Archiv der Kategorie: Komödie, Humor

Penelope Fitzgerald, Die Buchhandlung

Ohne Zweifel eins der besten Romane dieser britischen Schriftstellerin.

Eine alternde Frau kommt zu einem Ort an der Ostküste Englands mit der Absicht, dort eine Buchhandlung zu eröffnen.

Womit sie nicht gerechnet hat, ist dass Widerstand gegen Ihr Projekt aus verschiedenen Stellen wächst.

Was andere dazu meinen:

Florence Green erwirbt in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Küste Ostenglands, das Old House als zukünftiges Domizil für ihre Buchhandlung. Dass das Gebäude anscheinend von einem Poltergeist besessen und bis auf die Grundmauern feucht ist, bringt sie von ihrem Vorhaben ebensowenig ab wie die Tatsache, dass sie von finanziellen Dingen keine Ahnung hat. Voller Schwung stürzt sie sich in die Vorbereitungen und stattet ihre Buchhandlung liebevoll aus. Die Einwohner des kleinen Städtchens begegnen dem Unternehmen zunächst mit Skepsis, bald stellen sich jedoch erste Stammkunden ein. Als Florence Green aber dann ein gerade erschienenes Buch eines bis dahin unbekannten Autors, Vladimir Nabokov, verkauft, ist die Aufregung groß und weitet sich zu einem Skandal aus …

(medimops)

Yoko Ogawa, Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Eine junge Frau, alleinerziehende Mutter von einem 10-jährigen Jungen, arbeitet für eine Zeitarbeit-Agentur, die sie vor allem als Pflegerin einsetzt. Eines Tages wird ihr eine neue Stelle angeboten: sie soll sich um einen alten Mathematik-Professor kümmern, der nach einem Unfall das Gedächtnis verloren kann, so dass er nur die letzten 80 Minuten behalten kann.

So lernt sie jeden Tag der Professor neu kennen, und wird gleich mit einer überraschenden Frage begrüßt. Neben Mathematik, die andere Leidenschaft des Professors ist Baseball, wobei er ein echter Fan von Spielern ist, die seit 20 Jahren nicht mehr aktiv sind. Eines Tages lädt er die Pflegerin ein, ihren Sohn mitzubringen, damit dieser nicht lange auf das Abendessen nach der Schule warten muss. Daraus entwickelt sich eine schöne Geschichte, die jeden Tag praktisch neu beginnt.


Was andere dazu meinen:

„Überraschend, anmutig und tief bewegend.“ Paul Auster. Eine Frau wird die Haushälterin eines Mathematikprofessors, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist. Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft und Verlust – und über die Poesie der Zahlen. Seit einem geheimnisvollen Unfall währt das Kurzzeitgedächtnis eines Professors nicht länger als achtzig Minuten. Eine neue Haushälterin gewinnt sein Vertrauen, auch ihren zehnjährigen Sohn schließt er ins Herz. Über die faszinierende Welt der Mathematik kommen sie einander näher, und mit jeder neuen Gleichung, mit jedem neuen Zahlenrätsel entstehen zwischen ihnen Bande, die stärker sind als der Verlust der Erinnerung – bis die Schwägerin des Professors dem ein Ende setzt … „Ein wunderbares, ein poetisches Buch.“ WDR. „Die Japanerin Yoko Ogawa schreibt so poetisch und konkret, so fremd und vertraut, dass ihr Werk ein kleines Wunder an Widersprüchlichkeit ist.“ Brigitte

David Foenkinos, Nathalie küsst

Die deutschen Verlage sind manchmal sehr eigensinnig in der Wahl der Buchtiteln. Dieses Buch des inzwischen zu Lieblingsautor der französischen Literatur gewordenen David Foenkinos heisst in allen anderen Sprachen La délicatesse. Der deutsche Verlag konnte sich offenbar nicht auf eine Übersetzung einigen — es kämen Empfindsamkeit, Zärtlichkeit, Taktgefühl und viele anderen Begriffe in Frage — und wählte das entscheidende Ereignis der Erzählung als Titel für das erfolgreiche Buch. Die Verfilmung führt den Zuschauer, wie so oft, über festgestrampelten (Bilder)-Wege zu einer etwas banalisierten Liebesgeschichte. Das Buch ist viel mehr. Natalie ist eine junge Ehefrau, beruflich erfolgreich, die plötzlich ihren Mann in einem absurden Verkehrsunfall verliert. Sie reagiert mit Trotz und widmet sich ganz ihrer Arbeit, bis das Leben ihr selbst und ihrer gesamten Umgebung überrascht.

Was andere dazu meinen:

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ – und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für alle Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte.

(Medimops)

Amor Towles, Lincoln Highway

Die großen Erzähler bewähren sich in den langen Romanen mit vielen Personen. Es ist nicht leicht, ein halbes Dutzend Protagonisten zu definieren und ihre Züge, ihre Verhalten und ihre Sprache entlang fast tausend Seiten. Und es ist nicht leicht, die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Lesers zu erhalten, besonders in einer Zeit wo, wenn man den Markanalysen Glauben schenkt, der Leser oder Zuschauer eine Wendung oder einen Höhepunkt alle x Seiten oder alle x Sekunden.

Amor Towles hat bereits unter Beweis gestellt, dass er das kann. Besonders in Ein Gentelman in Moskau. Jetzt kommt er zu seiner Heimat als Set für eine Erzählung über vier Jungen, die eine Reise aus Nebraska, in der Mitte des Landes, nach New York. Towles übernimmt dabei die Tradition der orientalischen Märchenerzähler. Die Grundgeschichte folgt dem Leben von zwei Brüdern. Emmett, der ältere, ist gerade aus einem Jugendgefängnis entlassen worden. Der jüngere, Billy, hat einen Traum: seine verschollene Mutter wieder zu finden. Und so planen sie eine Reise entlang der Lincoln Highway bis San Francisco. Aber zwei Mitinsassen, der etwas naive Woolly, der „in einer anderen Frequenz tickt“ und der rachesüchtige Duchess, tauchen plötzlich auf und durchkreuzen ihre Pläne. So verfolgen sie sich gegenseitig auf dem Weg nach New York und in dieser Stadt, wo sie interessante Leute kennenlernen, wie einen obdachlosen Ulysses, der seine Frau verlor, als er in den Krieg zog, oder einen Historiker, der Biographien von Helden sammelt.

In den letzten Seiten, als der Leser noch mehr über die Reise wissen will, kommt ein unerwartetes und dennoch logisches Ende.

Eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Was andere dazu meinen:

Nach „Ein Gentleman in Moskau“ der neue Roman von Bestsellerautor Amor Towles: „Eine ausgelassene Road Novel quer durch Amerika.“ Time

Im Juni 1954 wird der achtzehnjährige Emmett aus dem Gefängnis entlassen. Zuhause in Nebraska wartet sein kleiner Bruder Billy auf ihn. Nach dem Tod des Vaters möchten sie einen Neuanfang in Kalifornien wagen, wo sie ihre verschwundene Mutter vermuten. Alles ist bereit für die Fahrt mit dem 48er Studebaker, doch plötzlich tauchen zwei Freunde aus dem Gefängnis auf. Sie haben allerdings ein anderes Ziel, New York City. So beginnt eine Reise mit den witzigsten und unglaublichsten Begegnungen – Clowns, Landstreicher, arbeitslose Schauspieler, Bettler und besonders gefährliche Pastoren. ‚Lincoln Highway‘ erzählt die ergreifende Odyssee von vier vaterlosen Jungen entlang der ersten Autobahn Amerikas.

(amazon)

„Amor Towles hat einen großartigen Roman geschrieben, eine Great American Novel mit jeder Menge Action on the road, mit kleinen Helden und großen Verlierern – und mit ganz viel Seele. … Ein turbulenter Roman, der so ganz nebenbei auch von der Kraft der Bücher erzählt.“ Carsten Wirst, Rbb, 11.10.22

„Ein kluger Roman, dessen mutige Helden einem ans Herz wachsen … über Literatur, Lesen und Urteilskraft als Wegweiser durchs Leben.“ Susanne Klingenstein, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.22

„‚Lincoln Highway‘ vereint, so leicht lesbar wie die Vorgänger, die Tugenden der uramerikanischen Road Novel mit antiken Reise-Erzählungen.“ Ute Büsing, Tagesspiegel+, 28.09.22

„Dieser Roman ist in seiner hemmungslosen Unterhaltsamkeit ein kleines Wunderwerk. …. Towles fächert ein Panorama an wunderlichen Figuren auf … und verankert seinen Roman tief in den Traditionen der amerikanischen Road-Novels.“ Christoph Schröder, Deutschlandfunk Büchermarkt, 12.08.22

„Dieser Roman ist eine Hymne auf das Leben auch unter allerwidrigsten Umständen. Amor Towles ist wieder ein schöner, dicker Roman gelungen, in dem man ein paar herrliche Lesetage unterwegs sein kann und der lange nachhallt.“ Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 02.08.22

„Ein großer Roman… ‚Lincoln Highway‘ wirkt, als sei es im Grunde schon verfilmt, so stark sieht man die Kinobilder vor Augen.“ Tobias Rüther, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.07.22

Katja Oskamp, Marzahn mon amour

Die Autorin dieses Buches ist eine deutsche Schriftstellerin. Eine Zeit der Erfolglosigkeit bringt sie dazu, etwas anderes zu versuchen; sie macht einen Kurs und wird Fußpflegerin. So beginnt sie, in einem Salon der Plattenbausiedlung von Marzahn zu arbeiten und sammelt Geschichten über ihre Kunden und ihre Kolleginnen. In all diesen Erzählungen bringt sie Humor, Verständnis und, vor allem, eine große Empathie für alle Menschen, den sie begegnet, und ein Gespür für Menschlichkeit.

Was andere dazu meinen:


Katja Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also macht sie etwas, was für andere dem Scheitern gleichkäme: Sie wird Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR. Und schreibt auf, was sie dabei hört.

Es sind Geschichten wie die von Herrn Paulke, vor vierzig Jahren einer der ersten Bewohner des Viertels, Frau Guse, die sich im Rückwärtsgang von der Welt entfernt, oder Herrn Pietsch, dem Ex-Funktionär mit der karierten Schiebermütze. Geschichten voller Menschlichkeit und Witz, Wunderwerke über den Menschen an sich – von seinen Füßen her betrachtet.

Jonathan Coe, Mr. Wilder und ich

Der britische Schriftsteller Jonathan Coe widmet diesen unterhaltsamen Roman dem berühmten Filmregisseur Billy Wilder und seinem Drehbuchautor „Iz“ Diamond. Er verwendet eine fiktive Figur, die Bandkomponistin Calista Frangopoulou, die er durch eine zufällige Einladung zum Abendessen in Los Angeles in die Welt des Films und insbesondere in die Welt von Wilder einführt. Von dort aus tritt die Protagonistin und Erzählerin im Film Fedora als Darstellerin auf und entdeckt ihre musikalische Berufung. Die Geschichte der Dreharbeiten, die in den späten 1970er Jahren spielt, ist als Rückblende in eine viel spätere Geschichte eingebettet, in der Carlista verheiratet ist und zwei Töchter hat, und zwar zu einem für das Paar entscheidenden Zeitpunkt, als eine der beiden Töchter zum Studium nach Australien geht und die andere über eine Abtreibung nachdenkt, da sie sich nicht in der Lage fühlt, Mutterschaft und Studium zu vereinbaren.

Die Lektüre ist höchst vergnüglich, mit einer Vielzahl von Anekdoten über die Filmwelt der 1970er Jahre, über ihre Protagonisten und über den wesentlichen Unterschied, den ein Krieg in der Mentalität von Menschen macht, die ihn erlebt oder durchlitten haben, und solchen, die ihn nur aus Referenzen kennen. Zwei Highlights sind eine Erzählung von Wilder, die in Form eines Drehbuchs aufgezeichnet wurde, und ein Aufenthalt von Wilder mit dem Protagonisten in Meaux, dem Geburtsort des berühmten Brie-Käses.

Ich finde, es ist ein sehr empfehlenswerter Roman.

Was andere dazu meinen:

In seinem neuen Roman zeichnet Bestseller\-Autor Jonathan Coe ein faszinierendes Porträt der Hollywood\-Legende Billy Wilder. Los Angeles, Sommer 1976: Durch einen verrückten Zufall lernt die junge Athenerin Calista einen witzigen Herrn mit österreichischem Akzent kennen, ohne zu ahnen, dass es das Kino\-Genie Billy Wilder ist, Schöpfer von unsterblichen Filmen wie Manche mögen’s heiß. Die Begegnung wird ihr Leben verändern. Als Dolmetscherin begleitet sie den Regisseur und seine glamouröse Filmcrew auf die verschlafene griechische Insel Madouri, wo er seinen vorletzten Film Fedora dreht, dann weiter nach München und Paris. Während es für sie eine traumwandlerische Reise ist, sieht sich der jüdische Exilant Wilder mit seiner Geschichte konfrontiert. Mit grandiosem Witz und feiner Ironie zeichnet Coe ein schillerndes Bild des Meisters der Komödie.

(Amazon)

David Foenkinos, Das geheime Leben des Monsieur Pick

Zwei andere Erzählungen von Foenkinos haben mir sehr gut gefallen, vor allem Nathalie küsst, und ich habe diesen Roman begonnen, den man in einem Zug lesen kann. Ganz anders als die anderen und ein Beispiel für die Metaliteratur, die in letzter Zeit so in Mode gekommen ist. Ein Buch über ein Buch, eine Bibliothek und mehrere Autoren, das sich weiterentwickelt und zu einem kontroversen Ende führt.

Eine junge Redakteurin reist in das bretonische Dorf Crozon, in dessen Bibliothek sie eine Abteilung für Bücher entdeckt, die von den Verlegern abgelehnt wurden. Diese Abteilung wurde von einem Bibliothekar zu Ehren eines amerikanischen Schriftstellers gegründet, der die Idee dazu hatte. Die Lektorin und ihr Mann erkunden die Bestände und entdecken ein Manuskript mit dem Titel Die letzten Stunden einer Liebesgeschichte, geschrieben von einem gewissen Henri Pick. Der angebliche Autor, Besitzer einer Pizzeria in der Nähe der Bibliothek, ist inzwischen verstorben, und seine Frau kann nicht glauben, dass ihr Mann ein solches Vermächtnis hinterlassen hat. Das Buch wird ein verlegerischer Erfolg, der das Leben aller, die mit dem Buch und seinem Umfeld zu tun haben, revolutioniert und vom Gauner bis zum Enthüllungsjournalisten alle anzieht.

Foenkinos beherrscht die seltene Kunst, Nebengeschichten zu erzählen, ohne den Faden der Haupthandlung zu verlieren, und den Fokus von einer Person zur anderen zu verlagern. Wie viele Schriftsteller behandelt auch der französische Autor seine Figuren liebevoll und gibt ihnen die Chance, sich im Leben zu rehabilitieren und das zurückzugewinnen, was sie verloren zu haben glaubten. Aus diesem Grund empfehle ich diesen Roman, auch wenn das Ende ein wenig überstürzt wirkt.

Kürzlich wurde ein Film über das Buch veröffentlicht, der sich jedoch in Bezug auf Inhalt und literarische Relevanz stark unterscheidet.

Was andere dazu meinen:

In einem kleinen, abgelegenen Dorf in der Bretagne gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Denn hier werden Bücher gesammelt, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Lektorin ein Manuskript, das sogar in der Hauptstadt Paris für Aufregung sorgt und das Leben vieler Menschen verändert. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Doch seine Witwe beteuert, er habe zeit seines Lebens kein einziges Buch gelesen und nie etwas anderes zu Papier gebracht als Einkaufslisten. Hat Monsieur Pick etwa ein geheimes Zweitleben geführt? Ein charmanter Roman – leicht, beschwingt und voller Witz.

Verfilmung unter dem Titel »Der geheime Roman des Monsieur Pick« – zurzeit im Kino! Über das Glück, vom Leben überrascht zu werden … Ein französischer Feel-Good-Roman für die Leser von Nicolas Barreau »Welch wunderbarer Zeitvertreib das Lesen sein kann.« Kölnische Rundschau