Die Autorin dieses Buches, Juli Zeh (1974), studierte Rechtswissenschaften und arbeitete für die Vereinten Nationen und ein deutsches Landesverfassungsgericht. Als Schriftstellerin wurde sie mit bedeutenden deutschen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Über Menschen ist neben Unterleuten eines ihrer bekanntesten Bücher.
Dora ist 36 Jahre alt und lebt in Berlin, wo sie erfolgreich Werbetexte und -konzepte schreibt. Sie lebt mit Robert zusammen, einem Journalisten, dessen Ansichten in den letzten Jahren immer radikaler geworden sind, sowohl was den Klimawandel als auch die Covid-Pandemie betrifft. Irgendwann wird das Leben in ihrer Wohnung bei Lockdown und Homeoffice unerträglich, so dass Dora ein Haus in Bracken, einem kleinen Dorf am Rande von Brandenburg kauft, in das sie mit den Allernotwendigsten umzieht. Von dort aus will sie weiter arbeiten und mit ihrem Hund „Jochen“ in Ruhe leben. Ihre Versuche, in seinem Garten ein kleines Gemüsebeet anzulegen, zeigen ihr bald ihre Grenzen auf, und auch die Nachbarn sind anders als erwartet: ein schwules Paar, ein geschickter Handwerker, der ständig rassistische Witze macht und eine Schürze mit der Aufschrift „Serien Griller“ trägt, und Gote (kurz für Gottfried), der sich als „Dorfnazi“ vorstellt. Später taucht auch ein kleines Mädchen namens Franzi auf, und Dora wird von einem Tag auf den anderen arbeitslos.
Aber diese äußeren Faktoren sind nur die Bühne, auf der sich ein tiefgreifender Wandel in Doras Mentalität und Einstellung ereignet, als sie den Wert menschlicher Beziehungen wiederentdeckt, trotz aller Unterschiede und Schwierigkeiten, die sich aus der Stellung und dem Charakter der Menschen ergeben, mit denen sie in Kontakt kommt. Es ist ein langer und schmerzhafter Prozess, den die Autorin in einer sorgfältigen und angenehmen Sprache beschreibt. Ein ausgezeichneter Roman, der auch hilft, die deutsche Realität und vielleicht auch die menschliche Natur zu verstehen.
Die Meinung der anderen:
Juli Zehs neuer großer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart und den Menschen, die sie hervorbringt. Von ihren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten. Und von ihren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn sie sich trauen, Mensch zu sein. (Thalia)
