Archiv für den Monat: Januar 2025

Henry James, Das Durchdrehen der Schraube

Dieser Roman von Henry James gilt als einer der bedeutendsten Kriminal- und Gespensterromane der Geschichte. Eine junge Gouvernante wird als Erzieherin für zwei Brüder im Alter von 10 und 12 Jahren in einem viktorianischen Herrenhaus eingestellt. Der Onkel und Vormund der Kinder überträgt ihr diese Aufgabe unter der Bedingung, dass sie ihn in keiner Weise über die Erfüllung ihrer Pflichten befragen oder informieren darf.

Bald nach ihrer Ankunft erhält sie einen beunruhigenden Brief von der Schule des Jungen, und es ereignen sich merkwürdige Dinge um die Vorgängerin der Gouvernante und einen ehemaligen Diener, die beide unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen sind.

Der Roman nimmt von Seite zu Seite an Fahrt auf und vermischt das Natürliche mit dem Übernatürlichen oder Phantastischen. Ohne auf die üblichen Grausamkeiten dieses literarischen Genres zurückgreifen zu müssen, schafft James in jeder seiner Beschreibungen und Gespräche eine Atmosphäre von beispielhafter Spannung.

Die Meinung der anderen:

»An diesem Buch lesen sie sich die Ohren heiß, meinetwegen in 100 Jahren noch; hier erreicht James Können seinen Höhepunkt an Raffinement, auch im Sprachlichen.« Die Rheinpfalz

„Eine höchst wunderbare, grausige, giftgetränkte kleine Geschichte.“ Oscar Wilde

Peter Cameron, Du wirst schon noch sehen, wozu es gut ist

Dieser Roman wird von vielen Kritikern als eine Neuauflage des Fänger im Roggen gesehen. Die 60er Jahren werden durch den XXI Jahrhundert, die Provinz durch die Stadt New York ersetzt, aber die Ausgangssituation bleibt ähnlich: der 18-jährige James weiß nicht genau, was er sein will, eins hat er aber klar: bloß nicht wie seine Eltern. Diese wiederum, bereits geschieden, haben die Zukunft von James vorgezeichnet, einschließlich des Studiums in einer guten Universität. Er will nicht, wie sein Vater, nur auf seine Gesundheit achten, oder sich drei mal scheiden lassen, wie seine Mutter.

Seine Schwester ist die Geliebte ihres Professors, und die einzige Person, die er schätzt, ist seine Großmutter, die im reichen Vorstadtviertel Bronxville lebt. Er sieht sich selbst als einsam und unangepasst, findet aber nicht den Weg, aus diesem Leben herauszukommen und etwas Sinnvolles zu beginnen.

Der Roman erinnert tatsächlich stark an Salingers Fänger im Roggen, das gegen Ende des Buches tatsächlich zitiert wird. Manche Kritiker nennen diesem Werk „die beste Erzählung über New York“. Die FAZ empfiehlt ohne Einschränkungen diesen „einfühlsamen Entwicklungsroman“.

Blut und Feuer, Manuel Chaves Nogales

Der Untertitel dieses Werkes aus dem Jahre 1947 lautet „Helden, Bestien und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg“. Es handelt sich nicht um eine Geschichte des Bürgerkrieges, obwohl alle Erzählungen einen historischen Hintergrund haben, eher um einen Versuch, das Unerklärliche dieses Krieges durch das Leben einzelner Personen verständlicher zu machen.

Manuel Chaves Nogales war ein spanischer Journalist und Schriftsteller, der in den 20er und den 30er Jahren des XX Jahrhunderts großen Ruhm erlang. Er war Chefredakteur in der Tageszeitung Ahora und war ein Anhänger der spanischen Republik. Nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges musste er Spanien verlassen und lebte in Paris und in London im Exil. In England schrieb er diese Sammlung von neun Kurzgeschichten, die vor kurzem neu aufgelegt wurden. Seine Schriften gelten heute als wichtige Quelle, um die Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit neu zu interpretieren.

Alle Erzählungen sind bezeichnend für die Zeit des Krieges in Spanien und zeigen, dass einfache Erklärungen — gute und böse Kämpfer, Roten und Nationalen, Faschisten und Kommunisten — nicht ausreichen, um einen Konflikt auszuleuchten, der immer noch tiefe Spuren im Bewusstsein und in der politischen Haltung vieler Spanier hinterlassen hat.

Die Meinung der anderen:

Chaves Nogales verteidigte die Sache der Demokratie mit einer Hingabe, der nur die von George Orwell noch gleich kommt.“ (Antonio Muñoz Molina)