Das «No» im Titel dieses Romans ist der Kosename einer 18-jährige Obdachlose, mit richtigem Namen Nolwenn, nach dem Aufhenthalt in mehreren Pflegefamilien und Erziehungsanstalten wörtlich in Paris auf die Straße gelandet ist. Das «Ich» ist Lou, eine hochbegabte 13-jährige Schülerin, die von ihren Mitschülern, alle älter als sie, als «brainy» gehänselt wird. Ihre Familie hat den Tod ihres kleinen Bruders wenige Wochen nach seinem Geburt nicht verarbeitet, und ihre Mutter lebt in einer tiefen Depression.
No und Lou lernen einander in der Gare d’Austerlitz kennen, wo Lou gerne kommt, um die Emotionen «normaler» Menschen zu beobachten. Gegen jede Logik wächst zwischen beiden eine freundschaftliche Beziehung, die die Eltern mit Argwohn aber wohlwollend beobachten.
Die Autorin hat klargestellt, dass das Buch reine Fiktion ist, ohne autobiographische Elemente. Neben der gewohnten literarischen Qualität dieser Autorin, das Buch überzeugt durch die feinfühlige Darstellung der Personen und ihrer Beziehungen. Trotz ihrer Intelligenz und ihrer scheinbaren Reife ist Lou emotionell sehr unsicher, was sie zu überstürzten Reaktionen verleitet. Neben No y Lou, andere Protagonisten sind Lous Eltern und Lucas, ein Schulkollege, Opfer einer katastrophalen familiären Situationen, die er hinter einer Fassade als cooler Frauenheld versteckt.
Hervorragendes Buch, wie alle, die ich von der Autorin gelesen habe.
Was andere dazu meinen:
Lou ist hochbegabt und eine Einzelgängerin. Am liebsten beobachtet sie die Menschen um sich herum und stellt dabei gewagte Theorien auf, um das zu verstehen, was tagtäglich mit uns geschieht. Bis sie auf die achtzehnjährige No trifft, die mitten in Paris auf der Straße lebt. No mit den dreckigen Klamotten und dem müden Gesicht. No, die jeden Tag um ein Essen und einen Schlafplatz kämpfenmuss. No, deren Einsamkeit die Welt in Frage stellt. Und Lou stürzt sich in ihr neues Projekt: Sie will No retten – und sich und der Welt beweisen, dass sich alles ändern lässt …
