Schlagwort-Archive: Bücherkoffer 2021

Julian Barnes, Vom Ende einer Geschichte

Ein weiteres lesenswertes Buch von Julian Barnes. Ein Film, der auf diese Erzählung basiert ist, verpasst nach meiner Meinung die narrativen Koordinate des Buches.

Anthony (Tony) Webster ist ein geschiedener Mitsechziger der eine zufriedenstellende Beziehung zu seiner ex-Frau und seiner Tochter hat. Ebenso selbstgefällig sind seine Erinnerungen an seiner Schulzeit, an seine erste Freundin Veronica und an seine Jugendfreunde, besonders an den intelligenten Adrian. Tony bewundert in gewisser Hinsicht die Konsequenz von Adrian, der gerne Camus zitierte, als dieser behauptet, Selbstmord sei die einzige echte philosophische Frage, und der seinem Leben mit 20 Jahren ein Ende setzte. Dieses friedliche Leben erfährt einen Umbruch als er den Brief einer Anwältin erhält, wo diese mitteilt, dass Sarah, die Mutter von Verónica, ihm 500 Pounds und ein Dokument, das Tagebuch Adrians, vermacht hat.

Der Roman mit dem unverkennbaren Stil von Barnes ergänzt die lineare Erzählung mit den Gedanken Tonys, der an seinen Erinnerungen und Urteilen festhält bis Verónica und ein Sozialarbeiter ihm über seine Fehlurteile und über die Folgen seiner Handlungen aufklären.

Was andere dazu meinen:

 Wie sicher ist Erinnerung, wie unveränderlich die eigene Vergangenheit? Tony Webster muss lernen, dass Geschehnisse, die lange zurückliegen und von denen er glaubte, sie nie mehr hinterfragen zu müssen, plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Als Finn Adrian in die Klasse von Tony Webster kommt, schließen die beiden Jungen schnell Freundschaft. Sex und Bücher sind die Hauptthemen, mit denen sie sich befassen, und Tony hat das Gefühl, dass Adrian in allem etwas klüger ist als er. Auch später, nach der Schulzeit, bleiben die beiden in Kontakt. Bis die Freundschaft ein jähes Ende findet. Vierzig Jahre später, Tony hat eine Ehe, eine gütliche Trennung und eine Berufskarriere hinter sich, ist er mit sich im Reinen. Doch der Brief eines Anwalts, verbunden mit einer Erbschaft, erweckte plötzlich Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen der eigenen Biographie. Je mehr Tony erfährt, desto unsicherer scheint das Erlebte und desto unabsehbarer die Konsequenzen für seine Zukunft. Ein Text mit unglaublichen Wendungen, der den Leser auf eine atemlose Achterbahnfahrt der Spekulationen mitnimmt.

»Wie Barnes allmählich die Selbstzensur in den Erinnerungen seines pensionierten Protagonisten Tony Webster bloßlegt, beweist seine ganze Meisterschaft.« (Süddeutsche Zeitung)

Alice Munro, Tricks

Alice Munro, geboren 1931 in Ontario, gewann den Nobelpreis im Jahre 2013. Sie schreibt vor allem Kurzgeschichten. Nach Wikipedia hat Munro „die Struktur von Kurzgeschichten revolutioniert. Die Geschichten, die sich durch sprachlichen Feinschliff auszeichnen, beginnen oft an einer unerwarteten Stelle, anschließend wird die Erzählung chronologisch rückwärts oder vorwärts entwickelt.“ Dieses Buch ist bezeichnend für ihren Stil: Schilderungen im Detail und in der Totale ergänzen sich, Figuren werden beobachtet, aber nicht kritisiert, so dass der Leser frei ist, sich darauf einzulassen.

Die Protagonisten tauchen teilweise in verschiedenen Erzählungen auf, ohne dass es dabei Wiederholungen oder Widersprüche gibt.

Was andere dazu meinen:

Tricks, acht meisterliche Erzählungen von Alice Munro: Geschichten über Ausreißer, Entscheidungen, Leidenschaften und Verfehlungen. Wieder beweist Alice Munro besonderes Gespür für das Geheimnis ihrer Figuren, jenen rätselhaften Bereich, wo Selbstbetrug auf Hoffnungen, gefährliche Illusionen auf die kleinen Tricksereien des Alltags treffen. Der Leser kommt in ihren Geschichten seinem eigenen Leben so nah, dass er schwindlig wird vor Herzleid und Glück.
(Amazon)

Ian McEwan, Abbitte

Ian McEwan, geboren 1948 in England, behandelt in seinen Romanen Schlüsselthemen des menschlichen Lebens. Hier geht es um Schuld und Sühne, um Hass und um Verzeihung, mit dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Es gibt nicht viele aktuellen Romane, die so realistisch das Gefühl der Schuld und, als Reaktion, die Sehnsucht nach Sühne praktisch beschreiben wie Abbitte.

Briony ist ein junges Mädchen, voller Phantasie, das im Landhaus ihrer Eltern zusammen mit ihrer Schwester Cecilia lebt. Beim Besuch ihres Bruders, der zusammen mit einem Freund sich im Haus aufhält, wird sie Zeugin des Beginns einer Beziehung ihrer Schwester mit Robbie, einem Diener. Als eine Cousine von Briony in der Nacht vergewaltigt wird, redet sie sich ein, der Täter sei Robbie gewesen und beschuldigt ihn. Dadurch kommt Robbie ins Gefängnis und später als Freiwilliger in den Krieg.

Das Mädchen versucht später, das Unrecht wiedergutzumachen, aber es gelingt ihr nicht. In zwei anderen Teilen des Buches erleben wir die Fortführung und das Auseinanderbrechen der Familie, sowie ein letztes Kapitel, das neues Licht über die Geschehnisse und über die Gedanken der dann schon alten und kranken Briony.

Hervorragende Erzählung dieses Autors.

Was andere dazu meinen:

Ein kleines Mädchen beobachtet ihre ältere Schwester, die mit dem Sohn der Putzfrau am Brunnen im Garten steht. Briony kann nicht hören, was Cecilia und Robbie miteinander sprechen. Sie sieht nur, dass ihre Schwester sich plötzlich ihrer Kleidung entledigt und nackt in den Brunnen steigt, während Robbie fasziniert zusieht. Cecilia entsteigt dem Brunnen kurz darauf wieder, streift Bluse und Rock über und geht davon. Robbie entfernt sich in die andere Richtung. Alles, was von der Szene am Pool bleibt, ist eine Wasserpfütze vor dem Brunnen, die in der drückenden Sommerhitze des Jahres 1935 verdunstet. Briony bleibt am Fenster stehen, bis die Pfütze verschwunden ist und kann bald nicht mehr sagen, ob die Szene, die sie beobachtet hat, wirklich passiert ist. Trotz ihrer überbordenden Phantasie – Briony will Schriftstellerin werden und malt sich ständig Geschichten aus – kann sie sich nicht vorstellen, was zwischen Cecilia und Robbie vorgehen mag und was das unerhörte Verhalten Cecilias rechtfertigt. Am Abend diesen heißen Tages gibt Robbie Briony einen Brief für Cecilia. Brionys Phantasie geht mit ihr durch, als sie den Brief heimlich gelesen hat und entsetzt ist über dessen anstößigen Inhalt, den Briony kaum versteht. Briony beschließt, ihre Schwester vor dem Monster Robbie zu beschützen. Der Tag wird für Robbie kein gutes Ende nehmen: Lola, Brionys Cousine, wird im Park des Hauses überfallen und vergewaltigt. Briony sieht den Täter in die Dunkelheit des Waldes fliehen, die Polizei wird gerufen und Briony identifiziert Robbie als den Täter. Die Schreie von Robbies Mutter, als Robbie von der Polizei abgeführt wird, werden jahrelang in Brionys Kopf widerhallen: “ ,Lügner! Lügner!‘ “ rief Grace Turner immer wieder, rannte verzweifelt dem entschwindenden Wagen hinterher, blieb einige Schritte später stehen, die Hände in die Hüften gestemmt, und sah ihm nach, wie er über die erste Brücke fuhr, dann über die zweite und schließlich im Weiß verschwand.“

Ian McEwan thematisiert in seinem Roman „Abbitte“ die Konsequenzen, die Brionys Anschuldigung nicht nur für Cecilia und Robbie, sondern auch für Briony und den Rest der Familie hat. Robbie wird der Vergewaltigung Lolas für schuldig befunden, kommt ins Gefängnis, und sein Wunsch, Medizin zu studieren, rückt in unerreichbare Ferne. Cecilia glaubt Robbies Unschuldsbeteuerungen, sagt sich von ihrer Familie los und wird trotz ihres abgeschlossenen Studiums in Cambridge Krankenschwester in London. Briony träumt weiter ihren extravaganten Traum vom Dasein als Schriftstellerin und kämpft die eigenen Zweifel an ihrer Aussage in den nächsten Jahren verbissen nieder. Das gutbürgerliche Leben, das alle drei vor sich ausgebreitet sahen, wird zur Unmöglichkeit.

Ian McEwan hat seinen Roman dreigeteilt; der erste Teil erzählt in ausufernder, detailgenauer Prosa die Ereignisse jenes schicksalhaften Tages, an dem Briony Robbie der Vergewaltigung beschuldigt; der zweite Teil spielt Jahre später, als Robbie, inzwischen Soldat der britischen Armee, sich durch die Hölle von Dunkirk kämpft und stets Cecilias Briefe vor Augen und ihre Stimme im Kopf hat – „Komm zurück“ -, während Briony sich als Lernschwester in einem Londoner Krankenhaus verpflichtet; der dritte Teil spielt in der Gegenwart, in der Briony sich als alternde Schriftstellerin mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt. McEwan leistet sich vier Erzählperspektiven – die des Kindes Briony, die des Soldaten Robbie, die der jungen und schließlich die der alten Briony – und verbindet jede Perspektive souverän mit den anderen. Jede Perspektive ist geprägt von einem eigenen Schreibstil; der erste Teil, erzählt aus der Perspektive des Kindes Briony, das zuckersüß-romantische kleine Theaterstücke schreibt, ist von dem Stil einer Jane Austen geprägt, der im zweiten Teil einer harten, knappen Prosa Platz macht, die sachlich die Schrecken des Krieges beschreibt, während der letzte Teil abgeklärt und altersweise daherkommt. McEwan versteht es, jedem Erzähler eine eigene Stimme zu geben, ohne dem Roman als Ganzem seinen Erzählfluss zu nehmen. Über die Jahre hinweg begreift Briony langsam, dass ihre Zweifel an der Identität des Täters, die sie insgeheim immer gehegt hatte, und ihre Schuldgefühle Robbie und Cecilia gegenüber nicht wie die Wasserpfütze vor dem Brunnen in der Gluthitze verdunsten werden, sondern sich vielmehr wie ein hauchdünner, fast unsichtbarer Bruch durch ihr Leben ziehen – ganz wie bei der wertvollen Vase, von der Robbie und Cecilia am Brunnen ein Stück abbrechen und ins Wasser fallen lassen. Cecilia steigt in den Brunnen, um das Stück herauszufischen und klebt die Vase, ohne dass jemand den Schaden bemerkt. Erst Jahre später zerbricht die Vase auf eine für die Haushälterin der Familie Tallis unerklärliche Weise in tausend Scherben.
(Literaturkritik.de)

Sandor Marai, Die Schwester

Dieses Buch ist eine der Meistererzählungen von Sandor Marai. An zwei verschiedenen Orten begegnen wir einem berühmten Pianisten und sind Zeugen seiner Gespräche und seinen Überlegungen. Es geht um Beziehungen, um den Sinn des Lebens, um Krankheit und Heilung jenseits der klassischen Konzepte von Medizin und Behandlung. Der Kontrast zwischen den so von Angst befreiten, sterbenden Künstler und einer Krankenschwester, ebenfalls krank, beleuchtet die verschiedenen Haltungen, die man einnehmen kann. Über dem ganzen Buch schwebt ein gewisser Pessimismus, der fast alle seine Werke prägt und der das Ende des Schriftstellers ahnen lässt.

Die Romane von Sandor Marai sind nicht unterhaltsam im klassischen Sinne, enthalten aber viel Stoff zum Nachdenken. Ich finde dieses Buch hervorragend.

Was andere dazu meinen:

Verfasst in den letzten ungarischen Jahren vor seinem Exil, ist Sándor Márais Roman »Die Schwester« das Zeugnis einer verhängnisvollen Ménage-à-trois und zugleich eine tief empfundene Psychologie des  Schmerzes.
Der Zufall führt die beiden zusammen: den Erzähler und den berühmten Pianisten Z. In einem Kurort  in den transsilvanischen Bergen begegnen sie sich. Es ist Weihnachten, und eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft verbringt die Feiertage in einem kleinen Gasthof. Schockiert müssen  die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass sich ein elegantes Liebespaar gemeinsam das Leben  genommen hat. Tief betroffen vertraut der Pianist dem Erzähler ein Manuskript an, aus dem wir von  seiner eigenen großen Liebe erfahren – einer Liebe, die ihn seine Bestimmung finden ließ, für die er aber einen hohen Preis bezahlen musste. Vor dem Hintergrund eines fernen Krieges erzählt Márais dunkel funkelnder Roman von einer unerfüllten Liebe, deren Schmerz unerhörte Folgen hat.
(Amazon)

Der ungarische Schriftsteller Sándor Márai (1900-1989) musste 1948 Ungarn vor den Kommunisten verlassen, exilierte nach Italien und lebte ab 1952 in den USA, wo er sich nach mehreren privaten Schicksalsschlägen 1989 das Leben nahm. Ähnlich wie im Leben des Autors Márai befinden sich auch seine Romanfiguren meist in einer schwierigen Lebenssituation, müssen traumatische Erlebnisse bewältigen oder werden durch ein jäh eintretendes Ereignis aus ihrem bis dato vermeintlich friedlichen Dasein gerissen und von den Schatten der Vergangenheit eingeholt.

„Die Schwester“ ist der letzte noch in Ungarn erschienene Roman Márais, in dessen Mittelpunkt eine fatale Ménage-à-trois rund um den Pianisten Z. steht. Der Erzähler des ersten Teiles des Buches trifft an den Weihnachtsfeiertagen auf den einst weltberühmten Künstler Z. in einem abgeschiedenen Gasthof in den transsilvanischen Bergen. Die Pensionsgäste sitzen dort schon seit geraumer Zeit aufgrund der schlechten Witterung fest, können lediglich langweilige Tätigkeiten im Haus verrichten und hoffen darauf, dass sich endlich eine weihnachtliche Winteridylle einstellt. Nach Tagen des zermürbenden Wartens geschieht plötzlich ein tragisches Ereignis, das eine gewisse Dynamik in die sonst sehr lethargische Gästeschar bringt: Ein auch in der Pension einquartiertes Liebespaar begeht Selbstmord. Durch diese Unglückstat kommt der Erzähler in Kontakt mit dem sehr verschlossen auftretenden Z., und einige vieldeutige Gespräche über die Musik und den Sinn des Lebens folgen.

Doch dann reist Z. unvermittelt ab. Monate später erfährt der Erzähler von Z.’s Tod in einem Sanatorium und erhält überraschenderweise ein handschriftliches Manuskript aus dessen Nachlass. Was nun folgt, ist eine minutiöse Schilderung von Z.’s Leidensweg und die Gründe für sein einstiges Verschwinden aus der Gesellschaft und das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit.

Nach einem Konzert in Italien erkrankte er an einer mysteriösen Nervenkrankheit, die aufgrund vielfältiger Lähmungserscheinungen ein plötzliches Karriereende des Pianisten und einen mehrmonatigen Aufenthalt in einem italienischen Krankenhaus nach sich zog. In einer Mischung aus Erinnerungsbruchstücken, einer Vielzahl an tiefschürfenden Gesprächen mit den ihn behandelten Ärzten kommt Z. zu der Erkenntnis, dass die Krankheit als Resultat seiner zwar platonischen, aber fatalen Beziehung zu einer verheirateten Frau zu interpretieren ist. Die Krankheit steht quasi als Metapher für die Lebenslüge von Z. und seine Verstrickung in unheilvolle und aussichtslose Beziehungen. Die darauffolgende Genesung geht nun zwar zügig voran, scheint aber nicht von Dauer zu sein.

Márais Roman aus dem Jahre 1946 ist keine leichte Kost, die man nebenbei liest – es wäre dazu auch zu schade. Der aufmerksame Leser muss sich vielmehr auf die permanent düstere, bedrohliche Stimmung, die mit Metaphorik beinahe überladenen Beschreibungen und die tiefgründigen Gespräche zwischen den Figuren einlassen, um die Faszination in dieser psychoanalytischen Spurensuche eines am Leben und der Welt Verzweifelten zu spüren. „Die Schwester“ ist nicht Márais bester Roman, aber doch ein absolut lesenswertes Stück Literatur des 20. Jahrhunderts, das einen exzellenten Einblick in die Gedanken- und Ideenwelt des ungarischen Schriftstellers ermöglicht und Márais literarisches Erbe vervollständigt.
(Literaturkritik.de)

Don Winslow, Broken

Don Winslow, als Sohn einer Bibliothekarin und eines Navy-Offiziers in New York geboren, ist ein unermüdlicher Schreiber. Die Hintergründe der verschiedenen Mafias, Kartelle und Banden kennt er aus erster Hand und aus Recherchen. Er ist besonders durch eine Trilogie bekannt geworden, in der er die Entwicklung der mexikanischen Drogenkartelle und die Rolle die dabei die DEA, das FBI und die mexikanische Regierung spielten.

In diesem Werk hat er sechs kurze Erzählungen gesammelt, die von Verbrechern und Polizisten, von Justiz und Unrecht handeln. Gemeinsam haben alle eins: dieser Kampf kostet immer Leben, auch wenn die Betroffenen dabei nicht sterben.

Was andere dazu meinen:

Sechs packende Geschichten voller Verbrechen und Korruption, Schuld und Gerechtigkeit, Verlust und Verrat, Rache und Vergebung von Bestsellerautor Don Winslow. In Broken schickt er einige seiner beliebtesten Charaktere wie Ben, Chon und O aus »Zeit des Zorns« in eine Welt voller Schwerverbrecher und Kleinkrimineller, besessener Polizisten, denen Job und Leben zusetzen, Privatdetektive, Kopfgeldjäger und Flüchtiger. Doch auch das aktuelle politische Klima in den USA findet sich thematisch wieder, als ein texanischer Grenzschützer sein Handeln aufgrund der unhaltbaren Zustände in den Sammellagern hinterfragen muss.
(Amazon)

Peter Cawdron, Habitat

Peter Cawdron, in Neuseeland geboren, wohnt in Australien und schreibt im Stil der sogenannten „Hightech-Science Fiction“. Er hat viel Erfolg mit seinen Büchern geerbt.

Dieses Buch ist eine interessante Erzählung um die Kolonisierung vom Mars und um die künstliche Intelligenz. In einer Kolonie auf dem Mars, wo Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten, trifft unerwartet die Nachricht, dass auf der Erde ein Atomkrieg ausgebrochen ist. Alle Signale verstummen. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich in den verschiedenen Gruppen, die jedoch dazu verdammt sind, sich zu vertragen und zusammenzuarbeiten. Bald stellt sich heraus, dass die Angriffe von einer ganz anderen Seite kommen.

Was andere dazu meinen:

Die Menschheit hat ihren Fuß auf den Mars gesetzt. Die neue Habitatsiedlung „Endeavor“ wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Einhundertzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Astronauten arbeiten hier. Sie sind auf alle Eventualitäten vorbereitet – nur nicht darauf, dass plötzlich die Funksignale von der Erde verstummen. Gefangen auf dem Mars, können die Kolonisten über die Katastrophe, die auf ihrem Heimatplaneten passiert sein mag, nur rätseln. Und hoffen, dass sie hier überleben …
(Lovelybooks)

Irène Némirowski, Feuer im Herbst

Irène Némirovsky wuchs als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew auf. Im Laufe der russischen Revolution musste die Familie nach Paris auswandern. Die Autorin erlangt relativ früh Ruhm durch ihre Erzählungen, insbesondere die Suite française. Als die deutschen Truppen Frankreich besetzten, wurde sie verhaftet und nach Ausschwitz deportiert, wo sie in Folge einer schweren Krankheit 1942 verstarb.

Feuer im Herbst erzählt eine Liebesgeschichte nach dem Großen Krieg in Europa, umgeben von der Korruption, dem Opportunismus und der Perspektivenlosigkeit dieser schwierigen Zeit in Frankreich.

Was andere dazu meinen:

Wie durch ein Brennglas folgt der Blick Irène Némirovskys den Liebenden Thérèse und Bernard durch die kriegsversehrte Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihrem Roman „Feuer im Herbst“ erweist sich die Autorin erneut als unbestechliche Beobachterin einer Hölle, die den Menschen ihre Gefühle raubt und ihre Wurzeln durchtrennt. Allein die Liebe hat eine Chance, die Verlorenen zu retten.
Noch liegt malvenfarbene Luft über Paris, noch flanieren die Kleinbürger sonntags über die Champs-Elysées und genießen ihr kleines Glück. Martial wird bald Arzt sein und seine Cousine Thérèse heiraten. Die Zukunft ist geordnet. Doch ein Frösteln, eine zittrige Erregung erfasst die Menschen. Ein Wort aus ferner Zeit taucht auf und weckt Heldenträume in jungen, abenteuerlustigen Männern – Krieg. Das Grauen zerstört schnell alle Illusionen. Thérèse wird Witwe, und von der Front kehren gebrochene Männer heim. So auch Bernard, Thérèses Kamerad aus Kindertagen. Mit wildem Lebenshunger will er die Kriegsgräuel vergessen machen, will Wiedergutmachung für das Erlittene. Er will Frauen, Geld, rauschhaften Genuss. Thérèse verliebt sich in Bernard. Als er abzustürzen droht, fängt sie ihn auf. Sie ahnt nicht, welchen Preis sie für ihren Traum bezahlen muss.
(Medimops)

Joel Dicker, Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Der Schweizer Joel Dicker hatte einen großen Erfolg mit seinem ersten Roman, Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Später hat er drei weitere Romane geschrieben, die ebenfalls gut verkauft wurden, teilweise dank eines exzellenten Marketings. Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite an, begleitet von etwas Gesellschaftskritik.

Im Buch geht es um einen brutalen Mord an vier Menschen, um eine Journalistin, die offenbar etwas herausgefunden hat, und dann verschwunden ist, und um viele Zeugen, die verschiedene Ansichten des Geschehens haben.

Joel Dicker verführt in seinen Romanen die Leser und verunsichert sie dann immer wieder. Die Fakten, die er dem Leser erzählt, ergeben am Anfang wenig Sinn, bis man lernt, die Informationen richtig zu deuten. Ohne Zweifel spannende Erzählungen, wobei man sich am Ende die Frage stellt: hat sich gelohnt?

Was andere dazu denken:

Der neue Joël Dicker »macht süchtig!« Elle

Vier Menschen, an einem schönen Sommerabend brutal ermordet. Zwanzig Jahre später: Die junge Journalistin Stephanie Mailer stellt zu viele Fragen und verschwindet. Was ist ihr zugestoßen? Und was hat sie herausgefunden?

»Raffiniert zieht uns Joël Dicker in ein Netz aus Intrigen.« Le Parisien

»Joël Dicker spielt derart gekonnt mit dem Leser, dass man immer weiter lesen muss, um zu erfahren, was ihm noch eingefallen ist.« Bayerischer Rundfunk

»In faszinierendem Tempo zieht Dicker alle Register großer Erzählkunst, er zeigt sich fintenreich und löst damit pure Lesesucht aus.« Kleine Zeitung

Monatelang unter den Top“10 der französischen Bestsellerliste!



Sandor Marai, Das Vermächtnis der Eszter

Ohne Zweifel ein Meisterwerk von Sandor Marai. In wenigen Seiten und mit wenigen Worten beschreibt er in großer Tiefe Gefühle und Sehnsüchte, Enttäuschungen und Freuden.

Es geht um Eszter, eine ledige Frau, die ein friedliches Leben führt bis zu dem Augenblick, da ein Freund ihrer Familie diese Ruhe für immer zerstört. Dieser Mann, inzwischen verwitwet, hat vor Jahren Eszter enttäuscht und betrügt, und dann ihre Schwester geheiratet. Der Gaunercharmeur taucht nun nach langer Zeit auf und weckt vom neuen die verdrängten Gefühle in Eszter auf.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie in anderen kurzen Erzählungen schafft der ungarische Autor, dem Leser mit wenigen Worten in eine innere Welt von ungeheurer Intensität zu versetzen.

Was andere dazu meinen:

Vor 20 Jahren hat der Hochstapler Lajos, Eszters große und einzige Liebe, nicht nur sie, sondern auch ihre übrige Familie mit Charme und List bezaubert. Eszter hat es ihm nicht verziehen, dass er ihre Schwester Vilma geheiratet hat. Nun kehrt er zurück, um die tragischen Ereignisse von damals zu klären und die offenen Rechnungen zu begleichen. Bei dieser Gelegenheit kommen drei Briefe zum Vorschein, die für Eszter gedacht waren, die sie aber nie erhalten hatte … Nach dem Welterfolg von Sándor Márais Roman »Die Glut« ein weiteres Meisterwerk des großen ungarischen Autors.
(Medimops)

»Mit großem Geschick, in einer aufs Wesentliche verknappten und suggestiv aufgeladenen Sprache, verknüpft Sándor Márai die Fäden einer desaströsen Liebes- und Lebensgeschichte, die in einem existenziellen Kampf gipfelt, den die Frage bestimmt: Wird Lajos wieder siegen und seinen letzten großen Betrug erfolgreich abschließen?«
Süddeutsche Zeitung

Ian McEwan, Die Kakerlake

Was hat Kafka mit dem Brexit zu tun? Ian McEwan entfaltet in dieser kurzen Fabel seine ganze Ironie und seinen englischen Humor. Der Protagonist der Erzählung heißt Jim Sams, eine deutliche Anspielung auf Gregor Samsa, der als Kakerlake aufgewachter Staatsbeamter von der Verwandlung von Kafka. McEwan beschreibt den umgekehrten Prozess: eine Kakerlake wacht als britischer Premierminister auf und unternimmt im Alleingang einen Kreuzzug gegen jede politische Vernunft.

Die Anspielungen auf Boris Johnson und auf den Brexit sind so evident, dass man sich bei der Lektüre voll und ganz auf den englischen Humor und auf die sarkastischen Einfälle von McEwan verlassen kann. Köstlich.

Was andere dazu denken:

Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens – und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und noch nicht mal von den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Ian McEwan verneigt sich vor Kafka, um eine Welt zu beschreiben, die Kopf steht.
(Medimops)