Wieder einmal ist es einem deutschen Verlag gelungen, einen schönen und vielversprechenden Titel durch einen nichtssagenden zu ersetzen. Das Buch von Mary Ann Shaffer heißt im Original und in fast allen anderen Sprachen „Guernsey und die Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“. Die Autorin, Mary Ann Shaffer, starb kurz vor Fertigstellung des Buches. Das ist der Grund, warum Annie Barrows, ihre Nichte, als Mitautorin aufgeführt wird.
Es handelt sich um den Briefwechsel zwischen Juliet, einer jungen Schriftstellerin aus London, und Dawsey Adamas, einem Bauern von der Kanalinsel Guernsey, der in einem Antiquariat ein Buch erstanden hat, das früher Juliet gehörte. Es sind die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs, und Juliet erfährt von Dawsey von einer literarischen Gesellschaft, die einige Inselbewohner gegründet haben, um die schweren Kriegsjahre besser zu überstehen: „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“. Juliet ist von der Idee und den Menschen, von denen sie in den Briefen erfährt, so begeistert, dass sie beschließt, die Insel zu besuchen. Dort lernt sie immer mehr Menschen kennen und erfährt viel über die Zeit der deutschen Besatzung der Insel und über eine gewisse Elizabeth, ein Gründungsmitglied des Clubs, die einen deutschen Offizier liebte.
Das Buch ist eigentlich auch eine Hommage an die Literatur, an die Bibliotheken, an die Kultur und an den Zusammenhalt der Menschen in schwierigen Zeiten, wie es die Besatzung durch die deutschen Truppen war.
Ich empfehle das Buch jedem, der meint, keine Zeit zum Lesen zu haben. Ich garantiere, dass er sich nach einigen Briefen als Mitglied der Gesellschaft und Freund der guten Literatur wiederfindet.
Was andere dazu meinen:
Mit größter Skepsis hat Felicitas von Lovenberg diesen Briefroman aufgeschlagen, um sich dann doch von ihm einfangen zu lassen. Denn weder die Informationen des Klappentextes, es handele sich um das Romandebüt einer 70-jährigen „ehemaligen Buchhändlerin und Bibliothekarin“ noch die Empfehlung eines guten Freundes, es sei ein „zauberhafter“ Roman, haben sie zunächst überzeugt. Doch sie muss zugeben, dass Mary Ann Shaffers Roman um die Journalistin Juliet, die auf einen Club der Kanalinsel Guernsey stößt, der sich in der entbehrungsreichen Kriegs- und Besatzungszeit, mit Lektüre über Wasser hielt, wenn schon kein „literarisches Meisterwerk“, dann doch ein hinreißender Roman ist. Das liegt vor allem an den plastischen Charakterzeichnungen der exzentrischen Figuren und am gekonnten Durchhalten der Briefform, wie Lovenberg preist, die deshalb auch das „Körnchen Rosamunde Pilcher“ verzeiht, das in der Liebesgeschichte mit Happy End um die Hauptfigur zum Vorschein kommt. (Frankfurter Allgemeine Zeitung 2009).
