Archiv der Kategorie: Liebesromane

Sandor Marai, Das Vermächtnis der Eszter

Ohne Zweifel ein Meisterwerk von Sandor Marai. In wenigen Seiten und mit wenigen Worten beschreibt er in großer Tiefe Gefühle und Sehnsüchte, Enttäuschungen und Freuden.

Es geht um Eszter, eine ledige Frau, die ein friedliches Leben führt bis zu dem Augenblick, da ein Freund ihrer Familie diese Ruhe für immer zerstört. Dieser Mann, inzwischen verwitwet, hat vor Jahren Eszter enttäuscht und betrügt, und dann ihre Schwester geheiratet. Der Gaunercharmeur taucht nun nach langer Zeit auf und weckt vom neuen die verdrängten Gefühle in Eszter auf.

Was mir besonders gefallen hat:

Wie in anderen kurzen Erzählungen schafft der ungarische Autor, dem Leser mit wenigen Worten in eine innere Welt von ungeheurer Intensität zu versetzen.

Was andere dazu meinen:

Vor 20 Jahren hat der Hochstapler Lajos, Eszters große und einzige Liebe, nicht nur sie, sondern auch ihre übrige Familie mit Charme und List bezaubert. Eszter hat es ihm nicht verziehen, dass er ihre Schwester Vilma geheiratet hat. Nun kehrt er zurück, um die tragischen Ereignisse von damals zu klären und die offenen Rechnungen zu begleichen. Bei dieser Gelegenheit kommen drei Briefe zum Vorschein, die für Eszter gedacht waren, die sie aber nie erhalten hatte … Nach dem Welterfolg von Sándor Márais Roman »Die Glut« ein weiteres Meisterwerk des großen ungarischen Autors.
(Medimops)

»Mit großem Geschick, in einer aufs Wesentliche verknappten und suggestiv aufgeladenen Sprache, verknüpft Sándor Márai die Fäden einer desaströsen Liebes- und Lebensgeschichte, die in einem existenziellen Kampf gipfelt, den die Frage bestimmt: Wird Lajos wieder siegen und seinen letzten großen Betrug erfolgreich abschließen?«
Süddeutsche Zeitung

Kazuo Ishiguro, Alles, was wir geben mussten

Kazuo Ishiguro ist Engländer, auch wenn seine Vorfahren aus Japan stammen und er selbst in Nagasaki geboren wurde. Neben „Was vom Tage übrig bleibt“ hat er andere hervorragende Bücher geschrieben. In Alles, was wir geben mussten, geht es um das Klonen, und auch um die zentrale Frage, ob geklonte Menschen eine eigene Seele haben. In dieser Erzählung werden Kinder in Internaten aufgezogen, um sie später als Organspender zu benutzen. Das Buch beschreibt das Leben von drei Kindern, Kathy, die in erster Person erzählt, Ruth und Tommy. Alle drei sind in Hailsham in Südengland aufgewachsen. Nach einer gewissen Zeit kommen sie in andere Einrichtungen, wo sie als Betreuer arbeiten können oder als Spender „geschlachtet“ werden.

Was andere dazu meinen:

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.
(Medimops)

Einen „Klonroman“ hat Kazuo Ishiguro geschrieben – das klingt nach Kälte, nach Technik. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, beteuert Harry Nutt. Bei „Alles, was wir geben mussten“ handele es sich um ein sehr bewegendes Buch, das trotz seines Etiketts kein üblicher Zukunftsroman sei. Zwar handele das Buch von wissenschaftlichen tödlichen Experimenten, vom Klonen und Organspenden, aber es fehle ihm am Ende die „dramatische Zuspitzung“, die finale paranoide Weltverschwörung, meint Nutt. Insofern sei „Alles, was wir geben mussten“ ein Gegenentwurf zu so düsteren Science Fiction-Romanen wie Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“. Ishiguro liefere keinen Gesellschaftsentwurf ex negativo. Da gebe es keine totalitäre Instanz, die moralisch dingfest zu machen sei; es gebe auch keine Rebellion auf Seiten der Opfer, so der Rezensent, die allerdings schon einen gewissen Leidensdruck verspürten. Ihnen – genauer gesagt drei Heranwachsenden, die als Organspender gezüchtet und aufgezogen werden, um dann „alles zu geben“ – gelte die ganze Sympathie des Autors. Auf seltsame Weise sei der Roman zugleich eine moderne Variante oder schwarze Parodie des britischen Genres des Internatsromans. Und im Internatsalltag sieht Nutt dann auch vom Autor eine „menschliche Zartheit“ bewahrt, die das Buch für ihn ungemein anrührend macht.
(Perlentaucher)

Alina Bronsky, Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky ist eigentlich Russin, lebt aber seit ihrer Jugend in Deutschland, wo sie als Journalistin und Texterin arbeitet. Diese Erzählung, als Jugendbuch geschrieben, ist sehr angenehm zu lesen. Ein Mädchen entdeckt beim sonst langweiligen Literaturkurs, dass das gewählte Buch seine eigene Lebensgeschichte erzählt. Als sie das Ende liest, ist sie entsetzt und versucht, dieses zu ändern.

Die Idee des Buches ist sehr originell, und die Ausarbeitung angemessen für ein jüngeres Publikum.

Was andere dazu meinen:

Seit der ersten Klasse sind Kim und Petrowna beste Freundinnen. Petrowna fällt immer und überall auf, während Kim sich zurückhält. Doch das ändert sich schlagartig, als ihre Klasse zu einer Lesung geht. Fast niemand hört der Autorin zu, außer Kim – denn die Frau liest ihre Geschichte vor! Die Namen und ein paar Details stimmen nicht, aber der ganze Rest. Und ihre Geschichte geht nicht gut aus – zumindest nicht für Jasper, für den ein Wespenstich tödlich endet. Um das zu verhindern, stellt Kim ihr Leben völlig auf den Kopf

Nickolas Butler, Die Herzen der Männer

Nickolas Butler schreibt auch in diesem Buch vom „tiefen“ Amerika, weit von den großen Städten und dem Glamour. Es sind Geschichten von Familien, Freundschaften und harter Arbeit über vielen Jahren.

Nelson und Jonathan sind zwei Freunde und leben im Staat Wisconsin. Die Familie von Nelson hält wenig von ihm, weil er wenig Selbstbewusstsein hat. Die Geschichte erzählt uns von beiden Freunden und von ihrer Umgebung über viele Jahre. Ein deutscher Kritiker schrieb dazu: Nickolas Butler hat eine sehr warme Art, seine Geschichte zu erzählen… Wie ein alter Countrysong.

Was andere dazu meinen:

Über eine Zeitspanne von drei Generationen und ebenso vielen Kriegen erkundet dieser Roman die Herzen der Männer: ihre Schwächen und Geheimnisse, ihre Bedürfnisse und Werte. Damit legt Nickolas Butler nach »Shotgun Lovesongs« ein vielschichtiges und sensibles Epos über die Verletzungen, die Männer einander und anderen zufügen, vor.  

In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.

Antoine Laurain, Liebe mit zwei Unbekannten

Antoine Laurain ist ein junger französische Autor, der früher als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler gearbeitet hat. Seine Themen sind sehr lokal bezogen, ganz in der Linie vom Nobelpreisträger Patrick Modiano.

In diesem kurzen Roman schildert die Geschichte von zwei Menschen, die sich suchen, ohne sich zu kennen. Laurent Letellier, ehemaliger Bänker, betreibt eine kleine Buchhandlung in Paris. Eines Tages findet er eine Handtasche und versucht, sie der Eigentümerin zurückzugeben. Gar nicht so leicht, weil darin keine Dokumente sind, außer einem roten Heft, das Gedanken und Erinnerungen, teilweise sehr persönlich, enthält. Laurent findet den Namen heraus und gibt das Stück anonym zurück. Laure, die sich gerade aus dem Überfall erholt hat, will jetzt unbedingt wissen, wer der Finder war.

Ein Roman ohne große Überraschungen und sehr angenehm zu lesen

Was andere dazu meinen:

Der Bestseller von Antoine Laurain endlich im Taschenbuch!
Eine charmante und ungewöhnliche Liebesgeschichte mit viel Pariser Charme und ein Bestseller in Frankreich und Deutschland!

Als der Pariser Buchhändler Laurent eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit eine elegante Damen-Handtasche liegen sieht, schaut er nur hinein, um die Tasche zurückgeben zu können. Er findet allerdings nur einen Vornamen als Widmung in einem Buch: Laure. So beginnt Laurents Spurensuche quer durch Paris, denn Laure hat in ihrer Tasche auch ein kleines Notizbuch, in dem sie ihre geheimsten Gedanken notiert. Und je mehr Laurent über Laure erfährt, desto sicherer weiß er: Er muss diese Frau kennenlernen. Doch darf er einfach so in ihr Leben eindringen?
(medimops)

Susanna Tamaro, Antworte mir

Susanna Tamaro har längst bewiesen, dass sie Romane und Essays schreiben kann. In diesem Buch und im thematisch verwandten Buch Draußen zeigt sie, dass sie auch in der Lage ist, Kurzgeschichten um einem zentralen Thema zu schreiben.

Antworte mir enthält drei Erzählungen, die thematisch und narrativ ganz weit Weg vom vermutlich romantisch/süßen Ton der bekannten Bestseller der Italienerin. Ich würde sogar sagen, dass in diesem Buch die wahre Tamaro zum Vorschein kommt. Es sind drei Geschichten, die die Präsenz des Bösen in der Welt belegen und die damit verbundenen inneren Prozessen in den Menschen.

Harte Literatur, aber immer mit einem Funken Hoffnung.

Was andere dazu meinen:

Drei Menschen auf der Suche nach Liebe, nach Treue, nach Geborgenheit – nach dem Sinn des Lebens. Drei Gleichnisse, in denen Susanna Tamaro mit großem Einfühlungsvermögen sich die Frage aller Fragen stellt: Was ist Liebe? Antworte mir! Da ist zum Beispiel Rosa, die früh ihre Mutter verliert. Ohne zu ahnen, dass diese eine Hure war, bleibt ihr die wärmende Liebe in Erinnerung. Als sie später selbst schwanger wird, spürt sie, dass sie endlich ihr Leben selbst in die Hand nehmen muss. – Ein Mann stirbt im Schlaf. Seine Frau durchlebt noch einmal ihre Ehe, den Verlust der Kinder und entdeckt einen neuen Sinn in ihrem Leben. Auch der Forstarbeiter Saverio erkennt seinen wahren Lebensweg erst, nachdem er seine Frau und seine Tochter verloren hat. – Ohne Angst vor Sentimentalität erzählt Susanna Tamaro von Menschen, die durch dunkle Lebensphasen den Weg in die innere Freiheit finden.
(LovelyBooks)

Susanna Tamaro, Erhöre mein Flehen

Dieses Buch ist die Fortsetzung des Bestsellers von Susanna Tamaro Geh wohin dein Herz dich trägt. Es erzählt die Geschichte von Marta und ihrer Oma Olga viele Jahre nach den Geschehnissen des ersten Buches der Italienerin. Marta ist erwachsen geworden, die Großmutter lebt in einer eigenen Welt und stirbt. Zeit für eine Aussöhnung gab es nicht, wohl aber für eine Verinnerlichung der Beziehung.

Tamaro schreibt mit der von ihr gewohnten Empfindsamkeit über die Gedanken der rebellischen Enkelin.

Was andere dazu meinen:

Liebe, Lebenslügen und die Suche nach der eigenen Identität – die gefühlvolle Fortsetzung des Welterfolgs „Geh wohin dein Herz dich trägt“

Mit ihrem neuesten Roman kehrt Susanna Tamaro zu den Figuren von „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ zurück: Nach Jahren der Trennung kommt Marta, Olgas rebellische Enkelin, aus Amerika heim. Doch für eine Aussöhnung ist es zu spät. Olga ist alt geworden, und sie lebt immer mehr in ihrer eigenen Welt. Als sie eines Tages im Garten zusammenbricht und stirbt, muss sich Marta der Vergangenheit stellen. Sie beginnt, ihrer eigenen Herkunft nachzuspüren und erkennt dabei, wo ihre wahren Wurzeln liegen.

Natalia Sanmartín, Das Erwachen der Señorita Prim

Eine arbeitslose Bibliothekarin findet in der Zeitung eine Anzeige, wo eine Frau mit ihrer Qualifikation für die Katalogisierung einer wissenschaftlichen Bibliothek gesucht wird.

Was sie vorfindet, wenn sie ihre Stelle in einem kleinen Dorf antritt, wird befremdend auf sie. Der Autor dieser Anzeige ist ein Professor, der seine Kinder nach klassischem Muster erzieht. Die Señorita Prim findet dabei eine Welt, die ihr völlig unbekannt ist, wo Werte gelten, die sie für nicht mehr gültig hält. Es dauert aber nicht lange, wenn sie selbst ihre Meinung korrigiert.

Ein Bestseller in vielen Ländern und eine Apologie der wertorientierten Erziehung.

Was andere dazu meinen:

»Senorita Prim flüchtet vor dem Getöse der Welt – wer sich in die Arme dieses Buches wirft, flüchtet ganz entspannt mit.« Brigitte

Angelockt durch eine ungewöhnliche Stellenanzeige reist Señorita Prim nach San Ireneo de Arnois. Sie hofft, in diesem bezaubernden kleinen Ort, fernab vom Getöse der Welt, als Bibliothekarin Fuß zu fassen. Doch noch weiß sie nicht, dass sich ihr Leben nachhaltig verändern wird. Denn in San Ireneo gehen die Uhren anders. Und nichts ist, wie es scheint …

David Foenkinos, Nathalie küsst

Die deutschen Verlage sind manchmal sehr eigensinnig in der Wahl der Buchtiteln. Dieses Buch des inzwischen zu Lieblingsautor der französischen Literatur gewordenen David Foenkinos heisst in allen anderen Sprachen La délicatesse. Der deutsche Verlag konnte sich offenbar nicht auf eine Übersetzung einigen — es kämen Empfindsamkeit, Zärtlichkeit, Taktgefühl und viele anderen Begriffe in Frage — und wählte das entscheidende Ereignis der Erzählung als Titel für das erfolgreiche Buch. Die Verfilmung führt den Zuschauer, wie so oft, über festgestrampelten (Bilder)-Wege zu einer etwas banalisierten Liebesgeschichte. Das Buch ist viel mehr. Natalie ist eine junge Ehefrau, beruflich erfolgreich, die plötzlich ihren Mann in einem absurden Verkehrsunfall verliert. Sie reagiert mit Trotz und widmet sich ganz ihrer Arbeit, bis das Leben ihr selbst und ihrer gesamten Umgebung überrascht.

Was andere dazu meinen:

Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, mit Feingefühl und Geschmack. Doch eines Tages kommt François nicht vom Joggen zurück, eine Blumenhändlerin überfährt ihn. Die schöne Nathalie muss fortan allein durchs Leben gehen, sich der Neugier der Kollegen und der Avancen ihres Chefs Charles in der schwedischen Firma, in der sie als leitende Angestellte arbeitsbesessen über der Akte 114 brütet, erwehren. Als der unscheinbare Quotenschwede Markus ihr Büro betritt, packt sie ihn unvermittelt und küsst ihn. Markus, konsterniert, geht aufs Ganze, eine Liebesgeschichte beginnt, wie sie purer, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während in der Firma die Gerüchteküche brodelt und Charles zu brutalen Maßnahmen greift, begeben sich Nathalie und Markus auf die Flucht in den Garten der Großmutter, zurück zu den Ursprüngen von Kindheit und der gemeinsamen Lieblingssüßigkeit PEZ – und lassen sich von der Liebe überraschen. Voller Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert für alle Fans schreibt Foenkinos hier seine bisher schönste Liebesgeschichte.

(Medimops)

Wallace Stegner, Zeit der Geborgenheit

Larry Morgan und seine Frau Sally sind gerade in Madison (Wisconsin) im Jahr 1937 angekommen, um an der Universität zu arbeiten, als die Familie Lang, Sid und Charity, für sie eine Willkommensfeier organisiert. Vom Anfang an entwickelt sich eine Freundschaft zwischen beiden Ehepaaren, die mehr als vier Jahrzehnte dauernd sollte. Larry, der als Erzähler auftritt, vergleicht die untrennbare, wenn auch ungleiche Vierergruppe, mit einem Paradies mit zwei Paaren, wobei auch die Schlange ihre unvermeidliche Rolle spielt.

Zwei Erzähllinien, getrennt von vier Jahrzehnten und ergänzt durch zahlreiche Flashbacks, konvergieren am Sterbebett von Charity in einer unvergesslichen Szene, voller Menschlichkeit und Mitgefühl, wo die Schlange ihren letzten Auftritt hat und jeder seine Rolle in dieser wunderbaren Geschichte voller Menschlichkeit ausspielt.

Stegner, ein in Europa wenig bekannter Schriftsteller aus den USA, obwohl er wichtige Preise gewonnen hat, erzählt durch den Mund von Larry eine Geschichte über die Liebe, über die Treue in der Ehe, über die Freundschaft, über die Arbeit und über das Leben und Sterben.

Was andere dazu meinen:

»In gewisser Weise ist es schön, jung und knapp dran zu sein. Mit der richtigen Frau, und die hatte ich, wurde die Armut zum Abenteuer.«

Als Larry Morgan und seine Frau Sally das Ehepaar Charity und Sid Lang in den dreißiger Jahren kennenlernen, kann der Unterschied zwischen ihnen nicht größer sein: Larry kommt aus dem Westen und hat keinerlei Beziehungen; doch die Liebe zu Sally gibt ihm das Gefühl, reich zu sein. Sid besitzt alles: Ostküstenadel, Vermögen, Einfluss, Reputation. Trotz der Gegensätze fühlen sich die Paare zueinander hingezogen – im Laufe der Jahre wachsen tiefste Zuneigung und Zusammengehörigkeit.

Wallace Stegner erzählt die berührende Geschichte dieser Freundschaft im Rückblick: Als die Paare an Charitys Sterbebett zusammentreffen, gibt dies Larry die Gelegenheit zu einem melancholischen Blick auf die gemeinsam durchlebten Jahre.

Eine Wiederentdeckung von Weltrang

»In der Dichtung sollten wir, denke ich, keinen Vorsatz außer dem haben, die Wahrheit zu erzählen.« Wallace Stegner

»Im amerikanischen Westen, wo seine Wurzeln lagen, war er nicht weniger als eine Ikone«, schreibt T. H. Watkins im Nachwort für ›Zeit der Geborgenheit‹ über Wallace Stegner. Tatsächlich wird mit dieser deutschen Erstausgabe ein Autor von Weltrang wiederentdeckt.

»Wenn ich an Wallace Stegner denke, dann denke ich an einen Mann, der seinen Hunger nach Gerechtigkeit und seine Liebe für das Mögliche mit uns teilt.« Terry Tempest Williams

Wallace Stegner wurde am 18. Februar 1909 in Iowa geboren und wuchs in den weiten Ebenen von Saskatchewan und Montana und in den Bergen von Utah auf. Aus armen und zerrütteten Verhältnissen stammend, darf er als die bedeutendste literarische Stimme des amerikanischen Westens im 20. Jahrhundert gelten. Stegner, der sich auch als Biograf, Kritiker, Essayist, und Historiker einen Namen machte, zählt zu den Wegbereitern des modernen Umweltschutzes. 1960 schrieb er den berühmten Wilderness Letter, der später den ersten Gesetzesentwurf des National Wilderness Preservation Systems einleitete.

»Wir brauchen einfach die Wildnis… Als Teil einer Geographie der Hoffnung hilft sie, uns unserer Kreatürlichkeit zu vergewissern.« Wallace Stegner, Wilderness Letter 1960

»Es gibt nur wenige Erzähler, deren Schaffen so tief in die Naturlandschaften eingebettet ist« schreibt T. H. Watkins, »das Verlangen danach, seinen Platz zu kennen, in der Natur wie in der Gesellschaft, schärfte seinen Blick.« In seiner Dichtung lotet Stegner die Tiefe menschlicher Beziehungen aus, seine Texte über Ehe, Freundschaft, Familie und die Suche nach der eigenen Identität brauchen den Vergleich mit Tschechovs Werk nicht zu scheuen. Stegner unterrichtete an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Stanford. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Pulitzer-Preis (1972) und der National Book Award (1977) belegen seinen Rang als Klassiker der amerikanischen Moderne. ›Zeit der Geborgenheit‹ war sein letzter Roman und zählt zu den wichtigsten und beliebtesten amerikanischen Werken des 20. Jahrhunderts. Er ist, wie viele seiner Romane und Erzählungen, in der Gegend um Greensboro, Vermont angesiedelt, wo der Autor die Sommermonate mit seiner Frau verbrachte. Wallace Stegner starb am 13. April 1993.

»Seine Literatur – ganz zweifellos dieser elegante Roman – ist Teil seiner ›Geographie der Hoffnung‹, an die er glaubte und für die er sich einsetzte.« Terry Tempest Williams (medimops)