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Manuel Chaves Nogales, Die Erinnerungen des Meistertänzers Juan Martínez, der dabei war

Der aus Kastilien stammende Flamencotänzer Juan Martínez bereiste mit seiner Frau Sole die Kabaretts halb Europas, darunter auch die Türkei, und eroberte mit seiner Kunst die Herzen der Zuschauer. Schließlich führten ihn die Wirren des Ersten Weltkriegs wenige Monate vor Ausbruch der Revolutionen und Bürgerkriege, die ab 1917 stattfanden und mit dem Sieg der Bolschewiki endeten, nach Russland. Dort lernte der Journalist Manuel Chaves Nogales aus Sevilla ihn kennen und beschloss, seine Geschichte aufzuschreiben.

Was Chaves Nogales an Martínez faszinierte, kann der Leser dieses Meisterwerks des Journalismus nachlesen. Tatsächlich erzählt er in linearer Form von den Abenteuern der beiden Protagonisten und ihrer Fähigkeit, sich jederzeit an die Situation anzupassen, um zu überleben. Immer wieder betont Martínez, dass er sich nicht für Politik interessiert und nichts davon versteht. Während der sechs Jahre, die er in Russland verbrachte, war er Zeuge und Opfer einer der blutigsten Epochen der Geschichte. Sowohl die Revolutionäre, insbesondere die Matrosen, als auch die Militärs verschiedener Lager und eine große Zahl von Profiteuren gingen mit beispielloser Grausamkeit vor. Dank seiner Menschenkenntnis freundete Martínez sich mit unzähligen Persönlichkeiten an: von politischen und militärischen Kommissaren über Tschekisten bis hin zu einer Vielzahl von Theater- und Zirkuskünstlern. Mit ihnen bildete er eine Gemeinschaft von Überlebenden.

Die Prosa von Chaves Nogales macht jede Erzählung zu einem literarischen Werk von großer Bedeutung. Der Leser wird zum privilegierten Zeugen des Leidens von Millionen Menschen, die lange Zeit kein anderes Ziel hatten, als den nächsten Tag zu überleben. Ein beeindruckender Roman.

Die Meinung der anderen:

»Manuel Chaves Nogales geht als Meister der literarischen Reportage in die Geschichte ein.«
– Katharina Teutsch, FAZ, Juni 2015

»Ein so erschütterndes und trotzdem unterhaltsames Buch habe ich lange nicht gelesen. Erzählte Geschichte at its best, außergewöhnlich gut!« – Miki Sič, FluxFM, November 2015.

Blut und Feuer, Manuel Chaves Nogales

Der Untertitel dieses Werkes aus dem Jahre 1947 lautet „Helden, Bestien und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg“. Es handelt sich nicht um eine Geschichte des Bürgerkrieges, obwohl alle Erzählungen einen historischen Hintergrund haben, eher um einen Versuch, das Unerklärliche dieses Krieges durch das Leben einzelner Personen verständlicher zu machen.

Manuel Chaves Nogales war ein spanischer Journalist und Schriftsteller, der in den 20er und den 30er Jahren des XX Jahrhunderts großen Ruhm erlang. Er war Chefredakteur in der Tageszeitung Ahora und war ein Anhänger der spanischen Republik. Nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges musste er Spanien verlassen und lebte in Paris und in London im Exil. In England schrieb er diese Sammlung von neun Kurzgeschichten, die vor kurzem neu aufgelegt wurden. Seine Schriften gelten heute als wichtige Quelle, um die Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit neu zu interpretieren.

Alle Erzählungen sind bezeichnend für die Zeit des Krieges in Spanien und zeigen, dass einfache Erklärungen — gute und böse Kämpfer, Roten und Nationalen, Faschisten und Kommunisten — nicht ausreichen, um einen Konflikt auszuleuchten, der immer noch tiefe Spuren im Bewusstsein und in der politischen Haltung vieler Spanier hinterlassen hat.

Die Meinung der anderen:

Chaves Nogales verteidigte die Sache der Demokratie mit einer Hingabe, der nur die von George Orwell noch gleich kommt.“ (Antonio Muñoz Molina)