Archiv für den Tag: 25. Dezember 2022

Penelope Fitzgerald, Die Buchhandlung

Ohne Zweifel eins der besten Romane dieser britischen Schriftstellerin.

Eine alternde Frau kommt zu einem Ort an der Ostküste Englands mit der Absicht, dort eine Buchhandlung zu eröffnen.

Womit sie nicht gerechnet hat, ist dass Widerstand gegen Ihr Projekt aus verschiedenen Stellen wächst.

Was andere dazu meinen:

Florence Green erwirbt in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Küste Ostenglands, das Old House als zukünftiges Domizil für ihre Buchhandlung. Dass das Gebäude anscheinend von einem Poltergeist besessen und bis auf die Grundmauern feucht ist, bringt sie von ihrem Vorhaben ebensowenig ab wie die Tatsache, dass sie von finanziellen Dingen keine Ahnung hat. Voller Schwung stürzt sie sich in die Vorbereitungen und stattet ihre Buchhandlung liebevoll aus. Die Einwohner des kleinen Städtchens begegnen dem Unternehmen zunächst mit Skepsis, bald stellen sich jedoch erste Stammkunden ein. Als Florence Green aber dann ein gerade erschienenes Buch eines bis dahin unbekannten Autors, Vladimir Nabokov, verkauft, ist die Aufregung groß und weitet sich zu einem Skandal aus …

(medimops)

Karen Cleveland, Eine Frage der Sicherheit

Stephanie Maddox arbeitet im Bereich der inneren Sicherheit des FBI. Sie macht sich Sorgen um ihren Sohn Zach, der sich langsam aber sicher von ihr abwendet. Eines Tages entdeckt sie im Zimmer Zachs eine geladene Pistole und bekommt Besuch von einem CIA-Agenten, der ihr den Verdacht mitteilt, ihr Sohn könnte Verbindungen zu einer gefährlichen anarchistischen Gruppe haben.

Sie merkt aber bald, dass sie in der Aufklärung alleine gelassen wird.

Was andere dazu meinen:

Stephanie Maddox ist leitende Sonderermittlerin beim FBI. Fast zwei Jahrzehnte hat sie hart gearbeitet – und als alleinerziehende Mutter viele persönliche Opfer gebracht. Himmel und Hölle würde sie in Bewegung setzen, um ihren 17-jährigen Sohn zu schützen. Auch vor einem brisanten Geheimnis aus ihrer eigenen Vergangenheit. Nie wäre ihr in den Sinn gekommen, dass Zachary Geheimnisse vor ihr haben könnte. Doch dann findet sie eine geladene Pistole in seinem Zimmer. Alles deutet darauf hin, dass ihr Sohn in die Machenschaften einer gewaltbereiten extremistischen Vereinigung verstrickt ist. Einer Gruppierung, die Anschläge gegen Regierungsvertreter plant. Deren Mitglieder sich nicht an Gesetze gebunden fühlen, weil sie den Staat nicht anerkennen. Ist Zachary in falsche Kreise geraten? Wie gut kennt sie ihren Sohn wirklich?

(Amazon)

Nickolas Butler, Ein wenig Glaube

Lyle und Peg, ein älteres Ehepaar, freuen sich über die Rückkehr ihrer Adoptivtöchter Shiloh und deren Sohn Isaak, die lange Zeit getrennte Wege gegangen ist. Doch bald entdecken sie, dass Shiloh von einem charismatischen freikirchlichen Prediger stark beeinflusst wird. Sie lernen die Gemeinde kennen und erkennen Zeichen einer sektenähnlichen Struktur. Kurz darauf erkrankt Isaak, und seine Mutter weigert sich, ihn im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Was andere dazu meinen:

Ein schmerzhaft-schöner Familienroman, der die Macht und die Grenzen des Glaubens mit besonderem Feingefühl erkundet: Lyle und Peg Hovde empfinden es als großes Glück, dass ihre Tochter Shiloh samt Enkelsohn wieder nach Hause zurückgekehrt ist. Doch bald treibt Shilohs neue Glaubensgemeinschaft einen Keil in das harmonische Familienleben. Als sich abzeichnet, dass auch der fünfjährige Isaac in die Fänge der Sekte geraten könnte, müssen die Großeltern eine folgenschwere Entscheidung treffen, die die Familie vollends entzweien könnte.

Lyle und Peg Hovde genießen im ländlichen Wisconsin ihr Großelternglück. Gerade ist ihre alleinerziehende Adoptivtochter Shiloh mit dem fünfjährigen Isaac nach Wisconsin zurückgekehrt, und die Familie zum ersten Mal seit Jahren wieder vereint. Doch es gibt einen Wermutstropfen, denn während ihrer Abwesenheit hat sich Shiloh einer radikalen Glaubensgemeinschaft angenähert. Lyle beobachtet Shilohs Entwicklung mit Skepsis, vor allem als deutlich wird, welche Rolle der Enkelsohn Isaac in der religiösen Gemeinde spielt. Doch je stärker er sein Unbehagen zum Ausdruck bringt, umso heftiger reagiert Shiloh. Lyle versucht alles, um das Vertrauen seiner Tochter wieder zurückzugewinnen, doch als das Glaubensdogma der Sekte Isaacs Sicherheit bedroht, ist Lyle gezwungen, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen. Nickolas Butler widmet sich mit großem Einfühlungsvermögen einem hoch sensiblen Thema. Was darf der Glaube und welche Macht kann er entfalten? Wann muss man Menschen vor ihrem Glauben beschützen und kann das überhaupt gelingen?

(medimops)

Yoko Ogawa, Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Eine junge Frau, alleinerziehende Mutter von einem 10-jährigen Jungen, arbeitet für eine Zeitarbeit-Agentur, die sie vor allem als Pflegerin einsetzt. Eines Tages wird ihr eine neue Stelle angeboten: sie soll sich um einen alten Mathematik-Professor kümmern, der nach einem Unfall das Gedächtnis verloren kann, so dass er nur die letzten 80 Minuten behalten kann.

So lernt sie jeden Tag der Professor neu kennen, und wird gleich mit einer überraschenden Frage begrüßt. Neben Mathematik, die andere Leidenschaft des Professors ist Baseball, wobei er ein echter Fan von Spielern ist, die seit 20 Jahren nicht mehr aktiv sind. Eines Tages lädt er die Pflegerin ein, ihren Sohn mitzubringen, damit dieser nicht lange auf das Abendessen nach der Schule warten muss. Daraus entwickelt sich eine schöne Geschichte, die jeden Tag praktisch neu beginnt.


Was andere dazu meinen:

„Überraschend, anmutig und tief bewegend.“ Paul Auster. Eine Frau wird die Haushälterin eines Mathematikprofessors, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist. Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft und Verlust – und über die Poesie der Zahlen. Seit einem geheimnisvollen Unfall währt das Kurzzeitgedächtnis eines Professors nicht länger als achtzig Minuten. Eine neue Haushälterin gewinnt sein Vertrauen, auch ihren zehnjährigen Sohn schließt er ins Herz. Über die faszinierende Welt der Mathematik kommen sie einander näher, und mit jeder neuen Gleichung, mit jedem neuen Zahlenrätsel entstehen zwischen ihnen Bande, die stärker sind als der Verlust der Erinnerung – bis die Schwägerin des Professors dem ein Ende setzt … „Ein wunderbares, ein poetisches Buch.“ WDR. „Die Japanerin Yoko Ogawa schreibt so poetisch und konkret, so fremd und vertraut, dass ihr Werk ein kleines Wunder an Widersprüchlichkeit ist.“ Brigitte

David Foenkinos, Nathalie küsst

Die deutschen Verlage sind manchmal sehr eigensinnig in der Wahl der Buchtiteln. Dieses Buch des inzwischen zu Lieblingsautor der französischen Literatur gewordenen David Foenkinos heisst in allen anderen Sprachen La délicatesse. Der deutsche Verlag konnte sich offenbar nicht auf eine Übersetzung einigen — es kämen Empfindsamkeit, Zärtlichkeit, Taktgefühl und viele anderen Begriffe in Frage — und wählte das entscheidende Ereignis der Erzählung als Titel für das erfolgreiche Buch. Die Verfilmung führt den Zuschauer, wie so oft, über festgestrampelten (Bilder)-Wege zu einer etwas banalisierten Liebesgeschichte. Das Buch ist viel mehr. Natalie ist eine junge Ehefrau, beruflich erfolgreich, die plötzlich ihren Mann in einem absurden Verkehrsunfall verliert. Sie reagiert mit Trotz und widmet sich ganz ihrer Arbeit, bis das Leben ihr selbst und ihrer gesamten Umgebung überrascht.

Was andere dazu meinen:

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ – und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für alle Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte.

(Medimops)

J. R. Moehringer, Tender Bar

J. R. Moehringer wurde berühmt durch seine Biographie von Willie Sutton, der wohl bekannteste Bankräuber des 20 Jahrhunderts in den USA. In Tender Bar schreibt er eine Geschichte von Erwachsenwerden.

Als sein Vater die Familie verlässt, zieht der junge JR mit seiner Mutter zu deren Elternhaus in Long Island bei New York. Dort betreibt sein Onkel eine Kneipe, The Dickens, die zum eigentlichen Zuhause von JR wird, wie dieser selber nach vielen Jahren in seinen Memoiren schreibt.

Was andere dazu meinen:

Eine Bar ist vielleicht nicht der beste Ort für ein Kind, aber bei weitem nicht der schlechteste. Vor allem das »Dickens« nicht, mit seinen warmherzigen und skurrilen Figuren: Smelly, der Koch, Bob der Cop mit seiner dunklen Vergangenheit oder Cager, der Vietnam-Veteran. Für den kleinen JR, der alleine mit seiner Mutter wohnt, sie alle sind bessere Väter als seiner es jemals war. JR wird erwachsen, und erfüllt sich seinen Traum: er geht nach Yale. Die Bar wird JR sein Leben lang begleiten. Dort hört er zum ersten Mal Sinatra, sieht Baseballspiele im Fernsehen, und trinkt sein erstes Bier. Und bekommt all das, was er braucht: Mut, Zuversicht und die Gewissheit, dass es nicht immer nur die Guten oder die Bösen gibt, dass Bücher Berge versetzen können und dass man an gebrochenem Herzen nicht stirbt.

Ein abwechselnd herzzerreißender und urkomischer Roman über tapfere Kinder, mitfühlende Männer und starke Mütter. Und darüber, dass Träume auch wahr werden können – wenn man für sie kämpft.

(medimops)

Wallace Stegner, Zeit der Geborgenheit

Larry Morgan und seine Frau Sally sind gerade in Madison (Wisconsin) im Jahr 1937 angekommen, um an der Universität zu arbeiten, als die Familie Lang, Sid und Charity, für sie eine Willkommensfeier organisiert. Vom Anfang an entwickelt sich eine Freundschaft zwischen beiden Ehepaaren, die mehr als vier Jahrzehnte dauernd sollte. Larry, der als Erzähler auftritt, vergleicht die untrennbare, wenn auch ungleiche Vierergruppe, mit einem Paradies mit zwei Paaren, wobei auch die Schlange ihre unvermeidliche Rolle spielt.

Zwei Erzähllinien, getrennt von vier Jahrzehnten und ergänzt durch zahlreiche Flashbacks, konvergieren am Sterbebett von Charity in einer unvergesslichen Szene, voller Menschlichkeit und Mitgefühl, wo die Schlange ihren letzten Auftritt hat und jeder seine Rolle in dieser wunderbaren Geschichte voller Menschlichkeit ausspielt.

Stegner, ein in Europa wenig bekannter Schriftsteller aus den USA, obwohl er wichtige Preise gewonnen hat, erzählt durch den Mund von Larry eine Geschichte über die Liebe, über die Treue in der Ehe, über die Freundschaft, über die Arbeit und über das Leben und Sterben.

Was andere dazu meinen:

»In gewisser Weise ist es schön, jung und knapp dran zu sein. Mit der richtigen Frau, und die hatte ich, wurde die Armut zum Abenteuer.«

Als Larry Morgan und seine Frau Sally das Ehepaar Charity und Sid Lang in den dreißiger Jahren kennenlernen, kann der Unterschied zwischen ihnen nicht größer sein: Larry kommt aus dem Westen und hat keinerlei Beziehungen; doch die Liebe zu Sally gibt ihm das Gefühl, reich zu sein. Sid besitzt alles: Ostküstenadel, Vermögen, Einfluss, Reputation. Trotz der Gegensätze fühlen sich die Paare zueinander hingezogen – im Laufe der Jahre wachsen tiefste Zuneigung und Zusammengehörigkeit.

Wallace Stegner erzählt die berührende Geschichte dieser Freundschaft im Rückblick: Als die Paare an Charitys Sterbebett zusammentreffen, gibt dies Larry die Gelegenheit zu einem melancholischen Blick auf die gemeinsam durchlebten Jahre.

Eine Wiederentdeckung von Weltrang

»In der Dichtung sollten wir, denke ich, keinen Vorsatz außer dem haben, die Wahrheit zu erzählen.« Wallace Stegner

»Im amerikanischen Westen, wo seine Wurzeln lagen, war er nicht weniger als eine Ikone«, schreibt T. H. Watkins im Nachwort für ›Zeit der Geborgenheit‹ über Wallace Stegner. Tatsächlich wird mit dieser deutschen Erstausgabe ein Autor von Weltrang wiederentdeckt.

»Wenn ich an Wallace Stegner denke, dann denke ich an einen Mann, der seinen Hunger nach Gerechtigkeit und seine Liebe für das Mögliche mit uns teilt.« Terry Tempest Williams

Wallace Stegner wurde am 18. Februar 1909 in Iowa geboren und wuchs in den weiten Ebenen von Saskatchewan und Montana und in den Bergen von Utah auf. Aus armen und zerrütteten Verhältnissen stammend, darf er als die bedeutendste literarische Stimme des amerikanischen Westens im 20. Jahrhundert gelten. Stegner, der sich auch als Biograf, Kritiker, Essayist, und Historiker einen Namen machte, zählt zu den Wegbereitern des modernen Umweltschutzes. 1960 schrieb er den berühmten Wilderness Letter, der später den ersten Gesetzesentwurf des National Wilderness Preservation Systems einleitete.

»Wir brauchen einfach die Wildnis… Als Teil einer Geographie der Hoffnung hilft sie, uns unserer Kreatürlichkeit zu vergewissern.« Wallace Stegner, Wilderness Letter 1960

»Es gibt nur wenige Erzähler, deren Schaffen so tief in die Naturlandschaften eingebettet ist« schreibt T. H. Watkins, »das Verlangen danach, seinen Platz zu kennen, in der Natur wie in der Gesellschaft, schärfte seinen Blick.« In seiner Dichtung lotet Stegner die Tiefe menschlicher Beziehungen aus, seine Texte über Ehe, Freundschaft, Familie und die Suche nach der eigenen Identität brauchen den Vergleich mit Tschechovs Werk nicht zu scheuen. Stegner unterrichtete an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Stanford. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Pulitzer-Preis (1972) und der National Book Award (1977) belegen seinen Rang als Klassiker der amerikanischen Moderne. ›Zeit der Geborgenheit‹ war sein letzter Roman und zählt zu den wichtigsten und beliebtesten amerikanischen Werken des 20. Jahrhunderts. Er ist, wie viele seiner Romane und Erzählungen, in der Gegend um Greensboro, Vermont angesiedelt, wo der Autor die Sommermonate mit seiner Frau verbrachte. Wallace Stegner starb am 13. April 1993.

»Seine Literatur – ganz zweifellos dieser elegante Roman – ist Teil seiner ›Geographie der Hoffnung‹, an die er glaubte und für die er sich einsetzte.« Terry Tempest Williams (medimops)

Delphine de Vigan, No und ich

Das «No» im Titel dieses Romans ist der Kosename einer 18-jährige Obdachlose, mit richtigem Namen Nolwenn, nach dem Aufhenthalt in mehreren Pflegefamilien und Erziehungsanstalten wörtlich in Paris auf die Straße gelandet ist. Das «Ich» ist Lou, eine hochbegabte 13-jährige Schülerin, die von ihren Mitschülern, alle älter als sie, als «brainy» gehänselt wird. Ihre Familie hat den Tod ihres kleinen Bruders wenige Wochen nach seinem Geburt nicht verarbeitet, und ihre Mutter lebt in einer tiefen Depression.

No und Lou lernen einander in der Gare d’Austerlitz kennen, wo Lou gerne kommt, um die Emotionen «normaler» Menschen zu beobachten. Gegen jede Logik wächst zwischen beiden eine freundschaftliche Beziehung, die die Eltern mit Argwohn aber wohlwollend beobachten.

Die Autorin hat klargestellt, dass das Buch reine Fiktion ist, ohne autobiographische Elemente. Neben der gewohnten literarischen Qualität dieser Autorin, das Buch überzeugt durch die feinfühlige Darstellung der Personen und ihrer Beziehungen. Trotz ihrer Intelligenz und ihrer scheinbaren Reife ist Lou emotionell sehr unsicher, was sie zu überstürzten Reaktionen verleitet. Neben No y Lou, andere Protagonisten sind Lous Eltern und Lucas, ein Schulkollege, Opfer einer katastrophalen familiären Situationen, die er hinter einer Fassade als cooler Frauenheld versteckt.

Hervorragendes Buch, wie alle, die ich von der Autorin gelesen habe.

Was andere dazu meinen:

Lou ist hochbegabt und eine Einzelgängerin. Am liebsten beobachtet sie die Menschen um sich herum und stellt dabei gewagte Theorien auf, um das zu verstehen, was tagtäglich mit uns geschieht. Bis sie auf die achtzehnjährige No trifft, die mitten in Paris auf der Straße lebt. No mit den dreckigen Klamotten und dem müden Gesicht. No, die jeden Tag um ein Essen und einen Schlafplatz kämpfenmuss. No, deren Einsamkeit die Welt in Frage stellt. Und Lou stürzt sich in ihr neues Projekt: Sie will No retten – und sich und der Welt beweisen, dass sich alles ändern lässt …

David Foenkinos, Die Frau im Musée d’Orsay

Dieser französische Autor hat die Fähigkeit, interessante und zugleich realistische (Fiktion-) Personen zu erfinden, die sich dann in einem ruhigen, stimmigen Szenario entfalten. In manchen Werken gesellt sich eine gewisse Ironie hinzu. Nicht in diesem Roman, in dem Foenkinos die Suche nach der Schönheit als ein Ideal vorschlägt, das in der Lage ist, zu heilen, wenn auch nicht immer.

Antoine Duris lehrt Kunstgeschichte an der École nationale supérieure des beaux-arts de Lyon. Eines Tages kündigt er völlig überraschend und zieht nach Paris um, wo er sich um eine Stelle als Wärter im Museum Orsay bewirbt, wo gerade eine Sammlung von Bildern von Modigliani in einer Sonderausstellung gezeigt wird. Die Personaldirektorin des Museums interessiert sich für seinen deutlich überqualifizierten Angestellten und vermutet, er findet sich auf der Flucht von einem traumatischen Ereignis. Parallel dazu erzählt der Autor die Geschichte von Camille, einer begabten Schülerin an Antoines Akademie, die sich für ihre Sensibilität und Talent auszeichnet. Doch die Sachen sind nicht immer so einfach, wie man sich wünscht.

Wie in anderen, ebenfalls kurzen Romanen dieses Autors, ist die Erzählart von Foenkinos was dieses Buch sehr empfehlenswert macht.

Was andere dazu meinen:

Völlig unerwartet kündigt Antoine Duris seine Professorenstelle an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon und zieht mit nur einem Koffer nach Paris. Im Musée d’Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde von Manet, Monet und Modigliani hängen, bewirbt er sich als Museumswärter. Doch warum flieht er Hals über Kopf aus seinem bisherigen Leben? Keiner weiß, wie sehr ihn das Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude, dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben …

(medimops)


“Jeanne Hébuterne” – so heißt die Dame auf dem Porträt von Modigliani, das im Zuge einer Modigliani Ausstellung im Musée d’Orsay gezeigt wird. Antoine wünscht sich nichts sehnlicher als beim Anblick dieses Gemäldes sich selbst und seinen Schmerz zu vergessen. Tag für Tag taucht er tief in das Bild ein, das sein Innerstes mit seiner Schönheit so berührt. Doch schon bald muss Antoine wieder auftauchen und sich dem Leben und seiner Vergangenheit stellen.

Antoine Duris war ein angesehener und beliebter Professor an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon. Doch von einem Tag auf den anderen lässt der Professor alles stehen und liegen – seine Arbeit, seine Wohnung, seine Freunde – und geht nach Paris. Dort will Antoine Museumswärter im Musée d’Orsay werden, um den Schmerz, den er sich trägt, mit der Schönheit der Gemälde zu lindern. Mathilde Mattel ist Personalchefin im Musée d’Orsay. Als sie die Bewerbung von Antoine bekommt, ist sie vollkommen erstaunt, denn der Professor ist mehr als überqualifiziert für diese Arbeit. Er strahlt eine Traurigkeit und Einsamkeit aus, der sich Mathilde nur schwer entziehen kann. Sie gibt ihm die Chance und erfüllt ihm seinen Arbeitswunsch. Mit kleinen Schritten nähern sich die beiden an. Zögerlich und vielleicht etwas angstvoll gehen sie aufeinander zu. Ob Antoine über den Schatten seiner Vergangenheit springen kann und wieder an die Zukunft denken kann? Welches Geheimnis umgibt den traurigen Professor? Welche Rolle spielt die ehemalige Studentin Camille in der ganzen Geschichte? Kann Mathilde Antoine dazu bringen sich, zu öffnen? Nach und nach offenbaren sich die Geheimnisse der Vergangenheit, die auf grausame Weise so viele Leben beeinflusst hat…

David Foenkinos schreibt in einem ganz eigenen Stil, an den sich der Leser erst gewöhnen muss. Die Erzählung erscheint von einer gewissen Distanz, sodass man sich als Leser eher als Beobachter fühlt, anstatt sich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Mit erschreckender Klarheit wird uns von Grausamkeiten berichtet, die einer der Protagonisten widerfährt. Erschütternd ist die Tatsache, das gerade so etwas im echten Leben keine seltene Gewalttat ist. Mit Feingefühl beschreibt Foenkinos die Gefühle des Opfers und die Zweifel und Ängste. Das Schicksal führt hier verschiedene Personen zusammen, die alle in gewisser Weise leiden oder gerade ein Tief in ihrem Leben erreicht haben. Und jeder von ihnen ist auf seine Weise der Kunst verbunden. Es geht sowohl um Hoffnung und darum für das Leben zu kämpfen, als auch den Kampf vielleicht dann doch zu verlieren. Eingebettet ist diese Geschichte in das Thema Kunst. Alle wichtigen Personen sind entweder selbst Künstler oder Kunstliebhaber. Die Schönheit der Kunst wird als Mittel zur Heilung der gebrochenen Seelen hergenommen oder auch die Kunst, um sich selbst darin darzustellen und die eigene Geschichte zu verarbeiten. Für jeden ist Kunst selbstverständlich anders, doch klar ist, dass die Kunst immer mit Gefühlen in Verbindung steht. “Die Frau im Musée d’Orsay” ist ein packendes und ein klein wenig erschreckendes sowie trauriges Buch, das letzten Endes doch einen gewissen Optimismus und Hoffnung durchschimmern lässt. Trotz der Tragik des Lebens sehen wir, dass es auch in den dunkelsten Stunden Momente der Schönheit geben kann. Man muss jedoch anmerken, dass der französische Originaltitel “Vers la beauté” wesentlich besser zum Buch passt, als der deutsche Titel.

(Janettes-Meinung)

Susanna Tamaro, Geschichte einer großen Liebe

Nach vielen Jahren, in denen Susanna Tamaro nur kurze Fabel, Essays und sogar geistliche Texte veröffentlicht hat, erscheint nun ein neuer Roman, der die Intensität, die Fülle und die unverkennbare Sprache der italienischen Autorin vereint. Andrea, ein erfahrener Schiffskapitän, der sein ganzes Leben auf Ferrys und Kreuzfahrtschiffen verbracht hat, erzählt seine Erinnerungen in der Form einer Erzählung für Edith, seine große Liebe. Er tut es zum Teil aus einer Mittelmeerinsel, wo beide viele Jahre zusammen verbracht haben. An andern Stellen hören wir Ediths Stimme. Die Sprachlehrerin mit revolutionärer Vergangenheit versucht vergeblich über längere Zeit, zuzugeben, dass sie ihr ganzes Leben zusammen mit Andrea verbringen möchte. Andere Protagonisten sind die Eltern von beiden, sowie Amy, eine Tochter Ediths, die sich früh selbständig macht, und Marco, ein Sohn von Andrea y Edith.

Wie in den ersten Romanen Tamaros, nicht das Geschehen ist wesentlich, sondern die Art, es zu erzählen, die besondere Sprache der Italienerin und die Gedanken, die einer scheinbaren Kette von Scheitern und Niederlagen begleiten. Andrea ist ein guter Mensch, der es versteht, auf die große Liebe seines Lebens zu hoffen, dafür zu arbeiten und letztlich darin den Sinn des Lebens zu entdecken.

Andere wesentliche Elemente des Romans sind die Zeit, die Bindungen, die Personen eingehen, oder die entstehen obwohl die Personen sie nicht suchen und, über alles und als ständiger Begleiter in den Büchern von Tamaron, das Herz.

Ich finde, es ist ein wunderbares Buch.


Was andere dazu meinen:

1978: Auf einer Überfahrt von Venedig nach Piräus begegnen sich Edith und Andrea; sie, die gerade Abitur gemacht hat, er, Kapitän des Schiffes. Andrea ist von Ediths rebellischer Art fasziniert. Er löst seine Verlobung. Doch Edith gibt ihm keinerlei Sicherheit, und als Andrea ihr einen Heiratsantrag macht, weist sie ihn schroff zurück. Ihre Wege trennen sich. Doch das unsichtbare Band des Lebens führt sie wieder zusammen. Jahre später begegnen sie sich erneut, zunächst verbunden durch eine innige Freundschaft, die bald in eine tiefe Liebe mündet. Eine Liebe, die unerwartetes Glück schenkt und ebenso einen traumatischen Schicksalsschlag verkraften muss.

Susanna Tamaro erzählt auf poetische Weise von zwei Menschen, die sich finden, verlieren und wiederfinden – von einer Liebe, die über den Tod hinaus reicht.

»Flüssig, dialogreich und mit Poesie geschrieben.« Hörzu

»Die Sprache lässt den Leser nicht los. In ihr liegt eine Traurigkeit, die anzieht und neugierig macht.« OÖ Nachrichten

(Amazon)