einsam und unangepasst, findet aber nicht den Weg, aus diesem Leben herauszukommen und etwas Sinnvolles zu beginnen.

Der Roman erinnert tatsächlich stark an Salingers Fänger im Roggen, das gegen Ende des Buches tatsächlich zitiert wird. Manche Kritiker nennen diesem Werk „die beste Erzählung über New York“. Die FAZ empfiehlt ohne Einschränkungen diesen „einfühlsamen Entwicklungsroman“.

Carsten Henn, Der Buchspazierer

Der Autor dieses unterhaltsamen Buches ist Journalist, bekannt vor allem für seine Bücher über Wein und Gastronomie. Er hat auch mehrere Romane geschrieben, darunter „Der Buchspazierer“, ein Werk, das in Deutschland mehrere Wochen lang die Verkaufs- und Kritikercharts anführte.

Insgesamt ist es eine Hommage an die Bücher, an die Leser und an alle, die anderen die Freude am Lesen ermöglichen. Sowohl allgemeinen als, im Besonderen, an die Leser von Romanen. Man sagt, es sind die Bücher, die ihre Leser finden, aber manchmal brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg zeigt.

Carl Kollhof arbeitet seit vielen Jahren in einer Buchhandlung in einer deutschen Kleinstadt, die von Gustav Schäfer und später von dessen Tochter Sabine geführt wird. Seit der Übernahme des Geschäfts will die junge Chefin alles verändern.

Carl ist für die Hauszustellung zuständig, eine Aufgabe, die er am späten Nachmittag wahrnimmt. Er liebt diese Arbeit und tauft einige seiner Kunden auf literarische Namen wie Mister Darcy, Effi (Briest), Doktor Faustus, Herkules usw. um. Eines Tages schließt sich ihm ein neunjähriges Mädchen an. Bald gibt sie sich nicht mit ihrer Rolle als Begleiterin zufrieden und beginnt, sich in das Leben der Kunden des Buchladens und des Zustellers einzumischen.

Der Roman erzählt die Geschichte liebevoll, in einfacher Sprache und umrahmt sie mit Zitaten aus bekannten literarischen Werken. Eine Einladung, mehr zu lesen oder mit dem Lesen anzufangen, denn, wie der alte Buchhändler sagt: „Es ist nicht wichtig, was man liest, sondern dass man überhaupt liest“.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein Buch zum Einkuscheln, ein Buch das wärmt und Zuversicht spendet. Genau das Richtige für alle, die wissen, wie wichtig ein gutes Buch sein kann.“ BRIGITTE

„Warmherzig, klug und anrührend erzählt Carsten Henn in seinem Bestseller vom Wert der Freundschaft, der Magie des Lesens und der verbindenden Kraft von Büchern!“ Thalia

Kim Ho-Yeon, Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen

Der Autor dieser bezaubernden Geschichte ist ein vielseitiger koreanischer Schriftsteller, der Werke in verschiedenen Genres veröffentlicht hat. Der Roman, der im ersten Jahr der Pandemie spielt, erzählt liebevoll eine Geschichte über Verständnis, Zusammenleben und menschliches Miteinander. Das Buch, das in der Originalsprache 2021 erschien, war in vielen Ländern ein großer Erfolg.

Ein unbekannter Obdachlose, den seine Mitstreiter rund um dem Hauptbahnhof von Seoul Dokgo nennen, findet eines Tages einen Etui mit den Dokumenten und der Brieftasche von Frau Yeom, einer pensionierten Lehrerin, die Opfer eines Raubs gewesen ist. Frau Yeom betreibt in einem Vorort von Seul einen 24-Stunden-Laden, wo man neben Lebensmittel auch andere Produkte rund um die Uhr kaufen kann. Dokgo leidet an einer alkoholbedingten Amnesie und sein einziges Ziel ist es, heil durch den Winter zu kommen. Er findet die Daten von Frau Yeom in ihrem Unterlagen und ruft sie an, um ihr ihr Eigentum zurückzugeben. Die dankbare Lehrerin nimmt ihn mit in ihren Laden und gibt ihm das Recht, jeden Tag dort etwas zu essen zu bekommen, unter der Bedingung, dass er aufhört zu trinken. Dokgo nimmt das Angebot an und wird bald Nachtwächter des Ladens. Dort entwickelt er eine erstaunliche Fähigkeit, sich der Probleme anderer Personen, sowohl Kunden als auch Mitarbeiter, anzunehmen. Nach und nach werden außerdem die Erinnerungen an seiner Vergangenheit wach, die er hinter sich gelassen zu haben glaubte.

Der deutlich asiatisch geprägte Ton der Erzählung ist gelassen, teilweise humorvoll, mit sehr detaillierten Beschreibungen der Orte und der Personen. Der Autor schildert die Problemen und Sehnsüchten der Hauptfiguren und betont immer wieder, wie wichtig es ist, auf die anderen einzugehen und die positive Seite aller Situationen zu finden. Manchmal wirkt die Erzählung ein wenig „naiv“ trotz der realistischen Darstellung. Ich habe die Lektüre auf Spanisch richtig genossen.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein einfühlsamer, leicht erzählter Roman aus einer fernen Welt – fremd und uns doch so nah.“ NDR Kultur, 03.01.2024

Jean Paul Didierlaurent, Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Jean Paul Didierlaurent war ein origineller, ironischer und witziger Erzähler. Sein erster Roman Die Sehnsucht des Vorlesers, der auch in diesem Blog besprochen wird, war ein großer Erfolg. Diese Sammlung von 11 Geschichten erschien kurz nach diesem Erfolg und enthält sehr unterschiedliche Erzählungen, von denen die meisten eines gemeinsam haben: Die Handlung wird in fast allen im letzten Absatz oder sogar im letzten Satz aufgelöst.
Die Protagonisten sind sehr unterschiedlich: Von der Kassiererin an einer Autobahnmautstelle, die von einem der Kunden, die täglich an ihrer Kabine vorbeifahren, zum Essen eingeladen wird, über den älteren Dorfpfarrer, der sich in seinem Beichtstuhl langweilt, weil er sich immer wieder die gleichen „Sünden“ anhören muss, und durch die Unachtsamkeit eines Gemeindemitglieds eine Lösung findet, bis hin zur Klofrau in einer Stierkampfarena, die eine der Toilettenkabinen in ihr persönliches Heiligtum verwandelt, oder dem Musiker, der versehentlich den Tod eines berühmten Matadors verursacht, weil er im entscheidenden Moment mit seiner Trompete den falschen Ton trifft.
Natürlich sind einige Geschichten besser als andere, aber im Großen und Ganzen enttäuscht keine. Leider starb der Autor 2021 auf dem Höhepunkt seines Schaffens an Krebs.

Was die anderen meinen:

Die Aufregung der Kassiererin in einer Maut-Kabine, eine dubiose Mahlzeit, der erste Schuhabdruck auf dem Mond, ein Fliegenschiss mit fatalen Folgen …: Wunderbar originelle Figuren und Begebenheiten stehen im Zentrum dieses hinreißenden Erzählungsbands von Jean-Paul Didierlaurent, der mit seinem Romandebüt ›Die Sehnsucht des Vorlesers‹ weltweit Hunderttausende von Lesern verzaubert hat. Amazon

Maxim Leo, Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Wir schreiben das Jahr 1983, wenige Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer. Auf dem Straßen- und S-Bahnhof Friedrichstraße in Ost-Berlin unterläuft einem Stellwerksmeister ein Fehler, so dass ein Bolzen bricht und eine Weiche klemmt. Daraufhin wird gegen 4 Uhr morgens der erste S-Bahn-Zug mit 127 Fahrgästen auf das Streckennetz der Bundesrepublik umgeleitet. Spektakuläre Flucht oder Zufall? Der Schrankenwärter Michael Hartung glaubt an Letzteres. Mehr als dreißig Jahre später, im Jahr 2019, ist sein Leben eher trostlos als glorreich. Geschieden und Alkoholiker, betreibt er eine der letzten Berliner Videotheken, die mit dem Vormarsch der Streamingdienste zur Schließung verurteilt ist. Eines Tages bekommt er Besuch von einem Journalisten, der seinen Namen und seine Geschichte in den Archiven des ehemaligen DDR-Geheimdienstes Stasi gefunden hat. In den Augen des Journalisten ist Hartung ein Held, der sein Leben riskiert hat, um einer Gruppe von Bürgern das Tor zur Freiheit zu öffnen. Von da an nimmt das Leben des ehemaligen Bahnwärters, der es immer noch nicht fassen kann, eine radikale Wendung. Ein Geflecht aus Verwechslungen, Lügen und mehr oder weniger erfundenen Tatsachen beginnt sich zu entwickeln und wird 30 Jahre nach dem Fall der Mauer zu einem politisch relevanten Thema.
Der Roman stellt eine angenehme und mäßig unterhaltsame Lektüre dar. Die Figuren sind gut charakterisiert und umfassen sowohl „typische“ Bürger der Bundesrepublik als auch „typische“ Bürger der ehemaligen DDR. Nach meiner Meinung ist es etwas zu sehr in die Länge gezogen, und das Ende ist auch nicht ganz gelungen. Dennoch kann ich es empfehlen.

Was die anderen dazu meinen

»’Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße‘ ist so absurd, so komisch, so gut gebaut und erzählt, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.« Christine Westermann WDR 2 Lesen 20220410

»Maxim Leo hat einen witzigen, rasanten Roman über einen sympathischen Antihelden geschrieben, der plötzlich zur Projektionsfläche für das westliche Bild eines ostdeutschen Helden wird.« („Domradio„)

»Maxim Leo muss es großen Spaß gemacht haben, diese satirische Geschichte zu schreiben. […] ›Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße‹ ist aber auch eine Geschichte, bei der parallel zur humorvollen Absurdität eine melancholische Spur läuft, die nachdenklich macht.« („Prenzlauer Berg Nachrichten“)

Joseph Roth, Stationschef Fallmerayer

Joseph Roth gehört zu einer Generation österreichisch-ungarischer Schriftsteller, die vom Schicksal gezeichnet ist. Vor allem die beiden Weltkriege, die russische Revolution und die allgemeinen Wirren der Zwischenkriegszeit prägten ihre Werke. Andere Vertreter sind Stefan Zweig und Sandor Marai. Sie alle haben ein tragisches Schicksal hinter sich, und ihr literarisches Erbe ist außergewöhnlich.

Dieses — gemessen an seiner Länge — kurze Werk von Joseph Roth beschreibt das unerwartete Schicksal eines Bahnhofsvorstehers im Kaiserreich. Eines Tages spürt er, dass sich sein Leben für immer verändern wird. Seine Vorahnung erfüllt sich und eröffnet dem scheinbar unbedeutenden Leben eines Beamten und Familienvaters einen neuen Horizont.

Eine wunderbare Geschichte.

Was die anderen meinen:

„Das merkwürdige Schicksal des österreichischen Stationschefs Adam Fallmerayer verdient, ohne Zweifel, aufgezeichnet und festgehalten zu werden. Er verlor sein Leben, das, nebenbei gesagt, niemals ein glänzendes – und vielleicht nicht einmal ein dauernd zufriedenes – geworden wäre, auf eine verblüffende Weise. Nach allem, was Menschen voneinander wissen können, wäre es unmöglich gewesen, Fallmerayer ein ungewöhnliches Geschick vorauszusagen. Dennoch erreichte es ihn, es ergriff ihn – und er selbst schien sich ihm sogar mit einer gewissen Wollust auszuliefern.“ (Amazon)

Tommy Jaud, Millionär

Tommy Jaud veröffentlicht seit einigen Jahren Kurzromane, die in Deutschland sehr populär geworden sind. Bevor er Bücher schrieb, verfasste er Witze für Fernsehsendungen. Sein Erfolg beruht wahrscheinlich darauf, dass er bestimmte Verhaltensmuster seiner deutschen Mitbürger treffend beschreibt, wie zum Beispiel in seinem Roman „Hummeldumm“, in dem er die Fehler und Macken einer deutschen Reisegruppe aufs Korn nimmt. Ein Beispiel aus diesem Buch: Was ist der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten? – Zwei Wochen.

Der Millionär ist sein zweiter Roman. Ich hatte angefangen, die spanische Übersetzung zu lesen. Nach etwa zwanzig Seiten hatte ich genug davon und las ihn auf Deutsch. Was für eine Erleichterung! Die Übersetzung ist schrecklich. Die Übertragung des Kölner Dialekts ist lächerlich. Auf jeder Seite findet man Übersetzungsfehler.

Trotzdem ist die Idee gut und die Handlung auch. In das scheinbar routinierte Leben des Ich-Erzählers, eines 32-jährigen Arbeitslosen, der gerne Beschwerden an alle möglichen Firmen schickt und Reality-TV guckt, kommt eine neue, jüngere, erfolgreiche, moderne Nachbarin und hält ihm den Spiegel des eigenen Scheiterns vor die Nase. Seine Reaktion: Er will sich eine Million Euro besorgen, das Haus kaufen und die Nachbarin rausschmeißen.

Von nun an reiht sich eine mehr oder weniger groteske Situation an die andere, begleitet von bissigen Kommentaren des Protagonisten. Das Milieu, in dem er sich bewegt, das Szeneviertel Sülz mit seinen Dönerläden und Internetcafés, das Kölner Milieu und auch der Ausgang sind durchaus plausibel. Schade, dass seine Geschäftsidee nicht mehr realisierbar ist, nachdem so viele Menschen das Buch gelesen haben.

Die Meinung der anderen:

Der Comedy-Bestseller über die gnadenlose Rückkehr eines liebenswerten Chaoten! (Amazon)

„Dummheit schützt vor Kasse nicht“, Titel der FAZ-Rezension

Mary Ann Shaffer, Deine Juliet

Wieder einmal ist es einem deutschen Verlag gelungen, einen schönen und vielversprechenden Titel durch einen nichtssagenden zu ersetzen. Das Buch von Mary Ann Shaffer heißt im Original und in fast allen anderen Sprachen „Guernsey und die Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“. Die Autorin, Mary Ann Shaffer, starb kurz vor Fertigstellung des Buches. Das ist der Grund, warum Annie Barrows, ihre Nichte, als Mitautorin aufgeführt wird.

Es handelt sich um den Briefwechsel zwischen Juliet, einer jungen Schriftstellerin aus London, und Dawsey Adamas, einem Bauern von der Kanalinsel Guernsey, der in einem Antiquariat ein Buch erstanden hat, das früher Juliet gehörte. Es sind die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs, und Juliet erfährt von Dawsey von einer literarischen Gesellschaft, die einige Inselbewohner gegründet haben, um die schweren Kriegsjahre besser zu überstehen: „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“. Juliet ist von der Idee und den Menschen, von denen sie in den Briefen erfährt, so begeistert, dass sie beschließt, die Insel zu besuchen. Dort lernt sie immer mehr Menschen kennen und erfährt viel über die Zeit der deutschen Besatzung der Insel und über eine gewisse Elizabeth, ein Gründungsmitglied des Clubs, die einen deutschen Offizier liebte.

Das Buch ist eigentlich auch eine Hommage an die Literatur, an die Bibliotheken, an die Kultur und an den Zusammenhalt der Menschen in schwierigen Zeiten, wie es die Besatzung durch die deutschen Truppen war.

Ich empfehle das Buch jedem, der meint, keine Zeit zum Lesen zu haben. Ich garantiere, dass er sich nach einigen Briefen als Mitglied der Gesellschaft und Freund der guten Literatur wiederfindet.

Was andere dazu meinen:

Mit größter Skepsis hat Felicitas von Lovenberg diesen Briefroman aufgeschlagen, um sich dann doch von ihm einfangen zu lassen. Denn weder die Informationen des Klappentextes, es handele sich um das Romandebüt einer 70-jährigen „ehemaligen Buchhändlerin und Bibliothekarin“ noch die Empfehlung eines guten Freundes, es sei ein „zauberhafter“ Roman, haben sie zunächst überzeugt. Doch sie muss zugeben, dass Mary Ann Shaffers Roman um die Journalistin Juliet, die auf einen Club der Kanalinsel Guernsey stößt, der sich in der entbehrungsreichen Kriegs- und Besatzungszeit, mit Lektüre über Wasser hielt, wenn schon kein „literarisches Meisterwerk“, dann doch ein hinreißender Roman ist. Das liegt vor allem an den plastischen Charakterzeichnungen der exzentrischen Figuren und am gekonnten Durchhalten der Briefform, wie Lovenberg preist, die deshalb auch das „Körnchen Rosamunde Pilcher“ verzeiht, das in der Liebesgeschichte mit Happy End um die Hauptfigur zum Vorschein kommt. (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2009).