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Sandor Márai, Die Glut

In der ungarischen Originalausgabe heißt das Buch sinngemäß “Die Kerzen brennen bis zum Stumpf”. Es ist eines der besten und bekanntesten Werke von Marais und wurde sogar zweimal verfilmt.

Die Handlung spielt 1941 in einem Jagdschloss am Rande der Karpaten. Während er auf den Besuch seines Jugendfreundes Konrád wartet, blickt der alte ungarische General Henrik auf sein Leben zurück. Er erinnert sich an die Freundschaft, die die beiden verband, und an die Ereignisse, die vor vier Jahrzehnten zu ihrer Trennung führten: zum einen an einen vermeintlichen Versuch Konráds, Henrik zu erschießen, zum anderen an eine spätere Begegnung Henriks mit seiner Frau Krisztina, die auf ein Verhältnis Krisztinas mit Konrad schließen ließ. Die Begegnung der beiden ehemaligen Freunde verläuft eher monoton: Henrik schildert seine Sicht der Ereignisse, der Konrad nicht widerspricht. Die Nacht verbringen die beiden im Gespräch. Im Morgengrauen trennen sie sich wieder.

Die Themen dieser kurzen Erzählung gehen weit über Freundschaft und möglichen Treuebruch hinaus. Es geht um die Erfahrungen, die wir im Leben machen und wie wir darauf reagieren. Darin liegt letztlich die Größe eines Menschen.

Es lohnt sich, das Buch langsam zu lesen und sich in das von Marai gewählte Szenario hineinzuversetzen.

Die Meinung der anderen:

»Sándor Márai hat einen grandiosen, einen quälenden Gespensterroman geschrieben, einen Totengesang der Überlebenden, denen die Wahrheit zum Fegefeuer geworden ist. Die Glut hat ihnen das Leben zur Asche ausgebrannt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Sandor Marai, Die Schwester

Dieses Buch ist eine der Meistererzählungen von Sandor Marai. An zwei verschiedenen Orten begegnen wir einem berühmten Pianisten und sind Zeugen seiner Gespräche und seinen Überlegungen. Es geht um Beziehungen, um den Sinn des Lebens, um Krankheit und Heilung jenseits der klassischen Konzepte von Medizin und Behandlung. Der Kontrast zwischen den so von Angst befreiten, sterbenden Künstler und einer Krankenschwester, ebenfalls krank, beleuchtet die verschiedenen Haltungen, die man einnehmen kann. Über dem ganzen Buch schwebt ein gewisser Pessimismus, der fast alle seine Werke prägt und der das Ende des Schriftstellers ahnen lässt.

Die Romane von Sandor Marai sind nicht unterhaltsam im klassischen Sinne, enthalten aber viel Stoff zum Nachdenken. Ich finde dieses Buch hervorragend.

Was andere dazu meinen:

Verfasst in den letzten ungarischen Jahren vor seinem Exil, ist Sándor Márais Roman »Die Schwester« das Zeugnis einer verhängnisvollen Ménage-à-trois und zugleich eine tief empfundene Psychologie des  Schmerzes.
Der Zufall führt die beiden zusammen: den Erzähler und den berühmten Pianisten Z. In einem Kurort  in den transsilvanischen Bergen begegnen sie sich. Es ist Weihnachten, und eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft verbringt die Feiertage in einem kleinen Gasthof. Schockiert müssen  die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass sich ein elegantes Liebespaar gemeinsam das Leben  genommen hat. Tief betroffen vertraut der Pianist dem Erzähler ein Manuskript an, aus dem wir von  seiner eigenen großen Liebe erfahren – einer Liebe, die ihn seine Bestimmung finden ließ, für die er aber einen hohen Preis bezahlen musste. Vor dem Hintergrund eines fernen Krieges erzählt Márais dunkel funkelnder Roman von einer unerfüllten Liebe, deren Schmerz unerhörte Folgen hat.
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Der ungarische Schriftsteller Sándor Márai (1900-1989) musste 1948 Ungarn vor den Kommunisten verlassen, exilierte nach Italien und lebte ab 1952 in den USA, wo er sich nach mehreren privaten Schicksalsschlägen 1989 das Leben nahm. Ähnlich wie im Leben des Autors Márai befinden sich auch seine Romanfiguren meist in einer schwierigen Lebenssituation, müssen traumatische Erlebnisse bewältigen oder werden durch ein jäh eintretendes Ereignis aus ihrem bis dato vermeintlich friedlichen Dasein gerissen und von den Schatten der Vergangenheit eingeholt.

„Die Schwester“ ist der letzte noch in Ungarn erschienene Roman Márais, in dessen Mittelpunkt eine fatale Ménage-à-trois rund um den Pianisten Z. steht. Der Erzähler des ersten Teiles des Buches trifft an den Weihnachtsfeiertagen auf den einst weltberühmten Künstler Z. in einem abgeschiedenen Gasthof in den transsilvanischen Bergen. Die Pensionsgäste sitzen dort schon seit geraumer Zeit aufgrund der schlechten Witterung fest, können lediglich langweilige Tätigkeiten im Haus verrichten und hoffen darauf, dass sich endlich eine weihnachtliche Winteridylle einstellt. Nach Tagen des zermürbenden Wartens geschieht plötzlich ein tragisches Ereignis, das eine gewisse Dynamik in die sonst sehr lethargische Gästeschar bringt: Ein auch in der Pension einquartiertes Liebespaar begeht Selbstmord. Durch diese Unglückstat kommt der Erzähler in Kontakt mit dem sehr verschlossen auftretenden Z., und einige vieldeutige Gespräche über die Musik und den Sinn des Lebens folgen.

Doch dann reist Z. unvermittelt ab. Monate später erfährt der Erzähler von Z.’s Tod in einem Sanatorium und erhält überraschenderweise ein handschriftliches Manuskript aus dessen Nachlass. Was nun folgt, ist eine minutiöse Schilderung von Z.’s Leidensweg und die Gründe für sein einstiges Verschwinden aus der Gesellschaft und das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit.

Nach einem Konzert in Italien erkrankte er an einer mysteriösen Nervenkrankheit, die aufgrund vielfältiger Lähmungserscheinungen ein plötzliches Karriereende des Pianisten und einen mehrmonatigen Aufenthalt in einem italienischen Krankenhaus nach sich zog. In einer Mischung aus Erinnerungsbruchstücken, einer Vielzahl an tiefschürfenden Gesprächen mit den ihn behandelten Ärzten kommt Z. zu der Erkenntnis, dass die Krankheit als Resultat seiner zwar platonischen, aber fatalen Beziehung zu einer verheirateten Frau zu interpretieren ist. Die Krankheit steht quasi als Metapher für die Lebenslüge von Z. und seine Verstrickung in unheilvolle und aussichtslose Beziehungen. Die darauffolgende Genesung geht nun zwar zügig voran, scheint aber nicht von Dauer zu sein.

Márais Roman aus dem Jahre 1946 ist keine leichte Kost, die man nebenbei liest – es wäre dazu auch zu schade. Der aufmerksame Leser muss sich vielmehr auf die permanent düstere, bedrohliche Stimmung, die mit Metaphorik beinahe überladenen Beschreibungen und die tiefgründigen Gespräche zwischen den Figuren einlassen, um die Faszination in dieser psychoanalytischen Spurensuche eines am Leben und der Welt Verzweifelten zu spüren. „Die Schwester“ ist nicht Márais bester Roman, aber doch ein absolut lesenswertes Stück Literatur des 20. Jahrhunderts, das einen exzellenten Einblick in die Gedanken- und Ideenwelt des ungarischen Schriftstellers ermöglicht und Márais literarisches Erbe vervollständigt.
(Literaturkritik.de)

Sandor Marai, Das Vermächtnis der Eszter

Ohne Zweifel ein Meisterwerk von Sandor Marai. In wenigen Seiten und mit wenigen Worten beschreibt er in großer Tiefe Gefühle und Sehnsüchte, Enttäuschungen und Freuden.

Es geht um Eszter, eine ledige Frau, die ein friedliches Leben führt bis zu dem Augenblick, da ein Freund ihrer Familie diese Ruhe für immer zerstört. Dieser Mann, inzwischen verwitwet, hat vor Jahren Eszter enttäuscht und betrügt, und dann ihre Schwester geheiratet. Der Gaunercharmeur taucht nun nach langer Zeit auf und weckt vom neuen die verdrängten Gefühle in Eszter auf.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie in anderen kurzen Erzählungen schafft der ungarische Autor, dem Leser mit wenigen Worten in eine innere Welt von ungeheurer Intensität zu versetzen.

Was andere dazu meinen:

Vor 20 Jahren hat der Hochstapler Lajos, Eszters große und einzige Liebe, nicht nur sie, sondern auch ihre übrige Familie mit Charme und List bezaubert. Eszter hat es ihm nicht verziehen, dass er ihre Schwester Vilma geheiratet hat. Nun kehrt er zurück, um die tragischen Ereignisse von damals zu klären und die offenen Rechnungen zu begleichen. Bei dieser Gelegenheit kommen drei Briefe zum Vorschein, die für Eszter gedacht waren, die sie aber nie erhalten hatte … Nach dem Welterfolg von Sándor Márais Roman »Die Glut« ein weiteres Meisterwerk des großen ungarischen Autors.
(Medimops)

»Mit großem Geschick, in einer aufs Wesentliche verknappten und suggestiv aufgeladenen Sprache, verknüpft Sándor Márai die Fäden einer desaströsen Liebes- und Lebensgeschichte, die in einem existenziellen Kampf gipfelt, den die Frage bestimmt: Wird Lajos wieder siegen und seinen letzten großen Betrug erfolgreich abschließen?«
Süddeutsche Zeitung