Diese schockierende und gleichzeitig zarte Erzählung spricht wichtige Themen an: die Konflikte die entstehen, wenn sich Familienleben und Karrieredenken nicht vertragen, die unbewusste Ausbeutung von Personen, das anonyme Leben in den großen Städten und die interkulturellen Probleme.
Leila Slimani, in Rabat zu Beginn der 1980 Jahre geboren, lebt in Frankreich und hat wichtige Preise gewonnen. Sie ist die Stimme einer ganzen Gesellschaftsgruppe. Dieses ist ihr zweites Buch, immer eine Herausforderung für einen Schriftsteller.
Louise arbeitet als Kindermädchen für ein erfolgreiches Ehepaar mit zwei Kindern. Sie stammt aus prekären Verhältnissen und wohnt in einem Vorort von Paris, kulturell ganz weit weg vom 10. Arrondissement ihrer Arbeitgeber. Die strenge, fast sachliche Schreibweise, tangiert die latenten Probleme des Rassismus, der Unterdrückung, der Ungleichheit und des Erfolgsdrucks nur indirekt. Die Autorin versucht nicht, ihre Protagonisten in ein bestimmtes Licht zu rücken oder zu verurteilen, sondern überlässt dies dem Leser. Das Buch endet schlecht, aber das wird bereits auf der ersten Seite klar.
Was mir gefallen hat:
Die Intensität der Erzählung, obwohl das Ende schon nach wenigen Zeilen bekannt ist, und die sachliche Schreibweise, die dem Leser überlässt, sich auf das Thema gefühlsmäßig einzulassen.
Was andere dazu meinen:
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?
Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Sie ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich Louise zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.
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