Archiv der Kategorie: Historische Romane

Julian Barnes, Der Lärm der Zeit

Der Lärm der Zeit (The noise of time auf Englisch) erzählt vier Episoden aus dem Leben des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch. Es sind die vier entscheidenden Ereignisse in seiner Beziehung zur „Macht“, spricht Stalin und dessen Nachfolger. Gespickt mit Originalzitaten von Schostakowitsch und seinem Umkreis, das Werk behandelt ohne Schonung das schwierige Leben eines Künstlers, der ganz gegen seinen eigenen Antrieb Musik in den Dienst der Politik stellt oder stellen muss. Sehr schönes Buch, ideal zum Lesen im Urlaub, ohne Eile. Man muss nicht unbedingt ein Musikkenner sein, aber die anspruchsvolle Musik Schostakowitschs hilft bei der Lektüre.

Was andere dazu meinen:

Julian Barnes‘ meisterhafter Roman über Dmitri Schostakowitsch

Im Mai 1937 wartet ein Mann jede Nacht neben dem Fahrstuhl seiner Leningrader Wohnung darauf, dass Stalins Schergen kommen und ihn abholen. Der Mann ist der Komponist Schostakowitsch, und er wartet am Lift, um seiner Familie den Anblick seiner Verhaftung zu ersparen.

Die Gunst der Mächtigen zu erlangen, hat zwei Seiten: Stalin, der sich plötzlich für seine Musik zu interessieren scheint, verlässt noch in der Pause die Aufführung seiner Oper »Lady Macbeth von Mzensk«. Fortan ist Schostakowitsch ein zum Abschuss freigegebener Mann. Durch Glück entgeht er der Säuberung, doch was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung, Diktatur und Kreativität zueinander, und ist es verwerflich, wenn man sich der Macht beugt, um künstlerisch arbeiten zu können?

Im neuen Roman von Julian Barnes wird das von Repressionen geprägte Leben von Schostakowitsch in meisterhafter Knappheit dargestellt – ein großartiger Künstlerroman, der die Frage der Integrität stellt und traurige Aktualität genießt.



Julian Barnes, Lebensstufen

Julian Barnes, geboren 1946, ist ein britischer Schriftsteller, der den Bookerpreis 2011 gewann für ein anderes Buch, das auch in dieser Sammlung enthalten ist, Vom Ende einer Geschichte. Nach der Meinung eines Kritikers, ist Julian Barnes der britische Schriftsteller, der „am französischsten“ schreibt. Er meinte es als Lob.

Dieses Buch hat drei Teile, die erst im Kopf des Lesers zu einer Einheit kommen. Im ersten Teil wird über die ersten Jahre der Ballonfahrt und der Fotografie berichtet. Der zweite Abschnitt handelt von den Versuchen von Colonel Fred Burnaby, die eigenwillige und extravagante Schauspielerin Sarah Bernhardt zu erobern. Und im dritten Teil, mit Einbeziehung der Vorerzählungen, lesen wir über Julian Barnes‘ eigene Trauer über den Tod seiner Frau. Ein wunderbares Buch über das Wagnis, zu leben und zu lieben.

Was andere dazu meinen:

»Ein außergewöhnlich intimes und ehrliches Buch über Liebe und Trauer« The Times

Julian Barnes‘ neues Buch handelt von Ballonfahrt, Fotografie, Liebe und Trauer. Davon, dass man zwei Menschen oder zwei Dinge verbindet und sie wieder auseinanderreißt. Einer der Juroren für den Man Booker Prize nannte Julian Barnes einen »beispiellosen Zauberer des Herzens«. Das vorliegende Buch bestätigt dies. Julian Barnes schreibt über die menschliche Existenz – auf der Erde und in der Luft. Wir lernen Nadar kennen, Pionier der Ballonfahrt und einer der ersten Fotografen, die Luftaufnahmen machten, sowie Colonel Fred Burnaby, der zum eigenwilligen Bewunderer der extravaganten Schauspielerin Sarah Bernhardt wird. Und wir lesen über Julian Barnes‘ eigene Trauer über den Tod seiner Frau – schonungslos offen, präzise und tief berührend. Ein Buch über das Wagnis zu lieben.

»Eines der besten, bewegendsten Bücher, die es gibt« Evening Standard

»Es ist außergewöhnlich, auf einer Seite auszudrücken, was Leben heißt.« The Guardian

»Jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat und leidet, oder jeder, der leidet, sollte es lesen. Und noch mal lesen. Und noch mal.« Independent

Susanna Tamaro, Draußen

Dieses Buch von Susanna Tamaro steht in der Linie von Antworte mir, das auch zu dieser Sammlung gehört, wobei das Zentralthema nicht das Böse oder die Suche nach Liebe ist, sondern die Migration. das Thema kann nicht aktueller sein.

Die vier Kurzerzählungen thematisieren die Migration als menschliches Problem. Die Protagonisten sind drei junge Frauen und ein Kind. Alle sind nach Italien aus fernen Ländern gekommen, stammen einer ganz anderen Kultur und sind kaum in der Lage, die Welt, die sie umgibt, zu verstehen. Die Absicht der Autorin ist klar, und sie versteckt sie kaum. Eine einfache und realistische Darstellung soll im Leser die Emphatie für diese Personen wecken.

Was andere dazu meinen:

„Das Glück war etwas, das man nicht beschreiben konnte, ein bisschen so, wie wenn man isst und das Essen im Bauch ankommt. Bald würde er es selbst erfahren, es in seinem Herzen fühlen.“ Wie der kleine Arik, der in drei Tagen zu seinen Adoptiveltern fährt, sind in Susanna Tamaros Buch alle Figuren voller Sehnsucht. Sie haben ihre Heimat verlassen, um in der Fremde Glück und Geborgenheit zu finden. Sie sind verletzlich und unsicher und auf die Fürsorge anderer angewiesen. Doch was sie erleben müssen, wird sie für immer zeichnen: Verrat, Vergewaltigung, Grausamkeit. Ein neues Buch im Ton von „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ – Geschichten von tiefer Menschlichkeit und großen Gefühlen.

Harper Lee, Geh und stell einen Wachmann

Als dieses Buch vor wenigen Jahren erschien, wurde es als vermutlich ursprüngliche Fassung des Bestsellers von Harper Lee „Wer die Nachtigal stört“ vorgestellt. Die erfolgreiche Erzählung, auf die der Film basiert, soll in Zusammenarbeit mit Truman Capote entstanden sein. Ob das tatsächlich so ist, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen.

Im Buch tauchen die Bekannten Figuren, wie Jean-Louise Finch und ihr Vater Atticus auf, und die kleine Stand Maycomb in den Süden der USA. Das Thema ist der Rassismus in einer Gesellschaft, die teilweise noch in einer Tradition lebt, die mehrere Hundert Jahre alt Geltung hatte. Die Konfrontation zwischen Jean-Louise, die inzwischen emanzipiert und aufgeklärt in New York lebt und ihrem Vater, der die Strukturen seines Ortes gut kennt, scheint unvermeidlich zu sein. Das Buch ist nicht so „rund“ wie die bekannte Fassung der amerikanischen Journalistin, aber empfehlenswert für alle, die Buch oder Film kennen.

Was andere dazu meinen:

»Ein psychologisches Meisterwerk über Rassentrennung, Zivilcourage und über das Erwachsenwerden« (Der Sonntag) – heute aktueller denn je.

Jedes Jahr reist Jean-Louise Finch aus dem mondänen, aufgeklärten New York zurück in ihre Heimatstadt Maycomb im Süden der USA, um den Sommer bei ihrer Familie zu verbringen. Doch diesmal ist etwas anders als sonst: In dem beschaulichen Städtchen breiten sich Rassenunruhen aus, und Jean-Louise wird fassungslos Zeugin, wie ihr Vater Atticus in der ersten Reihe steht. Die bewegende Geschichte einer Tochter, die sich von ihrem geliebten Vater emanzipieren muss, um zu sich selbst zu finden; ein Zeitdokument tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche und ein literarischer Fund, der seinesgleichen sucht – und viel zum Verständnis der heutigen USA beiträgt.
(medimops) 

Arturo Pérez-Reverte, Der Schlachtenmaler

Pérez-Reverte ist seit 30 Jahren einer der meist gelesenen Schriftsteller Spaniens. Davor war er als Journalist tätig, oft in Krisengebieten in der ganzen Welt. Viele seiner Werke beschäftigen sich mit den Kriegen, die Spanien im Laufe seiner Geschichte erlebt hat. Anders als seine sonstigen Werke, führt uns dieses Buch in das Innere eines qualifizierten Zeugen. Die Erzählung dokumentiert eindrucksvoll, wie diese Erfahrung für immer das Herz und den Geist verändert.

Ein ehemaliger Kriegsfotograf lebt einsam in einem Turm, an dessen Wänden er eine furchtbare Szene von Schlachten und Zerstörung malt. Eines Tages taucht ein Kroate auf, der ihm offen sein Anliegen mitteilt: er ist gekommen, um den Maler zu töten, als Rache für die unerwünschten Folgen dessen Arbeit als Fotografen. Ein etwas anders anti-Krieg-Buch, geschrieben mit der doppelten Erfahrung eines Zeitzeugen und Schriftstellers. Er ist gleichzeitig das personalste Buch Revertes.

Was andere dazu meinen:

Hochmodernes Thema: die literarische Aufarbeitung der Frage nach der individuellen Verantwortung in Kriegszeiten
Faulques, ein ehemaliger Kriegsfotograf, malt in einem alten Wehrturm an der Küste ein riesiges Schlachtengemälde. In diese Einsamkeit dringt eines Tages ein Besucher, der Kroate Markovic. Es stellt sich bald heraus, dass ihn ein Foto von Faulques vor vielen Jahren berühmt gemacht hat. Dieser Ruhm hat sich fürchterlich gegen ihn gewandt – und deswegen will er den Fotografen töten. Doch Faulques verwickelt den Mann in Gespräche über das Wesen des Krieges und begreift, dass er Schuld ganz anderer Art auf sich geladen hat.
Der spanische Bestsellerautor beschreibt mit psychologischem Gespür das Ringen zweier Männer um Gut und Böse.

Erich Maria Remarque, Der Funke Leben

Jeder kennt die Meistererzählung von Remarque Im Westen nichts Neues, aber nur wenige haben zwei andere Werke von diesem Autor, die eine Art Trilogie komplettieren. Der Weg zurück beschäftigt sich mit der Situation der Rückkehrer aus dem Ersten Weltkrieg die, sozusagen, von Helden zu Bettlern wurden. Der Funke Leben schildert das Leben in einem (fiktiven) Konzentrationslager in den letzten Monaten des Krieges. Neben den Aufsehern, den Kapos und den Truppen, die Protagonisten sind die Überle­benden einer Abteilung des erfundenen KZ, in dem nur die Insassen leben, die nicht arbeitsfähig sind.

Was andere dazu meinen:

Ein deutsches Konzentrationslager in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges. Nur ein Funke Leben trennt die Insassen noch vom Tod. Doch mit den immer näher rückenden Alliierten keimt in den letzten Überlebenden wieder Hoffnung auf …

Der Roman hat 25 Kapitel und erzählt die Geschichte von Insassen und Wächtern des „Kleinen Lagers“ des fiktiven Konzentrationslagers Mellern, wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.[1] Das Kleine Lager ist ein Teil des Konzentrationslagers, in das die arbeitsunfähigen Häftlinge eingewiesen werden. In den wiederkehrenden Bombardements der nahen Stadt sieht eine Gruppe langjähriger Häftlinge, die dort untergebracht sind, Anzeichen einer möglichen Befreiung und beginnt sich für diesen Fall zu organisieren und zunächst passiven, zum Schluss auch aktiven Widerstand zu leisten. Dieser beginnt zunächst mit dem Nichtbefolgen von Befehlen, dem Verstecken von anderen Häftlingen, um sie dem Zugriff der Wachen zu entziehen, dem Beschaffen von Waffen und mündet zum Schluss im bewaffneten Kampf zur Befreiung des Lagers. Dabei werden sowohl die unmenschlichen Bedingungen des Lagers, wie Erniedrigungen, Erschießungen, unhygienische Bedingungen und Hunger, als auch die aus kleinbürgerlichem Umfeld stammenden Täter dargestellt und porträtiert. Ein zusätzliches Element ist die Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Teil der Widerstandsgruppe und deren Zielen.
(Amazon)

Daniel Silva, Der Schläfer

Daniel Silva hat eine Spionage Saga um den Agenten Gabriel Allon geschrieben, Mitglied des israelischen Geheimdienstes mit dem besonderen Auftrag, die Feinde des Staates Israel zu bekämpfen. Im Roman war Allon bereits dabei bei der ersten Operation dieser Gruppe, die „Ausschaltung“ der palästinensischen Terroristen, die ein grausames Attentat während der olympischen Spiele in München 1972 verübten. Danach kamen immer neue Aufgaben, in denen Allon und seine Familie auch persönlich leiden mussten.

In dieser Erzählung ist Gabriel Allon nicht mehr im Dienst und lebt in Venedig, wo er Kunstwerke restauriert. Ein Attentat gegen die israelische Botschaft in Rom bringt ihn wieder auf die Bühne, zumal es Anzeichen gibt, dass die Attentäter auch auf Allon abgesehen haben. Daraus entwickelt sich eine wie gewohnt meisterhaft inszenierte Erzählung um Leben und Tod.

Was andere dazu meinen:

Der Anschlag auf die israelische Botschaft in Rom ist präzise und brutal. Schon bald sind die Selbstmordattentäter identifiziert. Aber wer ist der Kopf dieses kaltblütigen Unternehmens? Bei seinen riskanten Nachforschungen kommt der israelische Geheimagent Gabriel Allon einem Mythos auf die Spur: dem untergetauchten Chaled al-Chalifa, Sohn und Enkel berüchtigter palästinensischer Freiheitskämpfer. Allon entdeckt, dass der Top-Terrorist einen noch viel verheerenderen Coup plant und das Leben Hunderter Unschuldiger in Gefahr ist. Doch er kann ihn nur aufhalten, indem er sich in seine Hände begibt. Denn schon längst ist er selbst im Visier al-Chalifas, der dadurch die Spielregeln vorgibt und nun einen erpresserischen Trumpf in der Hand hat. (Amazon)

Parinoush Saniee, Was mir zusteht

Die Autorin dieses Buches kommt aus Iran und arbeitet dort als Journalistin und Soziologin. Sie wuchs in einer Akademikerfamilie auf und studierte Psychologie an der Universität in Teheran. Kurz vor Erlangung des Doktorats begannen die Unruhen, die zur Revolution führten. Nach einem längeren Aufenthalt in den USA kehrte sie einige Jahre später nach Teheran.

In diesem Buch erzählt sie das Leben einer ganzen Generation von Frauen, die die Revolution und die Umwandlung von Persien in einen islamisierten Staat erlebten, und die darum kämpften, ihre Rechte auf Erziehung und Selbstbestimmung geltend zu machen.

Was andere dazu meinen:

Eine Frau zwischen Unterwerfung und Aufbegehren – der immer wieder unterdrückte Bestseller aus dem Iran.

Bevor Was mir zusteht erscheinen konnte, lag das Manuskript monatelang bei den iranischen Zensurbehörden. Die Veröffentlichung 2003 schien ein Anzeichen politischer Liberalisierung. Der Roman wurde ein Bestseller. Doch immer wieder wurde versucht, den Nachdruck zu verhindern. 2010 fand das Buch seinen Weg in den Westen, gewann in Italien den „Premio Boccaccio“ und erscheint nun weltweit als ein literarisches Zeugnis aus einem Land, das unser Interesse verdient.

Masumeh wird in eine traditionelle persische Familie hineingeboren. Drei Brüder lassen der einzigen Tochter kaum Raum zur Entfaltung. Doch an Klugheit ist sie ihnen weit überlegen. Zielstrebig erkämpft sie sich eine Schulausbildung. Als sie sich in Said verliebt und der harmlose Flirt von ihren Brüdern als „intime“ Begegnung denunziert wird, gerät sie in Lebensgefahr. Sie wird mit Hamid zwangsverheiratet. Doch ihr Mann erweist sich als erstaunlich modern – er führt ein Doppelleben und arbeitet im Widerstand gegen das Schah-Regime. Nach seiner Verhaftung zieht Masumeh ihre Kinder alleine groß. Jahre später muss sie erleben, wie einer ihrer Söhne ein glühender Khomeini-Anhänger wird, während ein anderer ins Exil geht. Der Bruch, der die iranische Gesellschaft spaltet, zieht sich auch durch ihre Familie.

Colum McCann: Apeirogon

Ein Apeirogon ist ein regelmäßiges Vieleck mit einer unendlichen Anzahl von Seiten. Es wird so fälschlicherweise für einen Kreis gehalten, aber wenn man ihn analysiert, entdeckt man eine nahezu unendliche Anzahl von Facetten. Möglicherweise will der Autor die Schwierigkeit zum Ausdruck bringen, die politische, soziale, religiöse, wirtschaftliche usw. Situation, in der sich Israel und Palästina befinden, zu verstehen – und vor allem zu beurteilen.

Es handelt sich nicht wirklich um einen Roman, obwohl er Elemente der Fiktion enthält. Es handelt sich nicht um eine Dokumentation, obwohl sie objektive Fakten und die Meinungen der beiden Protagonisten und ihrer Familien enthält. Es ist kein Geschichts- oder Geographiebuch, obwohl es eine Fülle von Informationen und Kuriositäten über das, was in christlichen Kreisen als Heiliges Land bekannt ist, enthält. Es ist kein Unterhaltungsbuch, auch wenn die Lektüre zuweilen unterhaltsam, zuweilen aber auch tief dramatisch ist.

Wie alle großen Bücher, verstanden in beiden Bedeutungen des Wortes, Länge und Wertung, erfordert auch dieses, dass der Leser dem vom Autor vorgezeichneten Weg folgt. In diesem Fall geht es um zwei Personen. Ein Israeli, Rami Elhanan, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, der als Soldat an zwei Istael-Kriegen teilnahm und seine Tochter Smadar durch ein Selbstmordattentat dreier Palästinenser in der Fußgängerzone von Jerusalem verlor. Und ein Palästinenser, Bassam Aramin, der sieben Jahre wegen subversiver Aktivitäten im Gefängnis saß und der seine Tochter Abir durch ein Gummigeschoss verlor, das ein israelischer Soldat in der Pause ihrer Schule abfeuerte. Rami und Bassam freunden sich an und arbeiten bei verschiedenen Friedensinitiativen in ihren Ländern zusammen, reisen um die Welt und haben mit allen möglichen Schwierigkeiten und Missverständnissen zu kämpfen.

Neben der Geschichte der beiden Protagonisten, ihrer Freundschaft und den verschiedenen Situationen, die das tägliche Leben in Israel und Palästina ausmachen, enthält das Buch Kapitel über die Entdeckungen am Toten Meer, über die Fauna und Flora, über die Siedlungen, über militärische und polizeiliche Kontrollen und vieles mehr.

Ich halte es für ein sehr empfehlenswertes Buch.

Was andere dazu meinen:

Rami Elhanan und Bassam Aramin sind zwei Männer. Rami braucht fünfzehn Minuten für die Fahrt auf die West Bank. Bassam braucht für dieselbe Strecke anderthalb Stunden. Ramis Nummernschild ist gelb, Bassams grün.

Beide Männer sind Väter von Töchtern. Beide Töchter waren Zeichen erfüllter Liebe, bevor sie starben. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in der Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.

Ramis und Bassams Leben ist vollkommen symmetrisch. Ramis und Bassams Leben ist vollkommen asymmetrisch. Rami und Bassam sind Freunde.

Apeirogon: eine zweidimensionale geometrische Form mit einer gegen unendlich gehenden Zahl von Seiten.

Während „Apeirogon“ nach und nach seine nahezu unendlichen Seiten auffächert und die beiden Männer in seiner Mitte rahmt, entfaltet sich der Palästinakonflikt in seiner ganzen Historie und Komplexität. Dies ist Colum McCanns überwältigendes Meisterwerk – ein Roman, der das Unbeschreibliche sinnlich und sinnhaft erfahrbar, greifbar macht. Ein kaleidoskopischer Text stellt die zeitlose Frage: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.

(Amazon)

Pierre Lemaitre, Spiegel unseres Schmerzes

Mit diesem Buch schließt Lemaitre seine Trilogie über die Zeit zwischen beiden Weltkriegen in Frankreich, nach Wir sehen uns da oben und Die Farben des Feuers. April 1940, einige Monate nach Beginn des Krieges, schauen die Franzosen lieber Weg und verlassen sich auf ihre gigantischen Verteidigungslinien. Es dauert aber nicht lange, bis die Wehrmacht durch die Ardennen vorrückt und das Leben von Millionen von Parisern aus den Fugen gerät. Lemaitre beschreibt diese Zeit an der Hand von der Lehrerin Louise Belmont, und endet in der überstürzten Flucht in den Süden, eine Episode, die auch Gegenstand des Buches von Némirovsky in dieser Sammlung ist.

Was andere dazu meinen:

Das große Finale der Romantrilogie von Goncourt- Preisträger Pierre Lemaitre

Im April 1940 glaubt in Frankreich niemand mehr an den Krieg, weder die Soldaten in ihren Bunkern noch die Pariser in ihren Cafés, und erst recht nicht Lehrerin Louise Belmont. Fast wird es gemütlich – bis die deutsche Wehrmacht durch die Ardennen vorrückt und Louises Leben völlig aus den Fugen gerät. Pierre Lemaitre erweckt mit Louise Belmont eine außergewöhnliche Heldin zum Leben und erschafft ein unvergleichliches Panorama jener Zeit.

In Frankreich scheint die Zeit stillzustehen. Schon im September 1939 haben Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, doch seitdem: nichts. Während sich an der Maginotlinie die feindlichen Truppen gegenseitig belauern, geht für die Bewohner von Paris der Alltag weiter. Man sitzt im Café, plaudert und spekuliert über die Zukunft. So auch bei Monsieur Jules, dem Restaurant in Montmartre, in dem die Lehrerin Louise an den Wochenenden kellnert. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Louise wird mit einer unliebsamen Enthüllung konfrontiert, die ihr Leben auf den Kopf stellt, während der junge Soldat Gabriel mit den Konsequenzen einer überraschenden Beförderung zu kämpfen hat. Überrumpelt wird auch der Rest Frankreichs – und zwar von der deutschen Wehrmacht, die die Maginotlinie durchbrochen hat und Kurs auf Paris nimmt. Dann bricht Chaos aus, und nichts ist mehr so, wie es einmal war …

Stimmen zum Buch:»Lemaitres Romane zählen zum Besten, was man an unterhaltender Literatur in die Hände bekommen kann.« Lena Bopp, FAZ