Die großen Erzähler bewähren sich in den langen Romanen mit vielen Personen. Es ist nicht leicht, ein halbes Dutzend Protagonisten zu definieren und ihre Züge, ihre Verhalten und ihre Sprache entlang fast tausend Seiten. Und es ist nicht leicht, die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Lesers zu erhalten, besonders in einer Zeit wo, wenn man den Markanalysen Glauben schenkt, der Leser oder Zuschauer eine Wendung oder einen Höhepunkt alle x Seiten oder alle x Sekunden.
Amor Towles hat bereits unter Beweis gestellt, dass er das kann. Besonders in Ein Gentelman in Moskau. Jetzt kommt er zu seiner Heimat als Set für eine Erzählung über vier Jungen, die eine Reise aus Nebraska, in der Mitte des Landes, nach New York. Towles übernimmt dabei die Tradition der orientalischen Märchenerzähler. Die Grundgeschichte folgt dem Leben von zwei Brüdern. Emmett, der ältere, ist gerade aus einem Jugendgefängnis entlassen worden. Der jüngere, Billy, hat einen Traum: seine verschollene Mutter wieder zu finden. Und so planen sie eine Reise entlang der Lincoln Highway bis San Francisco. Aber zwei Mitinsassen, der etwas naive Woolly, der „in einer anderen Frequenz tickt“ und der rachesüchtige Duchess, tauchen plötzlich auf und durchkreuzen ihre Pläne. So verfolgen sie sich gegenseitig auf dem Weg nach New York und in dieser Stadt, wo sie interessante Leute kennenlernen, wie einen obdachlosen Ulysses, der seine Frau verlor, als er in den Krieg zog, oder einen Historiker, der Biographien von Helden sammelt.
In den letzten Seiten, als der Leser noch mehr über die Reise wissen will, kommt ein unerwartetes und dennoch logisches Ende.
Eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Was andere dazu meinen:
Nach „Ein Gentleman in Moskau“ der neue Roman von Bestsellerautor Amor Towles: „Eine ausgelassene Road Novel quer durch Amerika.“ Time
Im Juni 1954 wird der achtzehnjährige Emmett aus dem Gefängnis entlassen. Zuhause in Nebraska wartet sein kleiner Bruder Billy auf ihn. Nach dem Tod des Vaters möchten sie einen Neuanfang in Kalifornien wagen, wo sie ihre verschwundene Mutter vermuten. Alles ist bereit für die Fahrt mit dem 48er Studebaker, doch plötzlich tauchen zwei Freunde aus dem Gefängnis auf. Sie haben allerdings ein anderes Ziel, New York City. So beginnt eine Reise mit den witzigsten und unglaublichsten Begegnungen – Clowns, Landstreicher, arbeitslose Schauspieler, Bettler und besonders gefährliche Pastoren. ‚Lincoln Highway‘ erzählt die ergreifende Odyssee von vier vaterlosen Jungen entlang der ersten Autobahn Amerikas.
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„Amor Towles hat einen großartigen Roman geschrieben, eine Great American Novel mit jeder Menge Action on the road, mit kleinen Helden und großen Verlierern – und mit ganz viel Seele. … Ein turbulenter Roman, der so ganz nebenbei auch von der Kraft der Bücher erzählt.“ Carsten Wirst, Rbb, 11.10.22
„Ein kluger Roman, dessen mutige Helden einem ans Herz wachsen … über Literatur, Lesen und Urteilskraft als Wegweiser durchs Leben.“ Susanne Klingenstein, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.22
„‚Lincoln Highway‘ vereint, so leicht lesbar wie die Vorgänger, die Tugenden der uramerikanischen Road Novel mit antiken Reise-Erzählungen.“ Ute Büsing, Tagesspiegel+, 28.09.22
„Dieser Roman ist in seiner hemmungslosen Unterhaltsamkeit ein kleines Wunderwerk. …. Towles fächert ein Panorama an wunderlichen Figuren auf … und verankert seinen Roman tief in den Traditionen der amerikanischen Road-Novels.“ Christoph Schröder, Deutschlandfunk Büchermarkt, 12.08.22
„Dieser Roman ist eine Hymne auf das Leben auch unter allerwidrigsten Umständen. Amor Towles ist wieder ein schöner, dicker Roman gelungen, in dem man ein paar herrliche Lesetage unterwegs sein kann und der lange nachhallt.“ Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 02.08.22
„Ein großer Roman… ‚Lincoln Highway‘ wirkt, als sei es im Grunde schon verfilmt, so stark sieht man die Kinobilder vor Augen.“ Tobias Rüther, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.07.22