Schlagwort-Archive: Bücherkoffer 2019

Fabian Sixtus Körner, Mit anderen Augen

Wie reagiert ein erfolgreicher Schriftsteller, der Bücher über Reisen und Kontinente schreibt, auf die Nachricht, dass seine Tochter ein Chromosom zu viel an der 21. Stelle hat?
Diese Erzählung öffnet nicht nur dem Autor die Augen, sondern auch und besonders die Leser.

Was andere dazu meinen:

Als Fabian Sixtus Körner seine Tochter im Kreißsaal zum ersten Mal im Arm hält, ist er irritiert. Ihre Augen sind leicht schräg gestellt, und ihr Blick ist merkwürdig unverwandt. Er spürt, dass seine Tochter anders ist. Kurz darauf muss Yanti auf die Intensivstation – es folgen Wochen des Wartens zwischen Angst und Hoffnung. Die nur halb ausgefüllte Geburtskarte über Yantis Brutkasten wird zum Symbol der Ungewissheit: Was bedeutet der medizinische Code »Q90« für ein kleines Kind und seine Eltern? Das Ende der Freiheit, die Fabian so liebte?

Fabian Körner erzählt, was die Intensivstation für Neugeborene und ein Transitraum gemeinsam haben, wie sich sein Blick auf die Menschen und die Welt verändert hat, und warum das Reisen mit Kind und Kegel zu den schönsten Erfahrungen des Lebens zählt.
(medimops)

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben

Was macht das Leben eines „normalen“ Menschen aus? Der Österreicher Robert Seethaler schreibt gekonnt über einen einfachen Menschen, dessen Universum sich auf das Tal der Alpen beschränkt, in dem er lebt. Nach Jahren der Arbeit als Hilfsarbeiter in einem Berghof arbeitet er sich als Techniker hoch.

Eines Tages lernt er Marie kennen, die Liebe seines Lebens. Gegen Ende seines Lebens macht sich Gedanken über sein einfaches aber irgendwie auch erfülltes Leben. Ein Buch voller Sehnsucht, das durch die Schreibweise Seethalers einen wohltuenden Eindruck hinterlässt.

Was andere dazu meinen:

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.
(medimops)

Alessandro D’Avenia, So unergründlich wie das Meer

Viele kennen vielleicht andere Bücher dieses Autors, vor allem seinen großen Erfolg „Weiß wie Milch, rot wie Blut“, wo er sein Einfühlungsvermögen in die Denkweise von Jugendlichen zeigt. Dieses Buch ist etwas anders. Es basiert auf das wirkliche Leben von Pater Pino, einem Priester, der von der Mafia in Palermo ermordet wurden wegen seinen Widerstand gegen die ungerechte Herrschaft einer kriminellen Organisation.

Die Erzählung ist hart, wie das Thema selbst, und zeigt in hervorragender Weise die Probleme einer ganzen Bevölkerung, die in Angst lebt. Aber das Buch enthält auch sehr schöne Stellen, hat eine poetische Sprache und unterstreicht wie die anderen Bücher von D’Avenia die großen Ideale wie Liebe, Freundschaft, Loyalität, Barmherzigkeit, Mitgefühl. Besonders attraktive Figuren sind die Kinder, die im Buch vorkommen.

Was andere dazu meinen:

Frederico hat einen großartigen Sommer vor sich, in wenigen Tagen wird er zu einem Studienaufenthalt nach England aufbrechen. Die Welt steht ihm offen. Doch kommt es zu einer Begegnung, die Fredericos Leben umwirft: Don Pino zeigt ihm das Viertel Brancaccio, das fest in der Hand der Cosa Nostra liegt und von rücksichtsloser Gewalt und bitterer Armut geprägt ist. Dem Jungen wird klar, wie wenig er seine eigene Stadt kennt, ihm eröffnet sich durch Don Pinos Augen und dessen Einsatz für die Menschen des Viertels eine neue Welt. Er beschließt in Palermo zu bleiben und zu helfen. Auch die Mafia, die ihn brutal zusammengeschlagen hat und massiv bedroht, kann ihn nicht abhalten, denn er hat sich in die schöne Lucia verliebt, ein Mädchen des Viertels, deren Liebe unerreichbar scheint.
(Amazon)

Domingo Villar, Strand der Ertrunkenen

Kriminalroman mit sehr menschlichen Protagonisten, allen voran der Kommissar Leo Caldas, der in Vigo (Galizien) lebt und regelmäßig Fragen der Zuhörer eines lokalen Radiosenders beantwortet.

Was andere dazu meinen:

Die Leiche eines Fischers wird an die galicische Küste geschwemmt. Seine Hände sind mit einer Plastikfessel zusammengebunden, was auf einen Freitod nach alter Seemannsart schließen lässt. Inspektor Leo Caldas zweifelt an der Selbstmordtheorie und hört sich im Heimatort des ertrunkenen Fischers unter den abergläubischen Dörflern um. Der Geist eines verstorbenen Kapitäns soll umgehen und an dem Fischer Rache genommen haben. Doch Caldas gibt wenig auf derlei Seemannsgarn. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf unrühmliche Details aus der Vergangenheit des Fischers, die diesem zum Verhängnis geworden sind.
(medimops)

Julian Barnes, Nichts, was man fürchten müsste

„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse Ihn“. Mit diesen Worten macht sich der englische Schriftsteller daran, seine Gedanken über Gott, über den Glauben und über den Tod zu Papier zu bringen. Das Buch zeigt die etwas verspielte Auseinandersetzung eines aufrichtigen Intellektuellen mit seiner Auffassung von Leben und Tod.

Sehr britisch, sehr ironisch und sehr intelligent geschrieben, verliert in der deutschen Übersetzung nichts von seiner Originalität.

Was andere dazu meinen:

„Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?“, fragt nüchtern Julian Barnes‘ Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: „Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran.“ Und so erzählt er die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes. Seine wahren Angehörigen sind für den Autor jedoch Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich Julian Barnes mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft.

Albert Camus, Der erste Mensch

Der Autor braucht wohl nicht vorgestellt zu werden. Interessant ist allerdings die Entstehung dieses unvollendeten Buches. Das Manuskript lag im Auto des französischen Schriftstellers, als er in einem Verkehrsunfall starb. Seine Familie behielt diese Seiten über viele Jahre, bevor sie sie zur Veröffentlichung freigab. Stark autobiografisch, zeigt Aspekte des Lebens von Camus, die als Schlüssel für seine Werke zu betrachten sind. Sehr lesenswert, um gewisse Vorurteile über die Denkweise dieses Philosophen und Schriftstellers zu korrigieren.

Was andere dazu denken:

Gespiegelt in der Figur Jacques Comery erzählt Camus von seiner Kindheit, die er mit seiner fast tauben, analphabetischen Mutter und einer dominanten Großmutter im Armenviertel Algiers verbringt. Auf der Suche nach einer Vaterfigur beginnt er, über die eigene Herkunft zu reflektieren.
[Das handgeschriebene Manuskript wurde bei dem tödlichen Autounfall Camus‘ in seiner Mappe gefunden. Es erscheint hier, ohne dass an dem unkorrigierten Fragment Änderungen vorgenommen wurden.]

«Inszeniert wie ein Roman, enthält eine bewegende Autobiographie der algerischen Kindheit Albert Camus“: das intimste Selbstzeugnis, dass der diskrete und scheue Autor hinterlassen hat.» (Der Spiegel

Joel Dicker, Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Der Schweizer Joel Dicker hatte mit diesem Roman einen großen Erfolg, sowohl bei den Kritikern als auch bei den Verkaufszahlen. Später sind andere Werke erschienen, die allesamt mit einer gewaltigen Marketing-Maschinerie begleitet wurden.

Ein bekannter Schriftsteller und Universitätsprofessor lebt zurückgezogen in einer kleinen Stadt am Meer. Ein Student von ihm besucht ihn und entdeckt eine alte Geschichte um einen möglichen Mord, die sein Bild vom Professor zu verändern droht. Spannend vom Anfang bis zum Ende. Der Leser hat aber auch manchmal den Eindruck, dass der Autor mit ihm spielt.

Was andere dazu meinen:

Ein Skandal erschüttert das Städtchen Aurora an der Ostküste der USA: Dreiunddreißig Jahre nachdem die ebenso schöne wie geheimnisumwitterte Nola spurlos verschwand, taucht sie wieder auf. Als Skelett im Garten ihres einstigen Geliebten. Der berühmte, zurückgezogen lebende Schriftsteller Harry Quebert steht plötzlich unter dringendem Mordverdacht.

»Spannend und vielschichtig, dabei klar und klug konstruiert. Eine packende Geschichte.« NDR

»Ein Künstler- und Gesellschaftsroman voll psychologischer Spannungen.« NZZ am Sonntag

»Ein Buch im Buch, ein Krimi, eine Liebesgeschichte. Groß!« Cosmopolitan

»Der Roman hat 730 Seiten, und es gibt nicht einen Moment der Langeweile.« Hamburger Morgenpost

Fred Vargas, Fliehe weit und schnell

Dieser Krimi von der französischen Schriftstellerin Fred Vargas zeigt uns wieder die menschliche Seite der Arbeit der Kriminalpolizei. Und bringt uns in Erinnerung eine Krankheit, die über Jahrhunderte die Menschheit bestrafft und die Gesellschaft als Bedrohung beeinflusst hat: die Pest.

Wie es in der Arbeit des Kommissars Adamsberg und seiner Mitarbeiter üblich, nicht die Lösung des Rätsels steht im Vordergrund, sondern der Umgang aller Beteiligten damit.

Was andere dazu meinen:

Die Pest in Paris! Das Gerücht hält die Stadt in Atem, seit auf immer mehr Wohnungstüren über Nacht eine seitenverkehrte 4 erscheint und morgens ein Toter auf der Straße liegt – schwarz. Kommissar Adamsberg sitzt in einer kleinen Brasserie in Montparnasse. Im Kopf hat er eine rätselhafte lateinische Formel, die auf jenen Türen stand – und vor sich, am Metroausgang, einen bretonischen Seemann, der anonyme Annoncen verliest. Auch lateinische darunter. Aber wo ist der Zusammenhang zwischen den immer zahlreicheren Toten in der Stadt und den sympathischen kleinen Leuten, die dem Bretonen so gebannt zuhören? Plötzlich hat Adamsberg, der Mann mit der unkontrollierten Phantasie, eine Vision.

Ein meisterhafter Roman voll düsterer Spannung, leiser Poesie und Vargas‘ unnachahmlich schrägen Dialogen. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis 2004, dem Preis der französischen Buchhändler und dem der Leserinnen von „Elle“.

„Mörderisch menschlich, mörderisch gut.“ Frankfurter Rundschau

Ted Chiang, Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes

Diese kleine Sammlung von Science-Fiction-Erzählungen zeichnet sich durch ihre Kreativität. Nicht alle sind gleich gut, oder inspirierend, aber jede Erzählung birgt eine sehr interessante und anregende Idee. Der Film „The arrival“ basiert zum Beispiel auf die wenigen Seiten einer der Erzählungen.

Was andere dazu meinen:

Geschichten, die ein ganzes Universum enthalten: Die Wahrheit über den Turmbau zu Babel; der folgenreiche Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies; die Verzweiflung angesichts des Verlusts eines unersetzlichen Menschen; ein Zeitreiseabenteuer der anderen Art; und ein bestürzender Ausflug an die Grenzen des wissenschaftlich Machbaren …

Kein anderer Science-Fiction-Autor hat in den letzten zwanzig Jahren auch nur ansatzweise so viel Begeisterung ausgelöst wie Ted Chiang. Kein anderer Science-Fiction-Autor wurde für ein so schmales Werk mit mehr Preisen ausgezeichnet. Nun liegt endlich auch auf Deutsch ein Auswahlband mit seinen Erzählungen vor.

Ausgezeichnet mit dem >Kurd Laßwitz Preis< als bestes ausländisches Werk des Jahres 2012

Daniel Silva, Die Attentäterin

Daniel Silva hat zwei Agenten literarisch geschaffen, einen in der CIA, den zweiten im „Dienst“, die Abteilung des Innenministeriums Israels, die die Abwehr gegen Terroristen tatkräftig in die Hand nimmt. Gabriel Allon ist ein wichtiger Spion, der selbst die Folgen terroristischer Angriffe gewesen ist, aber in seiner Seele die Sensibilität eines Malers und Kunstrestaurators verbirgt.

Zwei Attentate erschüttern die Bevölkerung in Paris und in Amsterdam. Das Ziel waren israelische Organisationen bzw. Viertel, wo besonders viele Juden leben. Der ISIS bekennt sich zum Verbrechen. Für die israelischen Geheimdienst ist das Anlass genug, einen totgeglaubten wieder auferstehen zu lassen und einer Ärztin aus Jerusalem eine neue Identität zu geben.

Was andere dazu meinen:

Ein verheerender Bombenanschlag des IS im Pariser Marais-Viertel zwingt Gabriel Allon ein letztes Mal ins Feld: Anstatt seinen Posten als Chef des israelischen Geheimdienstes anzutreten, hilft der legendäre Agent den französischen Behörden, den Drahtzieher des blutigen Terroraktes zu suchen. Außer dessen Namen – Saladin – weiß man nichts über ihn. Allon sieht die einzige Möglichkeit an ihn heranzukommen darin, jemanden in das Terrornetzwerk des IS einzuschleusen. Eine junge Ärztin scheint die perfekte Rekrutin für das gefährliche Unterfangen zu sein …

„,Die Attentäterin‘ zeigt Daniel Silva in gewohnter Form. 80 kurze Kapitel voll überraschender Wendungen und rasanter Action bieten spannende Lektüre von der ersten bis zur letzten Seite.“ dpa

„Routiniert entwickelt der Bestsellerautor realistische Figuren, deren radikale Denkmuster er glaubhaft wie hautnah vermitteln kann, und steigert die Spannung bis zum dramatischen Finale. Da bleibt nur zu hoffen, dass seine fiktionale Terrorszenarien niemals Realität werden und verdammt gute Unterhaltungsliteratur bleiben.“ Kulturnews

„Mich hat sowohl das Personal überzeugt als auch die Handlung. Alle Figuren sind für mich stimmig, sie interagieren überzeugend und haben mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Genauso die Handlung, die zwar mutig ist, aber ich kann mir trotzdem vorstellen, dass sie (fast) genau so real passieren kann.“ Krimimimi

„Von den tatsächlichen Ereignissen beim Schreiben überholt, zeigt der US-Amerikaner einmal mehr, wie nahe er in seinen Büchern der Wirklichkeit kommt. Packend spiegelt ,Die Attentäterin‘ die komplexen Welten von Geheimdiensten, Spionen und einem global agierenden Terrornetzwerk wider und zeichnet sich dabei neben fundierter Recherche durch facettenreiche Figuren aus, die die Motive aller Charaktere nachvollziehbar machen.“ Krimi-Tipp

„Daniel Silva bestätigt seinen Ruf als einer der führenden Autoren von Agententhrillern. Die Seiten blättern sich, wie von selbst.“ – New York Journal of Books

„Ein literarisches Pulverfass“ – The Huffington Post