Wir schreiben das Jahr 1983, wenige Jahre vor dem Fall der Berliner Mauer. Auf dem Straßen- und S-Bahnhof Friedrichstraße in Ost-Berlin unterläuft einem Stellwerksmeister ein Fehler, so dass ein Bolzen bricht und eine Weiche klemmt. Daraufhin wird gegen 4 Uhr morgens der erste S-Bahn-Zug mit 127 Fahrgästen auf das Streckennetz der Bundesrepublik umgeleitet. Spektakuläre Flucht oder Zufall? Der Schrankenwärter Michael Hartung glaubt an Letzteres. Mehr als dreißig Jahre später, im Jahr 2019, ist sein Leben eher trostlos als glorreich. Geschieden und Alkoholiker, betreibt er eine der letzten Berliner Videotheken, die mit dem Vormarsch der Streamingdienste zur Schließung verurteilt ist. Eines Tages bekommt er Besuch von einem Journalisten, der seinen Namen und seine Geschichte in den Archiven des ehemaligen DDR-Geheimdienstes Stasi gefunden hat. In den Augen des Journalisten ist Hartung ein Held, der sein Leben riskiert hat, um einer Gruppe von Bürgern das Tor zur Freiheit zu öffnen. Von da an nimmt das Leben des ehemaligen Bahnwärters, der es immer noch nicht fassen kann, eine radikale Wendung. Ein Geflecht aus Verwechslungen, Lügen und mehr oder weniger erfundenen Tatsachen beginnt sich zu entwickeln und wird 30 Jahre nach dem Fall der Mauer zu einem politisch relevanten Thema.
Der Roman stellt eine angenehme und mäßig unterhaltsame Lektüre dar. Die Figuren sind gut charakterisiert und umfassen sowohl „typische“ Bürger der Bundesrepublik als auch „typische“ Bürger der ehemaligen DDR. Nach meiner Meinung ist es etwas zu sehr in die Länge gezogen, und das Ende ist auch nicht ganz gelungen. Dennoch kann ich es empfehlen.
Was die anderen dazu meinen
»’Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße‘ ist so absurd, so komisch, so gut gebaut und erzählt, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.« Christine Westermann WDR 2 Lesen 20220410
»Maxim Leo hat einen witzigen, rasanten Roman über einen sympathischen Antihelden geschrieben, der plötzlich zur Projektionsfläche für das westliche Bild eines ostdeutschen Helden wird.« („Domradio„)
»Maxim Leo muss es großen Spaß gemacht haben, diese satirische Geschichte zu schreiben. […] ›Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße‹ ist aber auch eine Geschichte, bei der parallel zur humorvollen Absurdität eine melancholische Spur läuft, die nachdenklich macht.« („Prenzlauer Berg Nachrichten“)
