Archiv der Kategorie: Liebesromane

Susanna Tamaro, Luisito

Anselma ist pensionierte Lehrerin. Als alleinstehende Witwe führt sie ein eher resigniertes und graues Dasein. Sie findet die Entwicklung der Gesellschaft im Allgemeinen und die ihrer Verwandten und Bekannten schrecklich und zieht sich immer mehr zurück. Eines Tages entdeckt sie im Müll etwas, das sich bewegt und das sie zunächst für eine Ratte hält. Kurz darauf entdeckt sie die schöne, bunte Feder eines Papageis. Sie nimmt das Tier mit nach Hause und es entwickelt sich eine schöne Freundschaftsgeschichte zwischen dem Papagei und Anselma. Diese führt bald dazu, dass Anselma ihre Vorurteile revidiert, alte Kontakte wieder aufnimmt und ein ganz anderes, neues Leben führt.

Wie andere Bücher von Tamaro ist auch Luisito eine Fabel. Die Gesellschaftskritik ist deutlich spürbar, vor allem in den Punkten, die die Protagonisten direkt betreffen, wie Erziehung, Altenpflege, das Fehlen von Werten und Sinn im Leben so vieler Menschen. Tamaro beschränkt sich darauf, die Zustände anzuprangern und ihre Erzählung, die zwar seltsam, aber realistisch ist, als einen möglichen Ausweg aus der existenziellen Krise zu präsentieren.

Tamaro moralisiert nicht. Tamaro lädt den Leser ein, in ihre Welt einzutauchen und sich viele Fragen zu stellen. Ein sehr schönes Buch, das sich auch schnell lesen lässt.

Was andere dazu meinen:

Susanna Tamaros Geschichte ist ein Kleinod. Eine kleine, weise Erzählung über das, was im Leben zählt: die Wahrhaftigkeit der Gefühle. — Freundin

Ein modernes Märchen. Sehr außergewöhnlich. Sollten Sie lesen. — Monika Littel, Radio Arabella

‚Luisito‘ vereint alle Themen, die Susanna Tamaro wichtig sind: die Natur, die Spiritualität, die Sanftmut der Kinder und die Sensibilität der Tiere. — Corriere della Sera

Susanna Tamaro rührt die Herzen mit ‚Luisito‘. — dpa

Tamaro vermag zu lesen, was in unserem Innersten vorgeht… — L’Espresso

„Ein starker Roman, der die Sehnsucht nach erfülltem Leben thematisiert.“ — Kurier, Wien

Maggie O’Farrell, Portrait einer Ehe

Dieser Roman der nordirischen Schriftstellerin Maggie O’Farrell wurde mit einer großen Marketingkampagne publiziert und knüpft an den Erfolg eines anderen in diesem Blog rezensierten Romans, Hamnet, an. Bei jenem geht es um den familiären Hintergrund des englischen Schriftstellers Shakespeare und um den Tod seines Sohnes Hamnet oder Hamlet. Bei diesem um die Herzogin von Ferrara, Lucrezia von Medizi, die im zarten Alter von 13 Jahren mit dem künftigen Herzog Alfonso vermählt wird. Die Landschaft ändert sich, von einer Stadt nördlich von London zu den Stadtstaaten Florenz und Ferrara, ebenso wie die Zeit, im Fall von Shakespeares Sohn fast ein Jahrhundert später. Aber es bleibt bei der psychologischen Introspektion von Frauen ihrer Zeit erhalten, sei es die Ehefrau und die Tochter des Schriftstellers, sei es die noch kindliche Lucrezia de Medici und ihre Schwägerinnen.
Der Roman erzählt die Geschichte von Lucrezia de Medizi, die aus Stadtpolitischen Gründen von ihren Eltern mit dem mächtigen Herzog von Ferrara, Alfonso II. del Este, verheiratet wird. Dieser besteigt den Herzogsthron nach dem Tod seines Vaters und wird in einen spannenden Machtkampf verwickelt. Alfonso ist davon besessen, einen Erben zu haben um mögliche Nachfolgeproblemen zu verhindern. Lucrezia, ein sensibles und phantasievolles Mädchen, kunstbegeistert und ohne jegliche Lebenserfahrung, wird über Nacht zur Herzogin von Ferrara und rebelliert innerlich gegen die ihr zugedachte Rolle.
Die Handlung des Romans verläuft in zwei parallelen Bahnen. Die eine erzählt die Ankunft von Lucrezia und ihrem Mann in einer Festung in der Nähe von Ferrara, wo Lucrezia glaubt, dass sie getötet werden soll, während die andere die Geschichte von Lucrezias Leben erzählt, ihre Rolle als Kind, das mit keiner anderen Bestimmung ausgestattet ist, als „Verhandlungsmasse“ für eine mögliche Heirat zu werden. Das Blatt wendet sich jedoch bald, als ihre Schwester Maria, die mit dem künftigen Herzog von Ferrara verlobt ist, an einem Lungenleiden stirbt, und sie ihre Rolle einnehmen soll.

Der Roman ist etwas langatmig. Die Erzählung verweilt immer wieder bei Lucrezias Gedanken und Ängsten und bei den Einzelheiten ihrer Entwicklung zur Frau. Es ist dennoch eine faszinierende Erzählung.

Was andere dazu meinen:

Ein Mal hat Lucrezia den Mann gesehen, mit dem sie als Zwölfjährige verheiratet werden soll. Am Hof von Florenz wächst die Tochter aus dem Hause Medici auf wie in einem goldenen Käfig. Niemand versteht das künstlerisch begabte, feinsinnige Mädchen, das lieber mit Tieren redet als mit den Geschwistern – außer ihrem Zukünftigen, Alfonso, der ihr tief in die Seele zu schauen scheint. Bringt das Leben mit dem Herzog von Ferrara ihr die ersehnte Freiheit? Oder doch den Tod?

»Maggie O’Farrell ist eine der aufregendsten Autorinnen unserer Zeit.« The Washington Post

»Es gibt Romane, die stoßen eine Tür auf und schubsen einen hinein in ein Jetzt, das so nah, so absolut scheint wie der eigene Herzschlag.« Brigitte Woman über »Judith und Hamnet«, ausgezeichnet mit dem Women’s Prize for Fiction & British Book Award 2020. (Amazon)

Stefan Zweig, Brief einer Unbekannten

Wie ich an anderer Stelle in diesem Blog geschrieben habe, versuche ich jedes Jahr ein Buch von Stefan Zweig zu lesen. Oder mehrere. Das ist nicht schwer, denn trotz seines frühen Todes hat dieser produktive Autor ein außergewöhnliches Erbe hinterlassen, das zum großen Teil in andere Sprachen übersetzt wurde. Neben den Hauptwerken, in denen er eine scharfsinnige Vision des unglücklichen Beginns des Jahrhunderts entwirft, sind meine Favoriten die kurzen Romane und Novellen. In ihnen zeigt Zweig eine tiefe Kenntnis der menschlichen Seele, insbesondere der weiblichen. Seine Figuren sind in der Lage, ihren Seelenzustand, ihre Leidenschaften, ihre Sehnsüchte und Ängste mit großer Beredsamkeit auszudrücken, und die Romane haben immer die richtige Länge, unabhängig von der Handlung, die manchmal gar nicht vorhanden ist.

Der Brief einer Unbekannten ist nach Meinung vieler Kritiker eine von Zweigs besten Erzählungen. Auf wenigen Seiten führt er den Leser in das Innere einer Frau, die ihr Leben der Liebe zu einem berühmten Schriftsteller widmet, ohne dass dieser es davon weiß. Das Buch wurde dreimal verfilmt: 1948 von Max Ophüls, 1957 von Tulio Demicheli und 2004 von Xu Jinglei. Hinzu kommen weitere Adaptionen für das Fernsehen. Es ist interessant, die Verfilmungen zu vergleichen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen.

Der Brief einer Unbekannten ist im Wesentlichen das, was der Titel suggeriert. Der Anfang, scheinbar ein literarischer Kunstgriff, kann in die Irre führen. Ein berühmter Schriftsteller kehrt an seinem 41. Geburtstag nach Wien zurück und findet einen 20-seitigen Brief ohne Absender und Unterschrift vor. Darin offenbart ihm eine namenlose, gerade verstorbene Frau die Erinnerungen und Gefühle eines Lebens, das ganz der Liebe zum Schriftsteller gewidmet ist. Dieser kann sich nicht einmal an ihr Gesicht oder ihre Person erinnern. Die Worte der Absenderin und die Gefühle, die sich in jedem ihrer Sätze widerspiegeln, mögen auf den ersten Blick naiv und sentimental erscheinen, sind es aber nicht. Die Haltung, die dem Brief zugrunde liegt und die ihre Verfasserin bis zum Äußersten treibt, ist die einer bedingungslosen Hingabe an den Gegenstand ihrer Liebe, trotz der objektiven Schwierigkeiten, des Unverständnisses ihrer Umgebung und der Gleichgültigkeit – oder besser Ablehnung – ihres Geliebten, dem sie weiterhin alles Gute wünscht. Eine beeindruckende Geschichte.

Was andere dazu meinen:

Ein Liebesbrief erreicht den Romancier und Lebemann R. an seinem einundvierzigsten Geburtstag – die leidenschaftliche Lebensbeichte einer Frau, deren Lebensmittelpunkt er war. Doch sie ist für ihn nur eine belanglose Geliebte unter vielen geblieben, letztlich eine Unbekannte. »Ich klage Dich nicht an, mein Geliebter, nein, ich klage Dich nicht an«, verspricht sie, und doch stellen ihre glühenden Worten das Leben dieses Mannes, der »nur das Leichte, das Spielende, das Gewichtlose« lieben kann und vor Bindungen zurückscheut aus »Angst, in ein Schicksal einzugreifen«, vollständig in Frage. (bücher.de)

Kazuo Ishiguro, Bei Anbruch der Nacht

Die Fans des Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro wissen, dass es in seinem literarischen Werk und in seinem Leben einige beherrschende Themen gibt: Erinnerungen, Entscheidungen, die den Rest unseres Lebens bestimmen, und Musik. Sie alle tauchen in dieser Sammlung von fünf Erzählungen auf. Der aufmerksame Leser wird interessante Parallelen entdecken, die in ihrem Zusammenspiel die fünf Erzählungen zu einer wahren Symphonie werden lassen. Sie haben den ruhigen und endgültigen Charakter einer barocken Nocturne, manchmal mit einem leicht traurigen Unterton. Wie so oft hat der deutsche Verlag einen Titel gewählt, der vom Original (Nocturnes) und auch vom Geist des Buches abweicht. Alle Geschichten handeln von erfolglosen Musikern, die in einer entscheidenden Phase ihrer Karriere auf Menschen treffen, die ihre Sicht auf ihre Kunst beeinflussen. Der Tenor der Geschichten reicht von traurig bis grotesk, aber die Musik taucht immer wieder auf, als Leidenschaft, als Talent und als Beruf.
Wie bei komplexen musikalischen Werken lohnt es sich, das Buch ganz oder teilweise ein zweites Mal zu lesen oder über die Haupt- und Nebenfiguren nachzudenken, die in gewisser Weise Spuren hinterlassen: vom ehemaligen Sänger, der, als seine Popularität nachlässt, erkennt, dass seine Frau ihn verlassen muss, um ihren Platz in der glitzernden Welt des Ruhms zu behalten, bis zur ehemaligen Cello-Schülerin, die zu der Überzeugung gelangt, dass kein Lehrer die nötige Interpretationsgabe besitzt, um ihr zu helfen, und deshalb aufhört, das Instrument zu lernen.
Die Originalität des Themas und Ishiguros virtuose Erzählkunst machen diese Sammlung zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre.

Was andere dazu meinen:

Der neue Ishiguro: humorvoll, leichthändig und ungewöhnlich musikalisch.
Die besten Zeiten hat Tony Gardner schon hinter sich – seine Engagements werden rarer, seine Autogramme kaum mehr nachgefragt. Für den Kaffeehausgitarristen Janeck ist der Crooner jedoch das größte Idol. Als sich die beiden in Venedig über den Weg laufen, muss er Gardner einfach ansprechen. Der nutzt die Gelegenheit, um Janeck für den vielleicht wichtigsten Auftritt seines Lebens zu gewinnen: Er will seiner langjährigen Frau ein romantisches Ständchen bringen, in der Hoffnung, dass sie der bröckelnden Ehe noch einmal eine Chance gibt.

Mit dieser und vier weiteren Geschichten hat Kazuo Ishiguro seiner großen Leidenschaft, der Musik, eine Liebeserklärung geschrieben. Von Venedig über London und die Malvern Hills bis nach Hollywood führt sie die Menschen zueinander, spinnt ein Netz zwischen den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, Nationalitäten und Schicksalen. Ein betörender Erzählzyklus, der auf eindrucksvolle Weise die Schicksale seiner Figuren mit ihrer Liebe zur Musik verknüpft.
(Hugendubel)

Eine wie immer lebendige Besprechung

von Elke Heidenreich ist in YouTube zu finden: https://youtu.be/Ka5IQBdvQeI

Zeruya Shalev, Schmerz

Dieser Roman und seine Autorin haben mich sehr positiv überrascht. Die Hauptfigur, Irisim, ist Direktorin einer Schule mit einem fortschrittlichen und integrativen Bildungsprogramm in Jerusalem. Sie leidet unter starken Schmerzen aufgrund von Verletzungen, die sie vor zehn Jahren bei einem Terroranschlag erlitten hat. Ihr Ehemann Miki und ihre beiden Kinder Alma und Omer, beide in den frühen Zwanzigern, haben in ihrem Leben nach und nach an Bedeutung verloren. Bei einem Besuch in einer Schmerzklinik trifft sie zufällig auf Eitan, ihre Jugendliebe, der sich von ihr getrennt und sie traumatisiert zurückgelassen, als sie beide etwa 18 Jahre alt waren. Irisim denkt ernsthaft darüber nach, ihre Familie zu verlassen und zu Eitan, einem angesehenen Arzt mit zwei Kindern aus zwei gescheiterten Ehen, zurückzukehren, als ein akutes Problem mit ihrer Tochter ihre ganze Aufmerksamkeit erfordert.
Nach einem etwas zähen Beginn konzentriert sich der Roman auf Irisims Innenwelt, auf ihr Jugendtrauma, auf ihre Frustrationen, auf ihren Stolz darüber, es zur geachteten und geliebten Schuldirektorin gebracht zu haben, und auf die Zweifel, die das neue Dilemma in ihr weckt: Soll sie die Gegenwart und ihre Familie aufgeben oder in dem familiären Umfeld bleiben soll, das sie geschaffen hat und von dem so viel abhängt.
Ein ausgezeichneter Roman mit einem hoffnungsvollen Ende, der auch von einem in Europa wenig bekannten Hintergrund erzählt: der israelischen Gesellschaft mit ihren multikulturellen und geopolitischen Besonderheiten.

Was andere dazu meinen:

Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Terroranschlag schwer verletzt worden. Zwar ist sie in ihr altes Leben zurückgekehrt, sie leitet eine Schule, ihr Mann steht ihr treu zur Seite, die Kinder sind fast erwachsen, doch quälen sie Tag für Tag Schmerzen. Als sie Eitan wiederbegegnet, der Liebe ihrer Jugend, der sie vor Jahren jäh verlassen hat, wirft sie das völlig aus der Bahn. Die Wunde, die er ihr damals zufügte, ist nicht weniger tief als die, die der Selbstmordattentäter, der sich neben ihr in die Luft sprengte, riss. Und doch fühlt sich Iris, zaghaft, überrascht, erneut zu ihm hingezogen, ist versucht, ihrer Ehe zu entfliehen, die ersten Lügen zu stricken, alles aufs Spiel zu setzen.
Wie in ihrem Weltbestseller »Liebesleben« lotet Zeruya Shalev die Untiefen der Liebe, die Fährnisse einer fatalen Anziehung aus. Die erotische Spannung, die Wucht der unerwartet wieder aufflammenden Leidenschaft sind kompromisslos, ehrlich und tief bewegend erzählt. »Schmerz« ist Zeruya Shalevs persönlichstes Buch, eine emotionale Grenzerfahrung, ein Roman, der bis zur letzten Seite fesselt.

Ian McEwan, Maschinen wie ich

Ian McEwan behandelt in diesem Buch einige der anthropologischen, ethischen und sozialen Probleme, die im Zusammenhang mit der so genannten künstlichen Intelligenz auftreten können. Er tut dies auf humorvolle Weise.

Charlie Friend, der seinen Lebensunterhalt mit Trading verdient, kauft einen der ersten Prototypen eines Androiden mit dem bezeichnenden Namen Adam. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase nimmt der Android eine unerwartete Rolle im Leben von Charlie und seiner Freundin Miranda ein, die viele Fragen aufwirft.

Was andere dazu meinen:

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen >Adam< geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

Jean-Paul Didierlaurent, Die Sehnsucht des Vorlesers

Guylan, ein Literaturliebhaber, arbeitet in einer Fabrik zur Vernichtung von ausrangierten Büchern zwecks Recycling des Papiers. Er leidet unsäglich darunter. Es ist streng verboten, Bücher mitzunehmen oder zu retten. Jedes Mal, wenn eine Lieferung vernichtet wird, sucht er ein oder zwei Seiten aus den Büchern heraus, während er die Maschine reinigt. Dann liest er sie in der S-Bahn, mit der er morgens zur Arbeit fährt. Eines Tages findet er im Zug einen USB-Stick, auf dem die Toilettenfrau eines Einkaufszentrums ihr Tagebuch schreibt. Er beschließt, sie zu finden.

Liebevoll beschreibt der Autor die Widersprüche, in denen diese und andere Menschen ihr Leben fristen müssen.

Für mich ist dieser Autor eine der Entdeckungen des Jahres.

Was andere dazu meinen:

Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im 6-Uhr-27-Regionalzug laut ein paar Seiten vor, die er tags zuvor heimlich der Schreddermaschine entrissen hat: sein Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur. Eines Tages findet der schüchterne Maschinenführer im Zug jedoch einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer ganz besonderen jungen Frau gespeichert ist.

Robert Seethaler, Der Trafikant

Robert Seethaler, geboren 1967, ist ein österreichischer Schriftsteller und Schauspieler. Er erreichte internationalen Ruhm mit seinem Werk Ein ganzes Leben, das für einige wichtige Preise nominiert wurde. Der Trafikant, geschrieben 2012, wurde einige Jahre später verfilmt.

Dieses feinsinnig geschriebenes Buch erzählt die Geschichte von Franz Huchel, der sein Heimatdorf am Attersee 1937 verlässt, um in Wien als Lehrling in einer Trafik (ein Kiosk) zu arbeiten. Dort trifft er auf Sigmund Freud, Kunde des Ladens, und ist von ihm fasziniert. Daraus entwickelt sich eine Art Vater-Sohn-Beziehung, die durch die politischen Ereignisse unterbrochen wird. Ich finde, es ist ein sehr schönes Buch.

Was andere dazu meinen:

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik – einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft – sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von ihm. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, sucht er bei dem alten Professor Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse. Und schon bald werden Franz, Freud und Anezka jäh vom Strudel der Ereignisse mitgerissen.

Alessandro D’Avenia, Weiß wie Milch, rot wie Blut

Das Buch dürfte den meisten Besucher dieser Seite bekannt sein. Falls es jemand noch nicht gelesen hat, es lohnt sich. Es geht um Leo, ein leidenschaftlicher Junge, tief verliebt in Beatrice. Beide verbinden ihre Gefühle mit den Farben, vor allem weiß und rot. Eines Tages erfährt Leo, dass Beatrice schwerkrank ist und muss fortan lernen, seine Liebe in einem anderen, weiteren Kontext zu verstehen.

Das Buch ist international ein großer Erfolg geworden, vor allem bei jüngeren Lesern.

Was andere dazu meinen:

Amazon beschreibt es so: „Große Gefühle aus Italien: Ein ganz besonderer Roman über die erste große Liebe. Eine Erinnerung an die ungeheure Wucht der Gefühle, wenn sie uns zum ersten Mal trifft. Jung, frech und poetisch erzählt, mal schonungslos ehrlich, mal scharfzüngig rotzig und dann wieder verletzlich und zart.“

Nickolas Butler, Shotgun Lovesongs

Nickolas Butler, geboren 1979, stammt aus Pensilvania aber hat sein ganzes Leben im Midwest der USA verbracht. Seine Karriere als Schriftsteller begann nach dem Studium der Anglistik in Madison, und nach verschiedenen Jobs in Wisconsin, von Kafferöster bis Hotelmanager. Dieser Roman brachte Butler auf die Bestsellerlisten und ist später verfilmt worden.

Fünf Freunde aus einem kleinen Dorf in Wisconsin kommen wieder zusammen als alle schon die Grenze der 30 Jahre überschritten haben. Sie alle sehnen sich nach der Freundschaft und bedauern, dass das Leben sie voneinander getrennt hat. In mehreren Erzählungen, geschrieben in erster Person, bedauern die fünf Protagonisten ihre Fehler, idealisieren die Jugend und wünschen sich eine ewige Freundschaft, die sie teilweise mit ihrem eigenen Fehlern verhindert haben.

Was andere dazu meinen:

Fünf Freunde aus einer Kleinstadt im Norden der USA. Durchs Schicksal auseinandergetrieben, lebt in allen die Sehnsucht nach der Nähe, die sie einst verband. Ein sentimentaler, kraftvoller Roman, der vielstimmig von den großen Themen Freundschaft, Heimat und Liebe erzählt.
(Amazon)

Little Wing im Norden Wisconsins. Henry und Beth waren schon in der Schule ein Paar und haben ihren Heimatort nie verlassen. Sie kämpfen um ihre Farm und unterstützen ihren Freund Ronny, der nach einem schweren Unfall vom Rodeo-Star zum Alkoholiker wurde. Kip war als Rohstoffmakler in Chicago erfolgreich. Nach seiner Hochzeit will er in seiner alten Heimat neu beginnen, findet dort aber
nur schwer Halt. Lee hat ein Album aufgenommen – »Shotgun Lovesongs« – und wurde damit zu einem international gefeierten Star. Auch ihn zieht es zurück nach Little Wing, zu seinem besten Freund Henry und dessen Frau Beth, mit der ihn mehr als eine Freundschaft verbindet. In einem unvorsichtigen Moment setzt er alles aufs Spiel.
(bücher.de)