Archiv der Kategorie: Zeugnisse

Julian Barnes, Nichts, was man fürchten müsste

„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse Ihn“. Mit diesen Worten macht sich der englische Schriftsteller daran, seine Gedanken über Gott, über den Glauben und über den Tod zu Papier zu bringen. Das Buch zeigt die etwas verspielte Auseinandersetzung eines aufrichtigen Intellektuellen mit seiner Auffassung von Leben und Tod.

Sehr britisch, sehr ironisch und sehr intelligent geschrieben, verliert in der deutschen Übersetzung nichts von seiner Originalität.

Was andere dazu meinen:

„Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?“, fragt nüchtern Julian Barnes‘ Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: „Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran.“ Und so erzählt er die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes. Seine wahren Angehörigen sind für den Autor jedoch Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich Julian Barnes mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft.

Albert Camus, Der erste Mensch

Der Autor braucht wohl nicht vorgestellt zu werden. Interessant ist allerdings die Entstehung dieses unvollendeten Buches. Das Manuskript lag im Auto des französischen Schriftstellers, als er in einem Verkehrsunfall starb. Seine Familie behielt diese Seiten über viele Jahre, bevor sie sie zur Veröffentlichung freigab. Stark autobiografisch, zeigt Aspekte des Lebens von Camus, die als Schlüssel für seine Werke zu betrachten sind. Sehr lesenswert, um gewisse Vorurteile über die Denkweise dieses Philosophen und Schriftstellers zu korrigieren.

Was andere dazu denken:

Gespiegelt in der Figur Jacques Comery erzählt Camus von seiner Kindheit, die er mit seiner fast tauben, analphabetischen Mutter und einer dominanten Großmutter im Armenviertel Algiers verbringt. Auf der Suche nach einer Vaterfigur beginnt er, über die eigene Herkunft zu reflektieren.
[Das handgeschriebene Manuskript wurde bei dem tödlichen Autounfall Camus‘ in seiner Mappe gefunden. Es erscheint hier, ohne dass an dem unkorrigierten Fragment Änderungen vorgenommen wurden.]

«Inszeniert wie ein Roman, enthält eine bewegende Autobiographie der algerischen Kindheit Albert Camus“: das intimste Selbstzeugnis, dass der diskrete und scheue Autor hinterlassen hat.» (Der Spiegel

Giacomo Mazzariol, Mein Bruder der Superheld

Der Autor, Giacomo Mazzariol, war 20 Jahre alt als er dieses Buch schrieb. Einige Jahre früher, als er 4 war, teilten seine Eltern ihm und seiner älteren Schwester mit, dass sie einen weiteren Bruder bekommen würden. Einige Zeit danach, eröffneten sie ihnen, dass ihr neuer Bruder etwas „besonders“ sei. Mit der Zeit lernte Giacomo, was das Down-Syndrom bedeutet und musste seinen eigenen Weg im Leben und im Umgang mit seinem „besonderen“ Bruder erstmal lernen. Dass nicht alles immer leicht sein würde, und dass er einmal eindeutig Farbe bekennen sollte, hat er später gelernt.

Sehr schönes Buch, voller Menschlichkeit und viel Humor. Kann ich nur empfehlen.

Was andere dazu meinen:

Dies ist die Geschichte von Giovanni. Giovanni ist 13 Jahre alt, steht auf Dinosaurier und hat das ansteckendste Lachen der Welt. Giovanni bringt seinen Schwestern jeden Tag eine Blume aus dem Garten und fängt mitten in der Stadt an zu tanzen. Giovanni hat das Down-Syndrom. Für seinen Bruder Giacomo ist er ein Superheld. Doch das war nicht immer so. Und deshalb ist dies auch die Geschichte von Giacomo, der sich in diesem Buch ehrlich und offen seiner eigenen Scham und Angst vor dem Anderssein stellt. Gleichzeitig erzählt er mit viel Humor und Leichtigkeit von Giovannis ganz eigenem Blick auf die Welt und der besonderen Beziehung zwischen den Brüdern, die zwei ganz unterschiedliche Menschen und doch ein starkes Team sind.