Archiv der Kategorie: Sachbücher

Hervé Le Tellier, Die Anomalie

Dieser intelligente Roman wirft wissenschaftliche Fragen, ethische Probleme und eine gehörige Portion Intrige auf. Die Grundhandlung ist folgende: Ein Flugzeug der Air France gerät im Landeanflug auf New York in einen Sturm. Nach der Landung, bei der der Rumpf des Flugzeugs beschädigt wird, nehmen die 243 Passagiere und Besatzungsmitglieder ihr normales Leben wieder auf. Der Roman stellt einige von ihnen vor, vom Piloten und einem Auftragskiller bis zu einer Anwältin, einem Architekten und einem französischen Schriftsteller und Übersetzer. Etwa drei Monate später versucht dasselbe Flugzeug, mit derselben Besatzung und denselben Passagieren, in den JKF zu landen. Der Tower leitet die Maschine in Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden zu einem Militärflughafen in New Jersey um. Die Behörden, die hinzugezogenen Spezialisten und die Protagonisten selbst suchen nach einer Lösung für die verschiedenen Probleme, die auftauchen.

Die Art und Weise, wie der Autor, Schriftsteller, Redakteur, Mathematiker und renommierte Literaturkritiker die Handlung inszeniert, macht die Lektüre unterhaltsam, interessant und beunruhigend zugleich. Die Reaktionen der Protagonisten, die mit ihrem Namen und dem Zusatz „March“ oder „June“ bezeichnet werden, je nachdem, in welchem Monat sie an der Ostküste der Vereinigten Staaten gelandet sind, überschatten im zweiten Teil die theoretischen Ansätze über die Möglichkeit der vollständigen Verdoppelung eines Flugzeugs. Ich habe den Eindruck, dass der Roman mehr Lücken lässt als nötig und seine Intensität und Stringenz nicht durchgehend beibehält. Auf jeden Fall halte ich ihn für empfehlenswert.

Patrick Modiano, Dora Bruder

Diese Erzählung, die von vielen Kritikern als eines der besten Werke Modianos angesehen wird, ist eine Sammlung von Nachforschungen, Erinnerungen und Reflexionen des Autors über das kurze Leben eines jüdischen Mädchens namens Dora Bruder, die sich auf zwei Dokumente stützen: eine Zeitungsanzeige, in der um Hilfe bei der Suche nach einem 15-jährigen Mädchen gebeten wird, das Ende 1941 in Paris verschwunden ist, und eine Liste der Deportierten aus dem Konzentrationslager Drancy in das Vernichtungslager Auschwitz neun Monate später, auf der ihr Name zusammen mit dem ihres Vaters erscheint. Modianos dokumentarische Quellen sind Polizei- und Verwaltungsakten aus dieser dunklen Zeit, soweit sie verfügbar sind.

Er sammelte auch Informationen aus Interviews mit möglichen Zeugen. Aber die Erzählung stützt sich vor allem auf die Straßen der Pariser Viertel, in denen dieses junge Pariser Mädchen geboren wurde, lebte und nach Freiheit strebte, nur weil ihre Eltern Juden waren.

Was macht die Lektüre dieses kurzen Werkes so anziehend und fesselnd? Neben dem tragischen Schicksal der Protagonistin und vieler Millionen ihrer Zeitgenossen ist es wohl Modianos Erzählstil, der außerordentlich präzise und zugleich intim ist, indem er eigene und fremde Erinnerungen in einem einzigen Erzählstrang zusammenführt. Der Autor wurde im Juli 1945 geboren, kurz nach der deutschen Kapitulation, und doch projiziert er sich selbst in den Fluss der Erinnerungen und Erfahrungen seiner Figuren. Ich kann die Lektüre dieses kurzen Buches nur empfehlen.

Was die anderen dazu meinen:

„Mein Lieblingsbuch von Modiano: Dora Bruder. Die höchste Form der Vergangenheitsrekonstruktion mit einer unglaublichen Verbindung in die Pariser Topografie … Eine sehr anrührende Geschichte.“ Tilmann Krause, Deutschlandfunk, 21.09.15

„Modianos schönstes, bewegendstes Buch bleibt wohl ‚Dora Bruder‘, die Spurensuche nach einem in Auschwitz ermordeten jüdischen Mädchen, von dem der Autor zunächst nicht mehr hat als eine alte Zeitungsanzeige. Sechs Jahre lang hat er für dieses Werk recherchiert – und er schafft das Kunststück, aus einer todtraurigen Geschichte einen schwebenden Text zu machen.“ Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 12.10.14

Julian Barnes, Nichts, was man fürchten müsste

„Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse Ihn“. Mit diesen Worten macht sich der englische Schriftsteller daran, seine Gedanken über Gott, über den Glauben und über den Tod zu Papier zu bringen. Das Buch zeigt die etwas verspielte Auseinandersetzung eines aufrichtigen Intellektuellen mit seiner Auffassung von Leben und Tod.

Sehr britisch, sehr ironisch und sehr intelligent geschrieben, verliert in der deutschen Übersetzung nichts von seiner Originalität.

Was andere dazu meinen:

„Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?“, fragt nüchtern Julian Barnes‘ Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: „Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran.“ Und so erzählt er die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes. Seine wahren Angehörigen sind für den Autor jedoch Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Brillant, geistreich und witzig wie immer, setzt sich Julian Barnes mit einem Thema auseinander, das jeden ein Leben lang betrifft.

Albert Camus, Der erste Mensch

Der Autor braucht wohl nicht vorgestellt zu werden. Interessant ist allerdings die Entstehung dieses unvollendeten Buches. Das Manuskript lag im Auto des französischen Schriftstellers, als er in einem Verkehrsunfall starb. Seine Familie behielt diese Seiten über viele Jahre, bevor sie sie zur Veröffentlichung freigab. Stark autobiografisch, zeigt Aspekte des Lebens von Camus, die als Schlüssel für seine Werke zu betrachten sind. Sehr lesenswert, um gewisse Vorurteile über die Denkweise dieses Philosophen und Schriftstellers zu korrigieren.

Was andere dazu denken:

Gespiegelt in der Figur Jacques Comery erzählt Camus von seiner Kindheit, die er mit seiner fast tauben, analphabetischen Mutter und einer dominanten Großmutter im Armenviertel Algiers verbringt. Auf der Suche nach einer Vaterfigur beginnt er, über die eigene Herkunft zu reflektieren.
[Das handgeschriebene Manuskript wurde bei dem tödlichen Autounfall Camus‘ in seiner Mappe gefunden. Es erscheint hier, ohne dass an dem unkorrigierten Fragment Änderungen vorgenommen wurden.]

«Inszeniert wie ein Roman, enthält eine bewegende Autobiographie der algerischen Kindheit Albert Camus“: das intimste Selbstzeugnis, dass der diskrete und scheue Autor hinterlassen hat.» (Der Spiegel

Pierre Lemaitre, Wir sehen uns dort oben

Pierre Lemaitre hat eine Trilogie über die Zeit zwischen beiden Weltkriegen in Frankreich geschrieben. Dieses Buch ist das erste von den drei Büchern und erzählt die Geschichte von zwei Überlebenden des Krieges, die beschließen, sich dem Dienst an das Vaterland nachträglich bezahlen zu lassen.

Albert und Édouard verbringen die letzten Tage des Krieges unter einem adligen Offizier Namens Pradelle, der seinen eigenen Vorteil sucht. Diese Haltung kostet den beiden Soldaten fast das Leben bzw. eine schlimme Entstellung des Gesichts. Als der Krieg zu Ende ist, suchen die beiden Überlebenden nach einer Möglichkeit, im korrupten Staat zu überleben.

Obwohl die beschriebenen Taten hart und teilweise brutal sind, behält Lemaitre einen gewissen Humor, sowohl in der Art, zu schreiben, als im Skurrilen Argument des Buches.

Was andere dazu meinen:

1919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich vorbei, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Soldaten, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Édouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Also schmieden sie einen verwegenen Plan, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davonkommen. Vor allem nicht Offizier Pradelle, jener Mann, durch dessen Machtgier Albert fast ums Leben gekommen wäre und der nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinner mutiert ist.
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Beinahe wäre Albert wegen der Machtgier von Leutnant Pradelle ums Leben gekommen. Doch in letzter Sekunde bewahrt Édouard ihn vor dem Tod. Albert fühlt sich seinem Retter verpflichtet und erfüllt ihm seinen größten Wunsch: eine falsche Identität. Pradelle durchschaut den Betrug und deckt sie, um sein hinterhältiges Manöver zu vertuschen. So werden die verfeindeten Männer zu Komplizen. Während Pradelle in den Nachkriegsjahren das große Geld mit der Umbettung von Toten macht, entwickeln Albert und Édouard ein illegales Geschäft mit Kriegsdevotionalien. Pierre Lemaitre entwirft das schillernde Panorama einer Gesellschaft, in der unablässig von Ruhm und Ehre die Rede ist und zugleich Profitgier und krumme Geschäfte vorherrschen.
(Der Tagesspiegel)

Philippe Lançon, Der Fetzen

Philippe Lançon war Redakteur der satirischen Zeitung Charlie Hebdo und war anwesend am 7. Januar 2015, als eine Gruppe von Terroristen das Gebäude stürmte und die meisten Journalisten erschoss.

Lançon beschreibt in diesem Buch seine kurzen Erinnerungen an den Anschlag selbst und seinen inneren Prozess während der langen Genesung. Das Buch ist sehr eindrucksvoll, auch wenn der Autor eigene Ansichten vertritt. Die ersten Teile sind besonders spannend, weil er die wenigen Sekunden des Attentats und die Versuche der Ärzte erzählt, ihm und den anderen das Leben zu retten. Danach kam eine lange zeit der Genesung, mit zahlreichen Operationen und Rehabilitation. Dieser Teil ist weniger intensiv, aber nicht unbedingt weniger interessant.

Ich finde das Zeugnis eindrucksvoll und aus diesem Gruß das Buch empfehlenswert. Auch die Frage des Verzeihens wird angesprochen, wobei der Autor keine religiösen Gründe angibt.

Was andere dazu meinen:

»Ich war einer von ihnen, aber ich war nicht tot.« Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo hat das Leben von Philippe Lançon unumkehrbar in zwei Hälften gespalten. In eindringlicher Prosa arbeitet Lançon das Erlebte auf und sucht seinen Weg zurück in ein Leben, das keine Normalität mehr kennt.

Als sich Philippe Lançon an einem Morgen im Januar spontan entscheidet, in der Redaktion von Charlie Hebdo vorbeizuschauen, gibt es kein Anzeichen dafür, dass sein Leben direkt auf eine Katastrophe zusteuert. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt er im Konferenzraum, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Philippe Lançon wird nicht als Gastdozent nach Princeton gehen, wie es geplant war. Er wird seine Querflöte verschenken, die er nicht mehr spielen kann. Und er wird lange Zeit keine Redaktion mehr betreten. Stattdessen wird er siebzehn Gesichtsoperationen erdulden und versuchen, seine Identität zu rekonstruieren. So, wie das Attentat Frankreich in ein Davor und ein Danach gespalten hat, hat es auch das Leben Philippe Lançons auseinandergerissen. In der fulminanten literarischen Verarbeitung seiner Traumata macht der Autor so eindrucksvoll wie behutsam sichtbar, wie Geist und Körper sich nach einer unsagbaren Erfahrung ihren Weg zurück ins Leben bahnen.

Das Buch gewann bereits folgende Preise:
Prix Femina
Prix Spécial Renaudot
Prix des Prix
Prix Roman News

Stimmen zum Buch:

»Ein unumstößliches, vollkommenes Meisterwerk.«
Frédéric Beigbeder, Le Figaro Magazine

»Sagenhaft ehrlich, unerhört intim, verstörend schön, todtraurig und tröstlich zugleich.«
Martina Meister, Welt am Sonntag

»Große Literatur«
Bernard Pivot, Le Journal du Dimanche

»Ein magistrales Journal der Trauer.«
Jean Birnbaum, Le Monde des Livres

»Ein reicher literarischer Bericht über eine unsagbare Erfahrung.«
Olivia de Lamberterie, Elle

»Ein seltenes Zeugnis, ebenso faszinierend wie schrecklich.«
Alexandra Schwartzbrod, Libération

»Eine unglaubliche Empfindsamkeit und Menschlichkeit.«
Philippe Labro, Le Point

Dave Eggers, Weit gegangen

Das Buch beschreibt den Weg von Valentino Achak, der ihm vom Sudan, über Äthiopien und Kenia, in die Vereinigten Staaten führt. Eine Erzählung von Flucht, Hoffnung und Verzweiflung, wo jeden Tag neue Herausforderungen auf den Protagonisten kommen.

Mit viel Feingefühl und Respekt geschrieben. Empfehlenswert.

Was andere dazu meinen:

Mit sieben Jahren verliert Valentino alles, seine Familie, seine Freunde und seine Heimat, den Sudan. Er flieht mit Tausenden von anderen Kindern über Äthiopien nach Kenia, von wo aus er schließlich in die USA gelangt. Was Valentino dabei erlebt, ist kaum zu beschreiben. Umso erstaunlicher ist, mit wie viel Wärme, Zuversicht und sogar Humor er davon erzählt. Dave Eggers hat seine Geschichte in einem bewegenden Roman festgehalten.

Weit Gegangen ist ein Roman von Dave Eggers, und es ist die wahre Lebensgeschichte von Valentino Achak Deng. Die Geschichte eines Menschen, der bereits mit sieben Jahren auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat erlebt, wie die Jungen, mit denen er flieht, von Soldaten erschossen und von Löwen gerissen werden oder qualvoll sterben, weil sie nach Tagen ohne Essen und Trinken in der Wüste halbgares Elefantenfleisch gegessen haben.

Valentino und die »Lost Boys«, wie die sudanesischen Jungen auf der Flucht genannt werden, finden nach der Durchquerung Äthiopiens eine erste Zuflucht in den Flüchtlingslagern von Kenia. Von dort aus gelingt Valentino die Ausreise in die USA. Doch auch das Land der Freiheit und zahlreicher Verheißungen stellt Valentino vor unzählige neue Herausforderungen.

Inzwischen leben etwa zwei Millionen sudanesische Flüchtlinge in den USA. Weit Gegangen erzählt am Beispiel eines außergewöhnlichen Menschen auch ihre Geschichte – eine Geschichte über Kampfgeist und Zuversicht in einer Welt ohne Hoffnung.
(medimops)

David Mitchel, Die tausende Herbste des Jacob de Zoet

Das Buch beschreibt die Abenteuer eines holländischen Kaufmanns zu Begin des 19 Jahrhundert in Japan, damals ein völlig isoliertes Land. Jacob de Zoet kommt zur Insel Dejima, vor dem Hafen von Nagasaki, um versucht, von dort in das Innere Japans zu eindringen zu kommen. Mitchel beschreibt meisterhaft die Reisen des jungen Europäers und gibt Einblicke in das Japan der damaligen Zeit.

Was andere dazu meinen:

Ein junger holländischer Kaufmann kommt 1799 nach Dejima, dem einzigen europäischen Handelsposten im hermetisch abgeriegelten Japan. Auf der von Geschäftemachern und zwielichtigen Gestalten bevölkerten künstlichen Insel hofft er, sein Glück zu machen. Durch die Liebe zu einer Japanerin eröffnet sich Jacob de Zoet unversehens eine geheimnisvolle Welt und zeigt ihre Schönheiten. Doch das fremde Land hält auch Schrecken bereit, Verrat, Intrige und Mord …
(Amazon)

Martin Mosebach, Die 21

Im Jahre 2015 ermordeten IS-Terroristen in Lybien 21 Männer, allesamt Kopten. Martin Mosebach reiste nach Ägypten, um sich ein Bild über diese Männer zu machen, und fasst in diesem Buch seine Eindrücke zusammen.

Gekonnt beschreibt er seine Gespräche mit den Familien und die Begehung der Orte, an denen diese Märtyrer unserer Zeit lebten. Ein Buch, das Eindruck hinterlässt.

Was andere dazu meinen:

Im Frühjahr 2017 reiste Martin Mosebach nach Ägypten. Er besuchte im Dorf El-Or die Familien der 21 koptischen Männer, die zwei Jahre zuvor von IS-Terroristen an einem Strand in Libyen ermordet worden waren. Er saß in Empfangszimmern, durch die die Schwalben flogen, und machte sich ein Bild: von den Madonnenbildern und Jesus-Porträts an den Wänden, den grob geschreinerten Reliquienschränken, von einer Lebenswelt, in der alles die Spiegelung oder Erfüllung biblischer Vorgänge ist. Immer wieder wurde ihm, umgeben von Kindern, Ziegen, Kälbern, auf einem iPad das grausame Propagandavideo des IS vorgeführt; er staunte über den unbefangenen Umgang damit. Von Rache war nie die Rede, sondern vom Stolz, einen Martyrer in der Familie zu haben, einen Heiligen, der im Himmel ist. So erscheinen die 21 auf den neuen Ikonen gekrönt wie Könige.
Martin Mosebach hat ein Reisebuch geschrieben über seine Begegnung mit einer fremden Gesellschaft und einer Kirche, die den Glauben und die Liturgie der frühen Christenheit bewahrt hat – der «Kirche der Martyrer», in der das irdische Leben von der himmlischen Sphäre nur wie durch ein Eihäutchen geschieden ist. Er traf den Bischof und die koptischen Geistlichen der 21 Wanderarbeiter, besuchte ihre Kirchen und Klöster. In den Zeiten des Kampfes der Kulturen sind die Kopten als Minderheit im muslimischen Ägypten zu einem politischen Faktor geworden – und zu einer Art religiösen Gegengesellschaft. Damit ist dieses Buch auch ein Bericht aus dem Innenleben eines arabischen Landes zwischen biblischer Vergangenheit und den Einkaufszentren von Neu-Kairo.

Erich Maria Remarque, Der Funke Leben

Jeder kennt die Meistererzählung von Remarque Im Westen nichts Neues, aber nur wenige haben zwei andere Werke von diesem Autor, die eine Art Trilogie komplettieren. Der Weg zurück beschäftigt sich mit der Situation der Rückkehrer aus dem Ersten Weltkrieg die, sozusagen, von Helden zu Bettlern wurden. Der Funke Leben schildert das Leben in einem (fiktiven) Konzentrationslager in den letzten Monaten des Krieges. Neben den Aufsehern, den Kapos und den Truppen, die Protagonisten sind die Überle­benden einer Abteilung des erfundenen KZ, in dem nur die Insassen leben, die nicht arbeitsfähig sind.

Was andere dazu meinen:

Ein deutsches Konzentrationslager in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges. Nur ein Funke Leben trennt die Insassen noch vom Tod. Doch mit den immer näher rückenden Alliierten keimt in den letzten Überlebenden wieder Hoffnung auf …

Der Roman hat 25 Kapitel und erzählt die Geschichte von Insassen und Wächtern des „Kleinen Lagers“ des fiktiven Konzentrationslagers Mellern, wenige Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.[1] Das Kleine Lager ist ein Teil des Konzentrationslagers, in das die arbeitsunfähigen Häftlinge eingewiesen werden. In den wiederkehrenden Bombardements der nahen Stadt sieht eine Gruppe langjähriger Häftlinge, die dort untergebracht sind, Anzeichen einer möglichen Befreiung und beginnt sich für diesen Fall zu organisieren und zunächst passiven, zum Schluss auch aktiven Widerstand zu leisten. Dieser beginnt zunächst mit dem Nichtbefolgen von Befehlen, dem Verstecken von anderen Häftlingen, um sie dem Zugriff der Wachen zu entziehen, dem Beschaffen von Waffen und mündet zum Schluss im bewaffneten Kampf zur Befreiung des Lagers. Dabei werden sowohl die unmenschlichen Bedingungen des Lagers, wie Erniedrigungen, Erschießungen, unhygienische Bedingungen und Hunger, als auch die aus kleinbürgerlichem Umfeld stammenden Täter dargestellt und porträtiert. Ein zusätzliches Element ist die Auseinandersetzung mit dem kommunistischen Teil der Widerstandsgruppe und deren Zielen.
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