Archiv der Kategorie: Familienromane

Sandor Márai, Die Glut

In der ungarischen Originalausgabe heißt das Buch sinngemäß “Die Kerzen brennen bis zum Stumpf”. Es ist eines der besten und bekanntesten Werke von Marais und wurde sogar zweimal verfilmt.

Die Handlung spielt 1941 in einem Jagdschloss am Rande der Karpaten. Während er auf den Besuch seines Jugendfreundes Konrád wartet, blickt der alte ungarische General Henrik auf sein Leben zurück. Er erinnert sich an die Freundschaft, die die beiden verband, und an die Ereignisse, die vor vier Jahrzehnten zu ihrer Trennung führten: zum einen an einen vermeintlichen Versuch Konráds, Henrik zu erschießen, zum anderen an eine spätere Begegnung Henriks mit seiner Frau Krisztina, die auf ein Verhältnis Krisztinas mit Konrad schließen ließ. Die Begegnung der beiden ehemaligen Freunde verläuft eher monoton: Henrik schildert seine Sicht der Ereignisse, der Konrad nicht widerspricht. Die Nacht verbringen die beiden im Gespräch. Im Morgengrauen trennen sie sich wieder.

Die Themen dieser kurzen Erzählung gehen weit über Freundschaft und möglichen Treuebruch hinaus. Es geht um die Erfahrungen, die wir im Leben machen und wie wir darauf reagieren. Darin liegt letztlich die Größe eines Menschen.

Es lohnt sich, das Buch langsam zu lesen und sich in das von Marai gewählte Szenario hineinzuversetzen.

Die Meinung der anderen:

»Sándor Márai hat einen grandiosen, einen quälenden Gespensterroman geschrieben, einen Totengesang der Überlebenden, denen die Wahrheit zum Fegefeuer geworden ist. Die Glut hat ihnen das Leben zur Asche ausgebrannt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wilkie Collins, Der rote Schal

Dieser Roman ist eines der großen Werke von Wilkie Collins (1824-1889) und wurde für die Veröffentlichung in Fortsetzungen geschrieben, eine damals sehr verbreitete Form der Verbreitung, die Collins wie sein Freund Charles Dickens praktizierte. Dies erklärt den Umfang der Erzählung, der bei einmaliger Lektüre übertrieben erscheinen mag, und ihre Aufteilung in „verdauliche“ und sich teilweise wiederholende Einheiten. Wenn man sich entschließt, dieses Buch zu lesen, was sicherlich lohnenswert ist, empfehle ich, dies in mehreren Etappen zu tun, unterbrochen durch andere Lektüre. Trotz der Unterbrechungen kann man der Handlung gut folgen, da die Zahl der handelnden Personen nicht übermäßig groß ist.

Allan Armadale, ein wohlhabender Engländer, diktiert in einem Schweizer Badeort einen Brief an seinen Sohn, der ihn erhalten soll, wenn er volljährig wird. Der Brief erzählt die Familiengeschichte, kündigt eine Erbschaft an und weist den Empfänger an, den Kontakt zu bestimmten Personen zu meiden, die für den jungen Mann eine echte Gefahr darstellen könnten.

Von da an entfaltet sich eine sehr englische Geschichte, die in London und Norfolk, in den Kolonien des Empire und in einigen europäischen Städten spielt. Ehrgeiz, Eifersucht, die Unschuld und Impulsivität junger Männer und die Verschlagenheit einer Frau, unterstützt von einem gerissenen Quacksalber und einem sogenannten Arzt, bedrohen das Leben und den Wohlstand der beiden Protagonisten, die aufgrund des Schicksals ihres Vaters offiziell denselben Namen tragen.

Collins ist ein außergewöhnlicher Autor. Wie ich eingangs sagte, können Stil und Tempo etwas repetitiv wirken, und der Roman ist insgesamt lang. Trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach, ihn zu lesen.

Peter Cameron, Du wirst schon noch sehen, wozu es gut ist

Dieser Roman wird von vielen Kritikern als eine Neuauflage des Fänger im Roggen gesehen. Die 60er Jahren werden durch den XXI Jahrhundert, die Provinz durch die Stadt New York ersetzt, aber die Ausgangssituation bleibt ähnlich: der 18-jährige James weiß nicht genau, was er sein will, eins hat er aber klar: bloß nicht wie seine Eltern. Diese wiederum, bereits geschieden, haben die Zukunft von James vorgezeichnet, einschließlich des Studiums in einer guten Universität. Er will nicht, wie sein Vater, nur auf seine Gesundheit achten, oder sich drei mal scheiden lassen, wie seine Mutter.

Seine Schwester ist die Geliebte ihres Professors, und die einzige Person, die er schätzt, ist seine Großmutter, die im reichen Vorstadtviertel Bronxville lebt. Er sieht sich selbst als einsam und unangepasst, findet aber nicht den Weg, aus diesem Leben herauszukommen und etwas Sinnvolles zu beginnen.

Der Roman erinnert tatsächlich stark an Salingers Fänger im Roggen, das gegen Ende des Buches tatsächlich zitiert wird. Manche Kritiker nennen diesem Werk „die beste Erzählung über New York“. Die FAZ empfiehlt ohne Einschränkungen diesen „einfühlsamen Entwicklungsroman“.

Susanna Tamaro, Geh, wohin dein Herz dich trägt

Das wohl bekannteste Buch der italienischen Schriftstellerin Susanna Tamaro bedarf kaum einer Vorstellung. Das von vielen missverstandene Buch wurde sofort ein Bestseller und verhalf der Autorin zu verdientem Weltruhm. In meinem Blog habe ich andere Werke Tamaros besprochen, darunter auch eine Art Fortsetzung dieses Buches mit dem Titel Erhöre mein Flehen.

Olga ist eine ältere Dame aus Italien, die sehr an ihrer Enkelin hängt. Diese ist nach Amerika ausgewandert, auch um den von ihr empfundenen familiären Zwängen zu entfliehen. Um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, beginnt sie regelmäßig zu schreiben und eine Art Tagebuch zu führen, in dem sie voller Güte, Weisheit und Liebe versucht, das Herz ihrer Enkelin und damit auch das ihrer Leser zu erobern.

Ganz im Gegensatz zu dem, was manche Kritiker über dieses Buch geschrieben haben, handelt es sich keineswegs um ein sentimentales Werk voller altertümlicher Lebensweisen. Es ist viel mehr, wie die Frankfurter Rundschau schrieb: „Ein von orientalischen Vorstellungen geprägter Roman: die Idee vom Menschen als Ganzheit von Intellekt und Gefühl. Ein unsentimentales Plädoyer für die Rehabilitierung der Gefühle, für die Wiederentdeckung des Herzens“.

David Baldacci, Das Versprechen

Der 1960 geborene amerikanische Schriftsteller David Baldacci hat mit einigen seiner Romane und Serien große Erfolge gefeiert. Er stammt aus Richmond, Virginia (USA) und fängt in diesem Werk Erinnerungen und Geschichten aus dem ländlichen Virginia in den Ausläufern der Appalachen ein.

Lou und Oz sind ein Mädchen und ein Junge im Alter von 12 bzw. 7 Jahren, die nach einem Autounfall, bei dem ihr Vater ums Leben kam und ihre Mutter im Koma lag, zu Waisen wurden. Sie ziehen von New York auf eine Bergfarm in Virginia, wo ihre Urgroßmutter Louisa Mae, die Großmutter ihres Vaters, lebt. Louisa ist keineswegs eine hilflose alte Dame, sondern eine starke Frau, die sich seit Generationen um die Farm ihrer Familie kümmert. Schon bald lernen die beiden Kinder die frische Luft, den Wechsel der Jahreszeiten und die lohnende Arbeit im direkten Kontakt mit der Erde und den Elementen zu schätzen.
Zu den üblichen Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten eines kleinen Bauernhofes gesellen sich die Habgier eines Nachbarn und die Manipulationen eines Erdgasunternehmens.

Die Geschichte ist liebenswert und zeigt die wahren Persönlichkeiten der Protagonisten. Die jäh unterbrochene Kindheit der beiden Kinder verbindet sich mit der natürlichen Freundlichkeit von Diamond, einer verwaisten Nachbarin, und der unschätzbaren Hilfe eines Landanwalts, der die Situation, in der sie sich befinden, versteht.

Ein sehr guter Roman, der trotz des vorhersehbaren Endes fesselt.

Die Meinung der anderen

Mit „Das Versprechen“ hat Bestsellerautor David Baldacci einen fesselnden Roman geschrieben, der den Leser in das ländliche Amerika der 40er Jahre versetzt. (Amazon)

Alfred Bodenheimer, Kains Opfer

Dieser Roman, der erste einer Reihe von Erzählungen mit denselben Protagonisten, wurde in der Schweiz mit einem renommierten Preis ausgezeichnet.
Gabriel Klein ist Rabbiner einer jüdischen Gemeinde in Zürich. Kurz nach den wichtigsten Feiertagen im jüdischen Kalender wird ein prominentes Gemeindemitglied, ein beliebter Lehrer an der Zürcher Konfessionsschule, tot aufgefunden. Der Rabbiner wird vom ermittelnden Kommissariat um Hilfe gebeten und findet Hinweise, die zur Verhaftung eines Verdächtigen führen, dessen Frau offenbar ein Verhältnis mit dem Toten hatte. Seine Kontakte zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde führen ihn zu weiteren Verdachtsmomenten und Schlussfolgerungen, denen er außerhalb der offiziellen polizeilichen Ermittlungen nachgeht. Mit ungeahnten Folgen.
Neben der Kriminalhandlung hat der Roman den zusätzlichen Reiz, den Leser in die Welt des Rabbiners und seiner Familie einzuführen, einschließlich eines Aufenthalts in Israel, wo er den Sohn einer ihm bekannten Familie besucht, der an einer orthodoxen jüdischen Universität studiert.
Der Autor, Professor für jüdische Literatur und Religionswissenschaft in Basel, versteht es, den Verlauf einer kriminalistischen Ermittlung mit der Interpretation biblischer Texte und der Darlegung jüdischer Bräuche und Riten zu verbinden. Der Roman ist eine unterhaltsame und informative Lektüre, die Lust auf die bereits erschienenen Fortsetzungen macht.

Was die anderen dazu meinen:

»Der erste garantiert koschere Lokalkrimi.« (Charles Lewinsky)

»Bodenheimer bettet die Suche nach der Wahrheit sehr gelungen in Traditionen der jüdischen Geisteswelt ein.« (focus.de)

Carsten Henn, Der Buchspazierer

Der Autor dieses unterhaltsamen Buches ist Journalist, bekannt vor allem für seine Bücher über Wein und Gastronomie. Er hat auch mehrere Romane geschrieben, darunter „Der Buchspazierer“, ein Werk, das in Deutschland mehrere Wochen lang die Verkaufs- und Kritikercharts anführte.

Insgesamt ist es eine Hommage an die Bücher, an die Leser und an alle, die anderen die Freude am Lesen ermöglichen. Sowohl allgemeinen als, im Besonderen, an die Leser von Romanen. Man sagt, es sind die Bücher, die ihre Leser finden, aber manchmal brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg zeigt.

Carl Kollhof arbeitet seit vielen Jahren in einer Buchhandlung in einer deutschen Kleinstadt, die von Gustav Schäfer und später von dessen Tochter Sabine geführt wird. Seit der Übernahme des Geschäfts will die junge Chefin alles verändern.

Carl ist für die Hauszustellung zuständig, eine Aufgabe, die er am späten Nachmittag wahrnimmt. Er liebt diese Arbeit und tauft einige seiner Kunden auf literarische Namen wie Mister Darcy, Effi (Briest), Doktor Faustus, Herkules usw. um. Eines Tages schließt sich ihm ein neunjähriges Mädchen an. Bald gibt sie sich nicht mit ihrer Rolle als Begleiterin zufrieden und beginnt, sich in das Leben der Kunden des Buchladens und des Zustellers einzumischen.

Der Roman erzählt die Geschichte liebevoll, in einfacher Sprache und umrahmt sie mit Zitaten aus bekannten literarischen Werken. Eine Einladung, mehr zu lesen oder mit dem Lesen anzufangen, denn, wie der alte Buchhändler sagt: „Es ist nicht wichtig, was man liest, sondern dass man überhaupt liest“.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein Buch zum Einkuscheln, ein Buch das wärmt und Zuversicht spendet. Genau das Richtige für alle, die wissen, wie wichtig ein gutes Buch sein kann.“ BRIGITTE

„Warmherzig, klug und anrührend erzählt Carsten Henn in seinem Bestseller vom Wert der Freundschaft, der Magie des Lesens und der verbindenden Kraft von Büchern!“ Thalia

Ulla Lenze, Der Empfänger

Ein auf wahren Begebenheiten beruhender Roman über einen Spionagering, der vor dem Ausbruch und während des Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten operierte. Die Hauptfigur, Josef oder Joe Klein, war schon lange vorher nach Amerika ausgereist und arbeitete in New York als Hilfsarbeiter in einer Druckerei, als Hitler in Deutschland an die Macht kam. Ein Netzwerk von Spionen nahm Kontakt zu Joe auf, der ein Niederfrequenzradio gebaut hatte, mit dem er verschlüsselte Nachrichten nach Deutschland senden konnte. Anfangs dachte Joe, er würde einer Handelsfirma bei ihren Aktivitäten unterstützen. Als er merkte, dass er manipuliert worden war, wandte sich an das FBI. Nach Kriegsende wurde er nach Deutschland deportiert, wo er einige Zeit mit seinem Bruder lebte, bevor er das Land in Richtung Argentinien verließ und versuchte, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

Der Roman erzählt zwei parallele Handlungsstränge, von denen der eine 1939 in New York und der andere 1949 in Neuss spielt. Es ist schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen seine Aktivitäten auf den Kriegsverlauf hatten, aber man kann davon ausgehen, dass diese nicht sehr groß waren. Im Buch werden andere Versuche von Spionage und Sabotage erwähnt, wie das Netzwerk Duquesne oder die Landung eines U-Bootes in der Nähe von New York.

Was die anderen dazu meinen:

Ein leiser, überzeugender Roman über Verantwortung und Mitläufertum. Bücher Magazin

»Ulla Lenze verknüpft meisterhaft Familiengeschichte und historischen Stoff, schreibt brillant, lakonisch, zugleich mitreißend über einen freundlichen Mann, der sich schuldig macht, weil er sich wegduckt.« WDR, Claudia Kuhland

Kim Ho-Yeon, Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen

Der Autor dieser bezaubernden Geschichte ist ein vielseitiger koreanischer Schriftsteller, der Werke in verschiedenen Genres veröffentlicht hat. Der Roman, der im ersten Jahr der Pandemie spielt, erzählt liebevoll eine Geschichte über Verständnis, Zusammenleben und menschliches Miteinander. Das Buch, das in der Originalsprache 2021 erschien, war in vielen Ländern ein großer Erfolg.

Ein unbekannter Obdachlose, den seine Mitstreiter rund um dem Hauptbahnhof von Seoul Dokgo nennen, findet eines Tages einen Etui mit den Dokumenten und der Brieftasche von Frau Yeom, einer pensionierten Lehrerin, die Opfer eines Raubs gewesen ist. Frau Yeom betreibt in einem Vorort von Seul einen 24-Stunden-Laden, wo man neben Lebensmittel auch andere Produkte rund um die Uhr kaufen kann. Dokgo leidet an einer alkoholbedingten Amnesie und sein einziges Ziel ist es, heil durch den Winter zu kommen. Er findet die Daten von Frau Yeom in ihrem Unterlagen und ruft sie an, um ihr ihr Eigentum zurückzugeben. Die dankbare Lehrerin nimmt ihn mit in ihren Laden und gibt ihm das Recht, jeden Tag dort etwas zu essen zu bekommen, unter der Bedingung, dass er aufhört zu trinken. Dokgo nimmt das Angebot an und wird bald Nachtwächter des Ladens. Dort entwickelt er eine erstaunliche Fähigkeit, sich der Probleme anderer Personen, sowohl Kunden als auch Mitarbeiter, anzunehmen. Nach und nach werden außerdem die Erinnerungen an seiner Vergangenheit wach, die er hinter sich gelassen zu haben glaubte.

Der deutlich asiatisch geprägte Ton der Erzählung ist gelassen, teilweise humorvoll, mit sehr detaillierten Beschreibungen der Orte und der Personen. Der Autor schildert die Problemen und Sehnsüchten der Hauptfiguren und betont immer wieder, wie wichtig es ist, auf die anderen einzugehen und die positive Seite aller Situationen zu finden. Manchmal wirkt die Erzählung ein wenig „naiv“ trotz der realistischen Darstellung. Ich habe die Lektüre auf Spanisch richtig genossen.

Was die anderen dazu meinen:

„Ein einfühlsamer, leicht erzählter Roman aus einer fernen Welt – fremd und uns doch so nah.“ NDR Kultur, 03.01.2024

Harlan Coben, In ewiger Schuld

Maya Burkett ist seit kurzem Witwe. Ihr Mann, Mitglied einer wohlhabenden Unternehmerfamilie, wurde im New Yorker Central Park von zwei Schlägern ermordet. Maya leidet unter den Erinnerungen an ihre Einsätze im Irak-Krieg, wo sie als Hubschrauberkommandantin an einem Einsatz beteiligt war, bei dem mehrere Zivilisten ums Leben kamen. Auf Anraten eines Freundes installiert sie eine versteckte Kamera und ein Aufnahmegerät im Zimmer ihrer zweijährigen Tochter Lilly, um zu Hause weiter mit dem Kind arbeiten zu können. Eines Tages zeigt ihr die Aufnahme der Kamera ein schockierendes Bild: Ihr verstorbener Mann Joe betritt das Zimmer und begrüßt ihre Tochter. Von diesem Moment an sind all ihre Gewissheiten über ihren Mann, ihre Familie und ihr bisheriges Leben erschüttert und sie beschließt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Harlan Coben ist einer der besten Krimiautoren der USA, der die meisten Preise für diese Art von Literatur gewonnen hat. Er versteht es, die Informationen, die er dem Leser vermittelt, so zu dosieren, dass die Spannung bis zur letzten Seite erhalten bleibt, ohne den Leser mit falschen Hinweisen in die Irre zu führen. Dieser Roman ist ein gutes Beispiel für die „Taschenspielertricks“ eines Krimiautors. Die Erzählung in der dritten Person entlastet den Autor von der Verantwortung für falsche Vermutungen beim Leser, wozu natürlich auch die angegebenen Fakten und Aussagen und deren Gewichtung auf den Seiten des Romans beitragen. Gleichzeitig versucht der Autor, die Präferenzen seiner Leser zu lenken, indem er bestimmte Haltungen und Reaktionen der Protagonisten hervorhebt, Sympathien weckt und bestimmte Verhaltensweisen zuspitzt. In gewisser Weise ist es unvermeidlich, implizite ethische Kriterien in die Betrachtung der Handlungen der Figuren einzubeziehen, auch wenn man versucht, sie auszuschließen. Dies ist zweifellos einer der am meisten vernachlässigten Faktoren bei der Beurteilung eines Kriminalromans. Was das Handwerk betrifft, Coben beherrscht es ohne Zweifel.

Was andere dazu meinen:

»Der Autor versteht es, die Spannung bis zum verblüffenden Ende aufrecht zu erhalten« („Der Landanzeiger„)

»Das Genie dieses amerikanischen Schriftstellers liegt darin, Thriller zu schreiben, die sowohl hoch spannend als auch emotional sind.« („Heat„)