Jon Krakauer, Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus

Jon Krakauer ist ein nordamerikanischer Journalist, der durch drei Bücher und ihre Verfilmungen berühmt geworden ist: Into the Wild, über einen jungen Abenteurer, der sich in die Wildnis alleine wagt, In eisigen Höhen über einen Aufstieg auf den Mount Everest und Mord im Auftrag Gottes über einen brutalen Mord, verübt im Jahre 1984 von Dan y Ron Lafferty, zwei fundamentalistischen Mormonen, die ihre Schwägerin Brenda und deren Tochter, ein kleines Baby, umbrachten.

Krakauer beschränkt sich nicht auf die bekannten Tatsachen und die entsprechenden Gerichtsverhandlungen. Er nutzt sein Werk für eine vorwiegend negative Erzählung über die Entstehung und die Geschichte der Mormonen, und insbesondere der fundamentalistischen Zweige dieser Religion. Es fehlen auch nicht allgemeine Urteile über die Religionen im Allgemeinen, als Phänomen, das er nicht begreifen kann.

Das Buch enthält auch die Einwände eines mormonischen Priesters zum Buch von Krakauer, die Antwort des Autors auf diese Stellungnahme und andere Überlegungen.

Die Taten lassen kaum Raum für Interpretationen. Beide Brüder haben ihre Opfer den Hals abgeschnitten in der Meinung, einem «Gebot Gottes» zu gehorchen, und haben es so vor und nach dem Bluttat offen bekundet.

Aus meiner Sicht ist das Buch interessant und die Meinung des Autors teilweise legitim. Ich finde allerdings reduktionistische Tendenzen, als Krakauer die Geschichte einer Religion, und der Religionen im Allgemeinen, auf die verwerflichen Taten, die in «ihrer Umgebung» stattfanden, beschränkt. Ein dominantes Thema des Buches ist die Polygamie, wie sie von manchen Mormonen, besonders in den höheren Kreisen, praktiziert wird, und die von Krakauer als ein zentrales und fast exklusives Thema dieser Religion dargestellt wird.

Also ein interessantes Buch, auch durch die Art, wie es geschrieben ist, aber etwas einseitig.


Was andere dazu meinen:

Als Allen Lafferty am Abend des 24. Juli 1985 nach Hause kommt, findet er seine Frau und seine Tochter ermordet auf. Beide wurden grausam hingerichtet. Zu dem Mord bekennen sich Allens Brüder Ron und Dan Lafferty. Sie behaupten, den Auftrag dazu habe ihnen Gott gegeben. Ausgehend von diesem Familiendrama untersucht Jon Krakauer den Ursprung des religiösen Fanatismus. Die Laffertys sind Mormonen. Krakauer schildert die Geschichte dieser erst 170 Jahre alten Religion und zeigt, wie bedrohlich es sein kann, wenn Menschen glauben, einen „direkten Draht zu Gott“ zu haben.

(Perlentaucher)

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