Schlagwort-Archive: Bücherkoffer 2020

Ian McEwan, Maschinen wie ich

Ian McEwan behandelt in diesem Buch einige der anthropologischen, ethischen und sozialen Probleme, die im Zusammenhang mit der so genannten künstlichen Intelligenz auftreten können. Er tut dies auf humorvolle Weise.

Charlie Friend, der seinen Lebensunterhalt mit Trading verdient, kauft einen der ersten Prototypen eines Androiden mit dem bezeichnenden Namen Adam. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase nimmt der Android eine unerwartete Rolle im Leben von Charlie und seiner Freundin Miranda ein, die viele Fragen aufwirft.

Was andere dazu meinen:

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen >Adam< geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

Ivan Doig, The Whistling Season (Englisch)

In diesem wunderschönen Buch geht es um das Leben im ländlichen Montana zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Paul Milliron erzählt aus der Sicht der 50er Jahre Erinnerungen an seine Kindheit, als er mit seinem verwitweten Vater und zwei Brüdern auf einer Farm lebte. Auf der Suche nach einer Frau für den Haushalt in Zeitungsannoncen findet sein Vater Rose, die schon bald das Leben der Familie und des ganzen Dorfes auf den Kopf stellen wird.

Eine sehr schöne, stille und humoristische Geschichte.

Was andere dazu meinen:

The saga of how a widow from Minneapolis and her brother -soon to become the new teacher in a tiny Montana community in 1909- change lives in unexpected ways has all the charm of old-school storytelling, from Dickens to Laura Ingalls Wilder.

Jean-Paul Didierlaurent, Die Sehnsucht des Vorlesers

Guylan, ein Literaturliebhaber, arbeitet in einer Fabrik zur Vernichtung von ausrangierten Büchern zwecks Recycling des Papiers. Er leidet unsäglich darunter. Es ist streng verboten, Bücher mitzunehmen oder zu retten. Jedes Mal, wenn eine Lieferung vernichtet wird, sucht er ein oder zwei Seiten aus den Büchern heraus, während er die Maschine reinigt. Dann liest er sie in der S-Bahn, mit der er morgens zur Arbeit fährt. Eines Tages findet er im Zug einen USB-Stick, auf dem die Toilettenfrau eines Einkaufszentrums ihr Tagebuch schreibt. Er beschließt, sie zu finden.

Liebevoll beschreibt der Autor die Widersprüche, in denen diese und andere Menschen ihr Leben fristen müssen.

Für mich ist dieser Autor eine der Entdeckungen des Jahres.

Was andere dazu meinen:

Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im 6-Uhr-27-Regionalzug laut ein paar Seiten vor, die er tags zuvor heimlich der Schreddermaschine entrissen hat: sein Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur. Eines Tages findet der schüchterne Maschinenführer im Zug jedoch einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer ganz besonderen jungen Frau gespeichert ist.

J. R. Moehringer, Knapp am Herz vorbei

Der nordamerikanische Journalist J.R. Moehringer ist bekannt als Buchautor und Ghostwriter für Prominenten, darunter Andrew Agassi und Prinz Harry.

In diesem Buch schreibt er eine Biografie über Willie Sutton, den wohl berühmtesten Bankräuber der USA im 20. Jahrhundert. Der irischstämmige Sutton wurde 1901 in Brooklyn geboren und war eines der vielen Opfer der Wirtschaftskrise der 20er Jahre. Im Laufe seiner kriminellen Karriere überfiel er Hunderte von Banken. Dreimal gelang ihm die Flucht aus Hochsicherheitsgefängnissen. Sein Markenzeichen als Bankräuber war zum einen, dass er keine Menschen verletzte oder tötete. Zum anderen trat er stets verkleidet auf, um nicht erkannt zu werden.

Ein Journalist und ein Photograph holen im Roman Sutton vom Gefängnis ab, um mit ihm ein Interview zu führen und einige Orte aus seinem Leben zu besuchen. Daraus ergibt sich eine zutiefst menschliche und sympathische Biographie des Bankräubers.

Was andere dazu meinen:

New York, Weihnachten 1969. Willie Sutton packt seine Bücher ein und räumt die Zelle. Endlich Freiheit. Nach siebzehn Jahren. Mit einem Fotografen und einem Reporter fährt er durch das verschneite New York auf den Spuren seiner legendären Vergangenheit: seine zahlreichen, gewaltlosen Banküberfälle und immer wieder seine große Liebe Bess. Wie ein Puzzle setzt sich Seite für Seite Suttons Leben zusammen. Was dabei Wirklichkeit und was Erfindung war, werden wir nie erfahren. Aber was macht das schon.

»Jede Szene dieses Buches ist prall gefüllt mit Leben.«
Publishers Weekly

»Ich war von Willie Sutton fasziniert seit ich ein Junge war. Er war eine Legende, er kam aus genauso kleinen Verhältnissen wie ich, er war für mich der Inbegriff von New York. Meine Großeltern und alle Männer aus Onkel Charlies Bar sprachen voller Bewunderung von Sutton, als wäre er der moderne Robin Hood. Aber am meisten zog mich dieser Mann in seinen Bann, weil er der literarischste Kriminelle der amerikanischen Geschichte war. Er verbrachte den Großteil seiner Zeit mit Lesen, ging alle zwei Wochen ins Kino, alle sechs Monate ins Theater, besuchte Footballspiele, machte lange Ausflüge mit dem Auto und rauchte, las Klassiker.« J.R. Moehringer

Fabio Geda, Im Meer schwimmen Krokodile

Kurze Erzählung einer wahren Begebenheit. Enaiatollah, ein junger Afghane vom Stamm der Hazzara, wird von seiner Mutter auf den gefährlichen Weg über Pakistan, Indien, Iran und die Türkei nach Europa geschickt.

Das Buch erzählt ganz ohne Schmuck aus der Perspektive des Kindes, das schreckliche und lebensbedrohliche Situationen erlebt.

Was andere dazu meinen:

Die wahre Geschichte eines afghanischen Flüchtlingskindes, die uns den Glauben an das Gute zurückgibt

Als der 10-jährige Enaiat eines Morgens erwacht, ist er allein. Er hat nichts als die Erinnerungen an seine Familie und drei Versprechen, die er seiner Mutter noch am Abend zuvor gegeben hat. Auf der Suche nach einem besseren Leben begibt er sich auf eine jahrelange Odyssee durch viele Länder, immer Richtung Europa. Er reist auf Lastwagen, muss hart arbeiten, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen. Und trotzdem bleibt er voller Zuversicht, denn er hat den unerschütterlichen Willen, das Glück zu finden

Die erweiterte Neuausgabe enthält ein exklusives Interview mit Fabio Geda und dem (inzwischen über 30jährigen) Enaiatollah Akbari, Hintergrundinformationen über die Erfolgsgeschichte des Buches sowie Anregungen für Diskussionen im Schulunterricht oder in Lesekreisen.
(Amazon)

John Ironmonger, Der Wal und das Ende der Welt

John Ironmonger, geboren in Nairobi, studierte Zoologie in England und arbeitete in verschiedenen Positionen, unter anderem in der IT-Branche. Sein 2015 erschienenes Buch wurde nach Ausbruch der Pandemie 2020 ein großer Erfolg.

Jonas (Joe) Haack ist Analyst bei einer Investmentbank. Seine Aufgabe ist es, Ereignisse zu analysieren, die zu einem Ausverkauf von Aktien führen könnten. Er entwickelt ein Programm, das diese Informationen automatisch findet und verarbeitet, und verdient damit viel Geld. Sein Chef bittet ihn, mit dem Programm eine Situation zu simulieren, in der die Menschheit an ihrem Egoismus scheitert. Kurz darauf muss er die Firma verlassen und findet sich in einem kleinen Dorf in Cornwall wieder, wo er mit Entsetzen feststellen muss, dass sich seine „Prophezeiung“ bald erfüllen wird.

Eine spannende Geschichte mit einem unerwarteten Ende.

Was andere dazu meinen:

Das Buch der Stunde, das uns Hoffnung macht.
Ein kleines Dorf. Eine Epidemie und eine globale Krise. Und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.

»Eine erstaunliche Vorwegnahme.« Frankfurter Neue Presse
»Abenteuerlich und ergreifend.« Stern
»Dieser Roman gibt einem den Glauben an die Menschheit zurück.« Elle

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir gut handeln, wenn alles auf dem Spiel steht?

Karen Cleveland, Wahrheit gegen Wahrheit

Karen Cleveland arbeitete einige Jahre als Analystin bei der CIA in der Abteilung für Russland. Während einer Mutterschaftspause schrieb sie ihr erstes Buch, dem einige Jahre später ein weiteres folgte.

Vivian arbeitet in der Russlandabteilung der CIA und lebt mit ihrem Mann Matt und ihren vier Kindern, von denen eines an einem schweren Herzfehler leidet. Bei ihrer Arbeit entdeckt sie, dass ihr Mann nicht der Mensch ist, den sie zu kennen glaubte. Damit beginnt der Konflikt zwischen Familienfrieden und Loyalität gegenüber ihrem Land und ihrem Arbeitgeber. Sehr spannende Erzählung.

Was andere dazu meinen:

Vivian Miller ist Spionageabwehr-Analystin bei der CIA. Mit ihrem Mann Matt, einem IT-Spezialisten, und ihren Kindern lebt sie in einem Vorort von Washington, D.C. Auf diesen Tag hat sie seit zwei Jahren hingearbeitet: Mithilfe eines speziellen Algorithmus will Vivian ein Netzwerk russischer Spione in den USA enttarnen. Ihr gelingt der Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers. Auf eine Datei mit fünf Fotos – allesamt „Schläfer“, die auf amerikanischem Boden operieren. Doch was sie entdeckt, bringt alles, was ihr wichtig ist, in Gefahr – ihre Familie, ihre Ehe, ihren Job. Ist es den Russen gelungen, sie an ihrer einzigen Schwachstelle zu treffen? Ist Matt nicht nur ein perfekter Mann und ein perfekter Vater. Sondern am Ende auch ein perfekter Lügner?

Hyeon-seo Lee, Schwarze Magnolie

Lee ist Aktivistin und Menschenrechtlerin. Sie erzählt in diesem Buch, wie es ihr gelang, aus Nordkorea zu fliehen, und später auch ihre Familie von dort nach Südkorea zu bringen. Sehr interessante Beschreibung des Terrorregimes der Kim in einem der ärmsten Länder der Welt. 

Was andere dazu meinen:

Hyeon-seo Lee wurde in Nordkorea geboren, jenem Land, aus dem so gut wie keine Nachrichten nach außen dringen. Als sie sieben Jahre alt ist, erlebt sie erstmals eine öffentliche Hinrichtung. Oft sieht sie im Grenzfluss zu China Leichen treiben, Menschen, deren Flucht in ein besseres Leben misslang. Als Teenager schleicht sich Hyeon-seo heimlich über die Grenze nach China, um wenigstens einmal den Fesseln des Kim-Regimes zu entkommen – doch dann ist ihr der Heimweg versperrt. Eine gefährliche Flucht beginnt.
(medimops)

Robert Seethaler, Der Trafikant

Robert Seethaler, geboren 1967, ist ein österreichischer Schriftsteller und Schauspieler. Er erreichte internationalen Ruhm mit seinem Werk Ein ganzes Leben, das für einige wichtige Preise nominiert wurde. Der Trafikant, geschrieben 2012, wurde einige Jahre später verfilmt.

Dieses feinsinnig geschriebenes Buch erzählt die Geschichte von Franz Huchel, der sein Heimatdorf am Attersee 1937 verlässt, um in Wien als Lehrling in einer Trafik (ein Kiosk) zu arbeiten. Dort trifft er auf Sigmund Freud, Kunde des Ladens, und ist von ihm fasziniert. Daraus entwickelt sich eine Art Vater-Sohn-Beziehung, die durch die politischen Ereignisse unterbrochen wird. Ich finde, es ist ein sehr schönes Buch.

Was andere dazu meinen:

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik – einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft – sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von ihm. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse. Und schon bald werden Franz, Freud und Anezka jäh vom Strudel der Ereignisse mitgerissen.

Julian Barnes, Arthur & George

Dieses Buch erzählt in Romanform die Beziehung von Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des berühmten Detektiven Sherlock Holmes, und George Edalji, ein unscheinbarer Provinzanwalt indischer Abstammung, der aufgrund ungünstiger Umstände verurteilt wurde und sowohl im Gefängnis als auch in einem Zwangsarbeitslager einige Jahre verbrachte. Conan Doyle erfuhr von dem Fall und beschloss, seinen ganzen Einfluss dafür einzusetzen, den jungen Anwalt zu retten. Julian Barnes beschreibt in seiner typischen, britischen Art, die Charaktere der beiden Protagonisten und ihre Beziehung.

Atypischer Roman, aber typisch wiederum für die Werke von Barnes, der immer skurrile Themen für seine Erzählungen sucht.

Was andere dazu meinen:

Zwei Männer, geprägt vom ausgehenden 19. Jahrhundert in Großbritannien, begegnen sich in einer entscheidenden und dramatischen Phase ihres Lebens: Arthur Conan Doyle, der Erfinder von Sherlock Holmes, und George Edalji, ein kleiner Provinzanwalt. Als George Opfer eines skandalösen, rassistisch motivierten Justizirrtums wird, schlüpft Arthur in die Rolle seines Detektives, um George zu helfen