Archiv des Autors: Javier

Sandor Marai, Die Schwester

Dieses Buch ist eine der Meistererzählungen von Sandor Marai. An zwei verschiedenen Orten begegnen wir einem berühmten Pianisten und sind Zeugen seiner Gespräche und seinen Überlegungen. Es geht um Beziehungen, um den Sinn des Lebens, um Krankheit und Heilung jenseits der klassischen Konzepte von Medizin und Behandlung. Der Kontrast zwischen den so von Angst befreiten, sterbenden Künstler und einer Krankenschwester, ebenfalls krank, beleuchtet die verschiedenen Haltungen, die man einnehmen kann. Über dem ganzen Buch schwebt ein gewisser Pessimismus, der fast alle seine Werke prägt und der das Ende des Schriftstellers ahnen lässt.

Die Romane von Sandor Marai sind nicht unterhaltsam im klassischen Sinne, enthalten aber viel Stoff zum Nachdenken. Ich finde dieses Buch hervorragend.

Was andere dazu meinen:

Verfasst in den letzten ungarischen Jahren vor seinem Exil, ist Sándor Márais Roman »Die Schwester« das Zeugnis einer verhängnisvollen Ménage-à-trois und zugleich eine tief empfundene Psychologie des  Schmerzes.
Der Zufall führt die beiden zusammen: den Erzähler und den berühmten Pianisten Z. In einem Kurort  in den transsilvanischen Bergen begegnen sie sich. Es ist Weihnachten, und eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft verbringt die Feiertage in einem kleinen Gasthof. Schockiert müssen  die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass sich ein elegantes Liebespaar gemeinsam das Leben  genommen hat. Tief betroffen vertraut der Pianist dem Erzähler ein Manuskript an, aus dem wir von  seiner eigenen großen Liebe erfahren – einer Liebe, die ihn seine Bestimmung finden ließ, für die er aber einen hohen Preis bezahlen musste. Vor dem Hintergrund eines fernen Krieges erzählt Márais dunkel funkelnder Roman von einer unerfüllten Liebe, deren Schmerz unerhörte Folgen hat.
(Amazon)

Der ungarische Schriftsteller Sándor Márai (1900-1989) musste 1948 Ungarn vor den Kommunisten verlassen, exilierte nach Italien und lebte ab 1952 in den USA, wo er sich nach mehreren privaten Schicksalsschlägen 1989 das Leben nahm. Ähnlich wie im Leben des Autors Márai befinden sich auch seine Romanfiguren meist in einer schwierigen Lebenssituation, müssen traumatische Erlebnisse bewältigen oder werden durch ein jäh eintretendes Ereignis aus ihrem bis dato vermeintlich friedlichen Dasein gerissen und von den Schatten der Vergangenheit eingeholt.

„Die Schwester“ ist der letzte noch in Ungarn erschienene Roman Márais, in dessen Mittelpunkt eine fatale Ménage-à-trois rund um den Pianisten Z. steht. Der Erzähler des ersten Teiles des Buches trifft an den Weihnachtsfeiertagen auf den einst weltberühmten Künstler Z. in einem abgeschiedenen Gasthof in den transsilvanischen Bergen. Die Pensionsgäste sitzen dort schon seit geraumer Zeit aufgrund der schlechten Witterung fest, können lediglich langweilige Tätigkeiten im Haus verrichten und hoffen darauf, dass sich endlich eine weihnachtliche Winteridylle einstellt. Nach Tagen des zermürbenden Wartens geschieht plötzlich ein tragisches Ereignis, das eine gewisse Dynamik in die sonst sehr lethargische Gästeschar bringt: Ein auch in der Pension einquartiertes Liebespaar begeht Selbstmord. Durch diese Unglückstat kommt der Erzähler in Kontakt mit dem sehr verschlossen auftretenden Z., und einige vieldeutige Gespräche über die Musik und den Sinn des Lebens folgen.

Doch dann reist Z. unvermittelt ab. Monate später erfährt der Erzähler von Z.’s Tod in einem Sanatorium und erhält überraschenderweise ein handschriftliches Manuskript aus dessen Nachlass. Was nun folgt, ist eine minutiöse Schilderung von Z.’s Leidensweg und die Gründe für sein einstiges Verschwinden aus der Gesellschaft und das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit.

Nach einem Konzert in Italien erkrankte er an einer mysteriösen Nervenkrankheit, die aufgrund vielfältiger Lähmungserscheinungen ein plötzliches Karriereende des Pianisten und einen mehrmonatigen Aufenthalt in einem italienischen Krankenhaus nach sich zog. In einer Mischung aus Erinnerungsbruchstücken, einer Vielzahl an tiefschürfenden Gesprächen mit den ihn behandelten Ärzten kommt Z. zu der Erkenntnis, dass die Krankheit als Resultat seiner zwar platonischen, aber fatalen Beziehung zu einer verheirateten Frau zu interpretieren ist. Die Krankheit steht quasi als Metapher für die Lebenslüge von Z. und seine Verstrickung in unheilvolle und aussichtslose Beziehungen. Die darauffolgende Genesung geht nun zwar zügig voran, scheint aber nicht von Dauer zu sein.

Márais Roman aus dem Jahre 1946 ist keine leichte Kost, die man nebenbei liest – es wäre dazu auch zu schade. Der aufmerksame Leser muss sich vielmehr auf die permanent düstere, bedrohliche Stimmung, die mit Metaphorik beinahe überladenen Beschreibungen und die tiefgründigen Gespräche zwischen den Figuren einlassen, um die Faszination in dieser psychoanalytischen Spurensuche eines am Leben und der Welt Verzweifelten zu spüren. „Die Schwester“ ist nicht Márais bester Roman, aber doch ein absolut lesenswertes Stück Literatur des 20. Jahrhunderts, das einen exzellenten Einblick in die Gedanken- und Ideenwelt des ungarischen Schriftstellers ermöglicht und Márais literarisches Erbe vervollständigt.
(Literaturkritik.de)

Don Winslow, Broken

Don Winslow, als Sohn einer Bibliothekarin und eines Navy-Offiziers in New York geboren, ist ein unermüdlicher Schreiber. Die Hintergründe der verschiedenen Mafias, Kartelle und Banden kennt er aus erster Hand und aus Recherchen. Er ist besonders durch eine Trilogie bekannt geworden, in der er die Entwicklung der mexikanischen Drogenkartelle und die Rolle die dabei die DEA, das FBI und die mexikanische Regierung spielten.

In diesem Werk hat er sechs kurze Erzählungen gesammelt, die von Verbrechern und Polizisten, von Justiz und Unrecht handeln. Gemeinsam haben alle eins: dieser Kampf kostet immer Leben, auch wenn die Betroffenen dabei nicht sterben.

Was andere dazu meinen:

Sechs packende Geschichten voller Verbrechen und Korruption, Schuld und Gerechtigkeit, Verlust und Verrat, Rache und Vergebung von Bestsellerautor Don Winslow. In Broken schickt er einige seiner beliebtesten Charaktere wie Ben, Chon und O aus »Zeit des Zorns« in eine Welt voller Schwerverbrecher und Kleinkrimineller, besessener Polizisten, denen Job und Leben zusetzen, Privatdetektive, Kopfgeldjäger und Flüchtiger. Doch auch das aktuelle politische Klima in den USA findet sich thematisch wieder, als ein texanischer Grenzschützer sein Handeln aufgrund der unhaltbaren Zustände in den Sammellagern hinterfragen muss.
(Amazon)

Peter Cawdron, Habitat

Peter Cawdron, in Neuseeland geboren, wohnt in Australien und schreibt im Stil der sogenannten „Hightech-Science Fiction“. Er hat viel Erfolg mit seinen Büchern geerbt.

Dieses Buch ist eine interessante Erzählung um die Kolonisierung vom Mars und um die künstliche Intelligenz. In einer Kolonie auf dem Mars, wo Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten, trifft unerwartet die Nachricht, dass auf der Erde ein Atomkrieg ausgebrochen ist. Alle Signale verstummen. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich in den verschiedenen Gruppen, die jedoch dazu verdammt sind, sich zu vertragen und zusammenzuarbeiten. Bald stellt sich heraus, dass die Angriffe von einer ganz anderen Seite kommen.

Was andere dazu meinen:

Die Menschheit hat ihren Fuß auf den Mars gesetzt. Die neue Habitatsiedlung „Endeavor“ wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Einhundertzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Astronauten arbeiten hier. Sie sind auf alle Eventualitäten vorbereitet – nur nicht darauf, dass plötzlich die Funksignale von der Erde verstummen. Gefangen auf dem Mars, können die Kolonisten über die Katastrophe, die auf ihrem Heimatplaneten passiert sein mag, nur rätseln. Und hoffen, dass sie hier überleben …
(Lovelybooks)

Irène Némirowski, Feuer im Herbst

Irène Némirovsky wuchs als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew auf. Im Laufe der russischen Revolution musste die Familie nach Paris auswandern. Die Autorin erlangt relativ früh Ruhm durch ihre Erzählungen, insbesondere die Suite française. Als die deutschen Truppen Frankreich besetzten, wurde sie verhaftet und nach Ausschwitz deportiert, wo sie in Folge einer schweren Krankheit 1942 verstarb.

Feuer im Herbst erzählt eine Liebesgeschichte nach dem Großen Krieg in Europa, umgeben von der Korruption, dem Opportunismus und der Perspektivenlosigkeit dieser schwierigen Zeit in Frankreich.

Was andere dazu meinen:

Wie durch ein Brennglas folgt der Blick Irène Némirovskys den Liebenden Thérèse und Bernard durch die kriegsversehrte Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihrem Roman „Feuer im Herbst“ erweist sich die Autorin erneut als unbestechliche Beobachterin einer Hölle, die den Menschen ihre Gefühle raubt und ihre Wurzeln durchtrennt. Allein die Liebe hat eine Chance, die Verlorenen zu retten.
Noch liegt malvenfarbene Luft über Paris, noch flanieren die Kleinbürger sonntags über die Champs-Elysées und genießen ihr kleines Glück. Martial wird bald Arzt sein und seine Cousine Thérèse heiraten. Die Zukunft ist geordnet. Doch ein Frösteln, eine zittrige Erregung erfasst die Menschen. Ein Wort aus ferner Zeit taucht auf und weckt Heldenträume in jungen, abenteuerlustigen Männern – Krieg. Das Grauen zerstört schnell alle Illusionen. Thérèse wird Witwe, und von der Front kehren gebrochene Männer heim. So auch Bernard, Thérèses Kamerad aus Kindertagen. Mit wildem Lebenshunger will er die Kriegsgräuel vergessen machen, will Wiedergutmachung für das Erlittene. Er will Frauen, Geld, rauschhaften Genuss. Thérèse verliebt sich in Bernard. Als er abzustürzen droht, fängt sie ihn auf. Sie ahnt nicht, welchen Preis sie für ihren Traum bezahlen muss.
(Medimops)

Joel Dicker, Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Der Schweizer Joel Dicker hatte einen großen Erfolg mit seinem ersten Roman, Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Später hat er drei weitere Romane geschrieben, die ebenfalls gut verkauft wurden, teilweise dank eines exzellenten Marketings. Die Spannung hält von der ersten bis zur letzten Seite an, begleitet von etwas Gesellschaftskritik.

Im Buch geht es um einen brutalen Mord an vier Menschen, um eine Journalistin, die offenbar etwas herausgefunden hat, und dann verschwunden ist, und um viele Zeugen, die verschiedene Ansichten des Geschehens haben.

Joel Dicker verführt in seinen Romanen die Leser und verunsichert sie dann immer wieder. Die Fakten, die er dem Leser erzählt, ergeben am Anfang wenig Sinn, bis man lernt, die Informationen richtig zu deuten. Ohne Zweifel spannende Erzählungen, wobei man sich am Ende die Frage stellt: hat sich gelohnt?

Was andere dazu denken:

Der neue Joël Dicker »macht süchtig!« Elle

Vier Menschen, an einem schönen Sommerabend brutal ermordet. Zwanzig Jahre später: Die junge Journalistin Stephanie Mailer stellt zu viele Fragen und verschwindet. Was ist ihr zugestoßen? Und was hat sie herausgefunden?

»Raffiniert zieht uns Joël Dicker in ein Netz aus Intrigen.« Le Parisien

»Joël Dicker spielt derart gekonnt mit dem Leser, dass man immer weiter lesen muss, um zu erfahren, was ihm noch eingefallen ist.« Bayerischer Rundfunk

»In faszinierendem Tempo zieht Dicker alle Register großer Erzählkunst, er zeigt sich fintenreich und löst damit pure Lesesucht aus.« Kleine Zeitung

Monatelang unter den Top“10 der französischen Bestsellerliste!



Sandor Marai, Das Vermächtnis der Eszter

Ohne Zweifel ein Meisterwerk von Sandor Marai. In wenigen Seiten und mit wenigen Worten beschreibt er in großer Tiefe Gefühle und Sehnsüchte, Enttäuschungen und Freuden.

Es geht um Eszter, eine ledige Frau, die ein friedliches Leben führt bis zu dem Augenblick, da ein Freund ihrer Familie diese Ruhe für immer zerstört. Dieser Mann, inzwischen verwitwet, hat vor Jahren Eszter enttäuscht und betrügt, und dann ihre Schwester geheiratet. Der Gaunercharmeur taucht nun nach langer Zeit auf und weckt vom neuen die verdrängten Gefühle in Eszter auf.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie in anderen kurzen Erzählungen schafft der ungarische Autor, dem Leser mit wenigen Worten in eine innere Welt von ungeheurer Intensität zu versetzen.

Was andere dazu meinen:

Vor 20 Jahren hat der Hochstapler Lajos, Eszters große und einzige Liebe, nicht nur sie, sondern auch ihre übrige Familie mit Charme und List bezaubert. Eszter hat es ihm nicht verziehen, dass er ihre Schwester Vilma geheiratet hat. Nun kehrt er zurück, um die tragischen Ereignisse von damals zu klären und die offenen Rechnungen zu begleichen. Bei dieser Gelegenheit kommen drei Briefe zum Vorschein, die für Eszter gedacht waren, die sie aber nie erhalten hatte … Nach dem Welterfolg von Sándor Márais Roman »Die Glut« ein weiteres Meisterwerk des großen ungarischen Autors.
(Medimops)

»Mit großem Geschick, in einer aufs Wesentliche verknappten und suggestiv aufgeladenen Sprache, verknüpft Sándor Márai die Fäden einer desaströsen Liebes- und Lebensgeschichte, die in einem existenziellen Kampf gipfelt, den die Frage bestimmt: Wird Lajos wieder siegen und seinen letzten großen Betrug erfolgreich abschließen?«
Süddeutsche Zeitung

Ian McEwan, Die Kakerlake

Was hat Kafka mit dem Brexit zu tun? Ian McEwan entfaltet in dieser kurzen Fabel seine ganze Ironie und seinen englischen Humor. Der Protagonist der Erzählung heißt Jim Sams, eine deutliche Anspielung auf Gregor Samsa, der als Kakerlake aufgewachter Staatsbeamter von der Verwandlung von Kafka. McEwan beschreibt den umgekehrten Prozess: eine Kakerlake wacht als britischer Premierminister auf und unternimmt im Alleingang einen Kreuzzug gegen jede politische Vernunft.

Die Anspielungen auf Boris Johnson und auf den Brexit sind so evident, dass man sich bei der Lektüre voll und ganz auf den englischen Humor und auf die sarkastischen Einfälle von McEwan verlassen kann. Köstlich.

Was andere dazu denken:

Jim Sams hat eine Verwandlung durchgemacht. In seinem früheren Leben wurde er entweder ignoriert oder gehasst, doch jetzt ist er auf einmal der mächtigste Mann Großbritanniens – und seine Mission ist es, den Willen des Volkes in die Tat umzusetzen. Er ist wild entschlossen, sich von nichts und niemandem aufhalten zu lassen: weder von der Opposition noch von den Abweichlern in seiner eigenen Partei. Und noch nicht mal von den Regeln der parlamentarischen Demokratie. Ian McEwan verneigt sich vor Kafka, um eine Welt zu beschreiben, die Kopf steht.
(Medimops)

Leila Slimani, Dann schlaf auch du

Diese schockierende und gleichzeitig zarte Erzählung spricht wichtige Themen an: die Konflikte die entstehen, wenn sich Familienleben und Karrieredenken nicht vertragen, die unbewusste Ausbeutung von Personen, das anonyme Leben in den großen Städten und die interkulturellen Probleme.

Leila Slimani, in Rabat zu Beginn der 1980 Jahre geboren, lebt in Frankreich und hat wichtige Preise gewonnen. Sie ist die Stimme einer ganzen Gesellschaftsgruppe. Dieses ist ihr zweites Buch, immer eine Herausforderung für einen Schriftsteller.

Louise arbeitet als Kindermädchen für ein erfolgreiches Ehepaar mit zwei Kindern. Sie stammt aus prekären Verhältnissen und wohnt in einem Vorort von Paris, kulturell ganz weit weg vom 10. Arrondissement ihrer Arbeitgeber. Die strenge, fast sachliche Schreibweise, tangiert die latenten Probleme des Rassismus, der Unterdrückung, der Ungleichheit und des Erfolgsdrucks nur indirekt. Die Autorin versucht nicht, ihre Protagonisten in ein bestimmtes Licht zu rücken oder zu verurteilen, sondern überlässt dies dem Leser. Das Buch endet schlecht, aber das wird bereits auf der ersten Seite klar.

Was mir gefallen hat:

Die Intensität der Erzählung, obwohl das Ende schon nach wenigen Zeilen bekannt ist, und die sachliche Schreibweise, die dem Leser überlässt, sich auf das Thema gefühlsmäßig einzulassen.

Was andere dazu meinen:

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Sie ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich Louise zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.
(Amazon)

Kazuo Ishiguro, Alles, was wir geben mussten

Kazuo Ishiguro ist Engländer, auch wenn seine Vorfahren aus Japan stammen und er selbst in Nagasaki geboren wurde. Neben „Was vom Tage übrig bleibt“ hat er andere hervorragende Bücher geschrieben. In Alles, was wir geben mussten, geht es um das Klonen, und auch um die zentrale Frage, ob geklonte Menschen eine eigene Seele haben. In dieser Erzählung werden Kinder in Internaten aufgezogen, um sie später als Organspender zu benutzen. Das Buch beschreibt das Leben von drei Kindern, Kathy, die in erster Person erzählt, Ruth und Tommy. Alle drei sind in Hailsham in Südengland aufgewachsen. Nach einer gewissen Zeit kommen sie in andere Einrichtungen, wo sie als Betreuer arbeiten können oder als Spender „geschlachtet“ werden.

Was andere dazu meinen:

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.
(Medimops)

Einen „Klonroman“ hat Kazuo Ishiguro geschrieben – das klingt nach Kälte, nach Technik. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, beteuert Harry Nutt. Bei „Alles, was wir geben mussten“ handele es sich um ein sehr bewegendes Buch, das trotz seines Etiketts kein üblicher Zukunftsroman sei. Zwar handele das Buch von wissenschaftlichen tödlichen Experimenten, vom Klonen und Organspenden, aber es fehle ihm am Ende die „dramatische Zuspitzung“, die finale paranoide Weltverschwörung, meint Nutt. Insofern sei „Alles, was wir geben mussten“ ein Gegenentwurf zu so düsteren Science Fiction-Romanen wie Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“. Ishiguro liefere keinen Gesellschaftsentwurf ex negativo. Da gebe es keine totalitäre Instanz, die moralisch dingfest zu machen sei; es gebe auch keine Rebellion auf Seiten der Opfer, so der Rezensent, die allerdings schon einen gewissen Leidensdruck verspürten. Ihnen – genauer gesagt drei Heranwachsenden, die als Organspender gezüchtet und aufgezogen werden, um dann „alles zu geben“ – gelte die ganze Sympathie des Autors. Auf seltsame Weise sei der Roman zugleich eine moderne Variante oder schwarze Parodie des britischen Genres des Internatsromans. Und im Internatsalltag sieht Nutt dann auch vom Autor eine „menschliche Zartheit“ bewahrt, die das Buch für ihn ungemein anrührend macht.
(Perlentaucher)

Tania Blixen, Babettes Fest

Viele kennen den Film, der auf diese Erzählung basiert. Das Buch ist aber noch besser. Tania Blixen, eins der pseudonyme, die Karen Blixen benutzte (auch bekannt als Isak Denisen), beschreibt in diesem kurzer Erzählung die Geschichte eines freikirchlichen Pfarrers und seiner zwei Töchter, Martina und Philippa.

Die zwei jungen Frauen leben mit ihrem charismatischen Vater in einer kleinen Ortschaft an der Küste. Sie widmen ihr Leben dem Dienst an der Gemeinde und der Unterstützung des Werkes ihres Vaters, was sie nach dessen Tod fortsetzen. So verzichten sie auf die Gründung einer Familie und auf eine vielversprechende Karriere als Sängerin. Eines Tages taucht im Dorf eine Frau auf, die auf der Flucht von den Wirren einer Revolte in Frankreich flieht. Sie beginnt, als Köchin und Haushaltshilfe zu arbeiten und bringt eine Sicht mit, die die puritanischen Schwestern nicht kennen.

Was andere dazu meinen:

Bescheidenheit, Lebensernst und Askese bestimmten den Alltag im streng pietistischen Haushalt der Schwestern Philippa und Martine. Da lädt ihre Magd, die ehemalige Starköchin Babette, zu einem französischen Diner – und beweist auf überraschende Weise, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Tania Blixens (1885-1962) lukullisches Märchen feiert den Zauber gemeinsamer Tafelfreuden.
(Medimops)

Tania Blixens Geschichten sind Perlen moderner Erzählkunst
Jahrelang hat Babette in der Lotterie gespielt, bis ihr eines Tages das Glück hold ist. Mit dem Gewinn richtet die Meisterköchin in dem abgelegenen norwegischen Dorf ein Festmahl aus, dessen lukullische Verführungskunst die Gäste für ein paar Stunden in den Himmel erhebt. Mit der anrührenden Erzählung »Babettes Fest« ist Tania Blixen ein literarisches Glanzstück gelungen, das ihren Ruf als große Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts mitbegründet. In diesem Band sind alle fünf »Schicksalsanekdoten«, wie die Autorin den Band betitelte, versammelt. Sie bezeugen, dass Blixens Texte, ihre Lebensthemen und Stoffe, das Exotische, das Märchen- und Legendenhafte dank der bildkräftigen Beschreibungskunst heute noch so lebendig sind wie eh und je.
(Lovelybooks)