Susanna Tamaro, Geschichte einer großen Liebe

Nach vielen Jahren, in denen Susanna Tamaro nur kurze Fabel, Essays und sogar geistliche Texte veröffentlicht hat, erscheint nun ein neuer Roman, der die Intensität, die Fülle und die unverkennbare Sprache der italienischen Autorin vereint. Andrea, ein erfahrener Schiffskapitän, der sein ganzes Leben auf Ferrys und Kreuzfahrtschiffen verbracht hat, erzählt seine Erinnerungen in der Form einer Erzählung für Edith, seine große Liebe. Er tut es zum Teil aus einer Mittelmeerinsel, wo beide viele Jahre zusammen verbracht haben. An andern Stellen hören wir Ediths Stimme. Die Sprachlehrerin mit revolutionärer Vergangenheit versucht vergeblich über längere Zeit, zuzugeben, dass sie ihr ganzes Leben zusammen mit Andrea verbringen möchte. Andere Protagonisten sind die Eltern von beiden, sowie Amy, eine Tochter Ediths, die sich früh selbständig macht, und Marco, ein Sohn von Andrea y Edith.

Wie in den ersten Romanen Tamaros, nicht das Geschehen ist wesentlich, sondern die Art, es zu erzählen, die besondere Sprache der Italienerin und die Gedanken, die einer scheinbaren Kette von Scheitern und Niederlagen begleiten. Andrea ist ein guter Mensch, der es versteht, auf die große Liebe seines Lebens zu hoffen, dafür zu arbeiten und letztlich darin den Sinn des Lebens zu entdecken.

Andere wesentliche Elemente des Romans sind die Zeit, die Bindungen, die Personen eingehen, oder die entstehen obwohl die Personen sie nicht suchen und, über alles und als ständiger Begleiter in den Büchern von Tamaron, das Herz.

Ich finde, es ist ein wunderbares Buch.


Was andere dazu meinen:

1978: Auf einer Überfahrt von Venedig nach Piräus begegnen sich Edith und Andrea; sie, die gerade Abitur gemacht hat, er, Kapitän des Schiffes. Andrea ist von Ediths rebellischer Art fasziniert. Er löst seine Verlobung. Doch Edith gibt ihm keinerlei Sicherheit, und als Andrea ihr einen Heiratsantrag macht, weist sie ihn schroff zurück. Ihre Wege trennen sich. Doch das unsichtbare Band des Lebens führt sie wieder zusammen. Jahre später begegnen sie sich erneut, zunächst verbunden durch eine innige Freundschaft, die bald in eine tiefe Liebe mündet. Eine Liebe, die unerwartetes Glück schenkt und ebenso einen traumatischen Schicksalsschlag verkraften muss.

Susanna Tamaro erzählt auf poetische Weise von zwei Menschen, die sich finden, verlieren und wiederfinden – von einer Liebe, die über den Tod hinaus reicht.

»Flüssig, dialogreich und mit Poesie geschrieben.« Hörzu

»Die Sprache lässt den Leser nicht los. In ihr liegt eine Traurigkeit, die anzieht und neugierig macht.« OÖ Nachrichten

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Amor Towles, Lincoln Highway

Die großen Erzähler bewähren sich in den langen Romanen mit vielen Personen. Es ist nicht leicht, ein halbes Dutzend Protagonisten zu definieren und ihre Züge, ihre Verhalten und ihre Sprache entlang fast tausend Seiten. Und es ist nicht leicht, die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Lesers zu erhalten, besonders in einer Zeit wo, wenn man den Markanalysen Glauben schenkt, der Leser oder Zuschauer eine Wendung oder einen Höhepunkt alle x Seiten oder alle x Sekunden.

Amor Towles hat bereits unter Beweis gestellt, dass er das kann. Besonders in Ein Gentelman in Moskau. Jetzt kommt er zu seiner Heimat als Set für eine Erzählung über vier Jungen, die eine Reise aus Nebraska, in der Mitte des Landes, nach New York. Towles übernimmt dabei die Tradition der orientalischen Märchenerzähler. Die Grundgeschichte folgt dem Leben von zwei Brüdern. Emmett, der ältere, ist gerade aus einem Jugendgefängnis entlassen worden. Der jüngere, Billy, hat einen Traum: seine verschollene Mutter wieder zu finden. Und so planen sie eine Reise entlang der Lincoln Highway bis San Francisco. Aber zwei Mitinsassen, der etwas naive Woolly, der „in einer anderen Frequenz tickt“ und der rachesüchtige Duchess, tauchen plötzlich auf und durchkreuzen ihre Pläne. So verfolgen sie sich gegenseitig auf dem Weg nach New York und in dieser Stadt, wo sie interessante Leute kennenlernen, wie einen obdachlosen Ulysses, der seine Frau verlor, als er in den Krieg zog, oder einen Historiker, der Biographien von Helden sammelt.

In den letzten Seiten, als der Leser noch mehr über die Reise wissen will, kommt ein unerwartetes und dennoch logisches Ende.

Eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Was andere dazu meinen:

Nach „Ein Gentleman in Moskau“ der neue Roman von Bestsellerautor Amor Towles: „Eine ausgelassene Road Novel quer durch Amerika.“ Time

Im Juni 1954 wird der achtzehnjährige Emmett aus dem Gefängnis entlassen. Zuhause in Nebraska wartet sein kleiner Bruder Billy auf ihn. Nach dem Tod des Vaters möchten sie einen Neuanfang in Kalifornien wagen, wo sie ihre verschwundene Mutter vermuten. Alles ist bereit für die Fahrt mit dem 48er Studebaker, doch plötzlich tauchen zwei Freunde aus dem Gefängnis auf. Sie haben allerdings ein anderes Ziel, New York City. So beginnt eine Reise mit den witzigsten und unglaublichsten Begegnungen – Clowns, Landstreicher, arbeitslose Schauspieler, Bettler und besonders gefährliche Pastoren. ‚Lincoln Highway‘ erzählt die ergreifende Odyssee von vier vaterlosen Jungen entlang der ersten Autobahn Amerikas.

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„Amor Towles hat einen großartigen Roman geschrieben, eine Great American Novel mit jeder Menge Action on the road, mit kleinen Helden und großen Verlierern – und mit ganz viel Seele. … Ein turbulenter Roman, der so ganz nebenbei auch von der Kraft der Bücher erzählt.“ Carsten Wirst, Rbb, 11.10.22

„Ein kluger Roman, dessen mutige Helden einem ans Herz wachsen … über Literatur, Lesen und Urteilskraft als Wegweiser durchs Leben.“ Susanne Klingenstein, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.22

„‚Lincoln Highway‘ vereint, so leicht lesbar wie die Vorgänger, die Tugenden der uramerikanischen Road Novel mit antiken Reise-Erzählungen.“ Ute Büsing, Tagesspiegel+, 28.09.22

„Dieser Roman ist in seiner hemmungslosen Unterhaltsamkeit ein kleines Wunderwerk. …. Towles fächert ein Panorama an wunderlichen Figuren auf … und verankert seinen Roman tief in den Traditionen der amerikanischen Road-Novels.“ Christoph Schröder, Deutschlandfunk Büchermarkt, 12.08.22

„Dieser Roman ist eine Hymne auf das Leben auch unter allerwidrigsten Umständen. Amor Towles ist wieder ein schöner, dicker Roman gelungen, in dem man ein paar herrliche Lesetage unterwegs sein kann und der lange nachhallt.“ Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 02.08.22

„Ein großer Roman… ‚Lincoln Highway‘ wirkt, als sei es im Grunde schon verfilmt, so stark sieht man die Kinobilder vor Augen.“ Tobias Rüther, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.07.22

Jon Krakauer, Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus

Jon Krakauer ist ein nordamerikanischer Journalist, der durch drei Bücher und ihre Verfilmungen berühmt geworden ist: Into the Wild, über einen jungen Abenteurer, der sich in die Wildnis alleine wagt, In eisigen Höhen über einen Aufstieg auf den Mount Everest und Mord im Auftrag Gottes über einen brutalen Mord, verübt im Jahre 1984 von Dan y Ron Lafferty, zwei fundamentalistischen Mormonen, die ihre Schwägerin Brenda und deren Tochter, ein kleines Baby, umbrachten.

Krakauer beschränkt sich nicht auf die bekannten Tatsachen und die entsprechenden Gerichtsverhandlungen. Er nutzt sein Werk für eine vorwiegend negative Erzählung über die Entstehung und die Geschichte der Mormonen, und insbesondere der fundamentalistischen Zweige dieser Religion. Es fehlen auch nicht allgemeine Urteile über die Religionen im Allgemeinen, als Phänomen, das er nicht begreifen kann.

Das Buch enthält auch die Einwände eines mormonischen Priesters zum Buch von Krakauer, die Antwort des Autors auf diese Stellungnahme und andere Überlegungen.

Die Taten lassen kaum Raum für Interpretationen. Beide Brüder haben ihre Opfer den Hals abgeschnitten in der Meinung, einem «Gebot Gottes» zu gehorchen, und haben es so vor und nach dem Bluttat offen bekundet.

Aus meiner Sicht ist das Buch interessant und die Meinung des Autors teilweise legitim. Ich finde allerdings reduktionistische Tendenzen, als Krakauer die Geschichte einer Religion, und der Religionen im Allgemeinen, auf die verwerflichen Taten, die in «ihrer Umgebung» stattfanden, beschränkt. Ein dominantes Thema des Buches ist die Polygamie, wie sie von manchen Mormonen, besonders in den höheren Kreisen, praktiziert wird, und die von Krakauer als ein zentrales und fast exklusives Thema dieser Religion dargestellt wird.

Also ein interessantes Buch, auch durch die Art, wie es geschrieben ist, aber etwas einseitig.


Was andere dazu meinen:

Als Allen Lafferty am Abend des 24. Juli 1985 nach Hause kommt, findet er seine Frau und seine Tochter ermordet auf. Beide wurden grausam hingerichtet. Zu dem Mord bekennen sich Allens Brüder Ron und Dan Lafferty. Sie behaupten, den Auftrag dazu habe ihnen Gott gegeben. Ausgehend von diesem Familiendrama untersucht Jon Krakauer den Ursprung des religiösen Fanatismus. Die Laffertys sind Mormonen. Krakauer schildert die Geschichte dieser erst 170 Jahre alten Religion und zeigt, wie bedrohlich es sein kann, wenn Menschen glauben, einen „direkten Draht zu Gott“ zu haben.

(Perlentaucher)

Bernard MacLaverty: Schnee in Amsterdam

Ein irisches Ehepaar im Ruhestand, das in Glasgow lebt – sie eine ehemalige Lehrerin, er ein Architekt -, beschließt, ein Wochenende in Amsterdam zu verbringen. Hinter der scheinbaren Beschaulichkeit eines harmonischen Lebens mit liebenswerten Bräuchen wie dem gegenseitigen Küssen während der Fahrt im Aufzug verbergen sich Probleme und Unsicherheiten, die jeden Moment ans Licht zu kommen drohen. Am auffälligsten ist Gerrys uneingestandene Alkoholsucht, die mit der Zeit immer stärker wird. Die anderen, die von Stella, brauchen länger, um herauszukommen, da sie sie nur ungern mitteilt.

Ein unterhaltsamer Roman, der mit viel Liebe zum Detail geschrieben ist, was ihm einen sehr realistischen Charakter verleiht. Ohne die Situation zu dramatisieren, greift die Autorin Gespräche voller Missverständnisse auf, die das Ergebnis eines teils freundlichen, teils resignierten Miteinanders sind, das beide auf sehr unterschiedliche Weise wahrnehmen.


Was andere dazu meinen:

Mit einem verlängerten Wochenende in Amsterdam möchten Stella und Gerry ihren Ruhestandsalltag in Glasgow unterbrechen. Die kleine Reise soll die beiden aufmuntern, sie wollen die Stadt erkunden und etwas für ihre Ehe tun. Sie lieben sich noch und ertragen gegenseitig ihre kleinen Fehler – aber in den vier Tagen treten tiefe Risse in ihrer Beziehung zutage. Und es wird klar, dass Stella einen ganz eigenen Plan verfolgt. Dieser Plan hängt mit einem der bezauberndsten Orte in Amsterdam zusammen, dem Beginenhof, und mit einem Gelübde, das Stella einst getan hat. Gerry dagegen, ehemaliger Architekt, hat weitgehend abgeschlossen mit seinem Leben, in dem der Alkohol eine zu große Rolle spielt. Während ihrer Reise drängt allmählich ein Ereignis aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Belfast, Nordirland, immer stärker an die Oberfläche, etwas, das ihr ganzes Leben geprägt hat. Am Ende zeigt sich, wie tief der Graben zwischen ihnen wirklich ist.

Ein dichter, bewegender und aufwühlender Roman voller Lebensklugheit, Komik und Tragik. (medimops)

Colum McCann: Apeirogon

Ein Apeirogon ist ein regelmäßiges Vieleck mit einer unendlichen Anzahl von Seiten. Es wird so fälschlicherweise für einen Kreis gehalten, aber wenn man ihn analysiert, entdeckt man eine nahezu unendliche Anzahl von Facetten. Möglicherweise will der Autor die Schwierigkeit zum Ausdruck bringen, die politische, soziale, religiöse, wirtschaftliche usw. Situation, in der sich Israel und Palästina befinden, zu verstehen – und vor allem zu beurteilen.

Es handelt sich nicht wirklich um einen Roman, obwohl er Elemente der Fiktion enthält. Es handelt sich nicht um eine Dokumentation, obwohl sie objektive Fakten und die Meinungen der beiden Protagonisten und ihrer Familien enthält. Es ist kein Geschichts- oder Geographiebuch, obwohl es eine Fülle von Informationen und Kuriositäten über das, was in christlichen Kreisen als Heiliges Land bekannt ist, enthält. Es ist kein Unterhaltungsbuch, auch wenn die Lektüre zuweilen unterhaltsam, zuweilen aber auch tief dramatisch ist.

Wie alle großen Bücher, verstanden in beiden Bedeutungen des Wortes, Länge und Wertung, erfordert auch dieses, dass der Leser dem vom Autor vorgezeichneten Weg folgt. In diesem Fall geht es um zwei Personen. Ein Israeli, Rami Elhanan, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, der als Soldat an zwei Istael-Kriegen teilnahm und seine Tochter Smadar durch ein Selbstmordattentat dreier Palästinenser in der Fußgängerzone von Jerusalem verlor. Und ein Palästinenser, Bassam Aramin, der sieben Jahre wegen subversiver Aktivitäten im Gefängnis saß und der seine Tochter Abir durch ein Gummigeschoss verlor, das ein israelischer Soldat in der Pause ihrer Schule abfeuerte. Rami und Bassam freunden sich an und arbeiten bei verschiedenen Friedensinitiativen in ihren Ländern zusammen, reisen um die Welt und haben mit allen möglichen Schwierigkeiten und Missverständnissen zu kämpfen.

Neben der Geschichte der beiden Protagonisten, ihrer Freundschaft und den verschiedenen Situationen, die das tägliche Leben in Israel und Palästina ausmachen, enthält das Buch Kapitel über die Entdeckungen am Toten Meer, über die Fauna und Flora, über die Siedlungen, über militärische und polizeiliche Kontrollen und vieles mehr.

Ich halte es für ein sehr empfehlenswertes Buch.

Was andere dazu meinen:

Rami Elhanan und Bassam Aramin sind zwei Männer. Rami braucht fünfzehn Minuten für die Fahrt auf die West Bank. Bassam braucht für dieselbe Strecke anderthalb Stunden. Ramis Nummernschild ist gelb, Bassams grün.

Beide Männer sind Väter von Töchtern. Beide Töchter waren Zeichen erfüllter Liebe, bevor sie starben. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in der Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.

Ramis und Bassams Leben ist vollkommen symmetrisch. Ramis und Bassams Leben ist vollkommen asymmetrisch. Rami und Bassam sind Freunde.

Apeirogon: eine zweidimensionale geometrische Form mit einer gegen unendlich gehenden Zahl von Seiten.

Während „Apeirogon“ nach und nach seine nahezu unendlichen Seiten auffächert und die beiden Männer in seiner Mitte rahmt, entfaltet sich der Palästinakonflikt in seiner ganzen Historie und Komplexität. Dies ist Colum McCanns überwältigendes Meisterwerk – ein Roman, der das Unbeschreibliche sinnlich und sinnhaft erfahrbar, greifbar macht. Ein kaleidoskopischer Text stellt die zeitlose Frage: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.

(Amazon)

Pierre Lemaitre, Spiegel unseres Schmerzes

Mit diesem Buch schließt Lemaitre seine Trilogie über die Zeit zwischen beiden Weltkriegen in Frankreich, nach Wir sehen uns da oben und Die Farben des Feuers. April 1940, einige Monate nach Beginn des Krieges, schauen die Franzosen lieber Weg und verlassen sich auf ihre gigantischen Verteidigungslinien. Es dauert aber nicht lange, bis die Wehrmacht durch die Ardennen vorrückt und das Leben von Millionen von Parisern aus den Fugen gerät. Lemaitre beschreibt diese Zeit an der Hand von der Lehrerin Louise Belmont, und endet in der überstürzten Flucht in den Süden, eine Episode, die auch Gegenstand des Buches von Némirovsky in dieser Sammlung ist.

Was andere dazu meinen:

Das große Finale der Romantrilogie von Goncourt- Preisträger Pierre Lemaitre

Im April 1940 glaubt in Frankreich niemand mehr an den Krieg, weder die Soldaten in ihren Bunkern noch die Pariser in ihren Cafés, und erst recht nicht Lehrerin Louise Belmont. Fast wird es gemütlich – bis die deutsche Wehrmacht durch die Ardennen vorrückt und Louises Leben völlig aus den Fugen gerät. Pierre Lemaitre erweckt mit Louise Belmont eine außergewöhnliche Heldin zum Leben und erschafft ein unvergleichliches Panorama jener Zeit.

In Frankreich scheint die Zeit stillzustehen. Schon im September 1939 haben Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, doch seitdem: nichts. Während sich an der Maginotlinie die feindlichen Truppen gegenseitig belauern, geht für die Bewohner von Paris der Alltag weiter. Man sitzt im Café, plaudert und spekuliert über die Zukunft. So auch bei Monsieur Jules, dem Restaurant in Montmartre, in dem die Lehrerin Louise an den Wochenenden kellnert. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Louise wird mit einer unliebsamen Enthüllung konfrontiert, die ihr Leben auf den Kopf stellt, während der junge Soldat Gabriel mit den Konsequenzen einer überraschenden Beförderung zu kämpfen hat. Überrumpelt wird auch der Rest Frankreichs – und zwar von der deutschen Wehrmacht, die die Maginotlinie durchbrochen hat und Kurs auf Paris nimmt. Dann bricht Chaos aus, und nichts ist mehr so, wie es einmal war …

Stimmen zum Buch:»Lemaitres Romane zählen zum Besten, was man an unterhaltender Literatur in die Hände bekommen kann.« Lena Bopp, FAZ

Lee Child, Trouble

Viele kennen die zwei Verfilmungen der Buchreihe um Jack Reacher, mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Seit kurzem läuft eine Serie in Amazon mit einem anderen Schauspieler, der besser der Romanfigur von Lee Child entspricht: ein ehemaliger Militärpolizist, groß, nicht besonders attraktiv, freiheitsliebend und mit einer erstaunlichen Fähigkeit, in „Trouble“ zu geraten und mit vollem Einsatz seiner Fäuste, seiner Waffen und seiner Erfahrung wieder heil herauszukommen. Die Bücher dieser Reihe sind allesamt Page-Turner, ohne großen literarischen Anspruch, aber irgendwie angenehm zu lesen, ohne bösen Überraschungen, ideal als Zwischenlektüre nach oder zwischen Werken mit mehr Gewicht.

Was andere dazu meinen:

Eines Tages liegen auf Jack Reachers Konto 1030 Dollar. Der Mann ohne Telefon und festen Wohnsitz weiß sofort: Seine Vergangenheit hat ihn wieder. Er spürt die Frau auf, die ihm den Notrufcode zugespielt hat: seine Expartnerin aus Army-Zeiten, Frances Neagley. Sie hat schlechte Nachrichten. Calvin Franz, ein Mitglied der einstigen Neunergruppe, wurde grausam ermordet. Und es scheint, als sei Franz nicht der Einzige aus Reachers altem Team, der einem gefährlichen Gegner zum Opfer gefallen ist …

Jack Reacher greift ein, wenn andere wegschauen, und begeistert so seit Jahren Millionen von Lesern. Lassen Sie sich seine anderen Fälle nicht entgehen. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Katja Oskamp, Marzahn mon amour

Die Autorin dieses Buches ist eine deutsche Schriftstellerin. Eine Zeit der Erfolglosigkeit bringt sie dazu, etwas anderes zu versuchen; sie macht einen Kurs und wird Fußpflegerin. So beginnt sie, in einem Salon der Plattenbausiedlung von Marzahn zu arbeiten und sammelt Geschichten über ihre Kunden und ihre Kolleginnen. In all diesen Erzählungen bringt sie Humor, Verständnis und, vor allem, eine große Empathie für alle Menschen, den sie begegnet, und ein Gespür für Menschlichkeit.

Was andere dazu meinen:


Katja Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also macht sie etwas, was für andere dem Scheitern gleichkäme: Sie wird Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR. Und schreibt auf, was sie dabei hört.

Es sind Geschichten wie die von Herrn Paulke, vor vierzig Jahren einer der ersten Bewohner des Viertels, Frau Guse, die sich im Rückwärtsgang von der Welt entfernt, oder Herrn Pietsch, dem Ex-Funktionär mit der karierten Schiebermütze. Geschichten voller Menschlichkeit und Witz, Wunderwerke über den Menschen an sich – von seinen Füßen her betrachtet.

Irène Némirovsky, Suite Française

Das Meisterwerk der russisch-jüdischen Schriftstellerin Némirovsky, von der wir schon andere Werke in dieser privaten Sammlung gelesen haben. Es beschreibt mit viel Detail und Empathie eine etwas unrühmliche Episode der französischen Geschichte: die Kapitulation vor den deutschen Truppen ohne nennbaren Widerstand und die Aufgabe von Paris, was zu einer völlig unkoordinierten Flucht aus der Hauptstadt führt. Die Tatsache, dass das Manuskript mehr als 60 Jahre lang unerkannt blieb, hat sicherlich zum Erfolg dieser wenig bekannten Autorin fast sieben Jahrzehnten nach seinem Tod beigetragen.

Was andere dazu meinen:

Sommer 1940: Die deutsche Armee steht vor Paris. Voller Panik packen die Menschen ihre letzten Habseligkeiten zusammen und fliehen. Angesichts der existenziellen Bedrohung zeigen sie ihren wahren Charakter…

Der wiederentdeckte Roman „Suite française“ von Irène Némirovsky wurde 2005 zur literarischen Sensation. Über 60 Jahre lag das Vermächtnis der französischen Starautorin der 30er Jahre unerkannt in einem Koffer – bis der Zufall dieses eindrucksvolle Sittengemälde aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wieder ans Licht brachte.

Nathan Ripley, Tiefes Grab

Martin Reese ist ein Familienvater mit einem ungewöhnlichen Hobby: die Überreste der Opfer von Serien­killern zu finden und der Polizei zu melden, damit diese begraben werden können. Eines Tages macht eine Entdeckung, die ihm zeigt, dass jemand seine Suchen verfolgt, und dass sein Leben in Gefahr ist. .

Was andere dazu meinen:

Familienvater Martin Reese pflegt ein ungewöhnliches Hobby. Er spürt die lang verschollenen Opfer von Serienkillern auf, gräbt ihre Überreste aus und meldet seinen Fund dann anonym der Polizei. Martin selbst sieht sich als aufrechter Kämpfer für die Gerechtigkeit, fast schon als Held. Bis er bei seinem nächsten Streifzug eine schockierende Entdeckung macht: Offenbar ist jemand bestens informiert über ihn und sein kleines Hobby. Martin muss erkennen, wie gefährlich es ist, einem Serienkiller ins Handwerk zu pfuschen …

(Medimops)