Caroline Wahl ist zurzeit eine der gefragtesten Autorinnen in Deutschland und der Schweiz. Die vor knapp 30 Jahren geborene Schriftstellerin hat mit ihren ersten drei Büchern 22 Bahnen, Windstärke 17 und Die Assistentin bereits beachtliche Verkaufszahlen erzielt. Das erste davon ist kürzlich in anderen Sprachen erschienen und der dazugehörige Film ist gerade angelaufen. Normalerweise schenke ich neuen Literaturstars keine Beachtung, aber in diesem Fall haben mich zwei begeisterte Rezensionen von renommierten Kritikern überzeugt, denen ich seit Jahren folge. Dieses dritte Buch erreichte sofort Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.
Die Handlung des Buches ist relativ einfach: Die Autorin fasst sie gleich zu Beginn zusammen, indem sie erklärt, dass die dem Roman zugrunde liegende Entscheidung eine völlig falsche war.
Charlotte, eine junge Frau mit einer ausgezeichneten akademischen Ausbildung, bewirbt sich auf eine Stelle als Assistentin des Direktors eines bekannten Verlags. Das Auswahlverfahren erscheint ihr etwas seltsam und der Verleger selbst macht keinen besonders guten Eindruck auf sie. Aber sie braucht den Job und die Aussicht, in München zu leben, reizt sie. Kurz nach Arbeitsantritt und nachdem sie eine Wohnung in einem Vorort von München gefunden hat, wird Charlotte klar, dass die Beziehung zum Verleger nicht einfach werden wird. Dieser ist ein schwieriger Mensch: narzisstisch, inkompetent, manisch und jähzornig. Dies belegen die Geschichte ihrer Vorgängerinnen in dieser Position und die Häufigkeit der Wechsel.
Die Arbeit nimmt in Charlottes Leben immer mehr Zeit und Energie in Anspruch. Gleichzeitig entdeckt sie ihre Liebe und Leidenschaft für Musik, die zu ihrem einzigen Zufluchtsort nach Feierabend wird. Bald wird ihr auch klar, dass sie im Verlag keine Verbündeten hat. Ihr sporadischer Freund Bo warnt sie vor dem Labyrinth, in das sie sich hineinmanövriert, aber sie hört nicht auf ihn, sondern wirft ihm sogar vor, nach Alternativen zu ihrer Beziehung zu suchen.
Im Laufe des Buches reflektiert die Autorin über ihren eigenen literarischen Stil, der relativ chaotisch und ohne große sprachliche Ansprüche ist. Sie verweist die Lesenden jedoch auf die verbleibenden Seiten. Am Ende bestätigt sich die Vorhersage von Seite eins, und man fragt sich, ob so viele Seiten wirklich notwendig waren. Vielleicht gerade deshalb, ist die Antwort ja.
Anbei eine interessante Rezension des Buches: https://www.matthiaszehnder.ch/video-buchtipp/die-assistentin/
Die Meinung der anderen:
Wahl hat sich ihren faszinierenden Sound bewahrt … Was das Buch stark macht, ist die Verstrickung der Protagonistin in die Herrschaftsverhältnisse, die sie vorfindet. (NZZ am Sonntag)
Eine wirklich gute, differenzierte Geschichte von Macht und Ohnmacht … Caroline Wahl ist cool. (Die Zeit)
‚Die Assistentin‘ will nicht gefallen – es will gelesen und diskutiert werden. (stern.de)
