Tommy Jaud, Millionär

Tommy Jaud veröffentlicht seit einigen Jahren Kurzromane, die in Deutschland sehr populär geworden sind. Bevor er Bücher schrieb, verfasste er Witze für Fernsehsendungen. Sein Erfolg beruht wahrscheinlich darauf, dass er bestimmte Verhaltensmuster seiner deutschen Mitbürger treffend beschreibt, wie zum Beispiel in seinem Roman „Hummeldumm“, in dem er die Fehler und Macken einer deutschen Reisegruppe aufs Korn nimmt. Ein Beispiel aus diesem Buch: Was ist der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten? – Zwei Wochen.

Der Millionär ist sein zweiter Roman. Ich hatte angefangen, die spanische Übersetzung zu lesen. Nach etwa zwanzig Seiten hatte ich genug davon und las ihn auf Deutsch. Was für eine Erleichterung! Die Übersetzung ist schrecklich. Die Übertragung des Kölner Dialekts ist lächerlich. Auf jeder Seite findet man Übersetzungsfehler.

Trotzdem ist die Idee gut und die Handlung auch. In das scheinbar routinierte Leben des Ich-Erzählers, eines 32-jährigen Arbeitslosen, der gerne Beschwerden an alle möglichen Firmen schickt und Reality-TV guckt, kommt eine neue, jüngere, erfolgreiche, moderne Nachbarin und hält ihm den Spiegel des eigenen Scheiterns vor die Nase. Seine Reaktion: Er will sich eine Million Euro besorgen, das Haus kaufen und die Nachbarin rausschmeißen.

Von nun an reiht sich eine mehr oder weniger groteske Situation an die andere, begleitet von bissigen Kommentaren des Protagonisten. Das Milieu, in dem er sich bewegt, das Szeneviertel Sülz mit seinen Dönerläden und Internetcafés, das Kölner Milieu und auch der Ausgang sind durchaus plausibel. Schade, dass seine Geschäftsidee nicht mehr realisierbar ist, nachdem so viele Menschen das Buch gelesen haben.

Die Meinung der anderen:

Der Comedy-Bestseller über die gnadenlose Rückkehr eines liebenswerten Chaoten! (Amazon)

„Dummheit schützt vor Kasse nicht“, Titel der FAZ-Rezension

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