Schlagwort-Archive: Bücherkoffer 2021

Leila Slimani, Dann schlaf auch du

Diese schockierende und gleichzeitig zarte Erzählung spricht wichtige Themen an: die Konflikte die entstehen, wenn sich Familienleben und Karrieredenken nicht vertragen, die unbewusste Ausbeutung von Personen, das anonyme Leben in den großen Städten und die interkulturellen Probleme.

Leila Slimani, in Rabat zu Beginn der 1980 Jahre geboren, lebt in Frankreich und hat wichtige Preise gewonnen. Sie ist die Stimme einer ganzen Gesellschaftsgruppe. Dieses ist ihr zweites Buch, immer eine Herausforderung für einen Schriftsteller.

Louise arbeitet als Kindermädchen für ein erfolgreiches Ehepaar mit zwei Kindern. Sie stammt aus prekären Verhältnissen und wohnt in einem Vorort von Paris, kulturell ganz weit weg vom 10. Arrondissement ihrer Arbeitgeber. Die strenge, fast sachliche Schreibweise, tangiert die latenten Probleme des Rassismus, der Unterdrückung, der Ungleichheit und des Erfolgsdrucks nur indirekt. Die Autorin versucht nicht, ihre Protagonisten in ein bestimmtes Licht zu rücken oder zu verurteilen, sondern überlässt dies dem Leser. Das Buch endet schlecht, aber das wird bereits auf der ersten Seite klar.

Was mir gefallen hat:

Die Intensität der Erzählung, obwohl das Ende schon nach wenigen Zeilen bekannt ist, und die sachliche Schreibweise, die dem Leser überlässt, sich auf das Thema gefühlsmäßig einzulassen.

Was andere dazu meinen:

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Sie ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich Louise zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.
(Amazon)

Kazuo Ishiguro, Alles, was wir geben mussten

Kazuo Ishiguro ist Engländer, auch wenn seine Vorfahren aus Japan stammen und er selbst in Nagasaki geboren wurde. Neben „Was vom Tage übrig bleibt“ hat er andere hervorragende Bücher geschrieben. In Alles, was wir geben mussten, geht es um das Klonen, und auch um die zentrale Frage, ob geklonte Menschen eine eigene Seele haben. In dieser Erzählung werden Kinder in Internaten aufgezogen, um sie später als Organspender zu benutzen. Das Buch beschreibt das Leben von drei Kindern, Kathy, die in erster Person erzählt, Ruth und Tommy. Alle drei sind in Hailsham in Südengland aufgewachsen. Nach einer gewissen Zeit kommen sie in andere Einrichtungen, wo sie als Betreuer arbeiten können oder als Spender „geschlachtet“ werden.

Was andere dazu meinen:

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen.
(Medimops)

Einen „Klonroman“ hat Kazuo Ishiguro geschrieben – das klingt nach Kälte, nach Technik. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, beteuert Harry Nutt. Bei „Alles, was wir geben mussten“ handele es sich um ein sehr bewegendes Buch, das trotz seines Etiketts kein üblicher Zukunftsroman sei. Zwar handele das Buch von wissenschaftlichen tödlichen Experimenten, vom Klonen und Organspenden, aber es fehle ihm am Ende die „dramatische Zuspitzung“, die finale paranoide Weltverschwörung, meint Nutt. Insofern sei „Alles, was wir geben mussten“ ein Gegenentwurf zu so düsteren Science Fiction-Romanen wie Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“. Ishiguro liefere keinen Gesellschaftsentwurf ex negativo. Da gebe es keine totalitäre Instanz, die moralisch dingfest zu machen sei; es gebe auch keine Rebellion auf Seiten der Opfer, so der Rezensent, die allerdings schon einen gewissen Leidensdruck verspürten. Ihnen – genauer gesagt drei Heranwachsenden, die als Organspender gezüchtet und aufgezogen werden, um dann „alles zu geben“ – gelte die ganze Sympathie des Autors. Auf seltsame Weise sei der Roman zugleich eine moderne Variante oder schwarze Parodie des britischen Genres des Internatsromans. Und im Internatsalltag sieht Nutt dann auch vom Autor eine „menschliche Zartheit“ bewahrt, die das Buch für ihn ungemein anrührend macht.
(Perlentaucher)

Tania Blixen, Babettes Fest

Viele kennen den Film, der auf diese Erzählung basiert. Das Buch ist aber noch besser. Tania Blixen, eins der pseudonyme, die Karen Blixen benutzte (auch bekannt als Isak Denisen), beschreibt in diesem kurzer Erzählung die Geschichte eines freikirchlichen Pfarrers und seiner zwei Töchter, Martina und Philippa.

Die zwei jungen Frauen leben mit ihrem charismatischen Vater in einer kleinen Ortschaft an der Küste. Sie widmen ihr Leben dem Dienst an der Gemeinde und der Unterstützung des Werkes ihres Vaters, was sie nach dessen Tod fortsetzen. So verzichten sie auf die Gründung einer Familie und auf eine vielversprechende Karriere als Sängerin. Eines Tages taucht im Dorf eine Frau auf, die auf der Flucht von den Wirren einer Revolte in Frankreich flieht. Sie beginnt, als Köchin und Haushaltshilfe zu arbeiten und bringt eine Sicht mit, die die puritanischen Schwestern nicht kennen.

Was andere dazu meinen:

Bescheidenheit, Lebensernst und Askese bestimmten den Alltag im streng pietistischen Haushalt der Schwestern Philippa und Martine. Da lädt ihre Magd, die ehemalige Starköchin Babette, zu einem französischen Diner – und beweist auf überraschende Weise, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Tania Blixens (1885-1962) lukullisches Märchen feiert den Zauber gemeinsamer Tafelfreuden.
(Medimops)

Tania Blixens Geschichten sind Perlen moderner Erzählkunst
Jahrelang hat Babette in der Lotterie gespielt, bis ihr eines Tages das Glück hold ist. Mit dem Gewinn richtet die Meisterköchin in dem abgelegenen norwegischen Dorf ein Festmahl aus, dessen lukullische Verführungskunst die Gäste für ein paar Stunden in den Himmel erhebt. Mit der anrührenden Erzählung »Babettes Fest« ist Tania Blixen ein literarisches Glanzstück gelungen, das ihren Ruf als große Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts mitbegründet. In diesem Band sind alle fünf »Schicksalsanekdoten«, wie die Autorin den Band betitelte, versammelt. Sie bezeugen, dass Blixens Texte, ihre Lebensthemen und Stoffe, das Exotische, das Märchen- und Legendenhafte dank der bildkräftigen Beschreibungskunst heute noch so lebendig sind wie eh und je.
(Lovelybooks)

Alina Bronsky, Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky ist eigentlich Russin, lebt aber seit ihrer Jugend in Deutschland, wo sie als Journalistin und Texterin arbeitet. Diese Erzählung, als Jugendbuch geschrieben, ist sehr angenehm zu lesen. Ein Mädchen entdeckt beim sonst langweiligen Literaturkurs, dass das gewählte Buch seine eigene Lebensgeschichte erzählt. Als sie das Ende liest, ist sie entsetzt und versucht, dieses zu ändern.

Die Idee des Buches ist sehr originell, und die Ausarbeitung angemessen für ein jüngeres Publikum.

Was andere dazu meinen:

Seit der ersten Klasse sind Kim und Petrowna beste Freundinnen. Petrowna fällt immer und überall auf, während Kim sich zurückhält. Doch das ändert sich schlagartig, als ihre Klasse zu einer Lesung geht. Fast niemand hört der Autorin zu, außer Kim – denn die Frau liest ihre Geschichte vor! Die Namen und ein paar Details stimmen nicht, aber der ganze Rest. Und ihre Geschichte geht nicht gut aus – zumindest nicht für Jasper, für den ein Wespenstich tödlich endet. Um das zu verhindern, stellt Kim ihr Leben völlig auf den Kopf

Nickolas Butler, Die Herzen der Männer

Nickolas Butler schreibt auch in diesem Buch vom „tiefen“ Amerika, weit von den großen Städten und dem Glamour. Es sind Geschichten von Familien, Freundschaften und harter Arbeit über vielen Jahren.

Nelson und Jonathan sind zwei Freunde und leben im Staat Wisconsin. Die Familie von Nelson hält wenig von ihm, weil er wenig Selbstbewusstsein hat. Die Geschichte erzählt uns von beiden Freunden und von ihrer Umgebung über viele Jahre. Ein deutscher Kritiker schrieb dazu: Nickolas Butler hat eine sehr warme Art, seine Geschichte zu erzählen… Wie ein alter Countrysong.

Was andere dazu meinen:

Über eine Zeitspanne von drei Generationen und ebenso vielen Kriegen erkundet dieser Roman die Herzen der Männer: ihre Schwächen und Geheimnisse, ihre Bedürfnisse und Werte. Damit legt Nickolas Butler nach »Shotgun Lovesongs« ein vielschichtiges und sensibles Epos über die Verletzungen, die Männer einander und anderen zufügen, vor.  

In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.

Pierre Lemaitre, Wir sehen uns dort oben

Pierre Lemaitre hat eine Trilogie über die Zeit zwischen beiden Weltkriegen in Frankreich geschrieben. Dieses Buch ist das erste von den drei Büchern und erzählt die Geschichte von zwei Überlebenden des Krieges, die beschließen, sich dem Dienst an das Vaterland nachträglich bezahlen zu lassen.

Albert und Édouard verbringen die letzten Tage des Krieges unter einem adligen Offizier Namens Pradelle, der seinen eigenen Vorteil sucht. Diese Haltung kostet den beiden Soldaten fast das Leben bzw. eine schlimme Entstellung des Gesichts. Als der Krieg zu Ende ist, suchen die beiden Überlebenden nach einer Möglichkeit, im korrupten Staat zu überleben.

Obwohl die beschriebenen Taten hart und teilweise brutal sind, behält Lemaitre einen gewissen Humor, sowohl in der Art, zu schreiben, als im Skurrilen Argument des Buches.

Was andere dazu meinen:

1919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich vorbei, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Soldaten, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Édouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Also schmieden sie einen verwegenen Plan, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davonkommen. Vor allem nicht Offizier Pradelle, jener Mann, durch dessen Machtgier Albert fast ums Leben gekommen wäre und der nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinner mutiert ist.
(Amazon)

Beinahe wäre Albert wegen der Machtgier von Leutnant Pradelle ums Leben gekommen. Doch in letzter Sekunde bewahrt Édouard ihn vor dem Tod. Albert fühlt sich seinem Retter verpflichtet und erfüllt ihm seinen größten Wunsch: eine falsche Identität. Pradelle durchschaut den Betrug und deckt sie, um sein hinterhältiges Manöver zu vertuschen. So werden die verfeindeten Männer zu Komplizen. Während Pradelle in den Nachkriegsjahren das große Geld mit der Umbettung von Toten macht, entwickeln Albert und Édouard ein illegales Geschäft mit Kriegsdevotionalien. Pierre Lemaitre entwirft das schillernde Panorama einer Gesellschaft, in der unablässig von Ruhm und Ehre die Rede ist und zugleich Profitgier und krumme Geschäfte vorherrschen.
(Der Tagesspiegel)

Philippe Lançon, Der Fetzen

Philippe Lançon war Redakteur der satirischen Zeitung Charlie Hebdo und war anwesend am 7. Januar 2015, als eine Gruppe von Terroristen das Gebäude stürmte und die meisten Journalisten erschoss.

Lançon beschreibt in diesem Buch seine kurzen Erinnerungen an den Anschlag selbst und seinen inneren Prozess während der langen Genesung. Das Buch ist sehr eindrucksvoll, auch wenn der Autor eigene Ansichten vertritt. Die ersten Teile sind besonders spannend, weil er die wenigen Sekunden des Attentats und die Versuche der Ärzte erzählt, ihm und den anderen das Leben zu retten. Danach kam eine lange zeit der Genesung, mit zahlreichen Operationen und Rehabilitation. Dieser Teil ist weniger intensiv, aber nicht unbedingt weniger interessant.

Ich finde das Zeugnis eindrucksvoll und aus diesem Gruß das Buch empfehlenswert. Auch die Frage des Verzeihens wird angesprochen, wobei der Autor keine religiösen Gründe angibt.

Was andere dazu meinen:

»Ich war einer von ihnen, aber ich war nicht tot.« Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo hat das Leben von Philippe Lançon unumkehrbar in zwei Hälften gespalten. In eindringlicher Prosa arbeitet Lançon das Erlebte auf und sucht seinen Weg zurück in ein Leben, das keine Normalität mehr kennt.

Als sich Philippe Lançon an einem Morgen im Januar spontan entscheidet, in der Redaktion von Charlie Hebdo vorbeizuschauen, gibt es kein Anzeichen dafür, dass sein Leben direkt auf eine Katastrophe zusteuert. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt er im Konferenzraum, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Philippe Lançon wird nicht als Gastdozent nach Princeton gehen, wie es geplant war. Er wird seine Querflöte verschenken, die er nicht mehr spielen kann. Und er wird lange Zeit keine Redaktion mehr betreten. Stattdessen wird er siebzehn Gesichtsoperationen erdulden und versuchen, seine Identität zu rekonstruieren. So, wie das Attentat Frankreich in ein Davor und ein Danach gespalten hat, hat es auch das Leben Philippe Lançons auseinandergerissen. In der fulminanten literarischen Verarbeitung seiner Traumata macht der Autor so eindrucksvoll wie behutsam sichtbar, wie Geist und Körper sich nach einer unsagbaren Erfahrung ihren Weg zurück ins Leben bahnen.

Das Buch gewann bereits folgende Preise:
Prix Femina
Prix Spécial Renaudot
Prix des Prix
Prix Roman News

Stimmen zum Buch:

»Ein unumstößliches, vollkommenes Meisterwerk.«
Frédéric Beigbeder, Le Figaro Magazine

»Sagenhaft ehrlich, unerhört intim, verstörend schön, todtraurig und tröstlich zugleich.«
Martina Meister, Welt am Sonntag

»Große Literatur«
Bernard Pivot, Le Journal du Dimanche

»Ein magistrales Journal der Trauer.«
Jean Birnbaum, Le Monde des Livres

»Ein reicher literarischer Bericht über eine unsagbare Erfahrung.«
Olivia de Lamberterie, Elle

»Ein seltenes Zeugnis, ebenso faszinierend wie schrecklich.«
Alexandra Schwartzbrod, Libération

»Eine unglaubliche Empfindsamkeit und Menschlichkeit.«
Philippe Labro, Le Point

Willian Melvin Kelley, Ein anderer Takt

Die nordamerikanische Literatur in der Mitte des XX Jahrhunderts beschäftigte sich oft mit dem Thema des Rassismus in den Südstaaten. So zum Beispiel die bekannten Romane von Harper Lee und Truman Capote, unter anderen. Diese Erzählung aus dem Jahre 1962 ist allerdings von einem Afroamerikaner geschrieben. Es geht mit leichter Feder und viel Humor um eine Geschichte um Farmern und um den plötzlichen Aufbruch aller farbigen Bewohner aus einem fiktiven Staat im Süden der Vereinigten Staaten im Jahr 1957.

Was andere dazu meinen:

Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes. William Melvin Kelleys wiederentdecktes Meisterwerk Ein anderer Takt ist eines der scharfsinnigsten Zeugnisse des bis heute andauernden Kampfs der Afroamerikaner für Gleichheit und Gerechtigkeit.

Fassungslos verfolgen die weißen Bewohner den Exodus. Was bringt Caliban dazu, Sutton von einem Tag auf den anderen zu verlassen? Wer wird jetzt die Felder bestellen? Wie sollen die Weißen reagieren? Aus ihrer Perspektive beschreibt Kelley die Auswirkungen des kollektiven Auszugs. Liberale Stimmen treffen auf rassistische Traditionalisten. Es scheint eine Frage der Zeit, bis sich das toxische Gemisch aus Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit entlädt. Mal mit beißendem Sarkasmus, mal mit überraschendem Mitgefühl erzählt hier ein schwarzer Autor vom weißen Amerika. Ein Roman von beunruhigender Aktualität.
(Amazon)