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Miguel Delibes, Frau in rot auf grauem Grund

Miguel Delibes ist einer der bedeutendsten spanischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Viele Jahre lang arbeitete er als Journalist für eine Provinzzeitung und schrieb Romane, die weit verbreitet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.
Dieses autobiografische Buch ist trotz der Identitätswechsel, die notwendig sind, um die Wirkung einer so direkten und traumatischen Geschichte abzuschwächen, einer der emblematischsten Romane von Delibes. Es verbindet eine direkte Sprache mit dem Monolog-Stil eines anderen seiner Werke, Cinco horas con Mario. Das Buch ist als Erzählung des Protagonisten an eine seiner Töchter konzipiert, die sich wegen ihrer politischen Aktivitäten während der Franco-Diktatur in Untersuchungshaft befindet.

Der Protagonist und Erzähler, ein Maler in einer Schaffenskrise, erlebt ein Familiendrama in einer schwierigen Zeit, kurz vor dem Tod Francos und mit einer Tochter, die wegen ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten verhaftet wurde und auf ihren Prozess wartet. Der Maler und seine Frau Ana kümmern sich auch um ihre Enkelin, die Tochter der Verhafteten. Die Erzählung folgt dem roten Faden der Geschichte seiner Frau, ihrer Rolle in der Familie und als Muse des Malers, mit einem radikalen Wendepunkt, als bei Ana ein gutartiger Gehirntumor diagnostiziert wird.

Der Stil von Delibes ist bekannt. Seine Nüchternheit, gepaart mit einer sorgfältigen und präzisen Sprache, ist sprichwörtlich. Und der allgemeine, betroffene und leicht pessimistische Ton ist typisch für die kastilische Eigenart. Der „graue Hintergrund“ des Gemäldes kontrastiert mit dem roten Kleid des Porträts, das von einem befreundeten Maler der Familie gemalt wurde. In dieser Hommage an seine Frau, die hier von Ana verkörpert wird, gesteht Delibes seine Unfähigkeit, ohne die Hilfe seiner Frau, von der er auf den Seiten des Buches ein psychologisches Bild entwirft, etwas zu schaffen, ja fast zu leben. Eine ausgezeichnete Erzählung.

Was andere dazu meinen:

Unbesiegbar scheint der Charme der Señora: Vom Hauskauf über die Planung von Ausstellungen bis zur Sorge für das Enkelkind meistert sie alles – eine temperamentvolle, warmherzige, kluge Frau, der alle Türen offenstehen. Doch plötzlich schwindet ihre Kraft, nicht aber ihr Lebensmut. Gegenüber ihrer Tochter Ana entwirft der Mann an ihrer Seite, der erfolgreiche Maler Nicolás, das Bildnis der »Frau in Rot«. Zugleich liegt jener Mann im Sterben, der das Leben der Familie jahrelang überschattet hat: der spanische Diktator Franco …Mit der Leichtigkeit des großen Erzählers – und nicht ohne Zweideutigkeit – schafft Miguel Delibes aus den schmerzgeborenen Erinnerungsfragmenten des Malers eine berührende, aber nie sentimentale Liebesgeschichte. (Dussmann)