Archiv für den Tag: 13. Januar 2023

Harper Lee, Wer die Nachtigall stört

Klassisches Buch über Rassentrennung und Gerechtigkeit im „Süden“ der USA. Die Autorin, Harper Lee, war Journalistin und mit Truman Capote befreundet. Nach der erfolgreichen Veröffentlichung entstand ein Disput über die Mitarbeit von Capote in diesem Werk.

Das Buch wurde vor allem durch die Verfilmung in den 60 Jahren bekannt. Das Thema hat nichts von seiner Aktualität verloren, und erfuhr vor wenigen Jahren durch das Erscheinen eines zweiten Buches der Autorin (siehe Bücherkoffer 2018) eine interessante Wende. Dennoch bleiben die Figuren, vor allem die junge Scout und ihr Vater Atticus unvergesslich.

Was andere dazu meinen:

Wie Mark Twain beschwört Harper Lee den Zauber und die versponnene Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten. Die Geschwister Scout und Jem wachsen in einer Welt von Konflikten zu tolerant denkenden Menschen heran. Menschliche Güte und stiller Humor zeichnen diesen Roman aus, der sich, in 25 Sprachen übersetzt, im Sturm die Herzen von Millionen Lesern eroberte. Die Verfilmung mit Gregory Peck wurde mit drei Oscars ausgezeichnet.

Ian McEwan, Kindeswohl

Das Spezialgebiet von Fiona Maye, Familienrichterin in London, sind komplexe Entscheidungen über Sorgerecht, Scheidungen und Anwendung der englischen Gesetzgebung, die das Wohl des Kindes als Hauptkriterium für die Entscheidung in Streitfragen vorschreibt.

In ihrer kinderlosen Ehe fühlt sie sich gut aufgehoben und merkt nicht, wie das Paar im Laufe der Jahre sich auseinander gelebt hat. Eines Tages wird ihr ein Fall vorgelegt, wo es wörtlich um Leben und Tod geht, und wo die Entscheidung vom Glauben der Eltern, die Zeugen Jehovas sind, anhängt. Zugleich präsentiert ihr ihr Mann einen unerhörten Vorschlag. Das Buch stellt gleichzeitig den Leser vor der Entscheidung: muss man dem eigenen Gewissen immer folgen, selbst wenn die Folgen tödlich sein können?

Was andere dazu meinen:

Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls – das ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye. In ihrer eigenen, kinderlosen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Bis zu dem Tag, als ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag unterbreitet und ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt wird, in dem es für einen 17-jährigen Jungen um Leben und Tod geht.

Shüsaku Endo, Schweigen

Dieses beeindruckende Buch erzählt die Geschichte eines Jesuiten, der nach den ersten Verfolgungen und dem Verbot des Christentums in Japan versucht, in das Land einzudringen und Kontakt zu den dort im Untergrund lebenden Katholiken aufzunehmen. Dabei taucht er ein in eine ungeahnte Welt wo ihm Glaube und Hass, Tapferkeit und Feigheit, Naivität und Altklugheit begegnen. Immer wieder fragt er sich, wie kann es sein, dass Gott ihn scheinbar in seiner Unentschlossenheit verlassen hat.

Im Unterschied zum Film von Scorsese, der auf diesem Buch basiert, geht die Erzählung Endos sehr tief in die Seele des Protagonisten ein und formuliert die entscheidenden Fragen, die die zugegebenermaßen eindrucksvollen Bilder des Regisseurs nicht formulieren können.

Was andere dazu meinen:

Schweigen ist der wichtigste Roman des gefeierten japanischen Autors Shusaku Endo. Er verursachte nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1966 eine große Kontroverse in Japan. Shusaku Endo, ein japanischer Katholik, erzählt die Geschichte zweier portugiesischer Missionare, die im siebzehnten Jahrhundert in Japan versuchen, die dortige unterdrückte christliche Bewegung zu unterstützen.
1638 bricht Pater Sebastião Rodrigues nach Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten, dass sein berühmter Lehrer Ferreira seinem Glauben abgeschworen habe, nachzugehen. Nach seiner Ankunft erlebt er die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordung ist, stellt der Autor die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
(Amazon)

Stefan Zweig, Angst

Ich versuche, jährlich mindestens einen Roman oder eine Novelle von Stefan Zweig zu lesen, nach meiner Ansicht einer der besten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts. Es lohnt sich immer wieder, etwa hundert Jahre in die Vergangenheit zu tauchen um zutiefst menschliche Situationen, Gedanken und Gefühle zu entdecken, selbst wenn den Werken Zweigs immer einen Anflug Traurigkeit anhaftet.

Angst ist eine Meistererzählung von Stefan Zweig über Liebe, Ehe, Verrat und Reue. Eine wohlhabende Frau, die in Wien wohnt, bringt sich selbst, teilweise aus Langeweile, in eine verzweifelte Situation, aus der sie keinen Ausweg sieht.

Was andere dazu meinen:

Angst ist eine Novelle von Stefan Zweig, die 1910 in Wien geschrieben wurde und die Gefühle und Ängste einer Ehebrecherin zeigt. Der Handlungsablauf von Zweigs Novelle ist denkbar simpel, und doch vermag es der Autor seine Leser von Anfang an das Buch zu fesseln, sie durch seine einmalige Suggestivkraft die seelischen Qualen der Protagonistin hautnah miterleben zu lassen. Als wohlhabende Ehefrau eines renommierten Anwalts und Mutter von zwei wunderbaren Kinder führt Irene ein beinahe beneidenswertes Leben. Von der Monotonie ihres Alltags gelangweilt, flüchtet sie in ein bedeutungsloses Liebesabenteuer, das jedoch schon bald Ihr ganzes Dasein radikal verändern soll.

Fabian Sixtus Körner, Mit anderen Augen

Wie reagiert ein erfolgreicher Schriftsteller, der Bücher über Reisen und Kontinente schreibt, auf die Nachricht, dass seine Tochter ein Chromosom zu viel an der 21. Stelle hat?
Diese Erzählung öffnet nicht nur dem Autor die Augen, sondern auch und besonders die Leser.

Was andere dazu meinen:

Als Fabian Sixtus Körner seine Tochter im Kreißsaal zum ersten Mal im Arm hält, ist er irritiert. Ihre Augen sind leicht schräg gestellt, und ihr Blick ist merkwürdig unverwandt. Er spürt, dass seine Tochter anders ist. Kurz darauf muss Yanti auf die Intensivstation – es folgen Wochen des Wartens zwischen Angst und Hoffnung. Die nur halb ausgefüllte Geburtskarte über Yantis Brutkasten wird zum Symbol der Ungewissheit: Was bedeutet der medizinische Code »Q90« für ein kleines Kind und seine Eltern? Das Ende der Freiheit, die Fabian so liebte?

Fabian Körner erzählt, was die Intensivstation für Neugeborene und ein Transitraum gemeinsam haben, wie sich sein Blick auf die Menschen und die Welt verändert hat, und warum das Reisen mit Kind und Kegel zu den schönsten Erfahrungen des Lebens zählt.
(medimops)

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben

Was macht das Leben eines „normalen“ Menschen aus? Der Österreicher Robert Seethaler schreibt gekonnt über einen einfachen Menschen, dessen Universum sich auf das Tal der Alpen beschränkt, in dem er lebt. Nach Jahren der Arbeit als Hilfsarbeiter in einem Berghof arbeitet er sich als Techniker hoch.

Eines Tages lernt er Marie kennen, die Liebe seines Lebens. Gegen Ende seines Lebens macht sich Gedanken über sein einfaches aber irgendwie auch erfülltes Leben. Ein Buch voller Sehnsucht, das durch die Schreibweise Seethalers einen wohltuenden Eindruck hinterlässt.

Was andere dazu meinen:

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.
(medimops)