Archiv des Autors: Javier

Harper Lee, Wer die Nachtigall stört

Klassisches Buch über Rassentrennung und Gerechtigkeit im „Süden“ der USA. Die Autorin, Harper Lee, war Journalistin und mit Truman Capote befreundet. Nach der erfolgreichen Veröffentlichung entstand ein Disput über die Mitarbeit von Capote in diesem Werk.

Das Buch wurde vor allem durch die Verfilmung in den 60 Jahren bekannt. Das Thema hat nichts von seiner Aktualität verloren, und erfuhr vor wenigen Jahren durch das Erscheinen eines zweiten Buches der Autorin (siehe Bücherkoffer 2018) eine interessante Wende. Dennoch bleiben die Figuren, vor allem die junge Scout und ihr Vater Atticus unvergesslich.

Was andere dazu meinen:

Wie Mark Twain beschwört Harper Lee den Zauber und die versponnene Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten. Die Geschwister Scout und Jem wachsen in einer Welt von Konflikten zu tolerant denkenden Menschen heran. Menschliche Güte und stiller Humor zeichnen diesen Roman aus, der sich, in 25 Sprachen übersetzt, im Sturm die Herzen von Millionen Lesern eroberte. Die Verfilmung mit Gregory Peck wurde mit drei Oscars ausgezeichnet.

Ian McEwan, Kindeswohl

Das Spezialgebiet von Fiona Maye, Familienrichterin in London, sind komplexe Entscheidungen über Sorgerecht, Scheidungen und Anwendung der englischen Gesetzgebung, die das Wohl des Kindes als Hauptkriterium für die Entscheidung in Streitfragen vorschreibt.

In ihrer kinderlosen Ehe fühlt sie sich gut aufgehoben und merkt nicht, wie das Paar im Laufe der Jahre sich auseinander gelebt hat. Eines Tages wird ihr ein Fall vorgelegt, wo es wörtlich um Leben und Tod geht, und wo die Entscheidung vom Glauben der Eltern, die Zeugen Jehovas sind, anhängt. Zugleich präsentiert ihr ihr Mann einen unerhörten Vorschlag. Das Buch stellt gleichzeitig den Leser vor der Entscheidung: muss man dem eigenen Gewissen immer folgen, selbst wenn die Folgen tödlich sein können?

Was andere dazu meinen:

Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls – das ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye. In ihrer eigenen, kinderlosen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Bis zu dem Tag, als ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag unterbreitet und ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt wird, in dem es für einen 17-jährigen Jungen um Leben und Tod geht.

Shüsaku Endo, Schweigen

Dieses beeindruckende Buch erzählt die Geschichte eines Jesuiten, der nach den ersten Verfolgungen und dem Verbot des Christentums in Japan versucht, in das Land einzudringen und Kontakt zu den dort im Untergrund lebenden Katholiken aufzunehmen. Dabei taucht er ein in eine ungeahnte Welt wo ihm Glaube und Hass, Tapferkeit und Feigheit, Naivität und Altklugheit begegnen. Immer wieder fragt er sich, wie kann es sein, dass Gott ihn scheinbar in seiner Unentschlossenheit verlassen hat.

Im Unterschied zum Film von Scorsese, der auf diesem Buch basiert, geht die Erzählung Endos sehr tief in die Seele des Protagonisten ein und formuliert die entscheidenden Fragen, die die zugegebenermaßen eindrucksvollen Bilder des Regisseurs nicht formulieren können.

Was andere dazu meinen:

Schweigen ist der wichtigste Roman des gefeierten japanischen Autors Shusaku Endo. Er verursachte nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1966 eine große Kontroverse in Japan. Shusaku Endo, ein japanischer Katholik, erzählt die Geschichte zweier portugiesischer Missionare, die im siebzehnten Jahrhundert in Japan versuchen, die dortige unterdrückte christliche Bewegung zu unterstützen.
1638 bricht Pater Sebastião Rodrigues nach Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten, dass sein berühmter Lehrer Ferreira seinem Glauben abgeschworen habe, nachzugehen. Nach seiner Ankunft erlebt er die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordung ist, stellt der Autor die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
(Amazon)

Stefan Zweig, Angst

Ich versuche, jährlich mindestens einen Roman oder eine Novelle von Stefan Zweig zu lesen, nach meiner Ansicht einer der besten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts. Es lohnt sich immer wieder, etwa hundert Jahre in die Vergangenheit zu tauchen um zutiefst menschliche Situationen, Gedanken und Gefühle zu entdecken, selbst wenn den Werken Zweigs immer einen Anflug Traurigkeit anhaftet.

Angst ist eine Meistererzählung von Stefan Zweig über Liebe, Ehe, Verrat und Reue. Eine wohlhabende Frau, die in Wien wohnt, bringt sich selbst, teilweise aus Langeweile, in eine verzweifelte Situation, aus der sie keinen Ausweg sieht.

Was andere dazu meinen:

Angst ist eine Novelle von Stefan Zweig, die 1910 in Wien geschrieben wurde und die Gefühle und Ängste einer Ehebrecherin zeigt. Der Handlungsablauf von Zweigs Novelle ist denkbar simpel, und doch vermag es der Autor seine Leser von Anfang an das Buch zu fesseln, sie durch seine einmalige Suggestivkraft die seelischen Qualen der Protagonistin hautnah miterleben zu lassen. Als wohlhabende Ehefrau eines renommierten Anwalts und Mutter von zwei wunderbaren Kinder führt Irene ein beinahe beneidenswertes Leben. Von der Monotonie ihres Alltags gelangweilt, flüchtet sie in ein bedeutungsloses Liebesabenteuer, das jedoch schon bald Ihr ganzes Dasein radikal verändern soll.

Fabian Sixtus Körner, Mit anderen Augen

Wie reagiert ein erfolgreicher Schriftsteller, der Bücher über Reisen und Kontinente schreibt, auf die Nachricht, dass seine Tochter ein Chromosom zu viel an der 21. Stelle hat?
Diese Erzählung öffnet nicht nur dem Autor die Augen, sondern auch und besonders die Leser.

Was andere dazu meinen:

Als Fabian Sixtus Körner seine Tochter im Kreißsaal zum ersten Mal im Arm hält, ist er irritiert. Ihre Augen sind leicht schräg gestellt, und ihr Blick ist merkwürdig unverwandt. Er spürt, dass seine Tochter anders ist. Kurz darauf muss Yanti auf die Intensivstation – es folgen Wochen des Wartens zwischen Angst und Hoffnung. Die nur halb ausgefüllte Geburtskarte über Yantis Brutkasten wird zum Symbol der Ungewissheit: Was bedeutet der medizinische Code »Q90« für ein kleines Kind und seine Eltern? Das Ende der Freiheit, die Fabian so liebte?

Fabian Körner erzählt, was die Intensivstation für Neugeborene und ein Transitraum gemeinsam haben, wie sich sein Blick auf die Menschen und die Welt verändert hat, und warum das Reisen mit Kind und Kegel zu den schönsten Erfahrungen des Lebens zählt.
(medimops)

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben

Was macht das Leben eines „normalen“ Menschen aus? Der Österreicher Robert Seethaler schreibt gekonnt über einen einfachen Menschen, dessen Universum sich auf das Tal der Alpen beschränkt, in dem er lebt. Nach Jahren der Arbeit als Hilfsarbeiter in einem Berghof arbeitet er sich als Techniker hoch.

Eines Tages lernt er Marie kennen, die Liebe seines Lebens. Gegen Ende seines Lebens macht sich Gedanken über sein einfaches aber irgendwie auch erfülltes Leben. Ein Buch voller Sehnsucht, das durch die Schreibweise Seethalers einen wohltuenden Eindruck hinterlässt.

Was andere dazu meinen:

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.
(medimops)

Alessandro D’Avenia, So unergründlich wie das Meer

Viele kennen vielleicht andere Bücher dieses Autors, vor allem seinen großen Erfolg „Weiß wie Milch, rot wie Blut“, wo er sein Einfühlungsvermögen in die Denkweise von Jugendlichen zeigt. Dieses Buch ist etwas anders. Es basiert auf das wirkliche Leben von Pater Pino, einem Priester, der von der Mafia in Palermo ermordet wurden wegen seinen Widerstand gegen die ungerechte Herrschaft einer kriminellen Organisation.

Die Erzählung ist hart, wie das Thema selbst, und zeigt in hervorragender Weise die Probleme einer ganzen Bevölkerung, die in Angst lebt. Aber das Buch enthält auch sehr schöne Stellen, hat eine poetische Sprache und unterstreicht wie die anderen Bücher von D’Avenia die großen Ideale wie Liebe, Freundschaft, Loyalität, Barmherzigkeit, Mitgefühl. Besonders attraktive Figuren sind die Kinder, die im Buch vorkommen.

Was andere dazu meinen:

Frederico hat einen großartigen Sommer vor sich, in wenigen Tagen wird er zu einem Studienaufenthalt nach England aufbrechen. Die Welt steht ihm offen. Doch kommt es zu einer Begegnung, die Fredericos Leben umwirft: Don Pino zeigt ihm das Viertel Brancaccio, das fest in der Hand der Cosa Nostra liegt und von rücksichtsloser Gewalt und bitterer Armut geprägt ist. Dem Jungen wird klar, wie wenig er seine eigene Stadt kennt, ihm eröffnet sich durch Don Pinos Augen und dessen Einsatz für die Menschen des Viertels eine neue Welt. Er beschließt in Palermo zu bleiben und zu helfen. Auch die Mafia, die ihn brutal zusammengeschlagen hat und massiv bedroht, kann ihn nicht abhalten, denn er hat sich in die schöne Lucia verliebt, ein Mädchen des Viertels, deren Liebe unerreichbar scheint.
(Amazon)

Domingo Villar, Strand der Ertrunkenen

Kriminalroman mit sehr menschlichen Protagonisten, allen voran der Kommissar Leo Caldas, der in Vigo (Galizien) lebt und regelmäßig Fragen der Zuhörer eines lokalen Radiosenders beantwortet.

Was andere dazu meinen:

Die Leiche eines Fischers wird an die galicische Küste geschwemmt. Seine Hände sind mit einer Plastikfessel zusammengebunden, was auf einen Freitod nach alter Seemannsart schließen lässt. Inspektor Leo Caldas zweifelt an der Selbstmordtheorie und hört sich im Heimatort des ertrunkenen Fischers unter den abergläubischen Dörflern um. Der Geist eines verstorbenen Kapitäns soll umgehen und an dem Fischer Rache genommen haben. Doch Caldas gibt wenig auf derlei Seemannsgarn. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf unrühmliche Details aus der Vergangenheit des Fischers, die diesem zum Verhängnis geworden sind.
(medimops)

Julian Barnes, Nichts, was man fürchten müsste

„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse Ihn“. Mit diesen Worten macht sich der englische Schriftsteller daran, seine Gedanken über Gott, über den Glauben und über den Tod zu Papier zu bringen. Das Buch zeigt die etwas verspielte Auseinandersetzung eines aufrichtigen Intellektuellen mit seiner Auffassung von Leben und Tod.

Sehr britisch, sehr ironisch und sehr intelligent geschrieben, verliert in der deutschen Übersetzung nichts von seiner Originalität.

Was andere dazu meinen:

„Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?“, fragt nüchtern Julian Barnes‘ Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: „Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran.“ Und so erzählt er die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes. Seine wahren Angehörigen sind für den Autor jedoch Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich Julian Barnes mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft.

Albert Camus, Der erste Mensch

Der Autor braucht wohl nicht vorgestellt zu werden. Interessant ist allerdings die Entstehung dieses unvollendeten Buches. Das Manuskript lag im Auto des französischen Schriftstellers, als er in einem Verkehrsunfall starb. Seine Familie behielt diese Seiten über viele Jahre, bevor sie sie zur Veröffentlichung freigab. Stark autobiografisch, zeigt Aspekte des Lebens von Camus, die als Schlüssel für seine Werke zu betrachten sind. Sehr lesenswert, um gewisse Vorurteile über die Denkweise dieses Philosophen und Schriftstellers zu korrigieren.

Was andere dazu denken:

Gespiegelt in der Figur Jacques Comery erzählt Camus von seiner Kindheit, die er mit seiner fast tauben, analphabetischen Mutter und einer dominanten Großmutter im Armenviertel Algiers verbringt. Auf der Suche nach einer Vaterfigur beginnt er, über die eigene Herkunft zu reflektieren.
[Das handgeschriebene Manuskript wurde bei dem tödlichen Autounfall Camus‘ in seiner Mappe gefunden. Es erscheint hier, ohne dass an dem unkorrigierten Fragment Änderungen vorgenommen wurden.]

«Inszeniert wie ein Roman, enthält eine bewegende Autobiographie der algerischen Kindheit Albert Camus“: das intimste Selbstzeugnis, dass der diskrete und scheue Autor hinterlassen hat.» (Der Spiegel